Mittwoch, 30. März 2011

Ergänzung zur scharfen Kritik von Petras/Abaya über EU/US Krieg gegen Libyen

Gleich vorweg sei gesagt, dass der Artikel von James Petras und Robin E. Abaya
The Euro-US War on Libya: Official Lies and Misconceptions of Critics (Offizielle Lügen und Missverständnisse der Kritiker) äußerst lesenswert ist. (Der Link ist   hier.)
Sie behandeln zunächst die sechs Mythen über den Libyen-Komplex. Erstens die 'humanitäre Interventien', was ja im Grunde ein Lacher ist, nur kann einem bei den Ergebnissen vor Ort wirklich nicht zum Lachen zumute sein. Es ist im Gegenteil 'deprimierend zu sehen, wie selbst anständige Liberale den Mist glauben können', wie Tariq Ali gestern schrieb.
Sodann kommen P/A zur Frage des Erdöls, das von 'Linken' gerne als Grund der Aggression angeführt wird. Die Autoren meinen, dass sie irrelevant sei, da alle großen Erdölgesellschaften der Welt ja von Gaddafi vor Jahren bereits ins Land geholt worden waren und dicke Geschäfte machten. Wohl richtig, aber meinen die Autoren, dass es dasselbe ist, ob "unsere" Gesellschaften im Lande sind oder ob wir mit ein paar Divisionen im Lande stehen und direkt am Hahn drehen können? Sicherlich nicht. Wie oft wurden die westlichen Gesellschaften über Nacht aus dem Lande geworfen, wenn das Volk oder ein nationalistischer Führer genug davon hat, dass der Westen sich das Öl billig aneignet? Also läuft die US-Strategie seit langem darauf hinaus, das Öl von der Quelle, über die Pipelines und Seefahrtslinien bis zum jeweiligen Bestimmungsort und zum Verbraucher unter Kontrolle zu bringen. In unseren Zeiten, wo wir ausrechnen können, wann der letzte Tropfen Öl aus dem Hahn kommt, ist das für die Superweltmacht ein nicht zu vernachässigender Punkt. Dies ist das eine. Das zweite ist, dass Erdöl eben nicht nur Erdöl ist, sondern auch eine Waffe, die über Leben und Tod entscheidet.
Ich möchte den Lesern in Erinnerung rufen, dass der 2. Weltkrieg im Pazifik damit begann, dass die USA Japan von allen seinen Erdölnachschublinien abschnitten. Und das war eine klare Kriegserklärung, auf die Japan zu Recht mit Pearl Habor antwortete. Es versteht sich wohl von selbst, dass dies die Stimme der Imperialisten ist und ncícht meine.) Erdöl war damals schon lebenswichtig für eine Industriemacht, umso viel mehr heute. Kleine Überlegung: Was passiert, wenn Deutschland über Nacht der Gas- und Ölhahn abgedreht wird?
Wenn nun die USA auch Libyen in der Tasche haben werden, haben sie die europäischen Mächte, die zu den Hauptabnehmern des libyschen Öls gehören, noch viel besser im Griff als ohnehin schon. Aber das sehen solche Idioten wie Sarkozy, Cameron & Co von ihrem Gesichtspunkt im Arsch des Ungeheuers natürlich nicht so gut.
Der dritte Punkt der Autoren ist "Gaddafi ist ein Terrorist". Naja, gestern war es nicht und auch vorgestern nicht und schon seit 2004 nicht mehr, als er von der
US-Terroristenliste gestrichen wurde. Aber hier verweisen P/A auf einen wichtigen Punkt: Gaddifi hat sich durch seine 100-Grad-Drehung selbst in den Fuss geschossen. Er hat freiwillig sein Land von 'Massenvernichtungswaffen' befreit und somit verwundbar gemacht, und er hat sich von allen seinen 'linken'
Freunden getrennt und somit selbst in die Isolation gebracht. Das machte ihn zu einem 'leichten Angriffsziel für die Militaristen in Washington'.
Der vierte Mythos sind die 'revolutionären Massen' in Libyen. Sicher gab es den einen oder anderen wohlmeinenden Demokraten und vielleicht auch Revolutionär. Aber Massen? Nun, das kann jeder selbst nachlesen.
Der fünfte Punkt ist Al Qaida. Als Gaddafi darauf verwies, wurde er ausgelacht.
Im Chor, gut orchestriert von Washington. Aber natürlich wusste man dort, dass es stimmte. Aber die sind jetzt Teil der 'Rebellen'.
Im sechsten Punkt gehen die Autoren auf den Unterschied zu den übrigen Revolten in der arabischen Welt ein, die explizit friedlich und gewaltfrei waren. In Libyen gab es einen bewaffneten Aufstand und somit einen Bürgerkrieg. Und auch Bürgerkriege haben es an sich, dass auf beiden Seiten Gräueltaten begangen werden. Allerdings sprach man hier nur von den Gräueln der Regierung (die kräftig aufgebauscht wurden - so hat es z. B. kein Bombardement von Tripolis gegeben) und blendete die der anderen Seite einfach aus.
