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Montag, 23. Oktober 2017

Neue Post aus Russland vom 23. Oktober 2017

Stefan Lindgren

Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

Hinter verschlossenen Türen in Sotschi

Valdais Diskussionsklub ist ein wiederkehrendes Forum für Diskussionen auf hohem Niveau zwischen russischen Führern und eingeladenen ausländischen Kollegen. Diesmal fand es in Sotschi statt. Gäste waren u. a. Afghanistans ex-Präsident Hamid Karzai; Forschungsdirektor des norwegischen Nobelinstituts Asle Toje; Vorstandsvorsitzender in der Alibaba Gruppe Jack Ma  sowie über 30 Experten aus 33 Ländern.

Russlands Präsident Putin meinte in seiner Rede, dass die Welt sich in einer Zeit von schnellen Veränderungen befinde. Dass Konkurrenz zwischen Ländern auftritt ist normal.  „Aber wenn Akteure anfangen, ihre eigenen Interessen um jeden Preis „voranzutreiben“ versuchen, dann wird die Balance gestört und schwere Konflikte entstehen.

Zwiste müssen auf zivilisierte Weise gelöst werden und Russland ist immer für so eine Herangehensweise gewesen. Wir sind fest überzeugt, dass selbst die komplexesten Knoten, ob es um die Krise in Syrien oder Libyen geht, um die koreanische Halbinsel oder sagen wir die Ukraine, aufgelöst werden können, statt sie abgeschlagen."

Die Mehrzahl der Diskussionen waren leider heimlich, da man sich entschloss, die sog. Chatham House Regeln anzuwenden, die den Teilnehmern Anonymität garantieren.

Valdaiclub.com 20/10


Das Kernwaffenabkommen liegt fest

Bei einer Anhörung im Valdaiclub sagte Präsident Putin auf die Frage über die russische Kernwaffenpolitik, dass Russland nicht daran denkt, von irgendwelchen geltenden Abkommen zurückzutreten.

Aber er versprach, dass Russlands Antwort „unmittelbar und symmetrisch“ sein wird, wenn Washington sich entschließt, von irgendeinem zurückzutreten.

Putin erinnerte an das Abkommen „Megatonnen gegen Megawatt“, was dazu führte, dass Russland 20 000 Tonnen angereichertes Uran in niedrigangereichertes Material umwandelte, das in amerikanischen AKWs angewandt werden konnte. Putin nannte das Abkommen das effektivste der Geschichte.
„Von russischer Seite zeigten wir eine unübertroffene Offenheit und Vertrauen“ und in den 1990-er Jahren konnten ca. 100 amerikanische Beamte unangemeldete Inspektionen von russischen kerntechnischen Anlagen durchführen.

„Was wir dafür bekamen ist gut bekannt – komplette Verachtung unserer nationalen Interessen, Unterstützung des Separatismus im Kaukasus, Umgehung des UN-Sicherheits-Rates, Bombardierung von Jugoslawien, Invasion des Irak usw. Die USA müssen gesehen haben, in welchem Zustand unsere Atomwaffen waren und entschlossen sich, auf das Völkerrecht zu pfeifen.“

Im vorigen Monat erklärte Russland, dass seine chemischen Waffen beseitigt worden sind, eine Neuigkeit, die man in den westlichen Medien beschloss zu verschweigen, laut Putin, während die USA ständig hinterherhinkt mit ihren Beseitigungen und jetzt plant sie, den Prozess frühestens im Jahr 2013 zu beenden.

„Wir zerstörten alles und dann sagten unsere amerikanische Partner. ‚Noch nicht, wir haben kein Geld.‘ Jaso, sie haben eine Dollarpresse, aber kein Geld. Aber wir andererseits sollen es haben?“ sagte Putin sarkastisch.

 
2002 trat die USA von dem ABM-Vertrag von 1972 zurück,
damit sie ihren Raketenschild bauen konnten. Russland gelang es nicht, die USA zu überzeugen, an ihren Verpflichtungen festzuhalten.

Jetzt hat Trump auch das Neue START-Abkommen von 2011 kritisiert, das innerhalb von 10 Jahren die Anzahl aktiver nuklearer Sprengsätze auf 1550 für jeden begrenzt werden soll. Russland gedenkt, sich an das Abkommen zu halten.

