Von Brigitte Queck und Hans-Jürgen Falkenhagen habe ich diesen Artikel erhalten und finde ihn sehr lesenswert, da das geschönte Geschichtsbild von Friedrich II. zurechtgerückt wird. Er hat gewiss wie alle Selbstherrscher nackte Aggressionen begangen. 1756 allerdings, schreiben die Autoren habe er, als ihm die eindeutigen Angriffspläne des Gegners in die Hände fielen, einen Präventivkrieg begonnen und damit den 3. Schlesischen Krieg eingeläutet. Da bin ich mir nicht sicher, ob das für diesen Fall gilt, bin allerdings nicht im internationalen Recht so zuhause, um es entscheiden zu können. Vielleicht kann es ein Leser tun.Hingegen ist sein Geschick bemerkenswert, wie er sich stets der Freundschaft Russlands vergewisserte. Das ist eine Politik, an der später dann Bismarck konsequent festhielt. Er war ein Krautjunker, gewiss, und konservativ und hatte die dynastischen Interessen 'seines' Königs im Auge, das ist richtig. Aber er war auch national. Dass er nicht auf das Angebot eines großdeutschen Bundes der Habsburger einging, ist m. E. leicht einsehbar. Österreich-Ungarn war ein multi-nationaler Staat, der den halben Balkan am Bein hatte. Wie hätte das in eine großdeutsche, nationale Lösung eingebaut werden sollen? Deswegen halte ich die Kritik, die dazumal von der Linken geübt wurde, für unangebracht.Leider wurde die Politik Bismarcks von dem tumben Wilhelm II. nicht fortgesetzt und so kam es, wie es kommen musste und wovor Bismarck immer gewarnt hatte: zwischen Frankreich und Russland zermahlen zu werden. Und die gleiche dämliche Politik wurde von der Sozialdemokratie, als sie nach dem Weltkrieg an die Macht kam, fortgesetzt. Wäre sie nicht durch ihren fanatischen Anti-Kommunismus völlig verblendet gewesen, hätte sie, über ideologische Grenzen hinweg, eine Allianz mit Russland schließen können, und hätte zu gegenseitigem Vorteil am Wiederaufbau und der Weiterentwichlung beider Länder beitragen können. Nebenbei wären dadurch sinnvolle Arbeitsplätze geschaffen worden und nicht für die Waffenindustrie, wie es die Nazis später taten. Stattdessen schloss sie sich trotz des Friedensabkommens von Brest-Littowsk der internationalen Allianz unter Führung der USA gegen das revolutionäre Russland an, die allerdings an allen Fronten geschlagen wurde. Und Hitler, der „größte Feldherr aller Zeiten“, wie er sich sah, beging dieselbe Idiotie ein drittes Mal: Krieg gegen Russland, Frankreich und England. Mit den bekannten Folgen.Und nun rasseln die USA wieder mit – ja, mit Raketen diesmal – und Deutschland an deren Rockzipfel mit dem Säbelchen. Wann hätten die „großen“ Führer der großen Nationen jemals aus der Geschichte gelernt?
