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Samstag, 23. Januar 2021

Sein Kampf wird fortgesetzt

Mit Dank an die JW für diesen Nachruf, von dem ich leider fast nichts wusste.

Sein Kampf wird fortgesetzt

Zum Tod des bolivianischen Guerilleros und antikolonialen Anführers Felipe Quispe Huanca


Von Volker Hermsdorf

22. Januar 2021

Felipe Quispe Huanca

Mit Felipe Quispe Huanca, der oft als »indigener Che« bezeichnet wird, ist am Dienstag in Bolivien einer der einflussreichsten Anführer der antikolonialen Bewegung Lateinamerikas im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Als Chef der Indigenenbewegung Pachakuti (deutsch in etwa »Zeitenwende«) hatte er mit Streiks und Blockaden seiner Landarbeitergewerkschaft CSUTCB im vergangenen Jahr maßgeblich zur Beendigung der Diktatur beigetragen, die mit Unterstützung Washingtons nach dem Sturz von Präsident Evo Morales im November 2019 errichtet worden war. Morales, dessen Politik von dem – auch als »El Mallku« bekannt gewordenen – Exguerillero häufig als »reformistisch« kritisiert worden war, schrieb über ihn auf Twitter: »Sein Kampf war ein wichtiger Beitrag zur Befreiung der indigenen Völker.«

Im Jahr 1942 in der kleinen Ortschaft Ajllata am Ufer des Titicacasees als Sohn einer armen Bauernfamilie geboren, schlug Quispe Huanca sich zunächst als Landarbeiter durch und begann 1971 sich gewerkschaftlich zu organisieren. Nach Aufenthalten in Peru und Guatemala schloss er sich der marxistischen Autonomiebewegung »Ofensiva Roja de Ayullus Kataristas« an und gründete 1990 gemeinsam mit dem späteren Vizepräsidenten Álvaro García Linera die bewaffnete indigene Guerillabewegung »Ejército Guerrillero Túpac Katari«. 1992 wurde er gefangengenommen und wegen Umsturzbestrebungen für fünf Jahre in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt. Gegenüber der konservativen Journalistin Amalia Pando rechtfertigte Quispe Huanca seinen bewaffneten Kampf mit dem berühmt gewordenen Satz: »Ich möchte nicht, dass meine Tochter Ihr Hausmädchen ist.« Im Gefängnis holte der bei Haftantritt 50jährige sein Abitur nach, promovierte später als Historiker und dozierte an der Universität von El Alto.

Nach der Haftentlassung wurde er zum Generalsekretär der Landarbeitergewerkschaft CSUTCB gewählt, mit der er Aufstände organisierte, die zwischen 2000 und 2005 drei Regierungen zu Fall brachten und 2005 schließlich die Wahl von Morales möglich machten. Bei den Präsidentschaftswahlen in den Jahren 2002 und 2005 hatte Quispe ­Huanca selbst zwar erfolglos kandidiert, die Pachakuti-Bewegung gewann aber mehrere Sitze im Parlament. Trotz anfänglicher Unterstützung ging der Gewerkschafter später auf Distanz zu Morales sowie seinem früheren Kampfgefährten García Linera und deren Partei »Bewegung zum Sozialismus« (MAS), der er Reformismus vorwarf. Der Exguerillero bestand auf einer »rebellischen Klassenposition« und erklärte, dass der »Kampf nur durch Kämpfen gewonnen werden kann«.

Als Kommandeur der indigenen Organisation der »Roten Ponchos« organisierte er im vergangenen Jahr aus dieser Haltung heraus landesweite Aktionen gegen das Putschistenregime. Nach dem Wahlsieg der MAS und der Amtsübergabe an die neue Regierung unter Präsident Luis Arce und dessen Vize David Choquehuanca war »El Mallku« im Dezember 2020 von der linken indigenen »Jallalla-Gruppe« als Kandidat für das Amt des Gouverneurs in La Paz bei den Regionalwahlen am 7. März aufgestellt worden. Trotz seiner politischen Differenzen versicherte Arce am Mittwoch per Twitter: »Wir werden seinen Kampf für die Befreiung und Würde unseres Volkes fortsetzen.« Und Morales ergänzte: »El Mallku wird im antikolonialen Kampf Lateinamerikas weiterleben.«


Quelle - källa - source

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