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Freitag, 27. Oktober 2017

Die schädlichen Effekte von Antifa

Diana Johnstone

23. Oktober 2017

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Eine historische Gelegenheit ist verpasst worden. Die katastrophale Präsidentenwahl von 2016 könnte und hätte ein Weckruf sein können. Ein korruptes politisches System, das den Wählern die Wahl zwischen zwei schrecklichen Kandidaten gibt, ist keine Demokratie.

Das hätte das Signal sein können, der Realität ins Auge zu schauen. Das US-politische System ist total verrottet, das Volk verachtend dient es den Unternehmen und Lobbies, die bezahlen, um es am Leben zu erhalten. Die Zeit war reif, eine genuine Alternative zu organisieren, eine unabhängige Bewegung, um das Wahlsystem dem Griff der Milliardäre zu entreißen, den Übergang von einer Kriegswirtschaft zu einer Wirtschaft zu fordern, die der Verbesserung des Leben der Menschen verpflichtet ist. Was nötig ist, das ist eine Bewegung für die Befriedung Amerikas, zuhause und im Ausland.

Das ist eine große Aufgabe. Doch dieses Herangehen könnte mit großer Unterstützung rechnen, besonders wenn tatkräftige junge Menschen organisiert eine allgemeine Debatte entfachen, von Tür zu Tür, wenn notwendig, um eine Massenbewegung für echte Demokratie, Gleichheit und Frieden zu schaffen. Dies  ist ein revolutionäres Programm, das unter den gegebenen Umständen möglich ist. Eine verendende Linke sollte wieder lebendig werden und die Führung einer solchen Bewegung übernehmen.

Genau das Gegenteil passiert.

Um einen Bürgerkrieg zu entfachen?

Der erste Schritt zur Verhinderung einer konstruktiven Bewegung war eine falsche Deutung des Trump-Sieges, die massiv von den MSM (mainstreammedia) gefördert wurde. Dies war im wesentlichen die Clinton‘sche Entschuldigung für Hillarys Niederlage. Trumps Sieg, laut dieser Interpretation, war das Produkt von einem Zusammenspiel zwischen russischer Einmischung und den Stimmen von „Frauenfeinden, Rassisten, Homophoben, Xenophoben und weißen Auserwählten“. Der Einfluss all dieser üblen Leute deutete auf den Aufstieg des „Faschimus in Amerika", mit Trump in der Rolle des „faschistischen“ Führers.

Durch diese Weise verschwand die Kritik am System, das Trump hervorbrachte, zu Gunsten der Dämonisierung von Trump als Individuum, was es den Clinton-Leuten umso einfacher machte, ihre Kontrolle der Demokratischen Partei zu festigen, indem sie ihre eigene linke Opposition manipulierten.

Die Ereignisse in Charlottesville ähnelten einer Mehrfach-Provokation, mit pro- und anti-Statuen Lagern, die einander provozierten, womit der Antifa eine Bühne geliefert wurde, um nationale Bekanntheit als Retter zu bekommen. Bedeutend ist, dass die Charlottesville Krawalle bewirkten, dass Trump Kommentare abgab, auf die sich alle seine Feinde stürzten, um ihn definitiv als „Rassisten“ und „Faschisten“ zu bezeichnen. Dies gab der orientierungslosen „Linken“ einen klaren Grund: Kampf gegen den „Faschisten Trump“ und die heimischen „Faschisten“ zu proklamieren. Dies ist direkter als sich zu organisieren und zu fordern, dass die USA aufhören mit ihre Drohungen gegen den Iran und Nordkorea ihren offenen und geheimen Projekten zur Umgestaltung des Nahen Ostens, um Israels regionale Vorherrschaft zu stärken und ihre atomare Aufrüstung gegen Russland. Von der Hilfe für die Nazis in der Ukraine ganz zu schweigen. Dennoch trägt die Milliarden Dollar Politik der globalen Militarisierung mehr zu Gewalt und Ungerechtigkeit in den Vereinigten Staaten bei als die Reste von gründlich diskreditierten aussichtslosen Fällen.
Die Linke und Anfifa

