Madagaskar: Land des Hungers
Yanis Iqbal
21. Februar 2021
Aus dem Englischen: Einar Schlereth
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| Ein reiches Land, dessen Reichtum von den Superreichen gestohlen wird. |
Madagaskar ist in großer Not. Theodore Mbainaissem, der Leiter des WFP-Unterbüros in Ambovombe im Süden Madagaskars, sagt: "Den körperlichen Zustand von Menschen zu sehen, die extrem vom Hunger betroffen sind und nicht mehr stehen können... Kinder, die völlig abgemagert sind, alte Menschen, die nur noch Haut und Knochen sind... diese Bilder sind unerträglich... Die Menschen essen weißen Lehm mit Tamarindensaft, Kaktusblätter, wilde Wurzeln, nur um ihren Hunger zu stillen."
Ein Drittel der Menschen im Süden Madagaskars wird in den nächsten Monaten darum kämpfen, sich zu ernähren. Bis zur nächsten Ernte im April 2021 werden 1,35 Millionen Menschen "ernährungsunsicher" sein - fast doppelt so viele wie im letzten Jahr - und 282.000 von ihnen gelten als "Notfälle". Die allgegenwärtige Ernährungsunsicherheit in Madagaskar ist das Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren.
Armut
Ernährungssicherheit wird nicht nur durch einen Mangel an Nahrungsmitteln verursacht, sondern auch durch den Mangel an politischer und wirtschaftlicher Macht, um Zugang zu Nahrungsmitteln zu erhalten. Daher ist der Zugang zu Einkommen ein mögliches Mittel zur Linderung der Ernährungsunsicherheit. In Madagaskar hat die Mehrheit der Menschen keinen richtigen Zugang zu Einkommen.
Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Human Development Index des United Nation Development Programme (UNDP) von 2007/2008, einem Indikator, der die Errungenschaften in Bezug auf Lebenserwartung, Bildungsniveau und bereinigtes Realeinkommen misst, wurde Madagaskar auf den 143. von 177 Ländern gesetzt.
Die Wirtschaft Madagaskars ist winzig. Die Marktkapitalisierung des US-Tech-Riesen Facebook beträgt mehr als das 40-fache des madagassischen Nationaleinkommens. Allein der CEO des Unternehmens, Mark Zuckerberg, ist fünfmal reicher als der Inselstaat. Ein großer Teil des winzigen Nationaleinkommens Madagaskars wird von den Reichen angeeignet, was sich in der sinkenden Konsumfähigkeit der Armen widerspiegelt. Zwischen 2005 und 2010 ist der Konsum der ärmsten Haushalte um 3,1 Prozent gesunken.
Eine durch COVID-19 ausgelöste wirtschaftliche Rezession hat ein bereits verarmtes Volk geschwächt. Die kombinierten Auswirkungen von globalen Handelsunterbrechungen und Pandemieeinschränkungen haben schätzungsweise zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4.2 % im Jahr 2020 geführt. Die Armutsquote (bei 1,9 $/Tag) wird für 2020 auf 77,4 % geschätzt, gegenüber 74,3 % im Jahr 2019, was einem Anstieg von 1,38 Millionen Menschen in einem Jahr entspricht.