Brigitte Queck
Hans-Jürgen Falkenhaben
am 24. Januar 2012
Friedrich II. (genannt
Friedrich der Große, auch der alte Fritz) dessen 300. Geburtstag am
24. Januar 2012 begangen wurde, gilt im 18. Jahrhundert als der
Begründer des Staates Preußen als Großmacht nach Russland,
Österreich, Frankreich und Großbritannien. Doch welchen Umständen
verdankt er diese Entwicklung, denn Preußens Aufstieg war nicht
allein das Verdienst des Preußenkönigs Friedrich II. Beachtlich
sind zwar seine Führungsqualitäten und organisatorischen Leistungen
auf dem Gebiet des Entwicklung des Gewerbes und der Manufakturen, der
Landwirtschaft, des Forstwesens, der Besiedlung des Landes, von
Wissenschaft, Kultur, Kunst und des Schulwesens, auch bei einer
Reform des Justizwesens. Hier erwies er sich durchaus seines
Wahlspruchs als würdig, „erster Diener seines Staates und Volkes“
sein zu wollen. Als aufgeklärter absolutistischer Monarch förderte
er die religiöse Toleranz und lockerte die Pressezensur. Von ihm
stammt dass geflügelte Wort „Jeder soll nach seiner Fasson selig
werden“. Er schaffte im Strafprozess die Folter ab, mit Ausnahme
bei Majestätsbeleidigung und Angriffen auf das Leben des Monarchen
sowie bei Vaterlandsverrat und schweren Mordanklagen. In der
Tradition der Kurfürsten von Brandenburg und seines Vaters, König
Friedrich Wilhelm I. stehend, baute er auch das Staatswesen weiter
aus. Staatwesen und Armee führte er mit eiserner Disziplin und
Härte. Sein gutes Image im Volke nahm aber mit zunehmendem Alter ab,
als er trotz seiner hohen Intelligenz und seiner Klugheit tyrannische
Züge entwickelte. Sein Ruf als der geniale, immer siegreiche
Feldherr und gerechte Herrscher kann aber durchaus mit Fug und Recht
relativiert und sogar in Frage gestellt werden, zumal viele
Darstellungen der Geschichte Preußens und speziell des
Siebenjährigen Krieges auf seinen von ihm selbst verfassten
Schriften beruhen. Friedrich II. blieb eben nur ein aufgeklärter
absolutistischer Herrscher, der zudem den Angriffskrieg nicht nur
praktizierte, sondern in seinen Schriften als Präventivkrieg im
Interesse des Staates auch begründete und guthieß.
Friedrich II. bestieg als
Hohenzollern-Monarch den Thron als Kurfürst von Brandenburg und
König in Preußen im Jahre 1740 im Alter von 28 Jahren. Sein Vater,
König Friedrich Wilhelm I. (auch der Soldatenkönig genannt), hatte
ihm eine bestens gedrillte und ausgebildete sowie modern bewaffnete
Armee hinterlassen. Noch im selben Jahr 1740 erteilte er den Befehl
zur Okkupation und Annektierung des zur Habsburger Monarchie
gehörenden Schlesien und löste damit den 1. Schlesischen Krieg aus.
Er nützte dabei die geopolitische Konstellation nach dem Tode des
habsburgischen römisch-deutschen Kaisers Karl VI. aus, der ohne
männlichen Erben geblieben war und dessen älteste Tochter Maria
Theresia gemäß den Bestimmungen der Pragmatischen Sanktion in Wien
die Nachfolge angetreten hatte. Ihr wurde aber der Titel einer
Kaiserin von zahlreichen anderen europäischen Dynastien streitig
gemacht, auch weil sie eine Frau war. Diese Umstände gaben
Friedrich II. den Vorwand zur Aggression. Er spekulierte darauf,
dafür in Europa Anerkennung zu finden.
Österreich konnte
Schlesien zunächst nicht verteidigen, auch weil andere Mächte wie
Frankreich an Österreich den Krieg erklärten und es europaweit zum
sogenannter ÖsterreichischenErbfolgekrieg kam. Im
Separatfrieden von Breslau ließ Friedrich II. sich 1742 den
preußischen Besitz Schlesiens anerkennen. Doch für Österreich
wendete sich das Blatt schon 1743. Zwar verlor das Haus Habsburg
zunächst den deutschen Kaisertitel an Karl Albrecht von Bayern,
aber die Truppen von Maria Theresia konnten mit englischer
Unterstützung wieder in die Offensive gehen. Friedrich II. trat
deswegen aus Furcht, Schlesien wieder zu verlieren, an der Seite der
Gegner Österreichs in den sogenannten 2. Schlesischen Krieg ein.
Diesmal griff Friedrich II. Böhmen an, scheiterte aber und musste
seine Truppen wieder nach Schlesien zurückführen. In mehreren
Verteidigungsschlachten gelang es ihm, Schlesien zu behaupten und im
Friedensvertrag von Dresden 1745 die erneute Garantie seiner
schlesischen Eroberungen zu erhalten.
Österreich schmiedete
inzwischen zusammen mit Kursachsen ein neues Militärbündnis gegen
Preußen. Es gelang ihnen in einem Geheimvertrag Russland sowie auch
Frankreich und Schweden zur Teilnahme zu gewinnen, indem man allen
territoriale Versprechungen zu Lasten Brandenburg-Preußens, auch
Kurhannovers machte. Auch Portugal schloss sich dieser Koalition an.