All jene, die ernsthaft auf der Linken Seite stehen, die für größere soziale und ökonomische Gleichheit für alle sind, die gegen die endlosen aggressiven ausländischen Kriege sind und die daraus resultierende Militarisierung der amerikanischen Polizei und Mentalität, müssen sich vergegenwärtigen, dass seit der Übernahme der Demokratischen Partei durch die Clintons das herrrschende oligarchische Establishment sich als „die Linke“ verkleidet und „linke“ Argumente benutzt, um sich selbst zu rechtfertigen und großen Erfolg hat, echte Linke zu manipulieren für ihre eigenen Zwecke. Dies hat eine derartige Verwirrung verursacht, dass es völlig unklar geworden ist, was „links“ überhaupt bedeutet.

Die Clinton-Linken ersetzten die Indentitäts-Politik für das progressive Ziel ökonomischer und sozialer Gleichheit, durch prahlerische Aufnahme von Frauen, Schwarzen und Latinos in die sichtbare Elite, um besser die Bedürfnisse der Mehrheit ignorieren zu können. Diese Clinton-Anhänger haben auch das Konzept vom „humanitären Krieg“ eingeführt, um ihre unaufhörliche Zerstörung widerspenstiger Länder zu beschreiben, wodurch sie viele Linke verführten, die Politik des US-Imperialismus zu stützen als Kampf für Demokratie gegen „Diktatoren“.

Antifa trägt zu dieser Verwirrung bei, indem sie der Unterdrückung „böser“ Ideen den Vorrang geben statt der Entwicklung der guten Ideen durch uneingeschränkte Debatten. Antifa greift Abweichler an, um die herrschende neoliberale Doktrin durchzusetzen, die auch das Gespenst des Faschismus an die Wand malt als Vorwand für Aggression gegen Länder, die für Regimewechsel ausgewählt werden.

Antifas Ausflüchte

Antifa hat mehrere Lieblings-Argumente, um sich gegen jene zu rechtfertigen, die ihre Anwendung von Gewalt und Einschüchterung kritisieren, um Gegner zum Schweigen zu bringen.

1. Gewalt ist gerechtfertigt durch die implizite Gewalt, die den ausgewählten Gegnern zugeschrieben wird, die, wenn man sie machen lässt, ganze Gruppen von Menschen auslöschen.
Das ist nachweisbar falsch, da die Antifa notorisch großzügig ist bei der Verteilung des Faschisten-Stempels. Die meisten der Leute, die Antifa aufs Korn nimmt, sind keine Faschisten und es gibt keinen Beweis, dass selbst Rassisten planen, Genozide zu verüben.

2. Antifa beschäftigt sich auch mit politischen Aktivitäten. Das ist völlig daneben. Niemand kritisiert die „andere politische Aktivität“. Es ist die Gewalt und die Zensur, die das Kennzeichen von Antifa sind und Ziel der Kritik. Sie sollen die Gewalt und die Zensur fallenlassen und sich mir ihren anderen Aktivitäten beschäftigen und niemand wird etwas dagegen haben.

3. Antifa verteidigt die bedrohten Gemeinden
Das ist ja bestimmt nicht alles, was sie tun. Und das wird ja auch nicht kritisiert. Eine echte Verteidigung einer bedrohten Gemeinde wird am besten offen getan von respektierten Mitgliedern der Gemeinde selbst, statt durch selbsternannte Zorros, die vermummt ankommen. Das Problem ist die Definition der Begriffe. Für die Antifa kann die bedrohte Gemeinde eine ganze Kategorie von Leuten sein, wie die LGBTQI, und die Bedrohung kann ein kontroversieller Redner an einer Universität sein, der etwas sagen könnte, was ihre Gefühle verletzt.  Und welche Gemeinschaft wurde verteidigt von Linwood Kaine, der junge Sohn vom Vizepräsidenten der Demokratischen Partei Senator Tim Kaine, als er in St. Paul /Minnesota verhaftet wurde am 4. März wegen Verdachts von Straftaten 2. Grades beim Versuch, eine pro-Trump Versammlung zu zerschlagen vor dem Kapitol? Obwohl Kaine, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, sich der Verhaftung widersetzte, war die Sache damit beendet. Welche unterdrückte Gemeinschaft hat der juge Kaine verteidigt außer den Clinton-Demokraten? Seine eigenen privilegierten Mitglieder der Washingtoner politischen Elite?

