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Donnerstag, 4. Oktober 2018

Amerikanische Kriege und Selbstaufgabe - Wie die letzte Supermacht ihrer Fesseln entledigt wurde


Für diese Übersetzung muss ich mich entschuldigen. Tom Engelhardt habe ich ja schon oft übersetzt, weshalb ich mich frohen Muts auch dieses Artikels annahm. Doch erzählt  er hier unglaublich viel Blech (die Krönung ist, dass er immer noch an Washingtoner 9/11 Story glaubt! Unfassbar!). Aber das war ziemlich am Ende und deshalb habe ich es auch zu Ende geführt. Also seht selbst.



Tom Engelhardt

15. Juni 2018

Aus dem Englischen: Einar Schlereth


Betrachten Sie es als die allamerikanische Version der menschlichen Komödie: eine große Macht, die ewig weiß, was die Welt braucht, und reichlich Ratschläge mit einer Tontaubheit gibt, die humorvoll wäre, wenn sie nicht so grauenvoll wäre. Wenn Sie schauen, finden Sie Beispiele dafür fast überall. Hier ist zum Beispiel eine Passage in der New York Times aus einem Stück über die topsy-turvy Trumpian-Verhandlungen, die dem Singapur-Gipfel vorausgingen. "Die Amerikaner und Südkoreaner", schrieb der Reporter Motoko Rich, "wollen den Norden davon überzeugen, dass die Fortsetzung des Überführens der meisten Ressourcen des Landes in seine Militär- und Atomprogramme das wirtschaftliche Wohlergehen seiner Bürger beeinträchtigt. Aber der Norden sieht die beiden nicht als sich gegenseitig ausschließend an."

Denkt einen Moment darüber nach. Die USA haben natürlich ein Upgrade ihres ohnehin schon massiven Atomwaffenarsenals in Angriff genommen (das ist noch bevor die Kosten überschritten wurden). Sein Kongress und sein Präsident haben sich seit Jahren als begierig erwiesen, jährlich mindestens eine Billion Dollar in den Haushalt des nationalen Sicherheitsstaates zu stecken (eine Zahl, die immer noch steigt und bei weitem die jeder anderen Macht auf dem Planeten übertrifft), während ihre eigene Infrastruktur schwindet und zerfällt. Und doch findet er die verarmten Nordkoreaner rätselhaft, wenn auch sie einen so extremen Weg gehen.

Ahnungslos ist kein Wort, das die Amerikaner normalerweise auf sich selbst als Land, Volk oder Regierung anwenden. Doch wie anwendbar ist es.

Und wenn es um Ahnungslosigkeit geht, gibt es einen anderen, weitaus seltsameren Weg, den die Vereinigten Staaten seit mindestens George W. Bush verfolgt haben, der nicht folgenreicher sein könnte und der doch irgendwie der am wenigsten wahrgenommene von allen bleibt. Zu diesem Thema haben die Amerikaner keine Ahnung. In der Tat, wenn Sie die Vereinigten Staaten auf die Couch eines Psychiaters legen könnten, könnte dies der richtige Punkt sein, um zu beginnen.

Das gezügelte Amerika

In gewisser Weise ist es die älteste Geschichte der Erde: der Aufstieg und Fall von Imperien. Und beachten Sie den Plural dort. Es war nie - zumindest nicht bis vor kurzem - ein Imperium, sondern immer Imperien. Seit dem fünfzehnten Jahrhundert, als die Flotten der ersten europäischen Kaisermächte mit Blick auf die Unterwerfung in die größere Welt einbrachen, war es immer ein Wettbewerb vieler. Es gab mindestens drei oder manchmal deutlich mehr aufsteigende imperiale Mächte, um die Vorherrschaft zu erringen oder langsam heraus fielen. Dies war per Definition die Geschichte der großen Mächte auf diesem Planeten: der herausfordernde Aufstieg, der herausgeforderte Niedergang. Man muss es über viele Jahrhunderte weg als den grundlegenden Strang der Geschichte begreifen, die Story, wie alles geschah, bis mindestens 1945, als nur noch zwei "Supermächte", die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, sich auf globaler Ebene gegenüberstanden.