Friedrich II. konnte
mittels eines am Dresdner Hof eingeschleusten Spions in den Besitz
einer Abschrift dieses Geheimvertrages gelangen, der das gemeinsame
Losschlagen gegen Preußen für das Jahr 1757 vorsah. Friedrich
glaubte deswegen, seinen Gegnern durch einen Präventivkrieg
zuvorkommen zu können und befahl seiner Armee am 29. August 1756 den
Einmarsch in Kursachsen. Das sächsische Heer war zu schwach, um
ernsthaften Widerstand zu leisten. Nach der Kapitulation der
sächsischen Armee am 17. Oktober 1756 schien der Weg nach Böhmen
und Wien frei. Aber im Januar 1757 beschloss die Mehrheit der
Reichstände auf einem von Wien einberufenen Reichstag die sogenannte
Reichsexekution gegen den Preußenkönig, nur die Herzogtümer
Hannover (Kurhannover) und Braunschweig sowie das Fürstentum
Hessen-Kassel verbündeten sich an der Seite von Großbritannien mit
Preußen. Zunächst war Großbritannien-Hannover der einzige starke
Verbündete des Preußenkönigs, Großbritannien führte zu dieser
Zeit in Amerika und Indien sowie auf den Weltmeeren einen erbitterten
Kampf gegen Frankreich und erblickte im 3. Schlesischen Krieg eine
Möglichkeit des Eingreifens in Kontinentaleuropa. Frankreich glaubte
durch ein Bündnis gegen Preußen jetzt Großbritannien auf dem
europäischen Kontinent vor allem im Hzt. Hannover, das dynastisch
mit dem britischen Königshaus eng verbunden war, zu Leibe rücken zu
können.
So kam es zum 3.
Schlesischen Krieg.
Man spricht nun
Friedrich II. in dem nun folgenden Siebenjährigen Krieg
außerordentliches militärisches Können zu und feiert ihn als den
glorreichen Sieger dieses Krieges. Ist das aber historisch nach der
Faktenlage berechtigt?
Nach der Besetzung
Kursachsens rückte sein zahlenmäßig starkes, hoch diszipliniertes
und gut gedrilltes preußisches Heer in das damals zum Habsburger
Reich gehörende Böhmen ein. Friedrich II gelang es zunächst die
Österreicher in den Schlachten von Lobositz und Prag zu schlagen und
Prag einzuschließen. Besetzen konnte seine Armee Prag nicht.
Bei Kolin östlich von
Prag erlitten die preußischen Truppen am 18. Juni 1757 eine
vernichtende Niederlage. Allzu leichtsinnig hatte sich Friedrich II.
durch Vorwärtsbewegungen ohne hinreichende Formierung und
Absicherung zum Kampf gestellt. Nach schwersten Verlusten musste das
Heer Friedrichs II. fluchtartig den Rückzug nach Schlesien und
Kussachsen antreten. Die Blitzkriegsstrategie Friedrichs II. war
gescheitert. Die preußische Niederlage war bereits so verheerend,
dass man sie militärhistorisch mit der Niederlage Hitlers in der
Winterschlacht vor Moskau 1941 vergleichen kann. Die Stoßkraft der
preußischen Armee war durch die hohen Verluste entscheidend
geschwächt. Damit war das Ziel dess Blitzkrieges zunichte gemacht
worden und die Preußen mussten Böhmen wieder räumen. Erst in den
Abwehrschlacht am 15. Dezember 1757 bei Leuthen siegte Friedrich II
auf schlesischem Boden wieder über die Österreicher. Es war aber
nur ein Abwehrsieg. In der Schlacht bei Rossbach wurde zusammen mit
Truppen Hannovers und von Braunschweig über die vorrückenden
Franzosen und Reichständetruppen am 5. November 1757 zwar ein Sieg
errungen, den man auch dem Genie Friedrichs II. zuschreibt,
ermöglicht wurde dieser Sieg aber maßgeblich dadurch, dass zu
dieser Zeit Frankreich seine militärischen Hauptkräfte gegen
England im Kampf um die Vorherrschaft in Amerika, Indien und auf den
Weltmeeren einsetzte. Der Krieg an der Westfront Preußens bewirkte
nur, dass in den folgenden Jahren große Teile Preußens und
Norddeutschlands verwüstet wurden.
