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Dienstag, 18. Juni 2013

Indonesier weigern sich, den Kampf gegen die Rohstoffindustrie aufzugeben

Übersetzung von Susanne Schuster

Man stelle sich vor, man kommt von der Schule heim, um sein Elternhaus von grauem Schlamm überflutet und sein Dorf für immer zerstört vorzufinden.
Proteste am Sidoarjo-Schlammvulkan
Genau dies ist Yora, einem jungen Mädchen aus dem Dorf Siring in Ostjava, Indonesien, und ihrem Vater Marsudiyono zugestoßen. Sie gehörten zu den zahlreichen Betroffenen des Ausbruchs des Schlammvulkans Sidoarjo, dem größten der Welt, der im Mai 2006 so viele Opfer forderte. Der Ausbruch wurde verursacht durch die Fracking-Aktivitäten von Lapindo Brantas, eine Firma, die von zwei großen indonesischen Unternehmen und der australischen Ölfirma Santos gegründet wurde, um die unter der Stadt Sidoarjo gelegenen Gasvorkommen zu fördern.

Yora erinnert sich genau an die schrecklichen Ereignisse in jenem Frühling, die ihren Vater zwangen, seinen Job in Bali aufzugeben und um eine Entschädigung für die Verluste seiner Familie zu kämpfen.

„Zu dem Zeitpunkt hörte ich nichts. Es stank, doch niemand von uns ahnte, dass Lapindo dafür die Ursache war … Eines Tages ging ich morgens in die Schule und als ich nach Hause kam, war mein Haus vom Schlamm überflutet. Nun habe ich viele meiner Freunde verloren, da alle dazu gezwungen waren, wegzuziehen.“

Yora und Marsudiyono
Yora und Marsudiyono
Sieben Jahre später zahlen Yora, Marsudiyono und die Bevölkerung der unter einer dicken Schlammschicht begrabenen 22 Dörfer immer noch den Preis für die Verantwortungslosigkeit der Rohstoffindustrie. Die meisten von ihnen warten immer noch auf eine Entschädigung – Marsudiyono hat nur 20 Prozent seines gesetzlichen Anspruchs erhalten.

Die Tragödie von Sidoarjo ist nur ein Beispiel von vielen dafür, wie die Förderung von fossilen Brennstoffen in ganz Indonesien Gemeinden zerstört. Ausländische Investitionen von Firmen wie dem in England registrierte Konzern BHP Billiton strömen in das Land, denn die Regierung hat mehr als 11 000 Konzessionen an Bergbaukonzerne vergeben für die Ausbeutung des Landes und unberührter Regenwälder, von denen die örtliche Bevölkerung abhängt.

Doch zwischen den zerstörten Häusern und der mondartigen Ödnis gibt es auch Hoffnung. Dort und an vielen anderen Orten in Indonesien wehren sich lokale Gemeinden gegen den Ansturm der Rohstofffirmen und weigern sich, den Kampf um Gerechtigkeit aufzugeben.

Indonesische Aktivisten haben den 29. Mai zum nationalen Anti-Bergbau-Tag erklärt. 2013 wurde ich vom indonesischen Anti-Bergbau-Netzwerk JATAM eingeladen, um zusammen mit der lokalen Bevölkerung von Sidoarjo den siebten Jahrestag des Vulkanausbruchs zu begehen.

Ich durfte einem Spektakel beiwohnen, das die Entschlossenheit der lokalen Bevölkerung demonstrierte, die Interessen der für die Tragödie verantwortlichen mächtigen ausländischen Konzerne und lokalen Geschäftsleute zu besiegen. Als wir am Rand des sich bis jenseits der Horizonts erstreckenden grauen Schlammsees standen, steckten die Protestierenden eine riesige Puppe des hinter Lapindo Brantas stehenden indonesischen Unternehmers Aburizal Bakrie in den Schlamm, während andere einen Grabstein aufstellten, um des Verlustes der Dörfer zu gedenken.
Trotz der sieben langen Jahre des Wartens hoffen Menschen wie Marsudiyono und Yora immer noch, dass sie sich durchsetzen werden. Doch solange die beteiligten Firmen und ihre ausländischen Geldgeber nicht zur Verantwortung gezogen werden, werden sich Katastrophen wie Sidoarjo wahrscheinlich wiederholen.

Die Förderung fossiler Brennstoffe verursacht Zerstörungen für Millionen Menschen in der ganzen Welt, die infolge der Verschmutzung und der Landnahmen, die diese Projekte unweigerlich nach sich ziehen, zwangsweise ihre Häuser und Lebensgrundlagen verlieren.

Viele dieser Firmen, die fossile Brennstoffe in Indonesien fördern, wie BHP Billiton und Bumi plc, sind an der Londoner Börse gelistet und werden von britischen Investoren, Banken und Rentenfonds finanziell stark unterstützt. Indonesien ist kein Einzelfall – die britische Finanzindustrie ist ein wichtiger Geldgeber für fossile Energieprojekte in der ganzen Welt. Um die von dieser Industrie angerichtete Zerstörung zu stoppen, müssen wir den Geldfluss an sie aufhalten.

Das London Mining Network veröffentlichte im vergangenen Jahr einen Bericht, der eine stärkere Regulierung fordert von Firmen, die an der Londoner Börse gelistet sind, um sicherzustellen, dass sie sich an soziale und Umweltstandards halten. Andere Organisationen, wie die World Development Movement, fordern, dass Banken zur Offenlegung des CO2-Fußabdrucks ihrer Investitionen in fossile Energiequellen verpflichtet werden.

Diese Maßnahmen, neben Desinvestitions-Kampagnen wie 350.org, sind ein erster Schritt dahingehend, den Geldfluss an Kohle-, Öl- und Gasförderungsprojekte in Indonesien und andernorts zu stoppen. Doch wir brauchen radikalere Aktionen und mehr Zusammenarbeit zwischen Aktivisten in Großbritannien und ihren Verbündeten im globalen Süden, um Gerechtigkeit für die Opfer des fossilen Brennstoffrausches zu erringen und letztlich die CO2-Investitionsorgie der Finanzindustrie zu stoppen.


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