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Montag, 28. November 2016

Risse in der anti-russischen Mauer der EU et al


Russische Post, Nr. 42
28. November 2016
Stefan Lindgren


Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

Risse in der anti-russischen Mauer der EU
Wie Stephen Cohen in der Zeitschrift Nation 23/11 betont, ist Europas Teilnahme an der US-anti-russischen Linie von 2012 und bis heute kompakter und extremer als während des Kalten Krieges.

Aber jetzt gibt es manche Zeichen für eine gewisse Ernüchterung, meint Cohen: „Nicht anti-russische Regierungen (nicht notwendigerweise „pro-russisch“) sind kürzlich in Moldawien, Bulgarien und Estland an die Macht gekommen und weitere können in einem Jahr dazukommen wie etwa in Österreich, Frankreich und woanders, vielleicht sogar in Deutschland.

Holland, Griechenland, Zypern, Italien und Spanien haben bereits auf unterschiedliche Weise ihre Unzufriedenheit mit den Sanktionen und dem sich hinziehenden Bürgerkrieg und Stellvertreterkrieg in der Ukraine zum Ausbruch gebracht. Und eine anti-russische Regierung, England, hat via Brexit Europa verlassen.“

Cohen betont auch, dass Obama seine anti-russische Linie gemäßigt hat, indem er die USA „ein unersättliches Land“ nannte und damit eingestand, dass es auch noch andere Länder gibt. Er hat auch seine Auffassung von Russland als einer „regionalen Macht“ , revidiert, indem er es als „militärische Supermacht“ einstufte. Jetzt ist Russland ein „Ein wichtiges Land … das Einfluss in der ganzen Welt hat. Und für uns liegt es in unserem Interesse, um viele große Probleme in der Welt zu lösen, mit Russland zusammenzuarbeiten.“
The Nation vom 23. November

Eine russenfreundliche Regierung in Estland

In Estland hat eine neue Regierung unter Jüri Ratas ihr Amt angetreten, die nicht ihre warmen Gefühle für Russland verbirgt. Estlands Präsident Kersti Kaljulaid hat die Zusammensetzung der neuen Regierung gebilligt, die vom Vorsitzenden der Zentrumspartei Jüri Ratas geleitet wird.

Die Regierung besteht aus Vertretern der Zentrumspartei „Vaterland und Republik“ (IRL) und der sozialdemokratisch Partei (SDE). Die Zentrumspartei von Jüri Ratas hat traditionell die Unterstützung der ethnischen Russen in Estland.

Die neue Regierung wird gute nachbarschaftliche Beziehungen zu Russland im wirtschaftlichen Bereich herstelllen. Im Koalitionsvertrag steht auch, dass man im Bereich der Kultur ebenfalls gute Beziehungen zu Russland herstellen möchte.

Die Regierung Ratas wird estischen Schulen die Möglichkei geben, russisch zu unterrichten. Es kann u. a. die Gymnasien in Tallinn und Narwa betreffen, die seit 2007 daran gehindert wurden, russisch zu unterrichten.

Putin über Fillon

Russlands Präsident Putin kommentierte in dieser Woche auf einer Pressekonferenz die französische Primärwahl. Er wurde um seine Einschätzung der beiden Hauptkandidaten gebeten, François Fillon und Alain Juppé, von denen Fillon gerade den ersten und nun auch den zweiten Durchgang gewonnen hat.

Wir heißen definitiv die Erklärungen beider Kandidaten willkommen bezüglich ihres Wunsches, die russisch-französichen Beziehungen wiederherzustellen,“ sagte Putin.Wir können uns darüber nur freuen. Unsererseits werden wir alles tun, um dies in unserer Arbeit mit Frankreichs jetziger und den kommenden Regierungen zu erleichtern.“

Bezüglich Fillon, der jetzt Sieger wurde, sagte Putin:


Herr Fillon ist meiner Meinung nach sehr anders als die meisten Politiker in der Welt, da er beim ersten Anblick etwas geschlossen gegenüber der Öffentlichkeit wirkt, aber auf seine europäische Art in des Wortes bester Bedeutung seiner Auffassung Geltung verschaffen kann. Das tut er sehr hart und konsequent. In dem Sinne ist er ein harter Verhandlungspartner. Ohne Zweifel ist er im höchsten Grad professionell.“
Newsru.com vom 22. November