Das Hauptproblem wurde
nun für Preußen das koordinierte Vorrücken der russischen Truppen
vom Osten und der Österreicher vom Süden her in die preußischen
Gebiete hinein. Der Preußenkönig war
schon 1757/58 mit dem Vorrücken der russischen Truppen in Ostpreußen
konfrontiert. Es drohte bereits der Einmarsch der Russen oder
Kosaken, wie man die Russen auch nannte, in Brandenburg/Pommern.
Jetzt folgte am 14.
August 1758 die preußische Niederlage bei Hochkirch nahe von Bautzen
gegen die Österreicher. Ein falsche Lageraufstellung seiner Truppen
und eine fehlerhafte Lagebeurteilung Friedrichs II. ermöglichte den
Österreichern einen schnellen Sieg durch einen von Friedrich nicht
erwarteten Nachtangriff. Preußen gelang es nur durch die Verdienste
der Generale von Ziethen und von Seydlitz einen großen Teil der
Kavallerie zu retten. Es erlitt aber bei der Infanterie und
Artillerie schwere Verluste. Und es verlor auch einen beträchtlichen
Teil seiner kriegserfahrenen Offiziere und Generäle, so den
Generalfeldmarschall Fürst Moritz von Anhalt-Dessau (genannt der
alte Dessauer) und den Generalfeldmarschall James Keith, der
schottischer Abstammung war. Die Resttruppen der preußischen
Infanterie mussten sich nach schweren Verlusten geschlagen
zurückziehen Eine noch einigermaßen intakte preußische Kavallerie
rettete sie vor der Totalvernichtung.
Gegen die über
Ostpreußen auf brandenburgisches Gebiet vordringenden russischen
Truppen siegte die Preußenarmee zwar nochmals am 14. Oktober 1758
bei Zorndorf. Aber auch das war dem Charakter nach kein Sieg, der
Preußen eine entscheidende Atempause verschaffte.
In dieser Schlacht sah es
lange Zeit so aus, als ob die Russen siegen. Auch ein von Friedrich
II. persönlich geführter Gegenangriff, wobei er mit gezogenem Degen
an der Spitze seiner Truppen marschierte, brach unter hohen Verlusten
zusammen. Erst ein überraschender preußischer Kavallerieangriff
(die berühmte Zorndorfer Kavalkade des Reitergenerals von Seydlitz)
in die russische Flanke rettete das preußische Heer vor der
Niederlage. Die Preußen hatten bereits von 36 000 Soldaten 13 000
an Toten und Verwundeten verloren.
Friedrich II. konnte die
russische Armee nicht mehr am weiteren Vordringen hindern.
Preußen erlitt im August
1759 bei Kunersdorf östlich von Frankfurt/Oder eine vernichtende
Niederlage, und das obwohl Friedrich wieder unmittelbar die
Kampfhandlungen an der Front befehligte. Die verlorene Schlacht von
Kunersdorf besiegelte nach militärischen Aspekten das Ende Preußens.
Die Schlacht von Kunersdorf war von russischen Truppen in Stärke
von über 60 000 Soldaten im Bunde mit einem österreichischen Korps
von etwa 20 000 Soldaten gewonnen worden. Von der preußischen Armee
von 48 000 Soldaten waren noch 3000 übrig geblieben. Das schon durch
vorausgehende Schlachten stark geschwächte preußische Heer verfügte
über keine Reserven mehr und konnte seinen Gegnern keinen Widerstand
mehr leisten. Großbritannien stellte die Zahlung von Subsidien an
Preußen ein, weil es diesen Staat schon als Verbündeten aufgegeben
hatte.
Der Weg der Russen und
Österreicher nach Berlin-Potsdam war frei, der preußische Staat,
seine Armee ausgeblutet sowie wirtschaftlich und finanziell total
ausgezehrt, lag am Boden. Auch der totale Krieg durch Anspannung und
Ausschöpfung der letzten Potenziale Preußens und die totale
Ausplünderung Kursachsens konnte jetzt keine Rettung mehr bringen.
Man konnte nur noch auf ein Wunder hoffen und dieses Wunder kam in
der Tat.
Die Russen drangen zwar
noch kurzzeitig nach Berlin vor, zogen sich aber dann an die Oder
zurück. Sie verzichteten darauf, weiter westwärts zu marschieren.
