Mittwoch, 25. Mai 2011

AUFRUF AN DIE AFRIKANISCHEN VÖLKER - VOR ALLEM AN DIE JUGEND UND DIE FRAUEN


AFRIKANER – ERHEBT EUCH

Vor allem die Jugend und die Frauen – ihr seid gemeint, vereinigt euch. Worauf wartet ihr? Die Jugend der Welt erhebt sich und wartet auf euch. Afrika ist im Krieg. Libyen ist der Anfang. Ist Libyen besiegt und Gaddafi ermordet, seid ihr dran. Ganz Afrika bis zum Kap.

AFRIKA ODER AFRICOM

AFRICOM ist der Westen, ist Washington, die NATO, Europa – sie alle wollen Afrika. Seine Reichtümer, seine Gehirne, sein Blut. Der Westen kämpft um sein Überleben. Aber gewinnt er Afrika, kann er noch 100 Jahre überdauern. Doch Afrika wird abermals in der Sklaverei versinken.

AFRIKA VOM KAP BIS KAIRO

Afrika ist die Wiege der Menschheit. Der Mensch wurde in Afrika geboren und seine Kultur in Ägypten und Nubien. Das hat die Menschheit vergessen, das hat selbst Afrika vergessen. Afrika hat seine großen Lehrer vergessen – Cheikh Anta Diop und Kwame Nkrumah. Sie riefen die Afrikaner auf, ihre großartige Kultur zurückzuerobern und sich zusammenzuschließen. Sie warnten vor den Gefahren einer Rückeroberung durch alte und neue Kolonialisten.

AFRIKAS RÜCKEROBERUNG HAT BEGONNEN

Das Instrument dafür heisst AFRICOM. Es wurde unter Führung der USA geschmiedet, die am genauesten den Wert Afrikas für ihre imperialen Ziele erkannten. Ein Werkzeug für diese Ziele sind die meisten Regierungen Afrikas. Und jene, die sich nicht unterordnen, werden beseitigt. Nun steht Gaddafi ganz oben auf der Liste. Aber es geht weniger um seine Person als um seine Vision von einem vereinten, starken Afrika wofür er auch konkret die Mittel bereitstellte, die jetzt von den Yankees gestohohlen wurden. Er wäre nicht der erste Führer und Freund der Afrikaner, der ermordet wird. Denken wir an Toussaint L'Ouverture, der feige von Napoleon ermordet wurde, und an dessen Heimat Haiti heute noch die USA Rache nimmt. Oder Martin Luther King oder Malcolm X oder Lumumba oder Cabral oder Mondlane.

AFRIKANER ERHEBT EUCH

Afrikanische Jugend und Frauen – die Bomben auf Libyen gelten auch euch. Sie sollen euch in Angst und Schrecken versetzen. Trotzdem kämpfen die Libyer für ihre Freiheit. Wollt ihr sie alleine lassen? Es geht um ganz Afrika. Die Wahl steht zwischen Afrikas Freiheit oder der  Diktatur der AFRICOM.

Englische und französische Version siehe hier

Samstag, 21. Mai 2011

POSCO – der Stahlgigant aus Südkorea

Vorwort
Ich habe wirklich ein schlechtes Gewissen, das ich so lange nichts hören ließ. Mich tröstet nur, dass ich wirklich nicht faul war. Ich musste unbedingt das Buch von Arundhati Roy fertig übersetzen, dann viele wichtige Dinge für Tlaxcala und für die neue Organisation in Schweden Indiensolidaritet, wo ich natürlich auch gleich Miotlgied wurde. Nun lege ich wenigstens den Artikel auf, den ich für sie auf Schwedisch geschrieben und für Tlaxcala ins Deutsche übersetzt habe.
Aber ich bin einfach zu dämlich, den schwedischen Text auf die Schwedische Seite zu transportieren. Müsste mich genauer damit beschäftigen, aber mir fehlt
einfach die Zeit. Pardon. Vielleicht kann mir ja mal ein Leser auf die Sprünge helfen. Es gäbe ja Einiges hier zu verbessern.

POSCO wurde 1968 gegründet und hat seither viele Stahlproduzenen in Europa und den USA überholt und kam schließlich auf den vierten Platz in der Welt, produzierte aber fast ausschließlich im eigenen Land. Nur mit den USA hatte man ein Kooperationsabkommen.
2005 macht POSCO im Ernst den Sprung ins Ausland. Da wurde mit dem Teilstaat Orissa in Indien ein Memorandum of Understanding (MoU) geschlossen. POSCO zeigte sich bereit, 12 Mrd. $ zu investieren für den Bau eines integrierten Stahlwerkes mit vier Hochöfen. Wenn das zustandekommt, wird es die größte jemals in Indien getätigte Investition sein.
Offiziell heißt es, dass das Ziel die Entwicklung des Staates Orissa und die Verminderung von Indiens Stahlimporten sei. Aber das Projekt stieß von Anfang an auf starken Widerstand seitens der Bevölkerung. Erstens waren die öffentlichen Huldigungen ziemlich vage. Was in dem MoU stand, wurde niemals veröffentlicht – weder die Konditionen noch die damit in Verbindung stehenden Projekte noch die Auswirkungen auf Leben und Treiben des Volkes.
Zum zweiten liegen alle die großen Vorkommen an Eisen, Bauxit usw. genau in den Gebieten, in die Indiens riesige Urbevölkerung – mit 70 Millionen die größte der Welt – im Laufe der Jahrhunderte zurückgedrängt wurde. Und jetzt entdeckt man, dass diese buchstäblich auf Gold sitzen. Dieselbe Geschichte also wie in den USA und Kanada und in Australien.
Für den indischen Staat sind also die Adivasis (Urbevölkerung) und die Dalits (Unberührbare = die Ärmsten der Armen) ein Problem geworden. Aber eigentlich ist es umgekehrt. Der indische Staat ist für die Adivasis und die Dalits ein Problem geworden und ist es eigentlich von Anfang gewesen. Direkt nach der Gründung des unabhängigen Staates Indien hat die Regierung sie mit einem Federstrich landlos gemacht. Alles Land sollte im Besitz des Staates sein. Nach und nach wurden jedoch ein paar schöne Gesetze gemacht, die Adivasis und Dalits schützen sollten – Gesetze, auf die die Regierung seit 60 Jahren gepfiffen hat.
Die übliche Politik ist bisher die gewesen, dass man im Namen des Fortschritt und der Entwicklung die Bewohner 'displaced' hat, d. h. an einen anderen Ort platzieren und dort abzusetzen – im besten Fall in schrecklichen Lagern, aber meistens einfach in der Wildnis ohne Wasser, Strom, Kanalisation oder sonstiger Infrastruktur. Jahrzehntelang protestierten die Menschen friedlich, demokratisch, gesetzlich. Ohne Erfolg. Daher begann das Volk zu den Waffen zu greifen, um seine Rechte und seine Würde zu verteidigen. Alle die Aufstände wurden mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Der größte Aufstand begann Ende der 60-er Jahre unter dem Namen Naxaliten und unter kommunistischer Führung. Auch sie wurden ausgerottet – beinahe. Aber sie überlebten und wurden in den vergangenen beiden Jahrzehnten immer stärker, bis der Innenminister Chidambaram sie 2010 als die „größte Bedrohung der inneren Sicherheit Indiens“ bezeichnete. Dass die Kommunisten dabei sind, ist für die Regierung ein phantastischer Vorwand, heute jede Form von Protest gegen alle Ungerechtigkeiten und die gigantische Korruption als von Naxaliten oder Maoisten inspiriert zu bezeichnen.
Gleichzeitig ist unter den Adivasis und Dalits eine neue Generation junger Leute herangewachsen, denen es in einigen Fällen glückte, eine gute Ausbildung zu erhalten. Unter ihnen gibt es sehr engagierte Verteidiger der Rechte des Volkes. Hier kann man u. a. Gladson Dungdung, Edwa Munda, die Frau CK Janu und den Veteranen Dr. Ram Dayal Munda (siehe hier) nennen. Unter den hinduistischen Akademikern und Intellektuellen sind Verteidiger des Volkes recht dünn gesät. Zu den bekanntesten gehören Arundhati Roy, Gautam Navlakha, Rajesh Kumar Sharma etc.
Zurück zu POSCO. Orissas Regierung und POSCO trafen also auf massiven Widerstand. Die Bewohner der betroffenen großen Gebiete, die gebraucht werden für das eigentliche Stahlwerk plus ein Kraftwerk plus ein supermoderner Hafen, um das Erz außer Landes zu schaffen, plus Infrastruktur waren absolut dagegen, ihr Land aufzugeben. Also griffen Regierung und das Unternehmen zur Gewalt mit Hilfe von Polizei und privaten Gangstern, die misshandelten, folterten, vergewaltigten und mordeten sowie die Dörfer der Bewohner niederbrannten. Aber der Widerstand wuchs weiter. 10 Jahre lang konnte man gegensteuern.
Die Regierung wurde gezwungen, Untersuchungen anstellen zu lassen; sie alle verurteilten das Agieren der Regierung. Gesetze seien missachtet worden, Milieufragen wurden gar nicht erst aufgegriffen, Menschenrechte wurden mit Stiefeln getreten, Gewalt wurde missbraucht usw. Trotz dieser regierungseigenen Untersuchungen beschloss der Umweltminister im April 2011, der POSCO grünes Licht zu geben, mit dem Bau fortzufahren.
Aber Posco Pratirodh Sangram Samiti (der Posco- Widerstandsrat) hat beschlossen, nicht eher zu ruhen, ehe nicht dieses Projekt in ihrer Region aufgegeben wird (siehe hier).
Es ist wirklich an der Zeit, dass POSCO seine Sachen packt und nachhause reist. Denn was man verspricht ist lediglich Augenwischerei. Die Royalties, die der indische Staat bekommen soll, sind minimal und der größte Teil wird dann sowieso in den Taschen der Politiker verschwinden. Und was POSCO zurücklassen würde, wenn die Minen erschöpft sind, wären riesige Zerstörungen von Wäldern, seltenen Pflanzen, Tieren und Vögeln und Zerstörung des noch intakten Schutzgürtels aus Mangroven an der Küste. Und am schlimmsten zehntausende von zerstörten Menschenleben.



