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Mittwoch, 17. April 2019

Warum so viele chinesische Beamte Selbstmord begehen

Wang Xiangwei
4. Dezember 2018
Aus dem Englischen: Stefan Lindgren
Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth
Liu Tienan,stellvertretender Chef von Chinas führendem Planungsorgan, erhält lebenslänglich.
Chinas Beamte sind deprimiert. Sie wurden gezwungen, vonihrem bequemen Leben und ihrem verschwenderischen Lebensstil Abschied zu nehmen. Und nun mussten sie auch Abschied nehmen von endloser Papierarbeit und unendlich vielen Versammlungen. Und als ob das nicht reichte, werden sie von Parteichef Xi Jinpings unerbittlicher anti-Korruptionskampagne aufs genaueste durchleuchtet, schreibt Wang Xiangwei, der Chefredakteur der South China Morning Post war und jetzt in Beijing arbeitet.

Gleich nachdem Präsident Xi Jinping an die Macht kam vor beinahe sechs Jahren lancierte er eine nie dagewesene anti-Korruptionskampagne, um seinen Griff um die Macht zu festigen und die Legitimität der regierenden Kommunistischen Partei zu stärken. Seither ist kaum ein Tag vergangen ohne Berichte über staatliche Beamte, die verhaftet oder ins Gefängnis unter Korruptionsanklagen kamen.

Mehr als eine Million Staatsbeamte sind bereits verurteil worden und Xi und seine rechte Hand Vizepräsident Wang Qishan haben bemerkenswerte Erfolge erzielt, wenn es darum geht, die einst unerhörte offizielle Korruption zu sähmen und dadurch die erste Phase ihrer Zielsetzung zu erreichen, dafür zu sorgen, dass die Beamten «nicht wagen, nicht können und nicht korrupt sein wollen».

Aber jetzt hat dies zu einem noch alarmierenderen Trend geführt, schreibt Wang. In den vergangenen Jahren ist ein zunehmende Anzahl Beamter gestorben, was die staatlichen Medien «unnormale Todesfälle» nennen, was in den meisten Fällen Selbstmord bedeutet.

Allein in diesem Monat gab es Berichte von sechs Beamten, die ihr Leben beendeten, einschließlich eines Beamten verantwortlich für soziale Sicherheit in der Stadt Wafangdian in Liaoning (er sprang aus seinem Bürofenster), ein Beamter, verantwortlich für die kommunale Ökonomie in Shifang in Sichuan, ein Beamter, der für die Cyber-Verwaltung in der Provinz Heilongjiang verantwortlich war sowie ein stellvertretender Bürgermeister in Hohhot, Hauptstadt der Inneren Mongolei (die sich alle in ihren Büros erhängten).