4. Antifa behauptet, sie sei für die Redefreiheit im allgemeinen, aber Rassisten und Faschisten sind ausgenommen, weil man mit ihnen nicht diskutieren kann und Hassreden sind keine Reden sondern Aktion.

Das entspricht einer erstaunlichen intellektuellen Kapitulatio vor dem Feind. Es ist das Eingeständnis, nicht in der Lage zu sein, eine freie Diskussion zu gewinnen. Die Tatsache ist, dass Rede tatsächlich Rede ist und mit Rede beantwortet werden sollte. Man sollte die Chance für eine öffentliche Rede willkommen heißen, um die Schwächen ihrer Position offenzulegen. Wenn „du wirklich nicht mit ihnen argumentieren kannst“, dann werden sie die Diskussion beenden. Wenn sie zu physischer Gewalt greifen, dann hast du den moralischen Sieg. Ansonsten gibst du ihn dem Gegner.

5. Antifa behauptet, dass Verfassungsrecht auf Refefreiheit nur dem Staat gehört. D. h. nur die Regierung darf nicht den Bürgern das Recht der Rede- und Versammlungsfreiheit nehmen. Unter Bürgern darf man alles.
Das ist eine bemerkenswerte Spitzfindigkeit. Schikanieren und Einschüchterung ist in Ordnung, wenn es von einer nicht offiziellen Gruppe getan wird. In Übereinstimmung mit dem Neoliberalismus will Antifa die Zensur privatisieren, indem sie den Job selbst übernimmt.

Verbale Gewalt

Die verbale Gewalt der Antifa ist schlimmer als ihre physische Gewalt insofern, als sie viel effektiver ist. Die physische Gewalt hat gewöhnlich geringere Konsequenzen, etwas, das meistens zeitweilig etwas verhütet, was später geschehen wird. Es ist die verbale Gewalt, die oft Erfolg hat, freie Diskussionen kontroverser Themen zu verhüten.

Alarmiert von der Ausweitung von pro-Antifa-Artikeln auf

CounterPunch, wagte ich es, eine Kritik zu schreiben “Antifa in Theorie und Praxis“. Meine Kritik war nicht persönlich; ich erwähnte nicht die Autoren von derlei Artikeln und meine Erwähnung des Autors Mark Bray war respektvoll. Das Ergebnis war ein Sturzbach von Schmähungen auf der Facebook-Seite von Counterpunch und ein feindlicher Email-Austausch mit dem Star-Antifa Champion Yoav Litvin. Das kulminierte in einem üblen Artikel von Amitai Ben-Abba direkt auf Conterpunch. Man muss wissen, dass sowohl Litvin als auch Ben-Abba beide Israelis sind, aber pro-Palästinenser, was sie mit lupenreiner linken Berechtigung ausstattet.

Diese Reaktionen lieferten eine perfekte Illustration der Antifa Diskussions-Techniken. Es ist eine Art von Essens-Kampf [beliebt in US-Kinderfilmen. D. Ü.], wo jeder alles, was er greifen kann, dem Gegner an den Kopf wirft, egal ob es mit Logik oder Relevanz zu tun hat. Auf der Facebook Seie hat Litvin auf Basis meiner sorgfältig objektiven Artikel über französische Politik mich angeklagt, „geheime Werbung für Marie Le Pen“ zu machen. Irrelevant und ungenau.

In seinem Knüppel-Artikel hat Ben-Abba diese völlig abartige Behauptung aufgestellt: “Ganz ähnlich wie ihre frühere Scheiß-pseudo-historische Leugnung des Massakers von Srebenica, um die serbischen Nationalisten zu stärken, so kann ihre gegenwärtige Analyse die weißen Supremacisten ermutigen.“ Muss ich betonen, dass ich nie das „Massaker“ geleugnet habe, sondern mich weigerte, es als einen „Genozid“ zu bezeichnen, und die serbischen Nationalisten brauchten niemals meine bescheidene Meinung, um ermutigt zu werden – besonders, da der Krieg zu dem Zeitpunkt schon vorbei war.