POSCO – stålgiganten från Sydkorea

Vorwort
Ich habe echt ein schlechtes Gewissen, wenn ich hier so lange nichts hören lasse. Mich beruhigtnur, dass ich wirklich nicht faul bin. Ich musste dringend das Buch von Arundhati Roy fertig übersetzen, und außerdem gab es auch viele wichtige Dinge für Tlaxcala zu übersetzen und für die Indiensolidaritet, die in Schweden neu gegründet wurde und wo ich natürlich auch gleich Mitglied wurde. Und nun lege ich wenigstens den Artikel auf, den ich für sie auf Schwedisch geschrieben habe, und für Tlaxcala ins Deutsche übersetzt habe.

POSCO grundades 1968 och har sen dess passerat många ståltillverkare i Europa och USA och avancerade till den fjärde stålindustrin i världen men producerade nästan uteslutande i landet. Bara med USA hade man ett samarbets avtal.
2005 togs språnget utomlands på allvar. Då slöts ett Memorandum of Understanding (MoU) med delstaten Orissa i Indien. POSCO sade sig vara berett att satsa 12 mrd $ för att bygga ett integrerad verk med fyra masugnar. Om det blir av skulle det vara den största utländska investitionen i Indien nånsins.
Officiellt säger man att målet är staten Orissas utveckling och minskningen av Indiens avhängighet från stålimporter. Men projektet mötte från början stort motstånd från befolkningens sida. För det första var de offentliga hyllningar ganska vaga. Vad som stod i MoU fick folk aldrig veta – varken konditionerna och alla relaterade projekt som skulle inverka på folkets liv och leverne.
För det andra ligger alla de stora förekomster av järn, bauxit mm just på de områden där Indiens jättestor urbefokning – med 70 miljoner störst i världen – har trängts tillbaka. Och nu upptäcker man att de sitter bokstavligen på guld. Samma historia alltså som i Nordamerika (USA och Kanada) och i Australien.
För den indiska staten har Adivasis (indigena) och Dalits (oberörbara = ytterst fattiga) blivit ett problem. Fastän egentligen är det ju tvärtom. Indiska staten har för adivasis och dalits blivit ett problem och har det varit från första början. Strax efter grundandet av den oavhängiga staten Indien gjorde regeringen dem med ett penndrag landlösa. Allt land skulle staten äga. Efter hand gjordes dock fina lagar som skulle skydda adivasis och dalits - lagar som regeringen har struntat i sedan 60 år.
Den vanliga politiken har varit hittils att i namn av framsteg och utveckling 'displace', dvs. flytta eller omplacera invånarna till annan ort och dumpa dem där – i bästa fall i fasansfulla läger men mest på ödemark utan vatten, el, avlopp eller annan infrastruktur. Under årtionden protesterade folk fredlig, demokratisk, lagenligt. Till ingen nytta. Därför började folk gripa till vapen för att försvara sina rättigheter och värdighet. Alla dessa uppror slogs ner med brutal våld. Det största upproret började på sextiotalets slut under namnet Naxaliterna under kommunistisk ledning. Också den utrotades – nästan. De överlevde ändå och blev under de två sista årtionden allt starkare tills Chidambaram -
inrikesministern kallade dem 2010 för det „största hotet för Indiens inre säkerhet“.
Att kommunisterna är med är för regeringen en fantastisk förevändning att kalla nuförtiden varje form av protest mot alla de orättvisor och den gigantiska korruptionen som naxal- eller maoist-inspirerad.
Samtidigt har bland adivasis och dalits vuxit fram en ny generation av unga människor som i några fall lyckades att få en bra utbildning. Bland dem finns mycket engagerade försvarare av folkets rättigheter. Här kan nämnas bl a Gladson Dungdung, Edwa Munda, kvinnan CK Janu och veteranen Dr. Ram Dayal Munda (se här ).
Bland den hinduistiska akademiska och intellektuella skaran är  det ganska glest med folkets försvarare. Bland de mest namnkunniga måste nämnas Arundhati Roy, Gautam Navlakha , Rajesh Kumar Sharma mm.
Tillbaka till POSCO. Orissas regering och POSCO mötte alltså ett massivt motstånd. Invånarna av de avsedda stora områden som behövs för själva stålverket plus kraftverk plus en supermodern hamn at forsla malmen iväg plus mycket infraskruktur var abolut emot att ge upp sitt land. Alltså tog regeringen och företaget till våld med hjälp av polis och privata gangstrar som misshandlade, torterade, våldtog och mördade folk och brände ner deras byar. Motståndet bara växte. Man lyckades hålla emot i tio år. Regeringen blev tvungen att göra undersökningar som alla dömde ut regeringens agerande. Lagar missaktades, även utslag från högsta domstolen, miljöfrågor togs inte ens upp, mänskliga rättigheter trampades under fötterna, våld missbrukades osv. Trots regeringens egna undersökningar beslöt miljöministeriet i april 2011 att ge klartecken åt POSCO att fortsätta med byggandet.
Men Posco Pratirodh Sangram Samiti (Posco motståndsråd) har beslutat att inte vila tills projektet i deras region blir övergiven (se här).
Det är verkligen på tiden att POSCO packar och åker hem. För vad de utlovar är ju bara fiffel och båg. Royalties som indiska staten skall få är minimala och största delen försvinner sedan med säkerhet i politikernas fickor. Och vad POSCO lämnar efter sig när järnminer är uttömda är en stor förstörelse av skog, sällsynta plantor, djur och fåglar och förstörelse av det ännu intakta skyddsbältet av mangrover vid kusten. Och värst av allt tiotusentals förstörda människoliv.

Freitag, 6. Mai 2011

WASSER AUS DER LUFT - mal eine gute Nachricht

Zur Abwechslung einmal eine gute Nachricht: ein kleiner Apparat, der bis zu 8 l Wasser täglich aus der Luft zieht. Das Wasser wird nach der Kondensierung vielfach gefiltert, wodurch alle Verunreinigungen der Luft durch Staub, organische Teilchen, Schwermetalle usw. entfernt werden, und durchläuft dann Mineralfilter, der ihm wieder nützliche Aufbaustoffe zuführen. Am Ende erreicht es einen Reinheitsgrad von 99.9%.
Vorläufig kostet die Maschine noch ca. 1400 Dollar. Auf den ersten Blick scheint das viel. Aber bedenkt man, welche Unmengen heutzutage von den Konsumenten für auf Plastikflaschen gezogenes Wasser bezahlt werden, das in den allermeisten Fällen eine schlechtere Qualität als Leitungswasser aufweist, dann hat sie sich schnell amortisiert – auch wenn die 280 Watt eingerechnet werden, die der Betrieb kostet. Einen Kostenpunkt hat die Firma EcoloBlue (siehe hier), die sie vertreibt, vorsichtshalber außen vor gelassen: die Filter aller Art, angefangen von denen aus reiner Kohle. Ich nehme an, dass diese nicht gerade billig sind. Nun hängt das davon ab, in welchem Rhythmus sie gewechselt werden müssen.
In die Rechnung muss allerdings der enorme Umwelteffekt einbezogen werden. Man denke an die Milliarden Plastikflaschen, die trotz Pfand täglich in die Umwelt fliegen, Flüsse, Seen und Meere verseuchen und nebenbei den qualvollen Tod ungezählter Tiere verursachen (von Fischen, Vögeln bis hin zu Walen, Robben usw.).

Einen weiteren positiven Effekt, auf den das Video hinweist, könnte – ja könnte, denn bei dem Preis kommt er noch nicht zum Tragen – dieser Apparat in Trocken- und Wüstengebieten bewirken. Denn selbst in der Wüste gibt es ausreichend Wasser in der Luft, um auf jeden Fall die Versorgung mit Trinkwasser zu garantieren. Und als Energiequelle steht die Sonne zur Verfügung.
Der Apparat müsste also in hohen Stückzahlen produziert werden, um für arme Menschen erschwinglich zu werden. Aber ich bin sicher, dass der Erfindungsgeist der Menschen für dieses Problem vielleicht ganz neue pfiffige Lösungen finden wird.

