Samstag, 27. Juni 2020

Churchill, Columbus und Leopold fallen


Margaret Kimberley

18. Juni 2020

Aus dem Englischen: Einar Schlereth
Statuen fallen wie die Kegel


Millionen weißer Menschen glorifizieren Massenmörder, weil ihr Sinn für Identität und ihr Platz in der Gesellschaft zutiefst verknüpft ist mit weißer Überlegenheit.

«Es ist wichtig, die Massenmörder zu nennen und sie an den Schandpfahl zu stellen.»

Die Täter von Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden häufig hochverehrt und bewundert. Alles hängt davon ab, wer das Morden tat und wer ermordet w urde. Jetzt werden die Mörder zur Verantrwortung gezogen. Die neue Bewegung in den USA gegen Polizei- und andere staatliche Gewalt hat diese willkommene Veränderung in der ganzen Welt stattfinden lassen. Die Kriminellen werden entlarvt selbst Jahrzehnte oder sogar Jarhhunderte, nachdem ihre Abscheulichkeiten stattfanden. Es gibt kein Gesetz für eine Verjährung von Mord und sollte es auch nicht geben, wenn Leute zur Verantwortung gezogen werden, die das Blut von Millionen Menschen an den Händern haben.

Bei Statuen vom belgischen König Leopold II ist das Gesicht zerstört und manche sind sogar beseitigt worden. Leopold behandelte den Kongo als sein privates Lehen, den Freistaat Kongo, wo er bis zu 15 Millionen Menschen errmordet hat, die gezwungen wurden, in den Gummi-Plantagen Zwangsarbeit zu verrichten. Die Grausamkeit der Ermordungen und der Zerstümmelungen wurden nach seiner 20-jährigen Terrorherrschaft entlarvt. George Washington Williams, ein schwarz-amerikanischer Journalist, spielte eine Schlüsselrolle, den Genozid der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Statt dass Adolf Hitler als einziger Europäer einem in den Sinn kommt, wenn von Genozid die Rede ist, sollte der Name Leopold denselben Effekt hervorrufen. Aber Hitler mordete Europäer und Leopold Afrikaner. Die Verbrechen des einen sind weithin bekannt, während der andereder Verurteilung entgeht, weil seine Verbrechen ausradiert wurden.


«König Leopold tötete bis zu 15 Millionen Menschen, die gezwungen wurden, in Gummiplantagen Zwangsarbeit zu leisetn.»


Dasselbe kann von Winston Churchill gesagt werden. Während des 2. Weltkrieges verantwortlich für eine Hungersnot im kolonialen Indien, die durch den Diebstahl von Reis und Weizen für die britischen Armeen entstand. Geschätzte drei Millionen Menschen starben in der Provinz Bengalen, aber das war nicht seine erste Gelegenheit für einen Massenmord. Nach dem 1. Weltkrieg hat er die Vergasung der Iraker angeordnet, die gegen die Britische Herrschaft sich aufgelehnt hatten. «Ich bin dafür, Giftgas gegen unzivilisierte Stämme zu benutzen.» Er hatte auch schon Angriffe mit chemischen Waffen gegen die russischen Bolschewiken 1918 befohlen.

Jetzt ist die Statue von Churchill auf dem Parlaments-Platz in London durch ein großes Holzgerüst vor Protesten geschützt. Eine Gruppe von Leuten hat mit Graffitis ihn korrekt als Rassiten beschrieben, der gesagt hat, dass die indischen Opfer «sich wie die Kaninchen vermehren».

Die Tabus fallen genau wie die Statuen, die Sklavenhändlern und Indigenen-Killer verehren. Robert E. Lees Monument in Richmond, Viginia ist jetzt mit Graffitis und einem Bildnis von George Floyd bedeckt, dessen Ermordung durch die Polizei die Menschen dazu motivierte, die Mörder anzuprangern, deren Verbrechen vertuscht werden. Zu viele Historiker zogen es vor, korrupten Systemen zu huldigen anstatt die Wahrheit zu sagen. Aber das Volk ignoriert die Bitten der Eliten und nimmt die Dinge in seine eigenen Hände.



Churchill sagte, dass die indischen Opfer ‘sich wie die Kaninchen vermehren’.”


Christopher Columbus gehört auch zu denen, die entlarvt werden. Seinen Reisen für die spanische Krone folgten weitere europäische Invasionen, die Krankheiten und blutige Eroberungen für die indigene Bevölkerung von der Spitze Südamerikas bis hinauf nach Alaska. Dieser Genozid war der Vorläufer des transatlantischen Sklavenhandels, der Afrikaner nach ganz Nord- und Südamerika brachte, wo sie als Leibeigene leiden mussten.