Ich räume gerne ein, dass es Probleme gibt in meinem ursprünglichen Artikel, die eine Diskussion verdienen, wie etwa die Immigration oder ob der „Faschismus“ des frühen 20. Jahrhunderts immer noch heute existiert oder nicht. Meine These war überhaupt, dass Probleme Debatten verdienen. Aber das bekam ich nicht. Ben-Abba kam mit seiner eingebildeten Anspielung auf das Immigrations-Thema: „‘Antifa‘ ist ein viel breiterer Begriff, der es vormals ungebundenen Leuten (wie den Migranten ohne Papiere, die die Croissants für Johnstone backen) erlaubt, an der Verteidigung ihrer Gemeinschaften gegen neo-faschistische Einschüchterung zu schützen.“

Sehr witzig: Ich beute einen armen Bäcker ohne Papiere aus und verhindere, dass er verteidigt wird. Abgesehen davon, dass ich äußerst selten ein Croissant esse, haben die Bäcker in meinem Viertel alle Papiere und außerdem ist dieses Viertel mit überwiegender Immigranten-Bewohnern die Szene für häufige friedliche Straßendemonstrationen von Afrikanern ohne Papiere, die nicht von neo-Faschisten eingeschüchtert werden. Sie brauchen offensichtlich nicht den Schutz der Antifa. Diese Phantasie von dem überall gegenwärtigen neo-Faschismus ist für die Antifa eine Notwendigkeit wie die Phantasie des allgegenwärtigen anti-Semitismus für Israel.

Antifa Rhetorik spezialisiert sich auf unlogische Aussagen. Wenn man mit einem Konservativen oder einem Libertären einer Meinung ist, dass es falsch war, Libyen zu zerstören, dann ist man nicht nur schuldig durch Assoziation mit einem vormaligen Faschisten, man ist auch Unterstützer eines Diktators und wahrscheinlich selbst ein Faschist. Dies ist in Frankreich seit Jahren passiert und hat jetzt auch in den USA begonnen.
Die Antifa spezialisiert sich auch darauf, anti-Kriegs-Aktivisten und Schriftsteller als „rot-braun“ zu bezeichnen, rot für links und braun für Faschist. Du kannst behaupten, links zu sein, aber wenn wir die geringste Verbindung zwischen dir und jemandem auf der Rechten finden, dann bist du ein „rot-brauner“ und verdienst, unter Quarantäne gestellt zu werden.
Indem sie behaupten, hilflose Minoritäten zu verteidigen vor einer wachsenden faschistischen Gefahr, spricht die Antifa sich selbst das Recht zu, selbst zu entscheiden, wer „Faschist“ ist oder sein könnte.

Was immer sie glauben zu tun, was immer sie behaupten zu tun, die eine Sache, die sie wirklich tun, ist, die Linke an eine derart sektiererische Intoleranz zu binden, dass jede breite inklusive auf ein Thema gerichtete anti-Kriegs-Bewegung unmöglich wird. Tatsächlich ist es die bevorstehende Gefahr eines atomaren 3. Weltkrieges, die einige von uns dazu bringt, eine nicht ausschließende, ein Problem anpackende anti-Kriegs-Bewegung zu fordern – womit wir uns als „rot-braun“ outen.

Das ist es, warum Antifa – lasst uns sagen unwissentlich – das Geschäft der Kriegspartei ergreift.

Es ist unglücklich zu sehen, dass Counterpunch zu einer Plattform für die Antifa wird. Das muss nicht sein. Sie kann Artikel abweisen, wie sie auch systematisch Auseinandersetzungen mit 9/11 abgelehnt hat oder wie sie David Cobbs und Caitlin Johnstones (keine Verwandte) Recht auf Erwiderung ablehnte. Counterpunch hätte einen prinzipiellen Standpunkt gegen Aufrufe zu Gewalt und Zensur einnehmen können. Sie tat es nicht. Es ist eine Sache, Debatten zu ermutigen und eine ganz andere, Schlammschlachten zu fördern.

Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht von  Paul Craig Roberts

Quelle - källa - source

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