Dienstag, 15. November 2011

Nach mehr als 5 Monaten ...



 
von Matthias Nomayo am  2. November 2011
 

Bildmontage: HF
... geruht das Unternehmen Tepco endlich, offiziell zuzugeben, dass es in Reaktorblock II des havarierten Kernkraftwerks Fukushima I Kritikalitätsprobleme gibt – die Aufsichtsbehörden und die IAEA hat das über besagte 5 Monate hinweg einen feuchten Kehricht interessiert.
Ich erinnere an die Meldung vom 27.03.2011, wonach von dem radioaktiven Wasser in Reaktorblock II des Kernkraftwerks Fukushima I eine Strahlendosisleistung von mehr als 1000 mSv/h ausginge (eine Dosisleistung, die innerhalb einer Stunde hoch genug ist, um das sogenannte akute Strahlensyndrom auszulösen).

Die Betreiberfirma beruhigte damals sogleich: Die Strahlung ginge hauptsächlich von dem kurzlebigen I 134 – Isotop aus, das eine Halbwertszeit von weniger als einer Stunde besitze (richtig: es sind 52 Minuten), somit wäre ein zügiges Abklingen des hohen Strahlenpegels zu erwarten.

Sowie ich die Meldung gelesen hatte, verfasste ich damals meinen Artikel „Ein kleiner Nebensatz mit brisanter Information“ auf Scharf-Links. Offensichtlich wurde auch Tepco-Fachleuten sofort klar, was Kollegen aus den eigenen Reihen da für eine Bombe platzen ließen. Schon kurze Zeit später wurde der konkrete Hinweis auf das I 134 auf das deutlichste dementiert – es habe sich ganz offensichtlich um einen Messfehler gehandelt und die Meldung sei so nicht autorisiert gewesen.

Die „freie“ kommerzielle und staatliche Massenmedienwelt der westlichen Industriestaaten funktionierte (wieder einmal) perfekt: Kurze Veröffentlichung der „Richtigstellung“, keine Nachfragen, keine kritischen Kommentare, schneller Übergang zur Tagesordnung – ansonsten gab es ja weiter Gelegenheit, über hohe Strahlenpegel zu berichten, die eh keiner bestreiten konnte, und die deshalb auch keinen mehr interessierten.

Wie geht es weiter? Keine Panik auf der Titanic, wir haben alles im Griff auf dem gesunkenen Schiff. Wir wissen zwar nicht, wo genau die Kettenreaktion immer wieder ausbricht (seit ca. 50 Jahren wird den Menschen in den Atomstaaten eingebläut, dass so etwas in Leichtwasserreaktoren technisch absolut ausgeschlossen sei, selbst bei der totalen Kernschmelze), wir wissen ja noch nicht einmal, wo genau sich das spaltbare Material nach der Kernschmelze überhaupt befindet, aber wir spritzen einfach ein bisschen Borsäure ein (tun die jetzt schon seit 5 Monaten, um dies am Rande zu erwähnen) und wursteln fröhlich wie gewohnt weiter – war da was?
Nix für ungut!

Original liegt hier.

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