Das Abkommen, das am meisten in Gefahr ist, ist das INF Abkommen von 1987, das landbasierte Raketen mit 500 bis 5500 km Reichweite verbietet. Laut Putin bedient sich der Westen der Schlupflöcher im Abkommen, da es nicht Raketen mittlerer Reichweite reguliert, die von Flugzeugen oder Schiffen abgefeuert werden können.

Nichtsdestoweniger ist Russland bereit, es zu befolgen. Er warnte auch davor, dass der Wille von Ländern, Kernwaffen zu verbieten, davon abhängt, wieviele hocheffektive konventionelle Waffen sie entwickelt haben, „die fast ebenso viel Schaden anrichten können, aber mit viel größere Präzision.“

rt.com 20/10


Getreideernte liegt nahe am sowjetischen Rekord


Russland hat eine der größten Ernten in 100 Jahren eingefahren: 132 Millionen Tonnen Getreide, teilte der Premierminister Dmitri Medwedew am 19. Oktober mit. Diese Ziffer wurde nur 1970 mit 133 Mill. Tonnen übertroffen. Der Getreideexport wird vermutlich mit 25 % wachsen, doch ist der Weltmarktpreis um ca. 5 % gesunken. Man rechnet mit 20 Mrd. Dollar Einnahmen, mehr als der russische Waffenexport einbringt und ein Drittel des Erdöl-Exportes.

intellinews.com 20/10



Der Handel mit der EU und der Ukraine wächst

Der Handel zwischen Russland und der Ukraine wuchs mit 24.7 % in der Periode von Januar bis zum August d. J. , berichtet die Rossijskaja Gazeta. Der Umsatz betrug 7.7 Mrd. Dollar.
Russland ist gegenwärtig der größte Exporteur in die Ukraine (gefolgt von Deutschland und China) und steht für 9.9 % des Exportes des Landes.

Es zeigt sich also, dass russische Waren immer noch attraktiv sind im Vergleich mit den jetzt zollfreien Importen aus der EU. Für die ukrainischen Konsumenten, die einen großen Teil ihrer Realeinkommen verloren haben, sind die Waren aus der EU oft unerschwinglich.

Gleichzeitig wird ein Trendwechsel im Handel zwischen EU und Russland festgestellt. Eurostatdata der ersten sieben Monate d. J. zeigen, dass der Handel 2017 wahrscheinlich um 20% höher liegen wird.

2014, vor den Sanktionen, wurden im EU-Russland Handel 285 Mrd. Euro umgesetzt, der aber 2016 auf 181 Mrd. € sank. Die Sanktionen kosteten also die Länder 104 Mrd geringeres Handelsvolumen.

Der Rückgang traf in absoluten Zahlen vor allem Deutschland, Italien, Österreich und Litauen, während Österreich, Irland und Litauen den größten Verlust im Russlandexport verloren (51, 50 resp. 40 %). Luxemburg ist das einzige EU-Land, dass seinen Export in den Jahren 2014-16 steigern konnte.


Tass 19/10, euobserver 7/10




Risiko für ein neues Tschernobyl

Laut Analytikern von Energy Research & Social Science (ERSS) gibt es eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen „ernsten Unfall“ in einem der Kernkraftwerke der Ukraine vor dem Jahr 2020.

Das beruht sowohl auf der erhöhten Belastung  wegen der Schließung von vielen Wärme-Kraftwerken (deren Brennstoff Kohle aus dem Donbass war), aber auch wegen des ernsten physischen Verschleißes der sowjetisch gebauten Kraftwerke sowie der katastrophalen Unterfinanzierung dieser Industrie.

Würde so ein Ereignis eintreten, würde die EU nicht nur die potentiellen Umweltkonsequenzen erdulden müssen, sondern auch ein große Auswanderung von Ukrainern aus den verseuchten Gebieten.

Die Ukraine hat gegenwärtig vier funktionierende AKWs: Zaporizjia (das größte Europas mit sechs Reaktoren und einem kombinierten Effekt von 6000 MW), Rivne (vier Reaktoren und einem Gesamteffekt von 2800 MW), Chmelnitskij (zwei Reaktoren mit 2000 MW) und Sy-Ukraina (drei Reaktoren mit 3000 MW).