Mittwoch, 4. Mai 2011

KONSUM WICHTIGER ALS KINDERLIEBE - IN JAPAN WIE BEI UNS

Gerade habe ich einen wichtigen Artikel zu Fukushima übersetzt und auf unsere Seite gelegt (siehe hier). In unseren Medien ist das Thema ja durch. Das wird nur noch von diesen verbohrten, technikfeindlichen Anti-AKW-Spinnern diskutiert. Außer in Deutschland und stellenweise in den USA hat es kaum nennenswerte Demonstrationen für die Abschaltung dieser Todesmühlen gegeben. Politiker und die Herren der Atomindustrie kungeln weiter in trauter Vereinigung und betreiben 'business as usual'. Obama hält fest am Neubau von AKW's, den Indern hat man gerade noch ein paar von den Dingern angedreht, obwohl es dort wohl die größten Anti-AKW Demonstrationen gegeben hat. Allerdings waren das die Adivasis, die Ärmsten der Armen, die sich dagegen wehren, dass ihnen auch noch ihr bißchen Land gestohlen wird. Die indische Allgemeinheit hat sich da rausgehalten, da sie ja nicht unmittelbar betroffen ist.
Aber nun zu Japan. Dort dampfen die 4 Reaktoren in Fukushima vor sich hin, stoßen immer größere Mengen Radioaktivität in die Atmosphäre aus, immer größere Mengen verseuchtes Wasser fließt ungehindert ins Meer, japanische und
auch schon südkoreanische Fischer gehen bankrott, aber es passiert nichts.
D. h. nein, es passiert doch etwas. Erstens hat man dem 'armen' Tepco-Unternehmen die erste Ratenzahlung von 50 Mrd. Yen als Entschädigung für die Umgesiedelten aus dem Gefahrenbereich abgenommen. Wird mit Steuergeldern beglichen. Zweitens hat man die Tepco-Arbeiter gezwungen, pardon, sie haben ganz freiwillig JA gesagt zu einer 20-25-prozentigen Verminderung ihrer Löhne. Wodurch das Unternehmen 50 Mrd. Yen sparen wird. Und drittens hat die Regierung neue Höchstwerte festgelegt für die Strahlung, die den Menschen zugemutet werden darf. U. a. wurden die Werte für Kinder, die im Umkreis von Fukushima wohnen, auf das Niveau (20 Millisieverts) gehoben, das für erwachsene Arbeiter in Kernkraftwerken heute gilt. Dies ist das 20-fache dessen, was international erwachsenen Menschen zugemutet werden darf, die nicht in der Atomindustrie arbeiten.
Dagegen hat 1 (eine) Person demonstriert - Professor Toshiso Kosako, Experte für Strahlungssicherheit an der Universität von Tokyo und Sonderberater der Regierung für nukleare Fragen. Er nahm seinen Hut und sagte: "Das kann ich als Wissenschaftler nicht verantworten."
Wie ist das nur möglich! Da werden tausende, zehntausende - wer weiss es - Kinder im unmittelbaren Gefahrenbereich bewusst und willentlich einem qualvollen Tod überantwortet. Und es geht kein Aufschrei durch das Land. Die Menschen gehen nicht zu Millionen auf die Straße, zwingen die Regierung zum Rücktritt, quartieren sie nach Fukushima um. Man fasst es nicht.
Obwohl es ja eigentlich nicht eines solch extremen Anlasses bedürfen sollte. Die 'ideale' Lage der Atomkraftwerke in Japan genau über einer der tektonisch aktivsten Erdbebenzonen der Welt sollte Anlass genug sein, um umgehend diese
Zeitbomben zu entschärfen.
Aber nein. Und warum? Weil die Japaner 70 % ihrer Energie aus AKWs beziehen. Und sie abzustellen, würde für den Moment jedenfalls eine einschneidende Maßnahme auf Kosten des - ja, des Konsums darstellen. Hier zeigt sich das wahre Gesicht unserer Gesellschaft. Wir pfeifen doch auf unsere Mitmenschen, wir pfeifen doch auf das Wohlergehen unserer Kinder- und Enkelkinder, wir pfeifen auf die Tiere und Pflanzen und die Natur insgesamt. Empathie, Solidarität oder Kinderliebe. Alles nur Gequatsche, eine elende Heuchelei. Dass nur keiner auf die Idee kommt, über die Japaner die Nase zu rümpfen. Wir gehen genausowenig nur ein Jota von unseren wohlerworbenen, wohlverdienten Konsumrechten ab. Geben wir es zu: Wir sind auf dem Niveau der schlimmsten nur vorstellbaren Barbaren
angelangt. Obwohl ich glaube, dass wir den Barbaren damit Unrecht tun.

Donnerstag, 28. April 2011

Das Phänomen Noam Chomsky

Es gibt Menschen, die tatsächlich eine übermenschliche Vitalität besitzen. Dazu gehört der 82-jährige Noam Chomsky, Linguist - von vielen gar als der Vater der modernen Linguistik angesehen - Philosoph, kognitiver Wissenschaftler, sozialer Aktivist und Professor, der an dem renommierten Massachusetts Institute of Technology lehrte, sowie Autor von 150 Büchern. Hinzu kommen ungezählte Artikel, Vorträge, Interviews. Selbst bezeichnet er sich als libertärer Sozialist. Wenn man ihn ruhig, überlegt und klar sprechen hört, würde niemand sein Alter erraten können.
Aber ich wollte eigentlich nur einen kurzen Hinweis auf einen neuen (und recht langen) Artikel von ihm geben, der vor einer Woche hier veröffentlicht wurde. Der Titel lautet "Who Owns The World? The Contours of Global Order" (Wem gehört die Welt? Die Konturen der globalen Ordnung). Der Untertitel ist ein präzise Zusammenfassung dessen, worum es geht: "Unterstützung für Demokratie ist die Provinz der Ideologen und Propagandisten. In der wirklichen Welt ist der Widerwille gegen Demokratie der Eliten die Norm."
Um dies für die USA zu beweisen, geht Chomsky nur bis 1940 zurück, als führende Militärs und Politiker der USA bereits den kommenden Sieg im Weltkrieg und den ungeheuren Machtzuwachs der USA voraussahen und Pläne
machten. Ein Eckstein dieser Pläne war - in Abwandlung von Churchills 'bloß kein Sport'  - 'bloß keine Demokratie'. Nirgends und nirgendwo, da sie für die unumschränkte Macht der USA ein Hindernis wäre.
Das ist nicht absolut neu, aber er bringt doch neue Gedanken ein, die zeigen, wie zwingend diese imperiale Logik ist. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was er sagt, man mag auch bedauern, dass Chomsky ein paar blinde Flecken hat (Israel und Sowjetunion), aber zumindest nimmt er die Politik seines Landes gnadenlos unter die Lupe. Und das ist sehr viel, wenn man bedenkt, wieviele selbst kluge Leute den größten blinden Fleck dort haben, wo es um ihr eigenes Land geht.

Mittwoch, 27. April 2011

Libyen - es kommt immer bunter - und blutiger

Dieses arme (reiche), kleine (Einwohnerzahl), große (flächenmäßig) Land Libyen,
das noch vor kurzem nicht viele von uns auf der Landkarte gefunden hätten, nimmt eine Bedeutung an, die ganz unfaßbar ist. Manlio Dinucci titelt auf GlobalResearch "Financial Heist of the Century: Confiscating Libya's Sovereign Wealth Funds (SWF)" [Finanzieller Raubüberfall des Jahrhunderts: Konfiszierung von Libyens souveränem Reichtumfonds. Das Original liegt hier]. Es geht also nicht allein um die 60 Milliarden Barrel Erdöl, nicht um die 1500 Milliarden Kubikmeter Naturgas, nicht allein um die jährlichen Erdöleinnahmen von ca. 30 Milliarden Dollar, nicht allein um die geostrategische Bedeutung, nicht um den Ozean von Trinkwasser unter Libyen, den Gaddafi durch gigantische Investitionen nutzbar gemacht hat, nicht allein um all die anderen Bodenschätze im Lande, nicht allein um Gaddafis Projekte der Schaffung der Vereinigten Staaten von Afrika oder die Schaffung einer einheitlichen Währung für Afrika (der Gold-Dinar), sondern ganz unmittelbar um ungeheure Geldmengen.
Da sind erstens 32 Millarden Dollar der Libyan Investment Authority (LIA = Libysche Investitionsbehörde), deponiert auf US-Banken, die Obama 'eingefroren' hat, da sind 45 Mrd. Euros, die von der Europäischen Union 'eingefroren' wurden, die alle für afrikanische Projekte gedacht waren. Nun, diese 'eingefrorenen' Gelder werden niemals mehr bei den rechtmäßigen Besitzern, dem libyschen Volk, 'auftauen', sondern werden schnell ihren Weg in den Taschen der Bankster finden. Wie die damals beschlagnahmten irakischen Milliarden auch. Behilflich bei diesem Coup war der Libyer Mohamed Layas, Vertreter der LIA, der schnell und geschmeidig die Seiten gewechselt hat.
Aber das ist noch nicht alles. John Perkins berichtet hier, dass in den Gewölben der zu 100% in staatlichem Besitz befindlichen Libyschen Staatsbank weitere geschätzte 144 Tonnen Gold liegen. Deswegen haben es die Rebellen-Hanseln unter amerikanischer Anleitung wohl so eilig gehabt, in Benghazi eine 'staatliche Bank' zu gründen.
Man kann sich allerdings fragen, wie naiv, alternativ dumm Führer in der 3. Welt sein dürfen. Die Gelder im Westen zu deponieren!!! Naja, urteilen wir nicht zu hart. Die Gewerkschaften und sogar die Kommunistischen Parteien hatten und haben auch ihre Mitgliedsbeiträge immer brav auf ihre jeweiligen Banken getragen. Hitler brauchte nur abzuräumen. Genau wie jetzt Obama.
Unterdessen eskalieren die USA den Krieg mit Hilfe von Drohnen, diese bislang feigste Waffe des Imperialismus, die jeweils zielgenau von einer Handvoll bis zu Dutzenden Menschen ins Jenseits expedieren.

