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Donnerstag, 11. April 2019

Wir müssen die Kunst des gemeinsamen Badens wiederfinden


Ein interessanter und bedenkenswerter Artikel. Typisch ist natürlich, dass man so demonstrativ versäumt hat, jene zu benennen, die für die Beseitigung der Bäder und der Nacktheit gesorgt haben. Die Kurie ging mit gutem Beispiel voran – sie badete und schmorte in ihrem eigenen Dreck, was das gemeine Volk zum Vorbild nahm. Als die Inkas heißes Wasser bereiteten, um gefangene Spanier für die Vorstellung beim König präsentabel zu machen, schrieen diese wie die Sau am Spieß. Sie glaubten, man wolle sie fressen. Das Baden haben die Chrisen von den Arabern in Spanien erst lernen müssen. Und schnell wieder vergessen,als sie die Araber ausgerottet hatten. Und bei uns hat die Kirche im Verein mit den Feministinnen dafür gesorgt, dass die «scheußliche Nackbaderei» wieder ein Ende nimmt (siehe diesen Artikel).


Badekultur im alten Rom

Wir müssen die Kunst des gemeinsamen Badens 
wiederfinden


Jamie Mackay

6. Juni 2018


Aus dem Englischen: Einar Schlereth


Für den größten Teil der Geschichte unserer Spezies, in den meisten Teilen der Welt, war das Baden ein kollektiver Akt. Im alten Asien war diese Praxis ein religiöses Ritual, von dem man annahm, dass es medizinische Vorteile im Zusammenhang mit der Reinigung von Seele und Körper hat. Für die Griechen wurden die Bäder mit Selbstdarstellung, Gesang, Tanz und Sport in Verbindung gebracht, während sie in Rom als Gemeindezentren, Orte zum Essen, Bewegen, Lesen und Debattieren dienten.

Aber gemeinsames Baden ist in der modernen Welt selten. Während es Orte gibt, an denen es ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens bleibt - zum Beispiel in Japan, Schweden [nicht in Schweden sondern in Finnland! D. Ü.] und der Türkei – aber für diejenigen, die in Großstädten, insbesondere in der Anglosphäre, leben, ist die Praxis praktisch ausgestorben. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in London, New York und Sydney hat sich daran gewöhnt, allein, zu Hause, in Plexiglascontainern zu waschen oder in Duschen als funktionale Aktion, um den eigenen privaten Körper so schnell und effizient wie möglich zu reinigen.

Die Finsternis des Gemeinschaftsbades ist ein Symptom für einen breiteren globalen Wandel, weg von kleinen rituellen Gesellschaften hin zu riesigen urbanen Metropolen, die von losen Netzwerken von Privatpersonen bevölkert sind. Diese Bewegung wurde von außerordentlichen Vorteilen begleitet, wie der Massenverfügbarkeit und Bereitstellung von Dienstleistungen und Gütern, aber sie hat auch zu weit verbreiteter Einsamkeit, Apathie und dem Auftreten neuer psychologischer Phänomene, von Depressionen über Panik bis hin zu sozialen Angststörungen, beigetragen. Die «urbane Entfremdung», ein von Soziologen zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig verwendeter Begriff, ist zu einem Klischee für die Beschreibung der heutigen Welt geworden.

Es ist kaum vorstellbar, ein stärkeres Gegen-Bild zum dominanten Bild der Moderne zu entwerfen als das archetypische Badehaus. Natürlich sind diese Räume sehr unterschiedlich. Der japanische Sento mit seinen strengen Regeln und seiner anspruchsvollen Betonung der Hygiene könnte sich kaum von den berüchtigten, schmutzigen Waschhäusern des viktorianischen England unterscheiden. Ungarns riesige fürdő, von denen einige sich über mehrere Stockwerke erstrecken, bieten ein anderes emotionales Erlebnis als die Intensität der lakȟóta Schwitzhütte der Ureinwohner Amerikas. Was all diese Beispiele jedoch verbindet, ist die Rolle, die solche Räume spielen, um Menschen, die ansonsten getrennt lebten,zusammenzuführen und sie in eine Situation des direkten Körperkontaktes zu bringen. Es ist dieser Aspekt der Nähe, der auch heute noch von Bedeutung ist.