Dienstag, 1. März 2011

Das Licht der Revolutionen und die Finsternis unserer westlichen Gesellschaften

Tag für Tag versuchen wir auf http://www.tlaxcala-int.org/ für uns selbst und für unsere Leser einen Überblick zu verschaffen, was in Nordafrika und dem Nahen Osten vor sich geht. Der Ablauf der Ereignisse ist einfach überwältigend. Man gewinnt den Glauben an den Menschen, der einem manchmal droht abhanden zu kommen, zurück. Wieviel Freude, Hoffnung, Zuversicht die Menschen dort ausstrahlen, aber wie oft auch sieht man schmerzverzerrte und leidgeprüfte Gesichter durch den Verlust von geliebten Menschen oder verursacht durch schwere Verletzungen.
Aber sie scheinen zu wissen, dass sie durchhalten müssen, dass sie nicht auf halbem Wege stehenbleiben können, denn sonst wären die Opfer an Toten und Verwundeten, wären die Hoffnungen umsonst gewesen.
Und was sehen wir hier auf der Galerie, auf der anderen Seite des Mittelmeers?
Ein Ausmaß an Heuchelei, Krokodilstränen, Zynismus und abscheulichen Manövern, um den Menschen dort das Errungene - und das noch nicht Erreichte - aus den Händen zu winden.
Denn insgeheim wissen wir: würden alle diese Menschen - nicht nur im Nahen Osten und Nordafrika sondern in der gesamten sogenannten Dritten Welt - ihre Freiheit, nicht nur die politische, sondern vor allem auch die wirtschaftliche erringen, dann wären die goldenen Zeiten für uns vorbei, in denen wir die Güter aus der ganzen Welt für 'nen Appel und ein Ei bekommen (wovon wir am untersten Ende meist nicht so viel merken, aber umso mehr die großen Gesellschaften, die Konzerne, die Multis und Militäts,  die Milliardengewinne einstreichen).
Und noch etwas berührt mich sehr unangenehm. Viele progressive oder meinetwegen auch linke Journalisten, Reporter verbeissen sich in "ihren" Diktator und versuchen ihn, in den allerschlimmsten Farben zu malen. Ich weiss nicht, was das soll. Glauben sie, dass Polizeiknüppel in Marokko gelinder sind als in Bahrain? Dass Gefängnisse süßer duften bei Mubarak als bei Gaddafi? Dass Folter in Algerien weniger brutal ist als in Saudiarabien? Verstehen sie nicht, dass alle diese Figuren, die von unseren Staatschefs oder Chefinnen, Diplomaten, Experten und Geschäftsleuten so fest umarmt und abgeknutscht wurden, eine Mischpoke sind? Der eine so abscheulich wie der andere.
Was mögen sie für Gefühle hegen für ihren dicken Freunde von gestern, die sie heute wie eine heiße Kartoffel fallenlassen? Man sollte sie alle zusammen auf eine einsame Insel schicken, wo sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen könnten.
Wenn ich Glück habe, träume ich von dem Spektakel.

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