Montag, 25. April 2011

Was ist los mit dem Internet?

Vor einigen Tagen kam eine Nachricht von Mike Adams, health ranger bei NaturalNews genannt, über die Berichterstattung zu Fukushima (seinen kompletten Artikel kann man hier lesen). Ihm war aufgefallen, dass keine alternativen Artikel zur Fukushima-Suche bei Google auftauchten. Auf Anfrage erhielt er die Antwort, sie seien vom Index genommen worden wegen mangelhafter Qualität und ständiger Wiederholungen. Ein snapshot von Mike ergab, dass Google sage und schreibe ZEHN große US-Zeitungen und -Sender mit haargenau demselben Wortlaut ein- und desselben Artikels aufgelistet hatte. Jeder kann sich darauf einen Reim machen.
Manche Nachrichtenbriefe - z. B. von Uruknet - kommen mit zwei Tagen Verspätung hier an und sind inzwischen teilweise überholt, von der Entwicklung
überrollt worden oder haben sich im besten Fall als falsch herausgestellt.
Zunehmend verschwinden auch Artikel unserer Tlaxcala Webseite vom Index. Man kann sie nach längerer Suche meistens auf Seiten finden, die sie von uns übernommen haben. Aber man fragt sich natürlich, was diese Spielchen zu bedeuten haben. Wenn Google weiterhin diese Schiene fährt, werden allmählich mehr Leute als nur Mike das Vertrauen in diese Suchmaschine verlieren und zum Boykott aufrufen.

Sonntag, 24. April 2011

Libyen und Elfenbeinküste - klassische neokoloniale Interventionen

Nachdem der Propagandastaub von Pentagon und NATO sich etwas gelegt hat, beginnt sich ein ganz anderes Bild vom "Diktator" Gaddafi und dem vom Westen auserkorenen Wahlsieger Ouattara in der Elfenbeinküste abzuzeichnen. Gaddafi bewaffnet das Volk, um gegen die neuen (alten) Kolonialherren ihr Land zu verteidigen und unterzeichnet mit der UNO ein Abkommen für humanitäre Hilfe. Unterdessen sind Ouattaras Soldateska und französische Killerbanden in der Elfenbeinküste am Aufräumen, was regelrechte Gemetzel bedeutet.
In Libyen ist es den Gaddafi-Truppen gelungen, einen hohen Al Qaida Führer im Kampf zu töten. Als Gaddafi am Anfang der Rebellion sagte, dass Al Qaida Elemente in ihr eine Rolle spielen, da hat man ihn in den westlichen Medien ausgelacht, obwohl die CIA genau wusste, dass es stimmte. Nun ja, was uns unsere Medien alles aufgetischt haben, entpuppt sich nach und nach als das, worin sie am besten sind und wofür sie schließlich bezahlt werden: als Lügen.
Er habe seine "eigenen" Leute bombardiert, er sei ein Rassist, er habe schwarze
Söldnertruppen angeworben, seine Mutter sei ein Jüdin, die Bewohner Libyens litten Hunger und was weiss ich alles. Und es bleibt nicht aus, dass bei jedem von uns auch immer etwas hängenbleibt, wenn Lügen hunderttausendfach wiederholt werden.
Ich bin insbesondere Cynthia McKinney, ehemalige US-Kongressabgeordnete und Kandidatin für die Präsidentschaft zu Dank verpflichtet, da sie in ihrem Rundbrief uns auf Quellen verwiesen hat, die von kompetenten Betroffenen stammen:
1. dem schwarzamerikanischen Molefi Asante, Professor an der Temple Universität, Historiker und Philosoph und Autor von ca. 70 Büchern, dessen Video-Vortrag man hier hören/sehen kann.
2. dem Kameruner Jean-Paul Pougala, Professor an der Diplomacy University (Diplomatie-Universität) in Genf, dessen eingehende Analyse man hier lesen kann.
Es verschlägt einem die Sprache, wenn man liest, was Gaddafi alles für ganz Afrika getan hat. Und es verwundert einen gar nicht mehr, dass die Afrikaner ihn schätzen und lieben, u.a. Mandela, der nach seiner Freilassung als erstes Gaddafi
besucht hat (wobei er dem US-Embargo trotzte), um ihm für seine Hilfe bei der Beseitigung des Apartheid-Systems und seine Freilassung zu danken.
3. dem Hauptbetroffenen Muammar Gaddafi mit seiner Rede, die er am 1. Oktober 2009 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen gehalten hat und die man hier auf Englisch lesen kann und auf der sehr zu empfehlenden antikrieg-Seite von Klaus Madersbacher auf deutsch hier.
Ich habe selten eine derart vernünftige und radikale Kritik an der UNO gehört oder gelesen. Dabei ist er sehr diplomatisch vorgegangen, doch gleichzeitig mit beißender Ironie. Er hat die Geschichte des grandiosen Versagens dieser Organisation für den "immerwährenden Frieden", die 65 Kriege zugelassen und sogar befördert hat, zusammengefasst und ihr ganzes Konzept in der Luft zerrissen. Aber er hat auch konkrete und vernünftige Vorschläge für ihre Umwandlung in ein wirklich demokratisches Friedensinstrument gemacht und zur Diskussion gestellt. Diese Rede sollte jeder lesen, um selbst bestimmen zu können, ob Gaddafi ein Verrückter ist oder nicht.

Sonntag, 17. April 2011

Was tun, wenn die Sprachlosigkeit überhandnimmt - Holz hacken!

Heute lese ich, dass die BP-Katastrophe im Golf von Mexico ein Jahr her ist. Nicht zu fassen - ich dachte, ein paar Monate. Wie auch immer. Und was steht da zu lesen? Das BP das Kapitel als abgeschlossen betrachtet. Freund Obama hat die wissenschaftlichen Forschungen über Krankheitsfälle bei Mensch, Tier, Umwelt unter den Teppich gekehrt und erlaubt BP, in ein paar Monaten weiterzubohren. Und die höchsten Bosse bei BP erhielten hohe Bonuse 'für ihren großartigen Einsatz für die Sicherheit". Träume ich, bin ich besoffen?
Zum Glück für BP kam dann ja bald die Welle der arabischen Revolutionen und dann noch der Tsunami in Japan mit folgender Fukushima Katastrophe. Das Szenario war das gleiche - verschweigen, verwischen, hinhalten und lügen, lügen, was das Zeug hält. Aber die setzen doch "die Eigenen Leute dem Tode aus" (Stimme aus dem Off)  - ist das nicht ein Grund, ein Land zu bombardieren? Nja, an sich schon, aber nur bestimmte Länder, die schon lange vorher auf den Generalstabskarten der alten und neuen Imperialisten mit einem roten Kreis versehen wurden. Das waren Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Sudan, Libyen, Syrien. Irak, Jugoslaien, Afghanistan hat man ganz fertig gemacht, Sudan ist zwar schon geteilt, steht aber nach wie vor auf dem Zettel, Pakistan, Libyen, Syrien sind in Arbeit.
A propos Libyen - da gibt es bis heute nicht einen Beweis, dass Gaddafi "die Eigenen  bombardiert" hat, aber hinreichend Beweise, dass die USA, England und Frankreich schon an die 1000 Zivilisten zusammengebombt haben - wahrscheinlich mit DU-Waffen (depleted uranium - abgereichertes Uran). Und es
gibt auch Beweise, was die 'Rebellen' im Osten des Landes mit gefangenen libyschen Soldaten machen (siehe hier - mit vier Videos). Enthaupten, lebend
verbrennen, foltern usw. Naja, was man halt unter US-amerikanischer Leitung so üblicherweise macht. Alles völlig legal und vom Präsidenten abgesegnet. Das Ganze nennt sich dann Demokratie.
Es spielt überhaupt keine Rolle, dass Brasilien, Russland, Indien, China, die zusammen fast die Hälfte der Menschheit repräsentieren, scharfen Protest gegen die Verfälschung der UN-Resolution 1973 eingelegt haben, das die Afrikanische Union protestiert und noch eine Reihe anderer Länder. Schließlich sind 'wir' - die weißen ehemaligen und Neo-Kolonialisten die 'Weltgemeinschaft'. Basta.
Da soll man nicht sprachlos werden?
Ich bin nur froh, dass ich vor einigen Tagen mein Holz für den nächsten Winter bekommen habe. Da bin ich fast den ganzen Tag "im Holz". Brauche mir nicht von morgens bis abends das Elend hier in der Kiste anschauen. Es erinnert mich auch an eine Einrichtung in japanischen Firmen. Ein Raum mit den Portraits der Firmenbosse und viele Wurfpfeile. Zum Abreagieren. Ähnlich funktioniert das Holzhacken.



