Sonntag, 5. Juli 2020

Wladimir Putin: Die wahren Lektionen aus dem 75. Jahrestag des 2. Weltkrieges


Sharon Tennison, die Leiterin der CCI (Zentrums für Bürger-Initiativen), schickte mir vorgestern dieses komplette Papier von Putins Erklärungen zum 75. Jahrestag des 2. Weltkrieges zusammen mit einer Einleitung zu. Ihr ist sehr an weiter Verbreitung gelegen, insbesondere wegen der endlosen verlogenen Darstellungen im Westen und vor allem der USA. Ich pflichte ihr bei und übersetze das Dokument.


4. Juni 2020
Liebe Freunde der CCI,
am 18. Juni 2020 hat Wladimir Putin der Welt Russlands auf Archive gestützte Verständnis von den schreckklichen Kriegs -Jahren, den letzten Monaten und der fast totalen Zerstörung der Sowjetunion unterbreitet. Entschuldigt, dass ich euch das Mail so spät zuschicke. Ich habe täglich über diese Jahre im Internet geforscht (mehr darüber im nächsten Brief).

Am 8. Mai 2020 haben an mehreren Stellen in England, Frankreich, Deutschland, Schottland und Washington D.C. die wichtigsten alliierten Länder Zeremonien zur Feier des Siegestags am Ende des 2. Weltkriegs in Europa abgehalten. Russland wurde nicht eingeladen.

Kann es sein, dass Präsident Putin deswegen seine definitive Erklärung zum 2. Weltkrieg zusammenstellte? Es ist Russlands Aufzeichnung der Abfolge der Kriegsereignisse ... zusätzlich der Tatsache, dass die UdSSR das Land war, das entscheidend dazu beitrug, die Kriegsmaschine Hitlers zu stoppen. Ich denke, dass niemand letzteres leugnet. Ob Putin die gesamte Geschichte und Putin: Die wahren Lektionen des 75. Jahrestages des 2. Weltkrieges und die damit zusammenhängenden Ereignisse korrekt wiedergibt, bezweifle ich; auch keines der anderen Länder. Alle sehen diese erschreckenden Ereignisse unter ihrem eigenen Gesischtswinkel.

Offenbar ist die gargantisch Geschichte des 2. Weltkrieges geschrieben und wieder geschrieben worden von allen, die in ihn verwickelt waren. Putin scheint entschlossen zu sein, die Geschichte darzubieten, wie sie die Sowjets erfahren haben. Russland hat seine Archive des 2. Weltkrieges für die ganze Welt geöffnet. Putin appelliert an die anderen Länder, das auch zu tun.

Zufällig erinnere ich mich gut an den “Großen Krieg” ... die um Mitternacht auf der schmalen Kentucky Straße hinunter marschierenden Truppen, auf die mein Schlafzimmerfenster blickte (mit meiner Nase an der Scheibe). Die kaum sichtbaren Figuren, die Stiefelschritte auf dem Pflaster waren die stärksten Eindrücke ... außer der Angst. Fort Knox und Fort Campbell lagen nahe, weshalb die Truppenbewegungen des Nachts Teil unseres Lebens waren, und mit der Furcht, dass Hitler als nächstes nach Amerika kommt. Selbst im Inland löschten wir die Lichter und verdunkelten nachts unsre Fenster.

Jahrzehnte später im Jahr 1983 saß ich in Moskau verzaubert uns hörte älteren russischen Frauen mit Henna-gefärbten Haaren zu, die in ihren Jungmädchenjahren “die Gewehre gefallener Soldaten einsammelten, die in der Schlacht fielen ... und sie gegen die Nazis benutzten”. Ich erinnere mich an eine kleine Lady mit roten Haaren, die leidenschaftlich sagte. “Ihr müsst verstehen, es war so schwer für uns Mädchen, das Leben zu geben!!! Wir sind doch die Spender des Lebens! Aber wir hatten keine Wahl!” Bei meiner Internet-Forschung stieß ich auf einen Eintrag, “dass bis zu einer Million sowjetischer Frauen gegen die Nazis im 2. Weltkrieg kämpften”. Unfassbar! Sie hatten keine Erfahrung, kein Training mit Waffen, ohne Absicht, jemals gegen Menschen zu kämpfen. Doch sie hatten keine Wahl.