Sie verzichteten auf die Besetzung von Berlin und Potsdam und
hinderten auch die Österreicher daran. Zurückzuführen war das auf
erhebliche Differenzen zwischen dem russischen Zarenhof und dem
österreichischen Kaiserhof über die Kriegsziele. Es ging um die
Frage des weiteren Schicksals Polens, wo bislang der Kurfürst von
Sachsen König war und Polen damit unter dem dominierenden
österreichischem Einfluss stand (das Kurfürstentum Sachsen war ein
Satrap Österreichs), sowie um die Frage, welche Großmächte künftig
den Haupteinfluss in den bis dato preußischen Gebieten ausüben
sollten. Schon bei der Bildung der antipreußischen Koalition
verhandelte der russische Zarenhof mit seinen Partnern über die
Abtrennung bestimmter polnischer Gebiete an Russland im Austausch
gegen Ostpreußen.
Die Zerstrittenheit
führte zum Bruch der Koalition zwischen Russland und Österreich.
Russische Unterhändler führten schon ab September 1759
Geheimverhandelungen mit Unterhändlern des Preußenkönigs.
Friedrich II. sprach selbst in diesem Zusammenhang vom Wunder von
Brandenburg. Das Wunder von Brandenburg ist aber nicht durch die
Besteigung des Zarenthrons durch den angeblichen Preußenverehrer
Peter III. zu erklären. Schon die russische Zarin Elisabeth visierte
unter dem Druck ihrer politischen Berater ein Ausscheiden aus der
Koalition mit Österreich und sogar ein Militärbündnis mit Preußen
an. Es waren faktisch die Russen, die durch ihr nachlassendes
Kriegsengagement es Friedrich II. dann nochmals ermöglichten, in den
Schlachten bei Liegnitz (Schlesien) 1760 und Torgau (Sachsen) 1760
sowie bei Burkersdorf (Schlesien) 1762 über die Österreicher und
Reichständetruppen zu siegen, wobei die Russen bereits
Quasi-Verbündete der Preußen waren. Bei Burkersdorf standen sie
in geheimer Absprache mit dem Preußenkönig vollends nur noch zum
Schein auf der Seite der Österreicher auf dem Schlachtfeld, hielten
sich aber dann im entscheidenden Moment gemäß einer Geheimabsprache
mit Friedrich II. heraus, wodurch die Österreicher in eine Falle
liefen.
Im Dezember 1761 starb
Zarin Elisabeth im Alter von 52 Jahren (wahrscheinlich wurde ihrem
Tod nachgeholfen). Nachfolger wurde im Januar 1762 ihr Neffe Peter
als Zar Peter III., der in seiner Jugend in Schleswig-Holstein gelebt
hatte und dort erzogen wurde. Ihm wird nachgesagt, dass er ein
rückhaltloser Verehrer der Preußen und des Preußenkönigs gewesen
sei. Das stimmt nur bedingt. Ihn zeichnete eine gewisse
Deutschenfreundlichkeit aus, die bezog sich aber nicht nur auf die
Preußen. Als er den russischen Thron bestieg, traf er bereits auf
ein politisches Umfeld der Enttäuschung der politischen Nomenklatura
darüber, dass die Koalitionsmächte die maßgebliche Beteiligung
Russlands an der Niederschlagung des preußischen Heeres nicht durch
politische und auch territoriale Zugeständnisse und erhöhten
politischen Einfluss des Zarenhofes in Europa honorieren wollten.
Nach dem Willen Wiens, auch Londons und Stockholms sollte Russland im
Wesentlichen auf die Positionen zurückgedrängt werden, die es zu
Beginn des Siebenjährigen Krieges eingenommen hatte, und sogar noch
an politischem Einfluss verlieren. Diese Undankbarkeit und
gebrochenen Versprechen quittierte man am Zarenhof mit dem Austritt
aus der Koalition, die de facto schon nach der Schlacht von
Kunersdorf bröckelte. An der maßgeblich dadurch bedingten
Annäherung Russlands an Preußen änderte sich deswegen im Grunde
auch nichts, als Peter III. durch einen Offiziersputsch gestürzt und
am 6. Juli 1762 ermordet worden war und dann seine Ehefrau als
Katherina II. den Zarenthron bestiegen hatte.