Dienstag, 5. April 2011

Westfälischer Friede, Bandung-Konferenz, Elfenbeinküste und Libyen

Was zum Teufel hat das alles miteinander zu tun? Eine ganze Menge, wie wir sehen werden.
Der eine oder andere erinnert sich vielleicht dunkel daran, dass es mit dem Ende des 30-jährigen Krieges zu tun hatte. Und das stimmt ja auch. Aber er war viel mehr - er beendete auch den 80-jährigen Unabhängigkeitskampf der Niederlande. Und er war noch viel mehr. Dieser Friede von 1648 galt fast zwei Jahrhunderte lang als Vorbild für weitere internationale Verhandlungen und anerkannte erstmals die Gleichberechtigung aller Staaten, ob groß oder klein  sowie die Gleichstellung der protestantischen und katholischen Religion. Allein der Papst Innozenz X schien unzufrieden. Er nannte den Vertrag "null, nichtig, ungültig, frevelhaft, ungerecht, verdammenswert, ruchlos, eitel, leer jeden Sinnes und Effektes für alle Zeiten". Nun, das kennt man ja. Der 'Heilige Stuhl' hat sich noch immer gegen jeden, wenn auch noch so kleinen Fortschritt gestemmt.
Noch heute wird der Westfälische Friede als Ausgangspunkt einer europäischen Friedensordnung gleichberechtigter Staaten und für ein friedliches Miteinander der Konfessionen angesehen.
Und Bandung? Das ist eine große Stadt im Westen der indonesischen Insel Java, wo 1955 die erste afrikanisch-asiatische Konferenz abgehalten wurde, an der 23 asiatische und sechs afrikanische Länder teilnahmen, die mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentierten. Auf der deutschen Wikpedia-Seite wird nur allgemein davon gesprochen, dass es um Antikolonialismus ging. Nichts darüber, welche Länder teilnahmen und was beschlossen wurde. Auf der englischen Wikiseite wird die Teilnahme Chinas unterschlagen, aber im Text wird klar, dass es teilgenommen hat, und es wird immerhin auch die  'Zehn-Punkte-Erklärung zur Förderung  von Frieden und Zusammenarbeit der Welt' aufgeführt (findet sich hier). Ich will nur die drei nennen, die auf die entscheidende Initiative des chinesischen Außenministers Zhou Enlai zurückgingen, um die es hier geht: Punkt 2: 'Respekt vor der Souveränität und territorialen Integrität aller Länder' ; Punkt 3: 'Anerkennung aller Rassen und der Gleichheit aller Nationen, ob groß oder klein' sowie die Aufforderung in Punkt 4: 'sich jeder Intervention oder Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes zu enthalten'.
Diese revolutionären Prinzipien richteten sich natürlich in erster Linie gegen die Supermächte - damals Sowjetunion und insbesondere die USA. Aber auch der Gedanke an all die ungerechten Grenzen, die der Kolonialismus als unseliges Erbe hinterlassen hatte, spielte eine wichtige Rolle. China hat konsequent - und bis heute - darauf gedrängt, die damit verbundenen territorialen Streitigkeiten durch Diskussionen und friedliche Mittel zu lösen.
Dieses Prinzip ist leider nur in den seltensten Fällen zur Anwendung gekommen, allerdings wird heute noch anerkannt, dass der 'Geist von Bandung' wesentlich zum Entkolonialisierungsprozess beigetragen hat. Und Interventionen waren für eine gewisse Zeit verpönt. Deswegen konnten Solidaritätsbewegungen auch in verschiedenen imperialen Kriegen (Algerien, Angola, Guinea-Bissao, Mosambik und vor allem Vietnam) mehr oder weniger stark werden, auch wenn die Linke in den seltensten Fällen geeint war.
Dann kam der erste große Bruch: Der Einmarsch Tansanias 1978 in Uganda zum Sturz Idi Amins und Vietnams 1979 in Kambodscha zum Sturz Pol Pots. Ausgerechnet Tansania - das Symbol des sogenannten 3. Weges und  Vietnam, das sozialistische Symbol eines siegreichen Befreiungskampfes. Beide Invasionen fanden den (fast) ungeteilten Beifall der Welt von links bis rechts. Von Moskau bis Washington, von Rom bis Tokyo. Und seit damals ist die 'Linke' noch heilloser gespalten.
Das Prinzip des Nicht-Angriffs und der Nicht-Einmischung war durchbrochen und viele Gründe für die 'humanitären Interventionen' in Kossovo, Irak, Afghanistan und nun in Libyen und Elfenbeinküste wurden damals gelegt. Und nun ist ein großer Teil dessen, was sich einmal links genannt hat, endgültig fest 'eingebettet' im imperialistischen System. Requiescat in pace.


Das war schon das von Lenin und Ho Chi Minh vorhersagte Los der damaligen Linken, die ihre Prinzipien verrieten und sich in die glorreichen Sozialdemokraten verwandelten.



Freitag, 1. April 2011

Japan - zumindest ein Reaktorkern ist durchgeschmolzen

Die atomare Katastrophe in Japan nimmt immer größere Ausmaße an und dabei erfahren wir nur einen Bruchteil der Wahrheit. Gerade habe ich auf Tlaxcala einen Artikel hier aufgelegt. Dieser Experte meint, die einzige Lösung sei, in jeden der Raktoren eine Mini-Atombombe zu werfen, um die Reaktion zu stoppen. Gewiss, man kann sich gut vorstellen, dass die Japaner vor dieser Lösung zurückschrecken. Aber dann hätten sie von Anfang gegen die Alternative 'Atomkraft' sein müssen, zumal sie von vielen Seiten gewarnt worden sind.
Ich finde es ungeheuerlich, wie eine zahlenmäßig kleine Lobby, wenn auch mit enormer Finanzkraft, es fertiggebracht hat, ein Parlament nach dem anderen mit jeweils hunderten 'Volksvertretern' plus einige Diktatoren auf den Rücken zu legen. All diesen Typen, die rücksichtslos mit Leben und Gesundheit von Millionen und aber Millionen Menschen spielen, hätten zumindest die Auflage bekommen sollen, dass sie neben den Atommeilern wohnen müssen.
Soll sich doch niemand der Illusion hingeben, dass der Mist dort bleibt, wo es knallt. Das müssten wir doch spätestens seit Tschernobyl alle wissen. Trotzdem werden zur Stunde neue Verträge für den Bau von Reaktoren abgeschlossen - von "unseren" Firmen und weit weg. Nur gibt es kein 'weit weg', sonst müssten wir uns wegen Japan ja keine Sorgen machen.
Lobenswert ist, dass jetzt alle alten und auch neue Atomgegner wieder auf den Plan treten. Was ich jedoch merkwürdig finde, dass von diesen ehrenwerten Damen und Herren die wenigstens ein Wort darüber verlieren, dass Stunde um Stunde, Tag für Tag, Monat für Monate, Jahr um Jahr unsere heldenhaften Armeen alle zusammen geschlossen gegen ein paar der ärmsten Länder der Welt atomare Munition massenweise einsetzen, was bereits ungeheure Opfer gefordet hat. Obwohl, ja obwohl, der radioaktive Staub, der in Irak verursacht wird, auch im Westen Europas nachweisbar ist. Lassen sich alle damit beruhigen, dass die Herren dort oben uns versichern, dass es der Gesundheit nicht abträglich sei? Glauben sie denen immer noch - nur ein einziges Wort? Phantastisch, wobei sich rumgesprochen haben sollte, dass die lügen, wenn sie das Maul aufmachen.
Tja, und denen, die auch hier warnen (wie dort weit weg in Japan), das es KEINE UNGEFÄHRLICHE DOSIS gibt, denen glaubt man nicht oder hört ihnen einfach nicht zu. Denn die allerkleinste Dosis wird im Körper gespeichert und all die kleinen Dosen summieren sich. Oder hat man vergessen, dass auch Kleinvieh Mist gibt? Na denn, gute Nacht.

