Mir gefiel dieser Artikel, weil er mich an eine Freundin erinnert, die früh heiratete, zwei reizende Töchter bekam, aber nie eine höhere Schulbildung genoss. Obwohl sie sich bald von ihrem wohlbestallten, aber sehr bürgerlichen Ehemann trennte und ihre Kinder allein erzog, fand sie doch immer die Zeit, sich eifrig weiter zu bilden. „Ich will nicht so dumm sterben, wie ich geboren wurde“, sagte sie einmal. Und darum geht es auch in diesem Artikel.
So viele Menschen sind glücklich, so dumm zu bleiben, wie sie geboren wurden. Sie arbeiten fleissig, heiraten, bauen ein Häusli, ziehen Kinder groß, essen gut und trinken (oft) gerne, lieben Fußball und ihren Fernseher, und ansonsten kümmern sie sich einen Dreck um ihre Mitmenschen, die Gesellschaft und das, was in der Welt vorgeht. Sie sind in keiner Gewerkschaft, demonstrieren nie und Solidarität ist für sie ein Fremdwort. Aber wenn ihre Kameraden höhere Löhne erkämpfen, dann kassieren sie die gerne ab und schauen genau hin, ob sie nicht betrogen worden sind. Was soll man dazu sagen? Sicher hat die Gesellschaft auch ihren Anteil daran, aber ein großer Teil der Schuld trifft sie auch selbst. Dies betrifft natürlich nicht die Milliarden Menschen in der Welt, die niemals die geringste Chance hatten, wenigstens eine anständige Arbeit, eine Wohnung und ausreichend Nahrung für sich und ihre Familie zu erwerben, geschweige denn so einen Luxus wie Bildung. Das würde ich eine Welt für Sklaven, aber nicht für Menschen nennen. Nichtsdestoweniger ist der Artikel lesenswert und gibt Stoff zum Grübeln.
von Herman Daly
16. Juni 2012
Wir werden alle saudumm geboren. Und nachdem wir ein Leben lang Wissen angehäuft haben, sterben wir prompt. Dumme Babies ersetzen die gebildeten Eltern. Wissen ist eine sich erschöfende Quelle; Ignoranz ist erneuerbar. Ja, die Bibliotheken und Datenbanken wachsen, aber Wissen muss letzlich in den Köpfen lebendiger Menschen existieren, um effektiv zu sein und sich weiterzuentwickeln – ungelesene Bücher, nicht gesehene Videos und nicht benutzte Festplatten sind leblos.
Wie Sisyphos wälzen wir den Felsen bergauf, nur damit er wieder hinunterrollt. Fortschritt ist nicht vollständig illusorisch. Jedoch besteht er aus drei Schritten vorwärts und zweieinhalb rückwärts.
Aufeinnanderfolgende Generationen wiederholen frühere Fehler. Sie erfinden auch neue. Jede Lösung für einen gegebenen Fehler wird gewöhnlich in 2 bis 3 Generationen vergessen, und wir müssen erneut lernen. Aber es ist nicht alles schlecht – schließlich sind Babies reizend und glücklich, während alte Leute mürrisch sind – Unwissenheit ist ein Seligkeit. Das Leben besteht aus mehr als Wissen. Die Lebenserwartung ist gestiegen, so dass die Alten mehr wissen, wenn sie sterben, und lassen Babies zurück, die noch mehr zu lernen haben.