Mittwoch, 15. Juni 2011

Der Krieg in Afghanistan geht verloren

von Rizwan Asghar
am 7. Juni 2011
übersetzt von Einar Schlereth für Tlaxcala

Eine Reihe von Ereignissen in den vergangenen Monaten haben die Auffassung weiter bestärkt, dass der Krieg in Afghanistan eine nicht willkommene Wendung genommen hat, und dass Obamas afghanische Strategie in Scherben liegt. In einem Akt der Verzweiflung hat General Petraeus scheinbar zur „Anti-Afghanen-Strategie“ gegriffen, nach dem vollständigen Versagen seiner sogenannten Anti-Aufstands-Strategie.
anti-Raid-Demonstration
Eine ITV-Dokumentation [engl. Kanal] zeigte kürzlich US-Truppen in Afghanistan, die Leute aus ihren Häusern jagten und diese dann verbrannten, einfach, um Platz für Fahrzeuge zu schaffen oder freies Schussfeld zu haben. Insiderberichte sprechen auch davon, dass dass die US-Truppen in Afghanistan so frustriert sind, dass sie Kinder eins nach dem anderen aufgreifen und skrupellos umbringen.
Am 1. März wurden neun afghanische Kinder von NATO -Helikoptern getötet, die Feuerholz sammelten, was nicht als „Fehler in der Hitze des Gefechtes genannt werden kann“. Ein paar Tage zuvor, am 17. Februar, hatte die NATO 64 Zivilisten, darunter 29 Kinder in der Provinz Kunar durch Luftangriffe getötet. Die Situation hat sich zu dem Grad verschlimmert, dass Präsident Karzai sich öffentlich gegen die Amerikaner wandte, wegen deren völliger Missachtung der Würde des afghanischen Volkes.
erfolgreicher Überfall
Exzessives Vertrauen auf Luftangriffe durch die NATO und fortgesetzter Einsatz von gewöhnlichen Leuten als menschliche Schilde durch die Taliban haben zu zivilen Opfern geführt und anschließender Wut der Afghanen.
Neuerdings schreiben von der CIA geworbene Analytiker in verschiedenen internationalen Zeitungen, dass die US- Truppenerhöhung die Waagschale zu Ungunsten der Kämpfer gegen die Besatzung in Afghanistan verändert. Bei einer Anhörung vor dem Senat sagte General Petraeus dass „der von den Taliban seit 2005 gewonnene Aufschwung im größten Teil des Landes aufgehalten und in einigen wichtigen Gebieten sogar umgekehrt worden sei.“ Aber in Wirklichkeit sind die bisher gemachten Gewinne sehr fraglich und die Probleme für die imperialistischen Streitkräfte werden größer. Mehr als 200 NATO-Soldaten sind in den ersten fünf Monaten von 2011 gefallen.
Die Taliban haben im Süden Widerstandskraft gezeigt und üben beträchtlichen Einfluss über die Mehrheit der Bevölkerung aus, insbesondere außerhalb der städtischen Zentren. Es hat keine sichtbare Verringerung ihr Kampffähigkeit stattgefunden. In den kommenden Tagen wird wahrscheinlich die Tätigkeit der Aufständischen weiter zunehmen, während die Sicherheitssituation sich schnell in ganz Afghanistan verschlechtert. Versuche, ex-Taliban-Kämpfer in einem Friedens- und Versöhnungs-Programm anzuwerben, hat nur zu einer sehr geringen Zahl Überläufer zu den Auslandstruppen geführt.
Die Operationen der Spezialeinheiten, die verantwortlich sind für Morde und nächtliche Überfälle auf Häuser, sind ein Grund für die Entfremdung der Afghanen. Yama Torabi von Integrity Watch (Überwachung des Anstands) hat kürzlich gesagt: „Die Dorfbewohner vergeben den Amerikanern nicht die Ermordung ihrer Söhne, nur weil sie eine Straße oder Brücke bauen.“
Laut einer neuen Untersuchung wollen 90 % der Bevölkerung, dass die NATO mit dem Abzug ihrer Truppen so bald wie möglich beginnt. Die Angriffe auf die Besatzungstruppen sind seit dem vergangenen Jahr um 66% gestiegen und die Kämpfer gegen die Besatzung haben neue Fronten im Norden und Westen des Landes eröffnet.
Obwohl Präsident Obama versprach, mit dem Abzug von Truppen im Juli zu beginnen, wird bereits von einigen US-Beamten davon gesprochen, dass es keine merkbaren Abzüge geben wird. Der Vorschlag vom Pentagon ist es, 98000 US-Truppen plus 50000 aus anderen Ländern im nächsten Jahr auf afghanischen Boden zu haben.
Der Vorwand, dass NATO-Truppen einheimische Truppen trainieren, um die Sicherheit des Landes zu übernehmen, ist geradezu lächerlich. Ein Bericht des US-Generals für Sonderinspektionen des afghanischen Wiederaufbaus fand, dass ca. 27 000 afghanische Soldaten – ein Drittel der Armee – zu jedem beliebigen Zeitpunkt nicht im Dienst sind. Diese Politik hat in Vietnam und Irak versagt und ist auch in Afghanistan zum Scheitern verurteilt.
Es wird gesagt, dass jedes Mal, wenn die Geschichte sich wiederholt, der Preis höher wird. Der Fall des US-Wahns in Afghanistan ist keine Ausnahme und das Scheitern in diesem Krieg ist unausweichlich.

Originallink mit weiteren Angaben hier.

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