Mittwoch, 30. März 2011

Ergänzung zur scharfen Kritik von Petras/Abaya über EU/US Krieg gegen Libyen

Gleich vorweg sei gesagt, dass der Artikel von James Petras und Robin E. Abaya
The Euro-US War on Libya: Official Lies and Misconceptions of Critics (Offizielle Lügen und Missverständnisse der Kritiker) äußerst lesenswert ist. (Der Link ist   hier.)
Sie behandeln zunächst die sechs Mythen über den Libyen-Komplex. Erstens die 'humanitäre Interventien', was ja im Grunde ein Lacher ist, nur kann einem bei den Ergebnissen vor Ort wirklich nicht zum Lachen zumute sein. Es ist im Gegenteil 'deprimierend zu sehen, wie selbst anständige Liberale den Mist glauben können', wie Tariq Ali gestern schrieb.
Sodann kommen P/A zur Frage des Erdöls, das von 'Linken' gerne als Grund der Aggression angeführt wird. Die Autoren meinen, dass sie irrelevant sei, da alle großen Erdölgesellschaften der Welt ja von Gaddafi vor Jahren bereits ins Land geholt worden waren und dicke Geschäfte machten. Wohl richtig, aber meinen die Autoren, dass es dasselbe ist, ob "unsere" Gesellschaften im Lande sind oder ob wir mit ein paar Divisionen im Lande stehen und direkt am Hahn drehen können? Sicherlich nicht. Wie oft wurden die westlichen Gesellschaften über Nacht aus dem Lande geworfen, wenn das Volk oder ein nationalistischer Führer genug davon hat, dass der Westen sich das Öl billig aneignet? Also läuft die US-Strategie seit langem darauf hinaus, das Öl von der Quelle, über die Pipelines und Seefahrtslinien bis zum jeweiligen Bestimmungsort und zum Verbraucher unter Kontrolle zu bringen. In unseren Zeiten, wo wir ausrechnen können, wann der letzte Tropfen Öl aus dem Hahn kommt, ist das für die Superweltmacht ein nicht zu vernachässigender Punkt. Dies ist das eine. Das zweite ist, dass Erdöl eben nicht nur Erdöl ist, sondern auch eine Waffe, die über Leben und Tod entscheidet.
Ich möchte den Lesern in Erinnerung rufen, dass der 2. Weltkrieg im Pazifik damit begann, dass die USA Japan von allen seinen Erdölnachschublinien abschnitten. Und das war eine klare Kriegserklärung, auf die Japan zu Recht mit Pearl Habor antwortete. Es versteht sich wohl von selbst, dass dies die Stimme der Imperialisten ist und ncícht meine.) Erdöl war damals schon lebenswichtig für eine Industriemacht, umso viel mehr heute. Kleine Überlegung: Was passiert, wenn Deutschland über Nacht der Gas- und Ölhahn abgedreht wird?
Wenn nun die USA auch Libyen in der Tasche haben werden, haben sie die europäischen Mächte, die zu den Hauptabnehmern des libyschen Öls gehören, noch viel besser im Griff als ohnehin schon. Aber das sehen solche Idioten wie Sarkozy, Cameron & Co von ihrem Gesichtspunkt im Arsch des Ungeheuers natürlich nicht so gut.
Der dritte Punkt der Autoren ist "Gaddafi ist ein Terrorist". Naja, gestern war es nicht und auch vorgestern nicht und schon seit 2004 nicht mehr, als er von der
US-Terroristenliste gestrichen wurde. Aber hier verweisen P/A auf einen wichtigen Punkt: Gaddifi hat sich durch seine 100-Grad-Drehung selbst in den Fuss geschossen. Er hat freiwillig sein Land von 'Massenvernichtungswaffen' befreit und somit verwundbar gemacht, und er hat sich von allen seinen 'linken'
Freunden getrennt und somit selbst in die Isolation gebracht. Das machte ihn zu einem 'leichten Angriffsziel für die Militaristen in Washington'.
Der vierte Mythos sind die 'revolutionären Massen' in Libyen. Sicher gab es den einen oder anderen wohlmeinenden Demokraten und vielleicht auch Revolutionär. Aber Massen? Nun, das kann jeder selbst nachlesen.
Der fünfte Punkt ist Al Qaida. Als Gaddafi darauf verwies, wurde er ausgelacht.
Im Chor, gut orchestriert von Washington. Aber natürlich wusste man dort, dass es stimmte. Aber die sind jetzt Teil der 'Rebellen'.
Im sechsten Punkt gehen die Autoren auf den Unterschied zu den übrigen Revolten in der arabischen Welt ein, die explizit friedlich und gewaltfrei waren. In Libyen gab es einen bewaffneten Aufstand und somit einen Bürgerkrieg. Und auch Bürgerkriege haben es an sich, dass auf beiden Seiten Gräueltaten begangen werden. Allerdings sprach man hier nur von den Gräueln der Regierung (die kräftig aufgebauscht wurden - so hat es z. B. kein Bombardement von Tripolis gegeben) und blendete die der anderen Seite einfach aus.
In der Schlussfolgerung kommen die Autoren zwar auf die Doppelzüngigkeit der US-Aggressoren zu sprechen - in Palästina, Bahrain, Jemen usw. wird bedenkenlos gemordet, aber das sind ja 'unsere' Jungens - aber dann kommen sie auf den für sie entscheidenden Punkt für die Aggression gegen Libyen und zwar:   "Weil Gaddafi sich geweigert hat, aktiv zu den westlichen militärischen Operationen in Afrika und dem Nahen Osten einen Beitrag zu leisten."
Dies halte ich nun für ein sehr schwaches Argument. Auf die paar Männiken, die das kleine Libyen hätte zur Verfügung stellen können, konnte man doch gut und gerne verzichten.
Ich sehe einen anderen Punkt, der eigentlich ins Auge springt, aber vielleicht deshalb nicht gesehen wird. Werfen wir nur einen kurzen Blick zurück. Die USA
steckten wirklich in der Bredouille. Ihre großartige, mit Milliarden gefütterten Geheimdienste CIA, FBI und wie sie alle heissen, hatten nicht die leiseste Ahnung von dem, was in den arabischen Ländern vor sich geht und auf sie zukommt. Sie fielen aus allen Wolken (denn die Araber sind doch unfähig zur Demokratie, träge, defätistisch etc.). In aller Eile wurden Drähte gezogen, Boten hin- und hergescheucht, Telefone liefen heiss, aber nichts klappte richtig. Das Feuer breitete sich immer weiter aus. Sprang über nach Jemen, Palästina, Bahrain, Kuweit und sogar nach Saudiarabien. Wirklich eine brenzlige Situation. Und da
sandte Gott ein Zeichen. In Libyen fingen auch ein paar Burschen an, eine 'Revolution zu machen'. Und die gingen gleich in die Vollen. Ballerten auch gleich drauf los. Gaddafi fiel auch aus allen Wolken, ballerte zurück und ein Bürgerkrieg war im Gange. Und auch Bürgerkriege haben es an sich, dass Gräuel begangen werden, auf beiden Seiten. Und in dem Moment brachte man die gesamte schwere Artillerie der Medien ins Gefecht. Naja, die ganze Litanei, die man bis zum Erbrechen bereits kennt. Gaddafi - schon wieder ein Hitler - eine Gefahr für die USA, ja für die ganze Welt, der die "eieieieigenen" beschießt usw. Den Hintergrund gaben die 'Humanitären' mit ihrem Geheul ab. Und - surprise, surprise - man hatte sogar Al Jazeera auf seiner Seite. Schlagartig wurde der Fokus weg von dem wirklich demokratischen Getümmel auf den arabischen Straßen auf Libyen gerichtet. Libyen, Libyen, Libyen auf allen Sendern, allen Fernsehkanälen. Die Israelis nutzten die Stunden und bombten fleissig die Leute in Gaza zusammen, Saleh in Jemen massakrierte die eigenen, allerdings friedlichen Demonstranten, in Bahrain marschierte die saudische Armee ein - nichts von alledem bekam man zu sehen, nur noch Libyen.
Wenn das kein Geschenk des Himmels für die Yankees war. Sie wurden von allen westlichen Demokratien, von den Liberalen, den Humanitären und ihren arabischen Freunden um Hilfe gerufen. Nun, da griff man halt zu und ließ sich schweren Herzens zu einer 'humanitären Intervention' herbei. Und nun konnten sie zeigen, dass sie wirklich 'the good guys' sind, die auf der Seite der Guten stehen. And forget about the rest.
Es ist genau, wie es Jan Myrdal in seinem neuen Buch 'Red Star over India' beschreibt. Die Inder bekämpfen seit über 40 Jahren die Naxaliten - mit wechselndem Erfolg, doch in den vergangenen 10 Jahren mit immer weniger Erfolg. Also machten sie zuerst diese Armen, die Indigenen und Dalits (die Unberührbaren), die für Gerechtigkeit und ein anständiges Leben kämpfen, zu Terroristen und riefen dann die Amerikaner herbei. Mit allergrößtem Vergnügen. Wenn die 'größte Demokratie der Welt' um Hilfe bittet, dann sind wir auf der richtigen Seite. Und Jan Myrdal verweist auch darauf, dass die Inder über kurz oder lang auch von der 'Linken' Hilfe erhalten werden, wenn man denen erzählt, dass die indische Regierung "diesen armen, zurückgebliebenen Ureinwohnern nur helfen will, ihnen den Fortschritt und Entwicklung und Ausbildung bringen will, aber die bösen Maoisten, die verhindern das."
Nur begreifen die Inder nicht, dass die Amis sie am Ende in den Sack stecken werden. Wo die erst einmal drinnen sind, gehen sie nicht mehr raus. Die Inder sind bescheuert, und der Grund ist ihr Rassismus. Sie glauben, sie machen einen guten Deal, wissen aber nicht, was die Amis von ihnen halten. Das gleiche, was sie von ihrem eigenen Volk halten: mofussil, Pack, Idioten, Schwarzköpfe. Es wird ihnen gehen, wie den Pakistanis, auch wenn sie sich natürlich selbst für viel viel klüger halten.