5 Kommentare:

  1. Russland konnte langfristig gesehen, kurioserweise gerade d u r c h das, w e g e n des Russland-Bashings unter vielen kritischen Weltbürgern zuerst weit mehr Aufmerksamkeit erringen und danach verblüffte Hochachtung. Wenn man die russischen Staats- und Regierungs-Taten sachkundig konstatiert, bleibt nichts anderes übrig als großer Respekt. Sowohl wirtschaftlich, militärisch, als auch diplomatisch scheint dieses Riesenland mit seinen Energie- und Rohstoffvorkommen einer einheitlichen Strategie, gar einer Vision zu folgen. Ein monolithischer Block, gestärkt durch sehr anreizende "Sanktiönchen"! Was zu befürchten ist: Dieser gutmütige Bär ist im Kampf auf Leben und Tod, auf Selbstbestimmung oder Unterwerfung selbst gegen zuerst Scheinübermacht nicht zu besiegen. Aber in einer hinterhältigen "freundschaftlichen" Umarmung des Westens könnte er durchaus noch kollabieren. Lieber Gott, (welcher von den Vielen auch immer) bitte lasse also diese fruchtbaren Triebkräfte Bashing und Sanktionen noch auf ewig (und drei Tage zusätzlich) weiter wirken. Dann wird aus dem rechtzeitig erwachten Bärchen eine wieder komplette Weltmacht. Eine Euro-Asiatische vom Feinsten. Wäre der Bund Deutschland-Russland schon aus Sicht amerikanischer Thinktanks eine Riesengefahr für US-Großmannssucht gewesen, wird die absehbare Verschmelzung von Politik, Wirtschaft und Militär Russlands mit China ein weit, weit größeres, ein mehrfaches Potential freisetzen. Dank US-Sanktionen, dank deutsch-europäischer Mittrotterei/ Mittrottelei. Die Rolle Deutschlands? Die eines kleinen Schmiernippels am Bremsklotz der Triumph-Kutsche des russischen Europas mit China/Asien, des Russoeuropa-Asiens, Teil der multipolaren Weltmacht !!! Die könnte ja bei Bedarf dann immerhin noch Dichter und Denker aus Deutschland importieren. Leider jedoch, die jüngste deutsche Geschichte zeigt es, keine dichtend-denkenden Visionäre. Aber zumindest zuverlässige, dichtende, denkende Buchhalter . . .

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    1. Es ist nicht nur Mittrotterei der Deutschen (das haben die amerikanischen Wahlen gezeigt), sondern die Deutschen betreiben unter Merkel direkt eine Vorreiterrolle!

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  2. Ja, lieber KP, dieser Gedanke über das Russen-bashing ist interessant. Ich würde noch ergänzen: auch bei einem erheblichen Teil des einfachen Volkes, das aus Trotz reagiert, wenn "die GROßEN" ständig auf jemandem rumhacken. Und die "freundschaftliche Umarmung" fürchte ich auch, besonders beim guten Wladimir, der ja diesen Wurm für die westliche Kultur hat. Dabei ist die chinesische Kultur ein paar tausend Jahre älter und daher wesentlich "reifer" als unsere. Das zeigt sich schon darin, dass China 1000 Jahre niemanden überfallen und bestohlen hat und trotzdem an der Spitze der Technologie, Kunst und Kultur stand und - nach einer knapp 100-jährigen Unterbrechung durch westliche Barbarei - bald wieder dort stehen wird. Es ist ja wieder dieser Brzezinski gewesen, der die "freundschaftliche Umarmung" vorgeschlagen hat und das sollte doch jedermann misstrauisch machen. A propos chinesische Kultur kann ich nur Joseph Needham, the grand old man of Chinese Studies und sein Mammuth-Werk "Science and Zivilisation in China" (bislang 27 Quart-Bände) empfehlen. Es haut dich um zu sehen, was die Chinesen alles erfunden und erdacht haben.

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  3. Habe aus Versehen die Kommentar-Übersicht hier rechts rausgeworfen, habe jetzt aber das Widget wieder hineingelegt. Hoffe, es funktioniert.

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  4. Für Estland wünsche ich, dass endlich die russischen Nichtbürger zu BÜRGERN werden und dieselben Rechte genießen. Dass sie ihre Sprache benutzen dürfen und dass das Amtssprache wird.

    In Österreich gibt 2% autochtone Slowenen, die haben dieselben Rechte wie die deutschsprachige Mehrhet und nicht wie das Viertel der estischen Bevölkerung, das nicht einmal wählen darf.
    Österreichische Slowenen haben slowenische Schulen, sogar ein Gymnasium und eine Handelsakademie, man kann vor Gericht Slowenisch als Amtssprache verlangen, etc.

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