Bericht aus Kambodscha
Israel Shamir
18.
September 2012
Jetzt
in der Regenzeit ist Kambodscha grün, kühl und gelassen. Die
Reisfelder auf den niedrigen Hügelhängen sind geflutet, die Wälder,
die die alten Tempel verbergen, beinahe unpassierbar, eine rauhe See
schreckt die Schwimmer ab. Es ist eine angenehme Zeit, dieses
schlichte Land wieder zu besuchen: Kambodscha ist nicht übervölkert
und die Kambodschaner sind nicht gierig, sondern friedlich und
gelassen. Sie fischen Garnelen, Kalamares und Meerbrassen. Sie bauen
Reis an, unverdorben von Herbiziden, von Hand gepflanzt, gepflegt und
geerntet. Sie produzieren genug für sich selbst und auch für den
Export – sicher kein Paradies, aber das Land macht unermüdlich
weiter.
Der
Sozialismus wird schnell demontiert: Fabriken in chinesischem Besitz
stoßen T-shirts für den amerikanischen und europäischen Markt aus
und stellen tausende junger kambodschanischer Mädchen an, die 80 $
im Monat verdienen. Sie werden gefeuert beim ersten Anzeichen, eine
Gewerkschaft zu planen. Neureiche leben in Palästen; es gibt
reichlich Lexus-Autos und den einen oder anderen Rolls-Royce. Riesige
schwarze und rote, harte und wertvolle Baumstämme werden ständig
zum Hafen für Holzexport transportiert, was die Wälder zerstört,
aber die Händler reich macht. Es gibt viele neue Restaurants in der
Hauptstadt; NGO-Mitarbeiter verdienen in einer Minute, was ein
Arbeiter im Monat bekommt.