von Hartmut Reiber
Ein Hörbuch –
gelesen von Gina Pietsch
Auf der Leipziger
Buchmesse im März dieses Jahres drückte mir Viktoria Knopp diese CD
in die Hand, nachdem sie mir kurz erzählt hatte, worum es ging. Dass
Grete Steffin eine Mitarbeiterin von Bert Brecht war, die ihn mit
proletarischem Leben, proletarischer Sprache und Ausdrucksweise
bekannt machte und mit der KPD. Nanu, davon hatte ich nie gehört.
Ich wusste von Ruth Berlau, Hanns Eisler, Helene Weigel, Kurt Weill
u. a. Aber Grete Steffin war mir nur dunkel als seine Sekretärin in
Erinnerung. Auf alle Fälle war meine Neugier geweckt.
Abgeschreckt hat
mich erst einmal die Länge von 14 Stunden. Wann sollte ich das alles
hören? Für Hörbücher bin ich zu ungeduldig. Aber jetzt habe ich
es endlich geschafft (Achtung: Die CD muss auf dem PC gehört werden.
Selbst auf meinem neuen CD-Player war die Qualität extrem
schlecht.).In Erinnerung war
mir auch, dass BB ein reichlich patriarchalischer Knilch im Umgang
mit Frauen gewesen sei. Das stimmt und stimmt nicht.
Mich hat
beeindruckt, dass BB der Grete Steffin mit großer Achtung begegnet
ist, ohne jede Überheblichkeit und auch nie den Lehrmeister gespielt
hat. Im Gegenteil, er hat sie später oft als seine Lehrerin
betitelt. Grete Steffin, die aus einfachsten Verhältnissen kam, aus
einer hart kämpfenden, kommunistischen Arbeiterfamilie, die sich mit
größtem Eifer autodidaktisch ständig weiterbildete, in
kommunistischen Zirkeln, Theatergruppen, die das Sprechtheater
entscheidend weiterentwickelte und vielseitige Interessen hatte,
machte auf Bert Brecht von Anfang an einen großen Eindruck. Außerdem
hatte sie einen sicheren Instinkt für das Echte, für literarische
Qualität, für präzise Ausdrucksweise. Dies machte sie mit der Zeit
zu BBs bester und schärfsten Kritikerin, was BB besonders schätzte.