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Sonntag, 16. Oktober 2011

Afghanistan, Irak und Libyen: Würdige und unwürdige Opfer (Video)



John Pilgers Rede auf der Trafalgar Square-Demonstration am 8. Oktober 2011 zur Erinnerung an 10 Jahre Krieg.




In diesem Augenblick, wo wir hier stehen, bombardieren die Vereinigten Staaten, England und Frankreich eine Stadt in Libyen, Sirte genannt. Dort wohnen 100 000 Menschen. Tag und Nacht werden Wohnviertel, Kliniken, Schulen von Streubomben und Hellfire Raketen, die die Luft aus den Lungen saugen, getroffen.

Die Medien beziehen sich auf Sirte als die wahre Gaddafi-Hochburg. Die Reporter von Channel 4 in Libyen beschreiben die Angriffe als „den Kopf der Schlange abschneiden“. Für diese heroischen Journalisten gibt es zwei Arten von Humanität im Krieg: es gibt würdige und unwürdige Opfer. Die Menschen in Sirte sind unwürdige Opfer. Sie sind überflüssig. Im Irak waren die Menschen von Falluja auch unwürdige Opfer. Amerikanische Mariners haben dort mit Hilfe der Briten etwa 5000 Menschen getötet. Im vergangenen Jahr habe ich Ausschnitte über Falluja in einem Film benutzt. Es war schockierend. Wie Bilder aus Hiroshima. Der Film wurde nie gezeigt.
Wie Harold Pinter sagen würde … es ist nichts passiert. Es ist nicht passiert, auch wenn es passiert ist. Es spielt keine Rolle. Alles wurde in Falluja benutzt - Splitterbomben, Weißer Phosphor und nun gibt es massenweise Krebs in Falluja.
In Afghanistan habe ich eine Frau gefilmt auf einem Friedhof, wo ihr Mann lag und sieben weitere Mitglieder ihrer Familie, einschließlich sechs Kinder. Die Amerikaner hatten einer 500 Pfund-Bombe auf ihre Hütte aus Lehm und Stroh geworfen. Wir haben 10 Jahre solcher Verbrechen gehabt, die keine Rolle spielten.
Es ist an der Zeit, Rückschau zu halten. Aber ich beziehe mich nicht auf die Medien, wie etwa den Guardian, der schrieb, der Krieg in Afghanistan war "verständlich" und "einen kurzen Krieg zu führen, war unvermeidlich". Keine Silbe davon, dass Al Qaida bereits Afghanistan verlassen hatte, als der Krieg begann. Kein Wort davon, dass der Krieg in Afghanistan mit großer Sicherheit vor 9/11 geplant wurde, wie der pakistanische Außenminister später enthüllte. Auch die Rettung der Frauen war eine Lüge. Es ging nicht um die Frauen, sondern um Opium. Unerwähnt bleibt, dass die Taliban dem Handel mit Opium ein Ende gesetzt hatten. Heute sterben in England und anderswo junge Leute an Drogen, weil die Amerikaner den Warlords erlaubten, den Opiumanbau wieder zu beginnen.
Der Krieg in Afghanistan war ein Schwindel von Anfang an, genau wie der Angriff auf Irak ein Schwindel war und die Invasion von Libyen ein Schwindel ist. Frankreich hat im Tausch für seine Bombardements bereits ein Abkommen über Erdöllieferungen abgeschlossen. Und Cameron rühmt, dass Libyen das Modell ist für weitere "humanitäre Interventionen".
Eure Anwesenheit hier ist wichtig. Mit Millionen anderen Menschen in der Welt repräsentiert ihr Anstand, Vernunft und Empörung. Die Camerons, Obamas, Bushes repräsentieren den Extremismus. Sie sind die Feinde. Was kann extremer sein als das Abschlachten und das Leiden von so vielen Menschen? Von Ägypten bis Chile und bis hierher zum Trafalgar Platz gilt nur noch eins: ziviler Ungehorsam.

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