Die Tschernobylanlage mit ihren vier Reaktoren wurde endgültig im Jahr 2000 geschlossen.
Von den 15 Reaktoren, die in der Ukraine noch funktionieren, wurden 12 zur Sowjetzeit vor 1990 in Betrieb genommen. Sie sind alle nach dem klassischen Typ VVER-Kernreaktor gebaut, der in den 1960-er und 1970-er Jahren am Kurtjatow-Institut in Moskau entworfen wurden (eine Variante des Druckreaktors PWR). Diese Reaktoren dürfen eine maximale Lebensdauer von 30 Jahren haben.

Aber heute haben 10 von den 15 Reaktoren in der Ukraine ihre Lebenszeit bereits überschritten.

Im Sommer war die Stromproduktion in den Wärmekraft-Werken auf beinahe die Hälfte von 2013 gesunken mit gut 50 Mrd. kwh im Jahr.

Gleichzeitig ist die Kernkraftausnutzung von 65.5% der totalen Kapazität im vorigen Jahr auf 77.6% im Januar 2017 hochgeschraubt worden.

Die Situation wird noch verschlimmert, weil von den ukrainischen Energiebeamten erwartet wird, einen Ersatz für den Brennstoff vom russischen Unternehmen TVEL zu finden.

Daher haben sie in einigen Reaktoren mehrfache Versuche gemacht, stattdessen ein Produkt von dem US-japanischen Unternehmen Westinghouse Electric Company zu verwenden. Ähnliche Versuche wurden am tschechischen Temelin AKW gemacht (von der Sowjetunion gebaut), was u. a. zu einem großen Unglück führte und 2010 abgebrochen werden musste.

Trotz fehlgeschlagenen Versuchen 2005 haben die ukrainische Energoatom 2008 einen Vertrag mit einer schwedischen Tochter von Westinghouse unterschrieben, um amerikanischen Brennstoff für die Reaktoren in der Südukraine zu liefern für die Zeit von 2011 bis 2015. Aber schon 2012 stellte man Funktionsfehler fest. Infolgedessen führte die staatliche Kernkraftinspektion der Ukraine 2013 ein vollständiges Verbot für US-Brennstoffe ein.

Aber die ukrainische Führung befolgte das nicht, sondern machte weitere Experimente. US-Brennstoff wurde in den Reaktor 3 in AKW Sydukraina geladen (im März 2015), im Reaktor 5 in Zaporizjia (Juni 2016) und Reaktor 2 in Sydukraina (August 2017).

Die Konsequenzen zeigten sich schnell. Im Februar 2016 kam es zur Notabschaltung im Reaktor 3 des AKW Sydakraina. Am 23. März 2016 wurde es einen ganzen Tag vollständig abgestellt.

Das Zaporizjia AKW hat schon seit 2014 ein Dutzend Notabschaltungen erlebt. Im Mai 2015 veröffentlichte die Kontrollbehörde einen Report, dass 3000 ausgebrannte Brennelemente in einem Metallbehälter auf einem Hof außerhalb des Zaporizjia-AKWs gelagert werden. Offenbar waren das die russischen TVEL-Elemente, die schnell dort gelagert wurden, als sie mit den amerikanischen ersetzt wurden.

In den 25 Jahren seit dem Zusammenbruch der SU ist buchstäblich nicht eine Mark in die Kernkraft investiert worden. Energoatamo hat nicht einmal Geld, um die schlimmsten Werke abzustellen.

Die geschätzten Kosten für die Verlängerung der Lebensdauer eines einzigen Reaktors werden auf 150 – 180 Mill. Dollar veranschlagt. Aber weder Energoatamo noch die Ukraine-Regierung hat so viel Geld.

Aus zugänglichen Berichten zu schließen, werden regelmäßig den AKWs eine 10-Jahres-Verlängerung bewilligt ohne jede Prüfung.

Die internen Dokumente von Energoatamo, die in dieser Woche von Cyber-Berkut veröffentlicht wurden, geben ein ganz anderes Bild.

Cyber-Berkut hat geheime Dokumente von Behörden in Österreich, Rumänien, Moldavien, Weißrussland, Greenpeace und vom Bankwatch-Netzwerk nichtstaatlicher Organisationen veröffentlicht, die alle noch im Sommer in unterschiedlichem Grad ihrer Sorge und Empörung Ausdruck geben über die Pläne von Energoatamo, verlängerte Betriebszeiten für die alten ausgedienten Reaktoren zu bewilligen.


https://www.mondialisation.ca/preparez-vous-a-un-nouveau-tchernobyl-en-ukraine/5614156


Quelle - källa - source

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