![]() |
| Westend Verlag, 384 S.,, 24 € |
Eine Rezension von Einar Schlereth
6. Juni 2020
Wer sich nicht schon seit Jahrzehnten mit China beschäftigt hat, wird spätestens nach den ersten 100 Seiten nach Luft schnappen und sich fragen, ob das wirklich möglich ist, was da geschrieben steht. Kann das wahr sein? Unsere Medien berichten doch was ganz anderes. Aber dann erinnert er sich der vielen Fußnoten und schaut dort mal nach und muss feststellen, dass die meisten Fakten auch von westlicher Seite und oft sogar nicht freundlich gesinnter Quelle bestätigt werden.
WE (Wolfram Elsner) hat ein Standardwerk geschrieben. Weil er selbst wohl fürchtet, dass es schnell überholt sein wird, sitzt er nun schon am zweiten Buch und womöglich wird es sich in eine Serie verwandeln. Wahrscheinlich werden sie ebenso dicht mit Fakten gespickt werden wie dieses erste Buch.
Es kann bei dieser Faktenmasse auch nicht ausbleiben, dass das eine oder andere übersehen wird oder zu kurz kommt. So lese ich etwa auf Seite 14, dass im 16. Jahrhundert China “auf irgendeine Weise gegenüber eben diesem Europa ins Hintertreffen geriet und schließlich das Opfer des europäischen Kolonialismus wurde”. Da hatte ich vor kurzem gelesen, dass der damalige Kaiser sein Reich total gegen den Westen abschottete, die große Flotte mit Schiffen, die zigmal größer als europäische waren und Kanonen an Bord hatten, die nie eingesetzt wurden, verbrennen ließ mit sämtlichen Blaupausen für den Bau der Schiffe. Somit hat China sich selbst den Räubern ausgeliefert.
Die Kulturrevolution wird von WE etwas stiefmütterlich abgetan, wohl auf Grund der vielen negativen chinesischen Klagen und da vor allem von Seiten der Intellektuellen, für die es natürlich eine Schande war, eine Hacke in der Hand zu haben. Aber es gibt auch eine Menge Dokumente von Leuten, die ihre Erfahrungen positiv bewerteten, inklusive von Xi Jinping persönlich. Mao wollte die Partei regenerieren, die von revisionistischen und bürgerlichen Elementen verseucht war. Das nutzten Lin Piao und seine eigene Ehefrau für ihre Interessen aus u. a. durch Fälschung von Worten Mao Tsedungs (Wir müssen mit Worten, nicht Waffen überzeugen wurde in ‘Worte UND Waffen’ gefälscht).
Sehr wichtig ist WEs Richtigstellung des ‘Tian’anmen Massakers’ - eine faustdicke Lüge, die immer noch selbst in alternativen und sogar ‘linken’ Medien herumgeistert und die China sehr geschadet hat. Aber das war ja der Zweck der Übung. Wichtige und richtige Sachen vergessen die Leute blitzartig, bullshit bleibt ewig in den Hirnen kleben.
