In einer ähnlichen Situation befand sich 1900 Deutschland unter Kaiser Wilhelm, dem ein ähnliches Sperrfeuer seitens der Weltmacht England entgegenschlug. Einige von uns dachten an die starke Allianz Russland-China, die eine Ausweitung der militärischen Macht überflüssig machen würde, aber wir haben dabei nicht in Rechnung gestellt, dass Putin bald geht und was dann passiert, steht in den Sternen. Also macht Xi das einzig Richtige: Vorbeugen! Und er ist in einer weit besseren Lage als Wilhelm II.
Die Welt verändert sich: China startet Kampagne für den Supermachtstatus
Dr. Ramzy Baroud
26. Oktober 2020
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Aus dem Englischen: Einar Schlereth
Die überholte Vorstellung, dass China "nur Geschäfte machen will", sollte aus unserem Verständnis der politischen Aussichten der aufstrebenden Weltmacht vollständig ausradiert werden.
Einfach ausgedrückt: Peking hat seit langem erkannt, dass es, um sein Wirtschaftswachstum ungehindert fortsetzen zu können, die notwendigen Instrumente entwickeln muss, um sich selbst, seine Verbündeten und deren gemeinsame Interessen zu schützen.
Die Notwendigkeit eines starken Chinas ist keine neue Idee, die der derzeitige chinesische Präsident Xi Jinping entwickelt hat. Sie reicht viele Jahrzehnte zurück und umfasst verschiedene nationalistische Bewegungen und letztlich auch die Kommunistische Partei. Was Xi Jinping von den anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass China dank des beispiellosen globalen Einflusses, den Peking während seiner Amtszeit (2013 - heute) erlangte, nun keine andere Wahl mehr hat, als sein "Wirtschaftswunder" mit einem militärischen zu vergleichen.
Donald Trump machte das Handelsdefizit zwischen seinem Land und China bereits vor seinem Machtantritt zu einem Eckpfeiler seiner außenpolitischen Agenda. Abgesehen davon ist es das Militärdefizit, das China am meisten beunruhigt. Während sich die Weltmedien oft auf Chinas militärisches Eindringen in das Südchinesische Meer konzentrieren - oft als "Provokationen" bezeichnet - wird der massiven US-Militärpräsenz rings um von China wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Zehntausende von US-Soldaten sind im Westpazifik und in anderen Regionen stationiert und bilden eine Einkesselung, alles mit dem Ziel, die Möglichkeit einer strategischen Expansion Chinas zu unterbinden. Zahlreiche US-Basen befinden sich auf der asiatisch-pazifischen Landkarte und sind vor allem in Japan, Südkorea, den Philippinen, Singapur, Guam und Australien stationiert.
Als Reaktion auf Chinas Militärmanöver im Südchinesischen Meer verfassten die USA die Nationale Verteidigungsstrategie 2018, die die Aussichten auf militärische Konfrontationen zwischen den USA und ihren asiatischen Verbündeten auf der einen Seite und China auf der anderen Seite erhöht. Die militärische Expansion der USA folgte bald darauf. Am 8. September berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Beamte, dass die Republik Palau "das Pentagon gebeten hat, Häfen, Basen und Flugplätze auf dem Inselstaat zu bauen".
Es liegt auf der Hand, dass das Pentagon eine solche konsequente Entscheidung nicht auf die Wünsche einer winzigen Republik wie Palau stützen würde. Der immens hohe strategische Wert des Landes - verteilt über Hunderte von Inseln im Philippinischen Meer, mit engen Verbindungen zu Chinas Erzfeind und US-Verbündeten Taiwan - macht Palau zu einer perfekten Wahl für noch mehr US-Militärstützpunkte.
Das ist nicht neu. Der Aufstieg Chinas und seine klaren Absichten, seinen militärischen Einfluss im Pazifik auszuweiten, hat die USA seit Jahren verärgert. Der "Pivot to Asia" von Barack Obamas Regierung im Jahr 2012 war die Geburtsstunde des neuen amerikanischen Glaubens hinsichtlich der bevorstehenden Herausforderungen, die in dieser Region auf sie warten. Die Nationale Verteidigungsstrategie von vor zwei Jahren war eine weitere Bestätigung dafür, dass sich der Schwerpunkt der US-Außenpolitik weitgehend vom Nahen Osten in den asiatisch-pazifischen Raum verlagert hat.
Die kompromissreiche Sprache, die in den 1980er und 90er Jahren zu einem Merkmal der chinesischen Außenpolitik wurde, wird nun von einem anderen Diskurs abgelöst, einem Diskurs der politischen Entschlossenheit und beispielloser militärischer Ambitionen. In seiner Rede auf dem historischen Kommunistischen Parteitag in Peking im Oktober 2017 erklärte Xi den Anbruch einer "neuen Ära", einer Ära, in der Entwicklung und Stärke synchronisiert werden müssen.
"Die chinesische Nation ... ist aufgestanden, reich und stark geworden. Es wird eine Ära sein, in der man China näher ins Zentrum rücken sehen und größere Beiträge für die Menschheit leisten wird", sagte er.
