Sonntag, 24. April 2011

Libyen und Elfenbeinküste - klassische neokoloniale Interventionen

Nachdem der Propagandastaub von Pentagon und NATO sich etwas gelegt hat, beginnt sich ein ganz anderes Bild vom "Diktator" Gaddafi und dem vom Westen auserkorenen Wahlsieger Ouattara in der Elfenbeinküste abzuzeichnen. Gaddafi bewaffnet das Volk, um gegen die neuen (alten) Kolonialherren ihr Land zu verteidigen und unterzeichnet mit der UNO ein Abkommen für humanitäre Hilfe. Unterdessen sind Ouattaras Soldateska und französische Killerbanden in der Elfenbeinküste am Aufräumen, was regelrechte Gemetzel bedeutet.
In Libyen ist es den Gaddafi-Truppen gelungen, einen hohen Al Qaida Führer im Kampf zu töten. Als Gaddafi am Anfang der Rebellion sagte, dass Al Qaida Elemente in ihr eine Rolle spielen, da hat man ihn in den westlichen Medien ausgelacht, obwohl die CIA genau wusste, dass es stimmte. Nun ja, was uns unsere Medien alles aufgetischt haben, entpuppt sich nach und nach als das, worin sie am besten sind und wofür sie schließlich bezahlt werden: als Lügen.
Er habe seine "eigenen" Leute bombardiert, er sei ein Rassist, er habe schwarze
Söldnertruppen angeworben, seine Mutter sei ein Jüdin, die Bewohner Libyens litten Hunger und was weiss ich alles. Und es bleibt nicht aus, dass bei jedem von uns auch immer etwas hängenbleibt, wenn Lügen hunderttausendfach wiederholt werden.
Ich bin insbesondere Cynthia McKinney, ehemalige US-Kongressabgeordnete und Kandidatin für die Präsidentschaft zu Dank verpflichtet, da sie in ihrem Rundbrief uns auf Quellen verwiesen hat, die von kompetenten Betroffenen stammen:
1. dem schwarzamerikanischen Molefi Asante, Professor an der Temple Universität, Historiker und Philosoph und Autor von ca. 70 Büchern, dessen Video-Vortrag man hier hören/sehen kann.
2. dem Kameruner Jean-Paul Pougala, Professor an der Diplomacy University (Diplomatie-Universität) in Genf, dessen eingehende Analyse man hier lesen kann.
Es verschlägt einem die Sprache, wenn man liest, was Gaddafi alles für ganz Afrika getan hat. Und es verwundert einen gar nicht mehr, dass die Afrikaner ihn schätzen und lieben, u.a. Mandela, der nach seiner Freilassung als erstes Gaddafi
besucht hat (wobei er dem US-Embargo trotzte), um ihm für seine Hilfe bei der Beseitigung des Apartheid-Systems und seine Freilassung zu danken.
3. dem Hauptbetroffenen Muammar Gaddafi mit seiner Rede, die er am 1. Oktober 2009 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen gehalten hat und die man hier auf Englisch lesen kann und auf der sehr zu empfehlenden antikrieg-Seite von Klaus Madersbacher auf deutsch hier.
Ich habe selten eine derart vernünftige und radikale Kritik an der UNO gehört oder gelesen. Dabei ist er sehr diplomatisch vorgegangen, doch gleichzeitig mit beißender Ironie. Er hat die Geschichte des grandiosen Versagens dieser Organisation für den "immerwährenden Frieden", die 65 Kriege zugelassen und sogar befördert hat, zusammengefasst und ihr ganzes Konzept in der Luft zerrissen. Aber er hat auch konkrete und vernünftige Vorschläge für ihre Umwandlung in ein wirklich demokratisches Friedensinstrument gemacht und zur Diskussion gestellt. Diese Rede sollte jeder lesen, um selbst bestimmen zu können, ob Gaddafi ein Verrückter ist oder nicht.

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