Mittwoch, 20. Dezember 2017

Einar bloggt für Freiheit


Zu meinem 80. Geburtstag hat die konservative 'Smålandsposten' tatsächlich einen recht guten Artikel von Marie Peterson-Engnell veröffentlicht. Hilfreich war, dass Marie eine Klassenreise gemacht hat - aus einem Arbeitermilieu zur langjährigen - mittlerweile frei schaffenden - Mitarbeiterin einer großen Zeitung. Eine hübsche Pointe trat hier zutage: mehrere Brüder und ihr Vater haben zur selben Zeit wie ich in der Porzellanfabrik von Gustavsberg außerhalb Stockholms gearbeitet, weil es hier keine Arbeit gab.

SMÅLANDSPOSTEN
Montag, 18 Dezember 2017

In einem kleinen roten Haus in Klavreström werden Texte über Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit geschaffen, die von Menschen in der ganzen Welt gelesen werden. Hier wohnt der Schriftsteller und Friedensaktivist Einar Schlereth, der jeden Tag Material für seinen mehrsprachigen Blog produziert.

Einar bloggt für Freiheit
 
Bei Einar Schlereth geht der Ofen häufig aus, aber er ist immer noch Feuer und Flamme in seinem Engagement für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit wie 1968. Foto: Marie Petersson-Engnell

Grattis - „Wenn ich am PC sitze verfliegt die Zeit,“ sagt Einar Schlereth. „Das Feuer in der Küche geht aus und ich vergesse zu kochen.“
Bei Einar Schlereth kann der Ofen häufig ausgehen, aber er ist immer noch Feuer und Flamme in seinem Engagement für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit wie 1968, als er zum ersten Mal Karl Marx las und dann schwedische Arbeiterverfasser wie Vilhelm Moberg, Ivar Lo-Johansson, Moa Martinsson etc.
Viele literarische wichtige Persönlichkeiten traf er auch, wie etwa Jan Myrdal, mit dem er sich anfreundete und von dessen Arbeiten er u.a. sein Buch Indien er ins Deutsche übersetzte.
Ursprünglich ist Einar nämlich Deutscher. Er wurde 1937 in Marienwerder/Westpreußen geboren. 1945 floh er mit Eltern und Geschwistern zu den Großeltern in Bad Neustadt.
Mein Vater war Faschist, aber mein Großvater war Humanist. Ich habe wohl viele meiner Gedanken von ihm geerbt. Ich brach den Kontakt mit meinen Eltern wegen ihrer Ansichten ab.“
So kam es, dass Einar eine Menge Gelegenheitsarbeiten übernahm, um seine Studien Anglistik und Romanistik zu finanzieren. 1961 bekam er von einem Studenten den Tip, dass man in Iggesund Waldarbeiter brauchte. Einar reiste hoch.
Zu jener Zeit bestand das Werkzeug aus einer Axt und einem Fuchsschwanz. Wir waren 120 Waldarbeiter, die wirklich am schuften waren. Ich arbeitete so hart wie möglich und hatte am Ende den höchsten Ackord. Ich konnte 2000 Kronen sparen, was damals eine Menge Geld war. [Die Krone war damals mehr als die Dmark wert.]“
Einar gewann sowohl die Menschen als auch die Kultur und Natur in Schweden lieb. So kam es, dass er nach Schweden im Jahr 1966 zurückkehrte zusammen mit Linda, der neuen Lebensgefährtin.


Sie hatten einen dreiwöchigen Ferienaufenthalt geplant, der aber zwei Jahre dauerte. Einar fand in der Porzellanfabrik in Gustavsberg Arbeit und seine Familei wuchs um eine Tochter. Es war in jenem Jahr dass Einar Marx studierte und Freunde sowohl in Schriftstellerkreisen als auch der Arbeiterbewegung Schwedens fand.
Mir gefiel es, aber die kalten, langen Winter waren für Linda zu viel, weshalb wir nach Deutschland zurückkehrten.“ Einar etablierte sich allmählich als frilans-Journalist beim Rundfunk und als Übersetzer. Gleichzeitig schrieb er seine ersten Bücher über Kina und Indonesien.
Für mich war es immer wichtig, die Menschen und die Kultur, über die ich schrieb, zu verstehen, weshalb ich mehrere Sprachen lernte, u. a. Kisuaheli, bevor wir nach Tansania zogen, um über Land und Leute zu schreiben.“
Zwei Jahre lang, von 1979 – 1981 lebte die Familie in Sansibar und Tansania.
Wir lernten die Sprache, wodurch wir überall viele Freunde gewannen. Ich schrieb für den NDR Reportagen und gleichzeitig an zwei Büchern. Ein Auto hatten wir nicht, weshalb wir immer mit Bus, Bahn oder dem Schiff reisten..“

Einar ist weit herumgekommen und verbrachte u. a. ein ganzes Jahr in Andalusien, bis er am Ende wieder nach Schweden kam, im Jahr 1994. Diesmal alleine. Er fand In Klavreström sein Traumhaus in einem Milieu, wo er sich gleich zuhause fühlte.