In der Tat ermöglichte
Russland noch dem preußischen Restheer, Schlesien wiederzubesetzen,
bevor es zum Friedensvertrag von Hubertusberg 1763 kam. Russland
konnte sich vertraglich mit Hilfe des Preußenkönigs den maßgebenden
Einfluss in Warschau sichern. Schon 1764 wurde in Warschau auf Druck
und mit Billigung der russischen Zarin Katherina II. und des
Preußenkönigs Friedrich II., Stanislaw II. August Poniatowski zum
König von Polen eingesetzt. Stanislaw II. August Poniatowski hatte
mehrere Jahre am russischen Zarenhof gelebt und war ein Geliebter
und Günstling von Katherina II. gewesen.
Der Friedensvertrag von
Hubertusburg 1763 bestätigte Preußen als europäische Großmacht
und entschied die preußisch-sächsische Wirtschaftskonkurrenz
zugunsten von Preußen, das Sachsen im Verlauf des Krieges
erbarmungslos ausgebeutet und ausgeplündert hatte. Sächsische
Gebiete konnte Preußen aber noch nicht erwerben. Es behielt aber
Schlesien.
Schon im Jahre 1772
vereinbarten Preußen und Russland die erste polnische Teilung.
Österreich wurde nur mit einem kleinen Teil Polens abgespeist.
Maßgeblicher Initiator war Friedrich II. Auch die gesamte Aufteilung
Polens wurde schon von Friedrich II. (Friedrich der Große) mit
Katherina II. (auch genannt Katherina die Große) vereinbart. Durch
diplomatische Verwicklungen bedingt, operierten beide aber
vorsichtig. So kam es zur 2. polnischen Teilung 1793 und erst nach
dem Tode von Friedrich II. im Jahre 1786 zur 3. polnischen Teilung
1795, mit der der polnische Staat zu bestehen aufhörte. Diese 2. und
3. Teilung wurde preußischerseits unter dem Nachfolger von
Friedrich II., König Friedrich Wilhelm II., gemeinsam mit Katherina
II. von Russland und Kaiser Franz I. von Österreich vollzogen.
(Friedrich Wilhelm II. von Preußen war nicht der Sohn, sondern ein
Neffe von Friedrich II., dessen Ehe mit Elisabeth Christine infolge
Zeugungsunfähigkeit kinderlos blieb. Friedrich II. hatte sich nach
Auskunft seiner Ärzte als Kronprinz kurz vor der Hochzeit am
sächsischen Hofe in Dresden eine Geschlechtskrankheit zugezogen, die
aber so verheilte, dass er ansonsten körperlich und geistig voll fit
blieb. Die ihm unterstellte Homosexualität hätte übrigens, wenn
sie zutreffend gewesen wäre, der Zeugung eines Thronerben nicht
unbedingt im Wege gestanden).
Die Grundlage für die
Aufteilung und Zerschlagung Polens hatte Friedrich II. zusammen mit
Katherina II. schon nach dem Siebenjährigen Krieg gelegt. Der
polnische Staat entstand als Herzogtum Warschau vorübergehend neu
unter der Herrschaft Napoleons I. Bonaparte von 1807 bis 1812.
Preußen hatte den Krieg gegen Napoleon Bonaparte verloren. Preußens
Armee, die schon in den letzten Lebensjahren von Friedrich II.
nicht mehr auf modernem Stand war, wurde 1806 in der Doppelschlacht
bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Wieder war es
Russland, das 1812/1813 durch die Siege seiner Armee über die
napoleonischen Truppen Preußen rettete und dessen Wiederaufstieg als
europäische Großmacht ermöglichte. Auf dem Wiener Kongress wurde
1815 das Königreich Polen (auch Kongresspolen genannt) gebildet.
König von Polen wurde aber in Personalunion der russische Zar. Damit
fiel Polen, bestehend aus wieder abgetrennten Teilen Preußens und
Österreichs, an Russland. Erst 1918 entstand der selbständige
polnische Staat neu.
Aus dem Preußenstaat
heraus entwickelte sich 1870/1871 das Deutsche Kaiserreich. Auch das
wurde nur möglich, weil Russland dazu den Weg innerhalb der
europäischen Mächtekonstellation freigegeben hatte.
Ich brauchte einige Stunden bis ich auf eure Seite gestossen bin. Dieser Beitrag ist sehr hilfreich für jederman der ihn hier liest. Danke fürs mitteilen.
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