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Dienstag, 16. Juni 2015

OSTEUROPA IM ÜBERBLICK 16



Die ruhigen Tage von Pridnestrowje 
Igor Kabardin
12.06.2015 

Aus dem Russischen: Thomas
Mitte der Woche hat der Präsident der Ukraine, Pjotr Poroschenko, das Abkommen über den Transit von Militärladungen Russlands nach Pridnestrowje endgültig zerrissen. Diese Entscheidung wurde nicht nur zum nächsten Schritt der Blockade, um die Republik weiter einzukreisen, sondern sie fügt sich auch vollkommen in die Logik der Vorbereitung auf den Krieg an den westlichen Grenzen des Landes ein. Für die einfache Blockade sind diese lauten Erklärungen im Allgemeinen nicht nötig, woraus man die Schlussfolgerung ziehen kann, dass eine etwas größere vorbereitet wird. Die Kämpfe bei Marinka auf dem Donbass haben eine sehr wichtige Sache vorgeführt. Den ukrainischen Kräften gelang es, dort eine verhältnismäßig feste Verteidigungslinie zu schaffen, die es der Landwehr äußerst erschwerte, ohne riesige Verluste durchzubrechen. Also kann Kiew an der Front auf dem Donbass jetzt weniger lebendige Kraft und Technik vorhalten, die damit für Handlungen in anderen Richtungen frei werden. Da es für den Sturm der Krim keine Möglichkeiten gibt, bleibt nur Pridnestrowje.

Zu ihrer Zeit teilten Russland, die Ukraine und auch Moldawien in der TVR (Transnistrische Volksrepublik) Pässe aus, so dass dort sehr viele Leute mit drei Staatsbürgerschaften prahlen können, und einige besonders clevere auch mit vier - die rumänische ist auch aktiv. Anlass für die formale Legitimierung des ukrainischen Einmarschs kann die Ausrede irgendeines «Bündnisses der ukrainischen Bürger Pridnestrowjes» (der Titel ist erfunden) werden, die plötzlich die Unterdrückung ihrer Rechte erklären werden. Es ist nicht wichtig, dass dieses "Bündnis" nur ein Paar Tage vorher entstanden ist und selbst wenn es nur aus drei Menschen besteht - die weltweiten Massenmedien werden es wie den Willen aller ukrainischen Bürger, die in der nicht anerkannten Republik leben, werten.
Moldawien wird nicht hinter der Lösung stehen aber das wird der Sache keinen Abbruch tun, die Zustimmung kann man im Prinzip auch hinterher bekommen.
Also, wir werden uns vorstellen, dass nach irgendeiner Provokation die ukrainischen Kräfte, zusammen mit den Moldawiern, oder ohne sie, die Grenze überschreiten und die TVR angreifen. Den Algorithmus der Handlungen des Kremls bei ähnlichen Umständen kennend, kann man ein bestimmtes Drehbuch vermuten. In den ersten Stunden nach dem Angriff auf die TVR ruft Russland den UNO-Sicherheitsrat zusammen. Die ausländischen Diplomaten werden sich in einem Saal zusammenfinden und dann ganz gemächlich beginnen, das Geschehende zu besprechen. Der Westen beschuldigt natürlich wie immer die Russische Föderation schuld daran zu sein, und im Endeffekt kommt eine nichtssagende Resolution zustande. Auf die Gespräche kann man von 10-15 Stunden bis zu Tagen warten (während den Kämpfern, die die TVR verteidigen, jede Minute teuer wird). Weil der heiße Wunsch Moskaus ist, nicht wie der Aggressor auszusehen, ist es so leicht sie zu zwingen, gerade einen solchen Weg zu gehen.

Parallel zu den diplomatischen Anstrengungen wird dem russischen Generalstab der Befehl gegeben werden, den Plan des militärischen Durchbruchs der Blockade zu erarbeiten - im Idealfall sollte ein solcher Plan schon längst fertig sein, aber wir leben in Russland, deshalb ist es nicht nötig, Illusionen zu nähren. Auf jeden Fall ist die Entwicklung eines solchen Planes nicht auf die Schnelle getan. Der Durchbruch der Blockade, wie schon von zahlreichen Experten bemerkt wurde, ist auf zwei Wegen möglich. Der erste ist - den Schlag vom Meer aus durch das Gebiet Odessa zu führen und so die nicht anerkannte Republik am schnellsten zu erreichen. Der zweite führt durch das ganze Territorium Noworossijas, ist deutlich langsamer, regelt aber gleichzeitig die Freigabe des Donbass und der Krim. Es ist jeder der beiden Wege und sogar eine Kombination aus beiden möglich.

