Samstag, 13. November 2010

Kampf den Wehrlosen

'Oma wurde die Handtasche entrissen' - 'Behinderter brutal niedergeschlagen und seiner Brieftasche beraubt' - 'Jugendliche überfallen Minderjährige und vergewaltigen sie' - 'Terror im Bus' - Derlei Nachrichten kann man fast täglich in den Medien lesen, hören oder sehen. Mindestens ebenso scheußlich wie diese Taten an sich sind, ist die Tatsache, dass es oft genug Zuschauer gibt, die nicht nur zu feige sind einzugreifen, sondern manchmal sogar noch Beifall klatschen. Diese Haltung ist keineswegs die Ausnahme oder auf ein Land begrenzt. Ich bin ihr überall in Europa und auch in außereuropäischen Ländern begegnet. Meistens leider nicht konkret. Denn meine Gewohnheit ist es, direkt und ohne Überlegung einzugreifen. Ob ich im Auto sitze und ein paar Jugendliche mit Baseballschlägern einen alten Mann traktieren sehe - ich lasse das Auto mitten auf der Straße stehen, springe raus, stürze auf die Typen los - und siehe da, die lassen ihre Knüppel fallen und hauen ob. Oder auf dem Markt sehe ich, wie ein kräftig gebauter Händler eine alte Frau übelst beschimpft, die in einem Haufen Abfall neben seinem Stand Brauchbares heraussucht. Er beschuldigt sie sogar, eine große Beule an seinem LKW verursacht zu haben. Ich beschimpfe ihn bewusst auf vulgärste Weise und biete ihm Prügel an in der Hoffnung, dass er das Angebot annimmt. Er versucht sich verbal zu verteidigen, als ein elegant gekleideter Mann neben mich tritt und zu dem Typen sagt: "Der Herr hier hat Recht, Sie sind ein Flegel." Und weiterging. Dem Typen fiel der Unterkiefer runter, seine ausländischen Gehilfen grienten.
Was beweist dies? Dass diese Rüpel und Schlägertypen feige sind, und dass man durchaus auf Unterstützung von Gleichgesinnten rechnen kann.
Aber ich will auf etwas Anderes hinaus. Genau diese Haltung können wir auch global tagtäglich in allen Medien - auf die Ausnahmen komme ich zu sprechen - lesen, hören und sehen. Die Staatsmacht lässt überall nicht auf Banksters, Vorstandsmitglieder von verbrecherischen Firmen oder Politiker einprügeln, sondern auf die ärmsten Schweine in einer Gesellschaft oder solche Menschen, die sich gegen Gewalt und Ungerechtigkeit auflehnen.
Was innerhalb der Staaten gilt, gilt gleichermaßen im zwischenstaatlichen Bereich.
Die stärkste Weltmacht aller Zeiten fällt über die kleinsten, schwächsten, ärmsten und möglichst unbewaffneten Staaten her, mordet, massakriert, foltert, vergewaltigt, bombt, kanoniert, brennt, bulldozert, verseucht und uranvergiftet ganze Länder. Aber das reicht noch nicht. Diese Weltmacht zwingt die 2., 3. 4. - stärksten Mächte mitzumachen. Und heute sind 46 Länder am Überfall auf Afghanistan beteiligt. Und nirgendwo ist ein Gefühl der Scham anzutreffen. Oder ein Gefühl der Unverhältnismäßigkeit der Mittel. Nichts dergleichen. Im Gegenteil, all diese Verbrecher, vom kleinsten Soldaten bis hinauf zum General und verantwortlichen Politiker, den Waffenproduzenten und hoch ausgebildeten Waffenentwicklern - sie werden gelobt für ihren Mut, ihre Weisheit, für ihre Friedensliebe, sie bekommen Medaillen und Orden und Nobelpreise.
Nun gibt es Leute, die meinen, das eingangs Gesagte und dies hier könne man nicht vergleichen. Ich habe früher oft versucht, mit diesen Leuten zu diskutieren, aber es ist fruchtlos. Es gibt die berühmte rote Linie, von der Arundhati Roy neulich gesprochen hat: entweder steht man auf dieser Seite oder auf der anderen Seite. Ich stehe mit ihr auf dieser Seite, wie übrigens auch schon Marx. Er sagte schon vor mehr als 100 Jahren: Die zwischenstaatlichen Beziehungen unterscheiden sich im Grunde nicht von den normalen zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie wahr. Auch er gehörte zu den Ausnahmen, der - wie wir heute - versuchte, die Welt menschlicher und gerechter zu machen, dass es eine Lust wäre, in ihr zu leben.

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