Donnerstag, 24. Mai 2018

Hundert französische Frauen stellen den Neu-Puritanismus in Frage



Stefan Lindgren
14. Januar 2018


Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth


Einhundert bekannte Französinnen, u. a. die Schauspielerin Catherine Deneuve brachten am Dienstag einen Artikel in der Le Monde heraus, in dem sie die «puritanische» Welle anklagen, die ihrer Meinung in Folge der #metoo-Bewegung entstanden ist.

Die Bewegung ist zu weit gegangen, meinen sie, und denken da in erster Linie an die USA und Großbritannien, da in Frankreich keine Köpfe rollten. Sie infantilisiert die Frauen und verneint deren sexuella Kraft.

«Als Frauen kennen wir uns in diesem Feminismus nicht wieder, der weiter geht, als den Machtmissbrauch zu verurteilen und sich verwandelt hat in einen Hass gegen Männer und die Sexualität», schreiben sie. «Vergewaltigung ist ein Verbrechen, aber es ist keins, jemanden zu verführen versuchen, auch wenn es plump geschieht.» Sie fuhren fort: «Das ist der Charakter des Puritanismus, unter dem Namen des vermuteten kollektiven Guten, die Frauen zu schützen und ihre Befreiung, aber sie stattdessen an ihren Status als ewige Opfer zu ketten, die von dämonischen Phallokraten kontrolliert werden ...»

Sie fuhren fort: «Wir verteidigen das Recht zu verführen, als unentbehrlich für die sexuelle Freiheit. Wir sind uns heute hinreichend bewusst, um zu erkennen, dass der Geschlechtstrieb natürlich offensiv und wild ist, aber wir sind auch deutlich, plumpe Anmache nicht mit sexueller Aggression zu verwechseln.»

Weitere Unterzeichnerinnen des Artikels sind Catherine Millet, die Verfasserin des Bestseller-Romans «Catherine M’s sexuelles Leben»; Sarah Chiche, Verfassrin und Psycho-Analytikerin; Catherine Robbe-Grillet, Schauspielerin und Verfasserin; Peggy Sastre, Verfasserin und Journalistin und Abnousse Shalmanim, Verfasserin und Journalistin.

Der Artikel polemisiert gegen etwas, was sie glauben sei eine Gesetzesvorlage in Schweden, die verlange, dass eventuelle Sexpartner im vorhinein schriftlich festlegen sollten, was sie wollten, was «an das Lächerliche grenze».

Der Artikel meint, dass die «Bekenntnisse», die Männer nach den Anklagen wegen 30 Jahre alter alter Sünden ablegten, an verschiedene autoritäre Systeme und Gedankenkontrolle erinnere, und dass damit riskiert werde, eine totalitäre Stimmung in der Gesellschaft zu schaffen.

Quelle: Le Monde 9/1

Der Artikel auf Englisch ist hier zu finden.
Am 15. Januar 2018 wandte sich Catherine Deneuve in der Libération an die vergewaltigten Frauen, die den Artikel der 100 Frauen über genommen hatten und eine Entschuldigung verlangten. Sie hat auch die Gelegenheit ergriffen, ihren Standpunkt zu präzisieren und verteidigte insgesamt den Artikel in Le Monde.

Kommentare:

  1. Das ist ein wirklich schwieriges Thema. Wenn es zu einer Vergewaltigung gekommen ist (unter vier Augen) dann ist es in aller Regel schwer,für Aussenstehende, zB. ein Gericht, die Wahrheit zu ermitteln. Denn Frauen neigen dazu aus einem ursprünglich einvernehmlichen Geschlechtsverkehr eine Vergewaltigung zu konstruieren, wenn der Partner plötzlich nichts mehr von ihr wissen will.
    Viele Frauen schlafen mit ihrem Chef oder Produzenten weil sie sich dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil versprechen. Wird diese Hoffnung dann enttäuscht, konstruieren sie eine Vergewaltigung.
    Eine "Anmache" primitiv oder seriös (wenn das überhaupt zu definieren ist) wird von vielen Frauen sogar erwartet. Wenn da nichts kommt fühlen sie sich nicht begehrenswert.
    Auf einem Supertanker haben wir Krankenschwestern in Südengland eingeladen. Vorher hat der Elektriker auf der Salontoilette ein Mikrofon eingebaut, weil bekannt war, dass Frauen sich auf der Toilette ungeschminkt über das Männerangebot unterhalten. Einer von uns musste dann aber in der Nachbarkabine sitzen und die Gespräche mithören. Wir waren dadurch bestens informiert wie die "Damen" über uns dachten.
    Wenn wir uns, wie oben beschrieben, auf den Puritanismus zubewegen, haben wir bald wieder mittelalterliche Verhältnisse.
    Ich habe bereits vor über 15 Jahren zu meiner Frau gesagt:" Es kommt noch dahin, dass wir bald einen behördlichen Antrag stellen müssen, wenn wir mal "nen lütten moken" wollen. Das liegt jetzt schon in der Luft.

    MfG. grillbert aus Hamburg.

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  2. Ja, da hast du leider Recht. Hast du mal meinen Artikel 'Es gab mal eine bessere Zeit ...' gelesen. such ihn mal raus. spannend.

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