Schweden hatte sich leider sehr verändert, seit den 60-er Jahren. Aber in der Industrie-Arbeiterschaft in dem ‚Dorf‘ gab es noch die Begriffe wie Volksheim und Solidarität. Hierher holte ich meinen guten Freund Kalle Hägglund und hier sammelten sich häufig Schritsteller, die in einer Sprache schrieben, die das Volk verstand.

Hier gibt es außerdem eine phantastische Natur. Im Winter fahre ich viel Ski oder Schlittschuh. Im übrigen Jahr bin ich gerne im Wald oder arbeite im Garten. Für jemand, der viel am Komputer sitzt, ist es schön, auch mal richtig ranzuklotzen und mit seinen Händen zu arbeiten.“

Marie Peterson-Engnell




80 Jahre
Einar Schlereth
Geburtstag: 18. Dezember 1937
Wohnort: Klavreström
Arbeit: Verfasser, Journalist, Übersetzer, Blogger, Friedensaktivist
Interessen: Garten, Bauen, Pilze, Ski- und Schlittschuhfahren u. m. Literatur und Politik.
Motto: „Mich interessiert nicht, was die Leuten sagen, was sie SIND, sondern ich will sehen, WAS sie tun.“
Übriges: Mitglied in der Palästina- imd Irak-Solidarität, wo wir mitarbeiten, um Kindern mit Kriegsschäden zu helfen. Mitgleid in der Indien- und Afghanistan-Solidarität und der Myrdal-Gesellschaft. Hat mehrere Bücher über Indonesien, Tansania und China herausgegeben.
Feiert: Am Geburtstag mit hiesigen guten Freunden und am 2. Januar mit Freunden, die von Europa-Festland rüberkommen.













Kommentare:

  1. Na allerherzlichste Glückwünsche, ich komm immer wieder gern in Ihren Blog. Superinformativ, herzliche Grüsse aus Bayern und beste Gesundheit

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  2. Schliesse mich dem an! Und danke fuer Deine unermuedliche Arbeit im Blog.
    Moho

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  3. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Herr Schlereth. Schaue täglich in ihren Blog rein, ob neue Berichte da sind.
    Vielen Dank für Ihre Arbeit. Weiter so bitte.

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  4. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute Herr Schlereth, ich lese Ihren Blog gerne. Hoffe Sie werden 100 Jahre alt! Danke und Grüße aus dem Libanon

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  5. auch von mir alles Liebe und Gute nachträglich zum Geburtstag.
    Vielen Dank für die viele Arbeit. Die wundervollen Artikel und die vielen Übersetzungen.
    Ohne Internet wäre das gar nicht möglich. Ich hoffe es bleibt uns noch lange zugänglich in der jetzigen Form. Obwohl ich da so meine Zweifel habe. Deutschland versucht ja diesbezüglich China nachzueifern. Unter Meinungsfreiheit wird hier verstanden, die Meinung der "Herrschenden."
    Umso erfreulicher ist es, dass es noch Menschen gibt, die einen Blog betreiben, der wirklich lesenswert ist.
    Frohe Festtage und liebe Grüße
    aus Deutschland

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    1. Liebe Palina, vielen Dank für deine Glückwünsche und den Dank für meine Arbeit. Aber ich habe eine Bitte, der sehr gute Journalist André Vltchek, den ich als erster ins Deutsche übersetzt habe und der auch vor einigen Jahren meiner Einladung nach Schweden gefolgt ist, hat viele Artikel über China geschrieben, wo er häufig recherchiert und auch Vorträge hält. Zwei habe ich auf jeden Fall übersetzt. Lies sie bitte und dann wirst du sagen: wären wir doch in China. Z. B. https://einarschlereth.blogspot.se/2013/05/nicht-china-sollte-gefurchtet-werden.html oder hier https://einarschlereth.blogspot.se/2014/02/um-der-menschheit-und-seiner-selbst.html Weißt du im übrigen, dass China das Land ist, das am radikalsten gegen die Korruption vorgeht? Dort sitzen schon fast 1 Million hohe und höchste Beamte und Gouverneure hinter Gittern. Recht so! Nicht nur immer die Putzfrau. Alles Gute Einar

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  6. Gib einfach Vltchek + China oben rechts in die Suchmaschine ein, dann kommen sie alle hoch.

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  7. Herzlichen Glückwunsch! Dezember-Kinder sind eben doch die Besten!

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  8. Alles Gute zum Geburtstag und weiterhin viel Kraft für die gelungenen Kommentare.

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