In der Schlussfolgerung kommen die Autoren zwar auf die Doppelzüngigkeit der US-Aggressoren zu sprechen - in Palästina, Bahrain, Jemen usw. wird bedenkenlos gemordet, aber das sind ja 'unsere' Jungens - aber dann kommen sie auf den für sie entscheidenden Punkt für die Aggression gegen Libyen und zwar:   "Weil Gaddafi sich geweigert hat, aktiv zu den westlichen militärischen Operationen in Afrika und dem Nahen Osten einen Beitrag zu leisten."
Dies halte ich nun für ein sehr schwaches Argument. Auf die paar Männiken, die das kleine Libyen hätte zur Verfügung stellen können, konnte man doch gut und gerne verzichten.
Ich sehe einen anderen Punkt, der eigentlich ins Auge springt, aber vielleicht deshalb nicht gesehen wird. Werfen wir nur einen kurzen Blick zurück. Die USA
steckten wirklich in der Bredouille. Ihre großartige, mit Milliarden gefütterten Geheimdienste CIA, FBI und wie sie alle heissen, hatten nicht die leiseste Ahnung von dem, was in den arabischen Ländern vor sich geht und auf sie zukommt. Sie fielen aus allen Wolken (denn die Araber sind doch unfähig zur Demokratie, träge, defätistisch etc.). In aller Eile wurden Drähte gezogen, Boten hin- und hergescheucht, Telefone liefen heiss, aber nichts klappte richtig. Das Feuer breitete sich immer weiter aus. Sprang über nach Jemen, Palästina, Bahrain, Kuweit und sogar nach Saudiarabien. Wirklich eine brenzlige Situation. Und da
sandte Gott ein Zeichen. In Libyen fingen auch ein paar Burschen an, eine 'Revolution zu machen'. Und die gingen gleich in die Vollen. Ballerten auch gleich drauf los. Gaddafi fiel auch aus allen Wolken, ballerte zurück und ein Bürgerkrieg war im Gange. Und auch Bürgerkriege haben es an sich, dass Gräuel begangen werden, auf beiden Seiten. Und in dem Moment brachte man die gesamte schwere Artillerie der Medien ins Gefecht. Naja, die ganze Litanei, die man bis zum Erbrechen bereits kennt. Gaddafi - schon wieder ein Hitler - eine Gefahr für die USA, ja für die ganze Welt, der die "eieieieigenen" beschießt usw. Den Hintergrund gaben die 'Humanitären' mit ihrem Geheul ab. Und - surprise, surprise - man hatte sogar Al Jazeera auf seiner Seite. Schlagartig wurde der Fokus weg von dem wirklich demokratischen Getümmel auf den arabischen Straßen auf Libyen gerichtet. Libyen, Libyen, Libyen auf allen Sendern, allen Fernsehkanälen. Die Israelis nutzten die Stunden und bombten fleissig die Leute in Gaza zusammen, Saleh in Jemen massakrierte die eigenen, allerdings friedlichen Demonstranten, in Bahrain marschierte die saudische Armee ein - nichts von alledem bekam man zu sehen, nur noch Libyen.
Wenn das kein Geschenk des Himmels für die Yankees war. Sie wurden von allen westlichen Demokratien, von den Liberalen, den Humanitären und ihren arabischen Freunden um Hilfe gerufen. Nun, da griff man halt zu und ließ sich schweren Herzens zu einer 'humanitären Intervention' herbei. Und nun konnten sie zeigen, dass sie wirklich 'the good guys' sind, die auf der Seite der Guten stehen. And forget about the rest.
Es ist genau, wie es Jan Myrdal in seinem neuen Buch 'Red Star over India' beschreibt. Die Inder bekämpfen seit über 40 Jahren die Naxaliten - mit wechselndem Erfolg, doch in den vergangenen 10 Jahren mit immer weniger Erfolg. Also machten sie zuerst diese Armen, die Indigenen und Dalits (die Unberührbaren), die für Gerechtigkeit und ein anständiges Leben kämpfen, zu Terroristen und riefen dann die Amerikaner herbei. Mit allergrößtem Vergnügen. Wenn die 'größte Demokratie der Welt' um Hilfe bittet, dann sind wir auf der richtigen Seite. Und Jan Myrdal verweist auch darauf, dass die Inder über kurz oder lang auch von der 'Linken' Hilfe erhalten werden, wenn man denen erzählt, dass die indische Regierung "diesen armen, zurückgebliebenen Ureinwohnern nur helfen will, ihnen den Fortschritt und Entwicklung und Ausbildung bringen will, aber die bösen Maoisten, die verhindern das."
Nur begreifen die Inder nicht, dass die Amis sie am Ende in den Sack stecken werden. Wo die erst einmal drinnen sind, gehen sie nicht mehr raus. Die Inder sind bescheuert, und der Grund ist ihr Rassismus. Sie glauben, sie machen einen guten Deal, wissen aber nicht, was die Amis von ihnen halten. Das gleiche, was sie von ihrem eigenen Volk halten: mofussil, Pack, Idioten, Schwarzköpfe. Es wird ihnen gehen, wie den Pakistanis, auch wenn sie sich natürlich selbst für viel viel klüger halten.

