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Donnerstag, 4. Juli 2013

Wenn Kreaturen feige zurückweichen

Jan Myrdal

4. Juli 2013


Gewiss geht das nordamerikanischen Imperium seinem Untergang entgegen. Doch Imperien lassen sich Zeit mit dem Sterben. Man denke an das britische Reich, das seine Auflösung mit Macmillans Rede am 3. Februar 1960 über den Wind der Veränderung markierte, aber 23 Jahre danach einen neuen Kolonialkrieg gegen Argentinien wegen der Falklandinseln begann. Ja, die Papiertiger haben Zähne, voll das Maul so blank und grimmig.

Nicht verwunderlich, dass unsere Regierungen in der EU und rundherum feige zurückweichen, wenn Washington seine Stimme erhebt. Snowden gehorchte seinem Gewissen. Er handelte wie ein ehrenwerter Mann, als er enthüllte, dass die Regierung der Vereinigten Staaten, der heuchelnde Onkel Sam, um des Profits willen der Welt direkt ins Gesicht log und sich die Geschäftsgeheimnisse und ihre diplomatischen und militärischen nationalen Geheimnisse sowohl seiner Freunde als auch Feinde erschlich.
Ja, Onkel Sam, schändete öffentlich seine offiziell Engsten und Gehorsamsten. Zog ihnen die politischen Hosen runter, so dass François Hollande vor seinem Volk mit hängender Scham stehen musste, und die grelle Merkel gezwungen war, ihren nackten Hintern so gut es ging vor ihren Wählern zu verbergen. Und sie wagten nur, ein bisschen zu murmeln. Pfui Teufel!

Aber es kommt noch schlimmer. Österreichs armer Regierungstrottel gehorchten dem Befehl, schlugen die Hacken zusammen und zwangen entgegen allem internationalen Recht und Gebräuchen Boliviens Präsidentenflugzeug herunter, damit sie auf Befehl von IHM, der bestimmt, das Flugzeug durchschnüffeln,ob Snowden an Bord ist. Es wurde dem Sicherheitsrat gemeldet. Aber dort sitzen die Gehorsamen.

Rinfeldts Regierung wäre nicht besser gewesen. Und dass eine sozialdemokratische es auch nicht gewesen wäre, wissen wir ja. Men denke nur, wie sie Anna Lindh, nachdem sie ermordet wurde, zur Heiligen erklärt wurde, und der juristisch zweifelhafte Thomas Bodström dafür sorgte, dass unschuldige Ägypter verhaftet wurden, auf dem Flughafen gekränkt wurden und von der CIA nach Ägypten zum Foltern gefloten wurden.

Die jetzigen EU-Regierungen vermögen nicht so viel Rückgrat zu zeigen, wie Per Albins Koalitionsregierung trotz unserer militärischen Schwäche gegenüber dem Druck während des vergangenen großen Krieges zeigte. Er widerstand der kräftigen französisch/britischen Forderung (lebhaft unterstützt von der finnischen Regierung) nach militärischem Durchmarsch für einen kriegerischen Einsatz auf Finnlands Seite gegen Sowjetrussland. Trug zum Märzfrieden bei trotz der Intriguen der Generäle und des Lärms in den Medien. Weigerte sich, am Kreuzzug gen Osten 1941 teilzunehmen. Weigerte sich trotz deutscher Forderung (und dem Willen der Rechten), ein wirkliches Parteiverbot einzuführen und ließ im Stillen Schweden die Zusammenarbeitszentrale für den Widerstand im Norden und auf dem Kontinent beherbergen.Konnte nach 1943, als Schweden so aufgerüstet hatte, dass ein deutscher Angriff teurer geworden wäre als die Besetzung von Dänemark und Norwegen, Schritt für Schritt die aufgezwungenen Zugeständnisse zurücknehmen. Ich erinnere mich gut daran. Ich hab's ja erlebt.





1 Kommentar:

  1. Na ja, so ganz korrekt ist das nicht: Österreich zwang das Flugzeug nicht zur Landung, sondern durchsuchte es illegal.
    Der Pilot landete dort, weil er keine Überflugerlaubnis für Spanien etc. bekam und deshalb nachtanken mußte.

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