Ich bin dankbar, dass das republikanische Magazin The National Interes, das ein breites Spektrum internationaler Nachrichten abdeckt, Putins Beitrag ungekürzt abdruckt. Macht euch bitte klug über die russische Perspektive vom 2. Wellkrieg und auch über die Perspektiven anderer Länder im Internet ... über einen Krieg, der jetzt beinahe in ganz Amerika vergessen ist.


Sharon Tennison




Wladimir Putin: Die wahren Lektionen aus dem 75. Jahrestag des 2. Weltkrieges


Der russische Präsident bietet eine umfassende Bewertung des Vermächtnisses des Zweiten Weltkriegs an und argumentiert, dass "heute europäische Politiker und insbesondere polnische Führer den Münchner Verrat unter den Teppich kehren wollen. Der Münchner Verrat hat der Sowjetunion gezeigt, dass die westlichen Länder Sicherheitsfragen ohne Rücksicht auf ihre Interessen behandeln würden".


Von Wladimir Putin
18. Juni 2020
Fünfundsiebzig Jahre sind seit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges vergangen. Im Laufe der Jahre sind mehrere Generationen herangewachsen. Die politische Landkarte des Planeten hat sich verändert. Die Sowjetunion, die einen epischen, vernichtenden Sieg über den Nationalsozialismus errungen und die ganze Welt gerettet hat, ist verschwunden. Außerdem sind die Ereignisse dieses Krieges längst zu einer fernen Erinnerung geworden, selbst für seine Teilnehmer. Warum also feiert Russland den neunten Mai als den größten Feiertag? Warum kommt das Leben am 22. Juni fast zum Erliegen? Und warum verspürt man einen Kloß in der Kehle?

Gewöhnlich sagt man, dass der Krieg einen tiefen Eindruck in der Geschichte jeder Familie hinterlassen hat. Hinter diesen Worten verbergen sich die Schicksale von Millionen von Menschen, ihre Leiden und der Schmerz des Verlustes. Hinter diesen Worten verbergen sich auch der Stolz, die Wahrheit und die Erinnerung.

Für meine Eltern bedeutete der Krieg die schrecklichen Torturen der Belagerung von Leningrad, bei der mein zweijähriger Bruder Vitya starb. Es war der Ort, an dem es meiner Mutter auf wundersame Weise gelang, zu überleben. Mein Vater, obwohl er vom aktiven Dienst befreit war, meldete sich freiwillig, um seine Heimatstadt zu verteidigen. Er traf die gleiche Entscheidung wie Millionen von Sowjetbürgern. Er kämpfte am Brückenkopf Newski Pjatatschok und wurde schwer verwundet. Und je mehr Jahre vergehen, desto mehr habe ich das Bedürfnis, mit meinen Eltern zu sprechen und mehr über die Kriegszeit ihres Lebens zu erfahren. Dazu habe ich jedoch nicht mehr die Gelegenheit. Das ist der Grund, warum ich die Gespräche, die ich mit meinem Vater und meiner Mutter zu diesem Thema geführt habe, in meinem Herzen schätze, ebenso wie die wenigen Gefühle, die sie gezeigt haben.

Ich glaube, dass
es für Menschen in meinem Alter wichtig,ist dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel verstehen, welche Qualen und Nöte ihre Vorfahren ertragen mussten. Sie müssen verstehen, wie es ihren Vorfahren gelang, durchzuhalten und zu gewinnen. Woher kam ihre schiere, unbeugsame Willenskraft, die die ganze Welt verblüffte und faszinierte? Sicher, sie verteidigten ihre Heimat, ihre Kinder, ihre Lieben und ihre Familien. Was sie jedoch teilten, war die Liebe zu ihrer Heimat, ihrem Mutterland. Dieses tief verwurzelte, intime Gefühl spiegelt sich voll und ganz im Wesen unserer Nation wider und wurde zu einem der entscheidenden Faktoren in ihrem heroischen, aufopferungsvollen Kampf gegen die Nazis.