Freitag, 25. März 2011

Blood-Guzzling and Flesh-Eating Pigfuckers

Diesen Titel darf ich nicht beanspruchen, er stammt von meinem verehrten Freund im Geiste Arthur Silber. Er ist nicht nur der härteste US-Kritiker der Mafia im Weißen Haus und ihrer Kumpane in London, Paris, Berlin etc., der mit messerscharfer Logik und beißendem Hohn die 'Geistesakrobatik' der Imperialisten und vor allem auch des 'humanitären' Bombergesindels zerpflückt, sondern er ist auch mit blühender Phantasie für ständig neue Epitheta begabt. Den link zu seinem neuesten glänzenden Artikel, den ich gerade gelesen habe, will ich niemandem vorenthalten:
http://www.uruknet.info/?new=76040 A Nation Led by Blood-Guzzling, Flesh-Eating Pigfuckers by Arthur Silber.
Außerdem las ich, dass Freunde von ihm einen Aufruf um Hilfe rausgeschickt haben, weil er arm, alt und wie so viele Amerikaner natürlich ohne Krankenkasse ist. Und es ist auch klar, dass so ein glänzender Geist mit Texten, wie er sie schreibt, keine müde Mark verdient. Ich habe ihm also gerade endlich mal geschrieben und 'befohlen', mir seine Kontonummer zu schicken, damit er uns noch eine Weile erhalten bleibt.

Heute bin ich mit der Übersetzung des neuen Buches von Jan Myrdal 'Roter Stern über Indien' fertig geworden, das im Oktober im Zambon Verlag /FFM erscheinen soll. Myrdal ist voriges Jahr doch tatsächlich mit seinen 83 Jahren in dem 'Roten Gürtel' Indiens, den von Naxaliten (Kommunistischen Partei Indiens (Maoisten) befreiten Gebieten, gewesen. Ein großartiges Dokument über diese 'größte' Demokratie der Welt, die den einzigen Schönheitsfehler hat, seit ihrer Gründung nicht eine Minute lang eine Demokratie gewesen zu sein. Denn sie führt  einen ununterbrochenen Krieg gegen die Armen und ihre Minderheiten mit einer Besessenheit und Brutalität, die jeder Beschreibung spottet. Indien hat mehr Arme als alle afrikanischen Länder zusammen und auch mehr indigene Völker als irgendein anderes Land. Wie in den USA ist die Urbevölkerung nach und nach zurückgedrängt worden - nicht in die Wüsten wie in den USA - sondern in die unzugänglichen Dschungel Zentralindiens.  Und wie's der Teufel will, stellte sich heraus, dass ausgerechnet dort die reichsten Mineralfunde an Eisenerz, Bauxit, Mangan etc. gemacht wurden. Also drängeln sich die größten Stahlproduzenten der Welt, um den Indern beim Abbau zu 'helfen'. Aber dazu müssen die indigenen Völker weg. Da sie nicht freiwillig abhauen, dringen Militär, Polizei, gedungene Mörderbanden ein, plündern, morden, vergewaltigen und brennen die Dörfer nieder. Bis diese Menschen anfingen sich zu wehren. Und nun ist die Empörung groß. Was tun? Na ganz einfach. Das sind Terroristen. Und strax versicherte man sich der Spezialisten bei der Terrorbekämpfung - der amerikanischen Hilfe.
Kurz und gut - das zu übersetzen hat mich ganz fertig gemacht. Das Schlimmste ist die Ohnmacht, zu der man verdammt ist. Die ständige Frage, was nutzt das, was du da machst. Kannst du damit nur ein Kind, eine Frau, einen der jungen Männer, die nichts als Krieg, Verfolgung und Unterdrückung in ihrem Leben kennengelernt haben, retten? Oder ist es nur ein Feigenblatt für deine eigene verwundete Seele? Vielleicht. Meine Hoffnung neigt sich gegen Null. Doch in Ermangelung einer Alternative mache ich einfach weiter - trotz alledem, trotz alledem, wie schon die Revolutionäre von 1948 gesungen haben.

Montag, 14. März 2011

Die größte, die mächtigste und die nobelste Demokratie - Indien, USA und Israel

Wer lacht denn da? Das können wir doch täglich hören oder lesen. Wäre ja nicht weiter schlimm, wenn es nicht so unglaublich viele Leute gäben, die das tatsächlich glauben. Und gegen den Glauben ist bekanntlich kein Kraut gewachsen.
Was mich nur seit Jahrzehnten wundert, wie diese drei Länder es geschafft haben, erstens diesen Mythos in die Welt zu setzen und zweitens, ihn aufrechtzuerhalten und zu einer "Wahrheit" werden zu lassen. Und das selbst in vielen Ländern, die direkt oder teilweise sehr lange unter diesen drei "Demokratien" zu leiden hatten und haben.
Dabei ist keines der drei Länder niemals nur eine Sekunde lang eine Demokratie gewesen. Für die USA hat das in "Ami go home" Rolf Winter ganz klar nachgewiesen, für Indien hat es u. a. Jan Myrdal getan, dessen zweites Indienbuch ich gerade übersetze und für Israel - das erübrigt sich eigentlich, obwohl es Berge von Beweismaterial gibt. Alle drei Länder haben in ihrer gesamten Geschichte (für Indien denke ich nur an die Zeit seiner Unabhängigkeit) kaum ein Jahr des Friedens gehabt (Winter kam für die USA - glaube ich - auf 20 Jahre).
Dass überhaupt darüber Bücher geschrieben werden müssen, verwundert mich schon. Die Fakten sind ja eigentlich allen bekannt. Von den USA weiss jedes Kind
(die Karl May Bücher werden ja immer noch gelesen), dass das Land gestohlen wurde, die Bewohner abgeschlachtet wurden und die rechtmäßigen Besitzer bis heute wie Hunde behandelt werden. Und das soll eine Demokratie sein?
In Indien hat die Oberschicht aus Angehörigen der hohen Kasten und der Bourgeoisie von Anfang an Krieg gegen die überwältigende Mehrheit des eigenen Volkes geführt - gegen die Armen, die Unberührbaren und die 70 Millionen indigenen Menschen. Mit den brutalsten Mitteln - Hunger, brutaler Ausbeutung, Folter, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Hat geführt und führt ihn in noch größerem Umfang bis zur Stunde. Aber es nennt sich Demokratie.
Und in Israel? Das ist ein Schandfleck für die gesamte Menschheit, zumal die ganze Menschheit (wenn man nun die UNO als Vertreter der ganzen Menscheit begreifen will - was ja durchaus angezweifelt werden kann) Schuld hat am Entstehen dieser Entität, inklusive die Sowjetunion. Wer das nicht begreift, dem könnte man nur wünschen, dass sein Nachbar ihn aus seiner Villa wirft und in die Hundehütte sperrt. Vielleicht würde ihm dann ein Licht aufgehen.
Dabei habe ich noch nicht einmal die ungezählten Kriege erwähnt, die diese drei famosen Demokratien gegen andere Länder geführt haben.
Diese Tatsachen sind also im Grunde allen bekannt, werden aber in jeder Diskussion mit leichter Hand hinweggewischt, um dann schnell von dem "Terror" der anderen zu sprechen, jener, die keinen Frieden geben. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.
Bleibt also die Frage, wie kann dieser Mythos aufrechterhalten und mit unerhörter Chuzpah und Effektivität den Leuten immer wieder um die Ohren gehauen werden, so dass es am Ende tatsächlich "geglaubt" wird?
Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Gewiss fällt mir das eine oder andere Phänomen ein, das aber nicht zum Kern vordringt. Es wäre doch ein tolles Thema für eine Doktorarbeit - eine echte meine ich. Aber ob sie selbst in Bayreuth oder Erlangen abgenommen würde, bezweifle ich denn doch.

Sonntag, 13. März 2011

Wie ungefährlich sind doch die AKW's

Las gerade BjörnBrums 'Hjärtsmälta in Japan'. Sah gestern nur die Videos über den Tsunami. Als ob das nicht reichte, ist nun auch noch ein Supergau zu befürchten! Aber der kann doch nur mit einer Chance von 1: 1000000 eintreffen, wie uns die Experten ständig versicherten!  Nunja, haben wir halt mal wieder Pech gehabt. Und die Atomfanatiker werden eine Weile die Schnauze halten, bis wieder Moos drüber gewachsen ist, um dann wieder frisch, fromm, fröhlich und frei dort weiterzumachen, wo sie aufgehört haben.

Freitag, 4. März 2011

LYBIEN - ich glaube, ich habe mich getäuscht

Gestern abend ging ich einigen Hinweisen von Freunden nach, die Zweifel an dem Bild von Gaddafi und der Lage in Libyen hatten. Und ich stieß tatsächlich auf Dokumente, die diese Zeifel mehr als rechtfertigen. Ich wachte um Viertel vor 2 Uhr auf, dachte über eine Stunde darüber nach, auch über unsere Verpflichtung "la vérité, la vérité et rien que la vérité" (die Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit) zu sagen, und es ließ mir keine Ruhe, so dass ich aufstand, Feuer machte, Kaffee kochte und nun mich an den PC setzte, um die Dokumente, die ich gestern aus dem Netz fischte, eingehender zu prüfen, und auch anderen zugänglich zu machen.
Es handelt sich erstens um den Artikel von Sara Flounders
http://futurefastforward.com/feature-articles/5082-libya-and-imperialism-by-sara-flounders-1311
und vor allem um diesen von David Rothscum
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23474
 
Ich werde darauf zurückkommen.