Aber es gibt eine Reaktion auf jede Aktion und als die Frage der Entfernung der Columbus-Statue in New York City auftauchte, widersprach Gouverneuer Andrew Cuomo: “Aber die Statue ist gebracht worden, um den italienisch-amerikanischen Beitrag für New York darzustellen und zu würdigen.” Columbus wurde als Cristoforo Colombo in Genua geboren. Es ist offenbar, dass für Cuomo und andere das Bedürfnis besteht, an dem Kriminellen festzuhalten. Columbus stellt die Intaliener ins Zentrum des Siedler-Kolonialstaates. Sie sind nicht die südeuropäischen katholischen Immigranten, auf die oft herabgeschaut wurde, als sie anfangs auftauchten. Columbus macht sie zu weißen Amerikanern und sie klammern sich an ihn, damit sie diese Imprimatur nicht verlieren.

Jedermann sollte ernsthaft daran arbeiten, den Schandfleck eines Massenmörders zu entfernen, der sogar definiert, wie wir uns selbst identifizieren. Der Name Columbus hat Amerika bedeutet. Wir haben einen südamerikanischen Staat Colomiba, der nach ihm benannt wurde. Die US-Hauptstadt ist ein Distrikt von Columbia; und Kanadas westlichste Provinz ist doppelt kolonisiert mit dem Namen British Columbia und Städte wie Columbus in Ohio und Institutionen wie Columbia-Universitätgibt es massenhaft. Die Indigenen, die unter der Invasion leiden mussten, wird ihre Kultur als prä- und post-kolumbisch eingeordnet. Die Verbrechen gehen weiter, da Millionen Menschen gewaltlsam mit dem Genozidaire in Verbindung gebracht werden.


©olumbus stellt die Italiener ins Zentrum des Siedler-Kolonialstaates.”


Der Gouverneur von New York ist nicht der einzige, der versucht, die Flut der Wahrheit zu stoppen. Eine Gruppe weißer Männer, die mit Gewehren und anderen Waffen bewaffnet waren, spürte die Notwendigkeit, eine Kolumbus-Statue in Philadelphia zu schützen. Diese Unnachgiebigkeit sagt uns, warum es so wichtig ist, die Massenmörder beim Namen zu nennen und zu beschämen. Ihre Glaubwürdigkeit muss zerstört werden, wenn die Vorherrschaft der Weißen jemals der Vergangenheit angehören soll. Die Statuen müssen verschwinden, und so müssen die Gräueltaten entschuldigt werden, wenn Weiße die Täter und Nicht-Weiße die Opfer sind.

Das Händeringen über die Entfernung des Denkmals ist nicht nur mit der Ehrfurcht vor diesen Individuen verbunden. Millionen von Menschen wollen Veränderungen, aber Millionen weitere wollen sie nicht, und sie halten an Columbus oder Leopold oder Churchill oder Robert E. Lee fest, weil ihre Identität und ihr Platz in der Gesellschaft fest an die Vorherrschaft der Weißen gebunden sind. Wenn eine Kolumbus-Statue herunterkommt, so könnte ein kleiner Teil der weißen Anspruchsberechtigung und ihrer Privilegien verloren gehen.

Die Denkmäler des Völkermords müssen niedergerissen werden. Das Unbehagen, das den Eliten bereitet wird, geht niemanden etwas an, der den Kern des Rassismus, wie er weltweit praktiziert wird, treffen will. Auf Wiedersehen und endlich Befreiung von Churchill, Kolumbus, Leopold und ihresgleichen.

Die Kolumne Freedom Rider von Margaret Kimberley erscheint wöchentlich in der BAR und wird andernorts vielfach nachgedruckt. Sie unterhält auch einen häufig aktualisierten Blog auf patreon.com/margaretkimberley und schreibt regelmäßig Beiträge auf Twitter @freedomrideblog. Frau Kimberley lebt in New York City und kann per E-Mail unter Margaret.Kimberley(at)BlackAgendaReport.com erreicht werden. 

Quelle – källa - source


Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Artikel, sehr informativ.

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  2. Die Ironie als, wenn westliche Regierungen (besonders die USA) von "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" sprechen/anprangern und dies als immer nur gegen Nicht-Westliche-Regierungen (wenn ein Regime Change geplant ist), aber selbst haben die Statuen von Verbrechern aufgestellt.

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