Solange sich die Armee und die Flotte auf die Operation vorbereiten kann was Pridnestrowje noch früher zu Hilfe kommen? Richtig - die Jagdbomber und die Frontbomber. Wir erinnern uns an Südossetien, wo es ganz genauso war. Erinnern wir uns an den Krieg 2008 und nehmen dagegen die Ukrainer, die im Vorfeld neben Odessa S-300 und "Buk" entfaltet haben. Obwohl ich ein Mensch bin, der keine ausgeprägte Beziehung zur TLA (Truppenluftabwehr) hat, kann ich aber doch sagen, dass der Wert jener S-300, die in der Ukraine stehen, nicht besonders hoch ist. Die Komplexe solchen Alters beginnen, gottlob, zu schmieren, obwohl sie bei der hohen Konzentration natürlich fähig sind, einen Haufen Probleme zu schaffen. Deshalb werden sich die Luftwaffe und die Marineluftflotte der Russischen Föderation in erster Linie auf das Aufspürung und die Vernichtung solcher Komplexe konzentrieren und die Liquidation der Landstreitkräfte des Gegners später vorzunehmen. Insgesamt wird für die Vernichtung der TLA in der Region ein Zeitraum von einigen Stunden bis zu einigen Tagen vergehen. Es ist möglich, dass es auch länger dauert. Wenn man hierzu die Zeit hinzufügt, die auf die diplomatischen Manöver aufgewendet werden muss, so kann sich die Periode des auf Hilfewartens für die Truppen in Pridnestrowje bis auf völlig unzumutbare Zeiteinheiten hinziehen.

Es ist kompliziert voraus zu sagen, wie viel Zeit die Schiffe der Schwarzmeerflotte benötigen, um die Küste von Odessa zu erreichen, die Anlandung durchzuführen und darauf dann, beim Fehlen von Widerstand, Befestigungen vorzunehmen. Benötigen werden wir für diese Veranstaltungen von12-15 Stunden bis zu Tagen und ebensoviel noch mal für das Ausladen der Technik und das Formieren von Kolonnen für den Marsch nach Pridnestrowje. Insgesamt haben wir hier schon wieder mindestens Tage, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird es sogar noch länger dauern.

Im Endeffekt sehen wir, dass die Frist vom Beginn der Feindseligkeiten bis zur Ankunft der Hilfe mindestens auf 24 Stunden bemessen werden muss. Diese Zeit ist für Pridnestrowje sehr kritisch. Bei dem schlimmsten Drehbuch wird das Territorium der Republik zu der Zeit in Teile zerschnitten sein und okkupiert und die verteidigende Armee der TVR und der Friedensstifter wird noch einzelne Enklaven halten. Was in diesem Fall mit der friedlichen Bevölkerung in den besetzten Gebieten wird kann man sich gar nicht vorstellen.

Um die Reaktionszeit zu verringern, wäre es sinnvoll, dass alle Vorbereitungsarbeiten schon jetzt durchgeführt würden. Zum Beispiel könnte man die notwendige Anzahl der Schiffe (in erster Linie Landungsboote) von den Baltischen und Nordflotten auf die Basen Sewastopols und Noworossijsk überführen. Ein anderer wichtiger Punkt betrifft die Handlungen der Streitkräfte der Russischen Föderation unmittelbar nach dem Anfang des Kampfes in Pridnestrowje. Nichts kann doch Moskau davon abhalten, die Unterdrückung der TLA des Gegners schon zu befehlen, während noch die Sitzung des UNO-Sicherheitsrats stattfindet. Dabei kann man völlig berechtigt von einem vorhersehbaren Ergebnis ausgehen.

Natürlich, Chisinau, Kiew und die hinter ihnen stehenden Kräfte können militärisch keinen Blumentopf gewinnen, sie können nur hoffen, dass Tiraspol die Blockade nicht erträgt und selbst die weiße Fahne hißt. Aber die Belagerung kann sich dann auf unbestimmte Zeit ausdehnen und der Westen braucht das schnelle politische Ergebnis. Und ein solches Ergebnis wird nur in einer Weise, durch den Krieg - erreicht.
Invictus maneo!


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