 
 
 
 


Dienstag, 1. März 2011

Das Licht der Revolutionen und die Finsternis unserer westlichen Gesellschaften

Tag für Tag versuchen wir auf http://www.tlaxcala-int.org/ für uns selbst und für unsere Leser einen Überblick zu verschaffen, was in Nordafrika und dem Nahen Osten vor sich geht. Der Ablauf der Ereignisse ist einfach überwältigend. Man gewinnt den Glauben an den Menschen, der einem manchmal droht abhanden zu kommen, zurück. Wieviel Freude, Hoffnung, Zuversicht die Menschen dort ausstrahlen, aber wie oft auch sieht man schmerzverzerrte und leidgeprüfte Gesichter durch den Verlust von geliebten Menschen oder verursacht durch schwere Verletzungen.
Aber sie scheinen zu wissen, dass sie durchhalten müssen, dass sie nicht auf halbem Wege stehenbleiben können, denn sonst wären die Opfer an Toten und Verwundeten, wären die Hoffnungen umsonst gewesen.
Und was sehen wir hier auf der Galerie, auf der anderen Seite des Mittelmeers?
Ein Ausmaß an Heuchelei, Krokodilstränen, Zynismus und abscheulichen Manövern, um den Menschen dort das Errungene - und das noch nicht Erreichte - aus den Händen zu winden.
Denn insgeheim wissen wir: würden alle diese Menschen - nicht nur im Nahen Osten und Nordafrika sondern in der gesamten sogenannten Dritten Welt - ihre Freiheit, nicht nur die politische, sondern vor allem auch die wirtschaftliche erringen, dann wären die goldenen Zeiten für uns vorbei, in denen wir die Güter aus der ganzen Welt für 'nen Appel und ein Ei bekommen (wovon wir am untersten Ende meist nicht so viel merken, aber umso mehr die großen Gesellschaften, die Konzerne, die Multis und Militäts,  die Milliardengewinne einstreichen).
Und noch etwas berührt mich sehr unangenehm. Viele progressive oder meinetwegen auch linke Journalisten, Reporter verbeissen sich in "ihren" Diktator und versuchen ihn, in den allerschlimmsten Farben zu malen. Ich weiss nicht, was das soll. Glauben sie, dass Polizeiknüppel in Marokko gelinder sind als in Bahrain? Dass Gefängnisse süßer duften bei Mubarak als bei Gaddafi? Dass Folter in Algerien weniger brutal ist als in Saudiarabien? Verstehen sie nicht, dass alle diese Figuren, die von unseren Staatschefs oder Chefinnen, Diplomaten, Experten und Geschäftsleuten so fest umarmt und abgeknutscht wurden, eine Mischpoke sind? Der eine so abscheulich wie der andere.
Was mögen sie für Gefühle hegen für ihren dicken Freunde von gestern, die sie heute wie eine heiße Kartoffel fallenlassen? Man sollte sie alle zusammen auf eine einsame Insel schicken, wo sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen könnten.
Wenn ich Glück habe, träume ich von dem Spektakel.

Montag, 14. Februar 2011

Die Tabus der US-Gesellschaft

Im Zusammenhang einer Diskussion über die ägyptische Revolution schrieb mir vorgestern ein Freund aus den USA über seine Schwierigkeiten in einer kleineren Stadt, die wirklichen Probleme zu diskutieren. Ich habe seinen Brief übersetzt und frage mich, ob der Unterschied zu unserer Lage wirklich so groß ist. Ich glaube es nicht. Der größte Unterschied ist wohl eine Frage der Allgmeinbildung, wo bei uns der Fundus auch in der arbeitenden Klasse einfach größer ist. Aber jeder kann sich selbst ein Bild machen:


Montag, 7. Februar 2011

Die revolutionäre Flut in den moslemischen Ländern

Ja, diese Flut hat uns in Tlaxcala auf die Stühle genagelt. Berichte via Internet, Al-Dschazira, Press TV, TeleSur, France 24 heures, BBC, Facebook, Videos - man möchte alles zugleich sehen, erfahren und wissen. Wir haben so viel wie möglich übersetzt und veröffentlicht mit Fotos, Videoclips, Cartoons, damit viele Menschen sich ein möglichst genaues Bild machen können. Und unsere Herzen schlagen im Takt mit denen der Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, in Suez, Alexandria, aber auch mit jenen in Jemen, Jordanien, Gaza, Tunesien etc. die auf die Barrikaden gehen und für ihre Menschenwürde kämpfen.
Und diesen Menschen fühle ich mich näher als meinen Nachbarn in meinem ruhigen, verschlafenen schwedischen Dorf, deren Gleichgültigkeit mich krank macht. Die nicht einmal Solidarität mit den Europäern in Island, Frankreich, Griechenland empfanden, als jene für ihre Rechte auf die Straßen gingen.  Wie sollen sie da mit denen da unten - man weiss kaum, wo das überhaupt liegt - außerdem sind es 'svartskallar' (so nennt man sie in Schweden: Schwarzköpfe) - wie soll man mit denen Solidarität empfinden?* Natürlich gibt es Ausnahmen, nur muss man sie mit der Lupe suchen.
Aber eigentlich denke ich an etwas anderes. Können wir uns wirklich ein Bild von den Bildern machen, die uns überfluten? Wir wissen allzu wenig über die wahren Kräfteverhältnisse in Ägypten und noch weniger über die in den anderen Ländern. Wie ist die Stimmung in der Arbeiterschaft (der Aufruf der neuen Gewerkschaft zum Generalstreik scheint verpufft zu sein), wie in der 1 1/2 Mill. Armee? Und bei den Bauern, den Fellachen, die am meisten unterdrückte Klasse in Ägypten und mit 60% die größte Bevölkerungsgruppe?
Gewiss empfinde ich Solidarität mit diesen jungen, enthusiastischen Menschen, mit all den anderen Menschen, Alten, Jungen, den tapferen Frauen - gleichzeitig aber habe ich Angst um sie, Angst, dass all ihre Begeisterung, ihre Tränen der Freude und des Schmerzes, ihre Opfer, ihr Wille, zu neuen Ufern aufzubrechen, vergeblich sein könnte. Dieselbe Angst, die ich empfand, als ich die Millionen Obama bei seinem Wahlsieg zujubeln sah. Und ich spüre immer noch diese Wut im Bauch über den gigantischen Betrug dieses Rattenfängers.
Eins kenne ich genau: die wilde Besessenheit und Entschlossenheit der Imperialisten, zu retten was zu retten ist, wo nun wieder einmal ihre mit Milliarden gestopften Geheimdienste von nichts was gewusst haben.
Erst einmal Gewaltlosigkeit und Friedlichkeit den Protestlern predigen, aber selbst nicht im Traum daran denken. Sie lieben die Gewaltlosigkeit der anderen, deren gewaltlose Unterwerfung. Selbst greifen sie immer zu jedem - ich wiederhole jedem - Mittel, wenn es um ihre Interessen geht. Sie vergessen nie den Satz Maos: Die Macht kommt aus den Gewehrläufen.
Und ihre Interessen sind in diesem Fall ungeheuer umfassend. Da ist das Erdöl an erster Stelle. Die geostrategische Lage. Die Gefahr für das Schoßkind Israel. Die Gefahr für die lieben saudischen Freunde. Und natürlich die Ansteckungsgefahr für alle anderen arabischen Länder.
Und ich denke an Indonesien 1965, an Chile 1973, Gwangju in Südkorea 1980 und  - ja, warum so weit gehen - an Deutschland 1989, die friedliche Revolution der Ostdeutschen. Es ging ja alles so friedlich zu. Wir haben sie umarmt, unsere lieben Brüder und Schwestern, ihnen die Mäuler mit Bananen gestopft, es wurde manipuliert und intrigiert und subventioniert und ehe sie sich versahen, waren sie alle über den Löffel balbiert. Man hatte doch längst seine Handlanger präpariert und indoktriniert und am Ende hatten wir ein Musterexemplar davon an der Spitze Deutschlands und da hatten wir den Kohl, also nicht DEN Kohl, sondern die Angela, ein Mix aus Adenauer, Strauß und Kohl. Alles ganz friedlich.
Und wenn ich sehe, mit welcher Chuzpe die Yankees es wagten, den Ägyptern ihren Oberfolterer vor die Nase zu setzen, dann schwant mir nichts Gutes. Und wie der die Moslem-Bruderschaft einzuseifen versucht und wie der Obama plötzlich die Bruderschaft gar nicht so schlimm findet. Und wie hohe Militärs und "Berater" zwischen Washington und Kairo hin- und herflitzen und die Europäer ihren dämlichen Senf dazugeben, alles mit dem einzen Ziel, die Leute auf dem Tahrir-Platz noch eine Weile ruhig und friedlich zu halten, damit sie in Ruhe ihr Süppchen gar kochen können.
Nun, ich hoffe innigst, dass ich Unrecht habe. Ich wünsche den Ägyptern einen neuen Nasser, einen besseren Nasser, der das Land wirklich unabhängig macht, der alle Berater, Experten, Globalisten rausfeutelt und auf die Kraft des eigenen Volkes vertraut. Der nicht Ägypten zur größten arabischen Macht machen will, sondern zum größten und leuchtendsten Vorbild. Das hätte dieses Land mit seiner glänzenden, uralten Kultur wirklich verdient.



*Anmerkung: Erinnert sich niemand an die großen Töne der Gewerkschaften, als sie die Trommeln für die EU schlugen? 'Wir werden stärker werden!' - 'Mit uns wird man rechnen müssen!' Pustekuchen. Die hohen Herren Gewerkschaftler sind alle unter die warme Decke der Herrschenden gekrochen - am Fußende. Froh, dass sie nicht mit einem Tritt hinausbefördert werden.