Das frage ich mich oft: Was würde die heutige Generation tun? Wie wird sie sich in einer Krisensituation verhalten? Ich sehe junge Ärzte, Krankenschwestern, manchmal frische Absolventen, die in die "rote Zone" gehen, um Leben zu retten. Ich sehe unsere Soldaten, die im Nordkaukasus den internationalen Terrorismus bekämpfen und in Syrien bis zum bitteren Ende gekämpft haben. Sie sind so jung. Viele Soldaten, die Teil der legendären, unsterblichen 6. Fallschirmjägerkompanie waren, waren 19-20 Jahre alt. Aber sie alle bewiesen, dass sie es verdienten, die Leistung der Krieger unseres Heimatlandes zu erben, die es während des Großen Vaterländischen Krieges verteidigt hatten.

Deshalb bin ich zuversichtlich, dass eines der charakteristischen Merkmale der Völker Russlands darin besteht, ihre Pflicht zu erfüllen, ohne sich selbst zu bemitleiden, wenn die Umstände dies erfordern. Solche Werte wie Selbstlosigkeit, Patriotismus, Liebe zu ihrer Heimat, ihrer Familie und ihrem Mutterland sind bis heute grundlegend und integraler Bestandteil der russischen Gesellschaft. Diese Werte bilden in hohem Maße das Rückgrat der Souveränität unseres Landes.

Heutzutage haben wir neue Traditionen, die vom Volk geschaffen wurden, wie zum Beispiel das Unsterbliche Regiment. Dies ist der Gedenkmarsch, der unsere Dankbarkeit symbolisiert, aber auch die lebendige Verbindung und die Blutsbande zwischen den Generationen. Millionen von Menschen gehen mit den Fotos ihrer Verwandten, die ihr Vaterland verteidigt und die Nazis besiegt haben, auf die Straße. Das bedeutet, dass ihr Leben, ihre Torturen und Opfer sowie der Sieg, den sie uns hinterlassen haben, nie vergessen werden. 
 
Wir haben eine Verantwortung gegenüber unserer Vergangenheit und unserer Zukunft, unser Möglichstes zu tun, um zu verhindern, dass sich diese schrecklichen Tragödien jemals wieder ereignen. Daher sah ich mich gezwungen, einen Artikel über den Zweiten Weltkrieg und den Großen Vaterländischen Krieg zu veröffentlichen. Ich habe diese Idee bei mehreren Gelegenheiten mit führenden Politikern der Welt diskutiert, und sie haben ihre Unterstützung gezeigt. Auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der GUS Ende letzten Jahres waren wir uns alle in einem Punkt einig: Es ist unerlässlich, den künftigen Generationen die Erinnerung daran zu vermitteln, dass die Nazis in erster Linie vom sowjetischen Volk besiegt wurden und dass Vertreter aller Republiken der Sowjetunion in dieser heldenhaften Schlacht Seite an Seite gekämpft haben, sowohl an der Front als auch im Hinterland. Während dieses Gipfeltreffens sprach ich auch mit meinen Amtskollegen über die herausfordernde Vorkriegszeit.
Dieses Gespräch hat in Europa und in der Welt Aufsehen erregt. Das bedeutet, dass es in der Tat höchste Zeit ist, dass wir die Lehren aus der Vergangenheit wieder aufgreifen. Gleichzeitig gab es viele emotionale Ausbrüche, schlecht getarnte Unsicherheiten und laute Anschuldigungen, die folgten. Aus Gewohnheit eilten einige Politiker zu der Behauptung, Russland versuche, die Geschichte umzuschreiben. Es gelang ihnen jedoch nicht, eine einzige Tatsache zu widerlegen oder ein einziges Argument zu widerlegen. Es ist in der Tat schwierig, wenn nicht gar unmöglich, mit den Originaldokumenten zu argumentieren, die übrigens nicht nur in den russischen, sondern auch in den ausländischen Archiven zu finden sind.

Daher ist es notwendig, die Gründe, die den Weltkrieg verursacht haben, weiter zu untersuchen und über seine komplizierten Ereignisse, Tragödien und Siege sowie über seine Lehren nachzudenken, sowohl für unser Land als auch für die ganze Welt. Und wie ich bereits sagte, ist es von entscheidender Bedeutung, sich ausschließlich auf Archivdokumente und zeitgenössische Beweise zu stützen und gleichzeitig ideologische oder politisierte Spekulationen zu vermeiden.

