Mittwoch, 16. November 2011

Indien: Bedenken über Tiefsee-Sandabbau

von T. Nandakumar am 13. November 2011 


Ein umstrittener Vorschlag der Bundesstaat-Regierung Kerala für Tiefsee-Sandabbau hat Proteste der traditionellen Fischer hervorgerufen und Sorgen der Meeres-Wissenschaftler und Umweltschützer.
Bei einem Workshop über Keralas Überlegungen für den 12. Fünfjahresplan legte Finanzminister K. M. Mani am Mittwoch diesen Vorschlag auf den Tisch. In seiner Ansprache an den Workshop sagte er, es sei nicht schwierig für die Wirtschaft Keralas, eine 10% Wachstumsrate zu erreichen, vorausgesetzt, man wäre in der Lage, Einkommen von nicht-konventionellen Quellen wie Offshore-Sandabbau  zu mobilisieren.

traditionelle Fischer
Wissenschaftler fürchten, dass die Auswirkungen eines derartigen Projektes auf die Umwelt katastrophal wären, und die Fischer sehen es als direkte Bedrohung ihres Lebensunterhalts an. 2002 nahm die damalige Regierung Abstand von der Durchsetzung eines ähnlichen Projektes auf Grund starken Widerstands seitens der Fischer und Umweltschützer.
Eine Firma aus Bahrain hatte das Projekt unterbreitet und behauptet, vor der Küste riesige Lager gefunden zu haben von Verbauungsqualität in Höhe von vier Milliarden Tonnen in einer Tiefe von 30-40 Metern. Die Regierung hatte das Projekt als brauchbare Option bezeichnet wegen des akuten Mangels an Flusssand für die Bauindustrie. Diesmal bezeichnet man es als alternative Einkommensquelle.
Venkataraman, Direktor vom Zoological Survey of India sagte, dass ein Ausbaggern von Sand im Meer zur Wassertrübung und Schlamm-Bewegungen führen könnte, was die Meeresflora und -fauna in den artenreichen Gewässern vor der Küste beeinträchtigen könnte. „Der Schlamm könnte in verschiedene Richtungen treiben und so den natürlichen Lebensraum verschiedener Arten beeinträchtigen. Er könnte auch den Nährgehalt des Seewassers anreichern, wodurch das Wachstum von Algen begünstigt würde, was schädlich für die Fische ist. Und Baggern kann die Konturen des Seebetts verändern“, sagte er The Hindu am Telefon von seinem Büro in Kolkata (Kalkutta).
Er sagte ferner, dass das Baggern auch die uferferne Drift an der Keralaküste beeinflussen könnte, was zu einem weiteren Niedergang der Fischbestände führen und den Lebensunterhalt der Fischer beeinträchtigen würde. Saugpumpen für kontrolliertes Baggern würde nicht das Problem der Turbulenzen lösen, sagte er.

Beschleunigte Erosion
Erosion an Steilhängen der Kerala-Meeresküste

Dr. Venkataraman sagte, dass die Manipulierung der steilen Hänge des Kontinentalsockels vor der Küste Keralas auch die Unterwasser-Topographie verändern  sowie die Küstenerosion beschleunigen könnte, mit unabsehbaren Konsequenzen. Das Fehlen einer Kontrolle und Regelmechanismus für den Offshore-Sandabbau könnte die Verletzung der Umweltmaßnahmen für noch profitablere Operationen ermutigen. Die traditionellen Fischerleute fürchten, dass Tiefsee-Sandabbau die schwindenden Fisch-Bestände erschöpfen und das Leben von einer Million Fischern im Staate aufs Spiel setzen könnte.

T. Peter, Präsident der Kerala Swathantra Matsya Thozhilali  Federation (Organisation der Fischer), sagte: „Wir werden dieses Projekt mit Zähnen und Klauen bekämpfen.“ Er warnte, dass die Fischer ihre Boote und Katamarane benutzen würden, um die Bagger zu blockieren. „Indonesien hat einen hohen Preis bezahlt wegen des Tiefsee-Sandabbaus, um Land für den Flughafen von Singapore zu gewinnen. Die Erfahrung sollte als Warnung dienen gegen die Manipulierung des Meeres-Ökosystems.“
Auch Renjan Varghese Mathew, Staatsdirektor von WWF-India sagte, dass Tiefsee-Sandabbau ein Technologie-intensiver Prozess wäre, der negative Auswirkungen auf das Ökosystem des Meeres haben kann. „Er könnte die Laichgebiete der Fische und anderer Seeorganismen zerstören, was Auswirkungen auf die Nahrungskette hätte. Die Entfernung der obersten Schicht könnte auch die Meeres-Ökologie zerstören.“
Und Vinod Malayilethu, Koordinator das Meeresprogramms des WWF-India sagte: „Den Sand vom Meeresboden zu saugen, wird wahrscheinlich giftige Gase wie Hydrogensulfid und Schwermetalle freisetzen. Und der weggeschobene Schlamm wird sich auf den Korallen und Schwämmen ablagern und diese zerstören."

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