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Donnerstag, 24. Mai 2012

Griechischer linker Führer Alexis Tsipras: „Es ist ein Krieg zwischen dem Volk und Kapitalismus.“

Also wenn man genauer hinhört, was Tsipras so sagt, dann kommt - mir wenigstens - das alles etwas nebulos vor. Kein Wort davon, dass es sich um sog. unethische Schulden handelt, genau wie in Ecuador, wo diese aber von Correa nicht anerkannt wurden, sondern erfolgreich neu ausgehandelt wurden. Dann spricht er zu Recht davon, wie miese Griechenland von der EU behandelt wurde, hat aber im Grunde gar nichts gegen EU und Euro, die uns den ganzen Mist beschert haben. Ich glaube vorerst nicht die Hälfte von dem, was er machen will. Ich will sehen, was er tut, wenn er gewählt worden ist. Er täte jedenfalls gut daran, sich bei Leuten wie Correa, Chávez, den Isländern und den Argentiniern ein bisschen schlau zu machen.


Helena Smith

22. Mai 2012


„Ich glaube nicht an Helden oder Erlöser“, sagte Alexis Tsipras, „aber   ich        glaube an den Kampf für das Recht … niemand hat das Recht, ein stolzes Volk in so einen Zustand von Elend und Würdelosigkeit zu stoßen.“

Der Mann, der das Schicksal des Euro in seinen Händen hält – als Führer der griechischen Partei, die gewillt ist, das 130 Mrd. € Rettungsaktions-Abkommen zu zerreißen – sagt, Griechenland steht an vorderster Front in einem Krieg, der ganz Europa umfasst.

Eine lange Bombardierung durch den „neo-liberalen Schock“ - drakonische Steuererhöhungen und erbarmungslose Ausgabenkürzungen – haben einen immensen Kollateralschaden verursacht. „Wir sind niemals in so einer schlechten Lage gewesen“, sagt er mit aufgekrempelten Hemdsärmeln und schaut in die Ferne an seinem Schreibtisch in dem kleinen Büro, das er im Parlamentsgebäude mit anderen teilt. „Nach zweieinhalb katastrophalen Jahren sind die Griechen in die Kniee gegangen. Der Sozialstaat ist zusammengebrochen, einer von zwei Jugendlichen ist arbeitslos, Leute wandern massenhaft aus bei dem psychologischen Klima aus Pessimismus, Depression, massenhaften Selbstmorden.“

Aber obwohl erschöpft und kampfesmüde ist das Land an der Front von Europas wachsender Schuldenkrise und am Rande des Abgrunds in den Bankrott schwankend, dennoch auch gestählt worden. Und immer mehr schauen zu Tsipras auf, um ihren Kampf zu führen.

„Niederlage ist die Schlacht, die nicht geschlagen wurde“, sagt der junge Politiker, der beinahe über Nacht seine radikale linke Koalitionspartei Syriza mit weniger als 5% der Wähler auf 25% bei Meinungsumfragen hochschnellen sah.

„Sie fragen mich, ob ich Angst habe. Ich hätte Angst, auf diesem Weg weiterzugehen, einem Weg in die soziale Hölle … wenn jemand kämpft, dann gibt es eine große Chance, dass er gewinnt, und wir kämpfen, um zu gewinnen.“