Ich möchte noch einmal an die offensichtliche Tatsache erinnern. Die Ursachen des Zweiten Weltkrieges liegen hauptsächlich in den Entscheidungen, die nach dem Ersten Weltkrieg getroffen wurden. Der Versailler Vertrag wurde für Deutschland zu einem Symbol schwerwiegender Ungerechtigkeit. Er bedeutete im Grunde genommen, dass das Land ausgeraubt werden sollte, da es gezwungen war, enorme Reparationszahlungen an die westlichen Verbündeten zu leisten, die seine Wirtschaft ausbluten ließen. Der französische Marschall Ferdinand Foch, der als Oberster Alliierter Befehlshaber diente, gab eine prophetische Beschreibung dieses Vertrags: "Dies ist kein Frieden. Es ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre".
Es war die nationale Erniedrigung, die in Deutschland zu einem fruchtbaren Boden für radikale Rachegefühle wurde. Die Nazis spielten geschickt mit den Gefühlen der Menschen und bauten ihre Propaganda auf, indem sie versprachen, Deutschland vom "Versailler Erbe" zu befreien und dem Land seine frühere Macht zurückzugeben, während sie das deutsche Volk im Wesentlichen in den Krieg drängten. Paradoxerweise trugen die westlichen Staaten, insbesondere das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten, direkt oder indirekt dazu bei. Ihre Finanz- und Industrieunternehmen investierten aktiv in deutsche Fabriken und Anlagen zur Herstellung militärischer Produkte. Außerdem unterstützten viele Menschen in der Aristokratie und im politischen Establishment radikale, rechtsextreme und nationalistische Bewegungen, die sowohl in Deutschland als auch in Europa auf dem Vormarsch waren.
Die "Versailler Weltordnung" verursachte zahlreiche implizite Kontroversen und scheinbare Konflikte. Sie drehten sich um die Grenzen neuer europäischer Staaten, die von den Siegern im Ersten Weltkrieg willkürlich festgelegt wurden. Auf diese Grenzziehung folgten fast unmittelbar Gebietsstreitigkeiten und gegenseitige Ansprüche, die sich zu "Zeitbomben" entwickelten.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Ersten Weltkriegs war die Gründung des Völkerbunds. Es gab hohe Erwartungen an diese internationale Organisation, dauerhaften Frieden und kollektive Sicherheit zu gewährleisten. Es war eine fortschrittliche Idee, die, wenn sie konsequent umgesetzt würde, tatsächlich verhindern könnte, dass sich die Schrecken eines globalen Krieges wiederholen.

Der von den Siegermächten Frankreich und Großbritannien dominierte Völkerbund erwies sich jedoch als ineffektiv und wurde einfach von sinnlosen Diskussionen überflutet. Der Völkerbund und der europäische Kontinent im Allgemeinen wandten sich taub gegenüber den wiederholten Aufrufen der Sowjetunion, ein gerechtes kollektives Sicherheitssystem zu schaffen und einen Osteuropa-Pakt und einen Pazifik-Pakt zur Verhinderung einer Aggression zu unterzeichnen. Diese Vorschläge wurden missachtet.
Der Völkerbund hat es auch versäumt, Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt zu verhindern, wie z.B. den Angriff Italiens auf Äthiopien, den Bürgerkrieg in Spanien, die japanische Aggression gegen China und den Anschluss Österreichs. Darüber hinaus wurde im Falle des Münchner Verrats, an dem neben Hitler und Mussolini auch britische und französische Führer beteiligt waren, die Tschechoslowakei mit der vollen Zustimmung des Völkerbunds auseinandergenommen. Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass sich Stalin im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Führern jener Zeit nicht in Ungnade gebracht hat, indem er sich mit Hitler traf, der unter den westlichen Nationen als ein recht angesehener Politiker bekannt war und ein willkommener Gast in den europäischen Hauptstädten war.

Auch Polen war zusammen mit Deutschland an der Teilung der Tschechoslowakei beteiligt. Sie legten im Voraus gemeinsam fest, wer welche tschechoslowakischen Gebiete erhalten würde. Am 20. September 1938 berichtete der polnische Botschafter in Deutschland, Józef Lipski, dem polnischen Außenminister Józef Beck über folgende Zusicherungen Hitlers: "...im Falle eines Konflikts zwischen Polen und der Tschechoslowakei über unsere Interessen in Teschen würde das Reich Polen beistehen". Der Nazi-Führer veranlasste und riet sogar dazu, dass Polen "erst nach der Besetzung der Sudeten durch die Deutschen" zu handeln begann.

Der 2. Teil folgt im separat im nächsten Post. 

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