Freitag, 25. März 2011

Blood-Guzzling and Flesh-Eating Pigfuckers

Diesen Titel darf ich nicht beanspruchen, er stammt von meinem verehrten Freund im Geiste Arthur Silber. Er ist nicht nur der härteste US-Kritiker der Mafia im Weißen Haus und ihrer Kumpane in London, Paris, Berlin etc., der mit messerscharfer Logik und beißendem Hohn die 'Geistesakrobatik' der Imperialisten und vor allem auch des 'humanitären' Bombergesindels zerpflückt, sondern er ist auch mit blühender Phantasie für ständig neue Epitheta begabt. Den link zu seinem neuesten glänzenden Artikel, den ich gerade gelesen habe, will ich niemandem vorenthalten:
http://www.uruknet.info/?new=76040 A Nation Led by Blood-Guzzling, Flesh-Eating Pigfuckers by Arthur Silber.
Außerdem las ich, dass Freunde von ihm einen Aufruf um Hilfe rausgeschickt haben, weil er arm, alt und wie so viele Amerikaner natürlich ohne Krankenkasse ist. Und es ist auch klar, dass so ein glänzender Geist mit Texten, wie er sie schreibt, keine müde Mark verdient. Ich habe ihm also gerade endlich mal geschrieben und 'befohlen', mir seine Kontonummer zu schicken, damit er uns noch eine Weile erhalten bleibt.

Heute bin ich mit der Übersetzung des neuen Buches von Jan Myrdal 'Roter Stern über Indien' fertig geworden, das im Oktober im Zambon Verlag /FFM erscheinen soll. Myrdal ist voriges Jahr doch tatsächlich mit seinen 83 Jahren in dem 'Roten Gürtel' Indiens, den von Naxaliten (Kommunistischen Partei Indiens (Maoisten) befreiten Gebieten, gewesen. Ein großartiges Dokument über diese 'größte' Demokratie der Welt, die den einzigen Schönheitsfehler hat, seit ihrer Gründung nicht eine Minute lang eine Demokratie gewesen zu sein. Denn sie führt  einen ununterbrochenen Krieg gegen die Armen und ihre Minderheiten mit einer Besessenheit und Brutalität, die jeder Beschreibung spottet. Indien hat mehr Arme als alle afrikanischen Länder zusammen und auch mehr indigene Völker als irgendein anderes Land. Wie in den USA ist die Urbevölkerung nach und nach zurückgedrängt worden - nicht in die Wüsten wie in den USA - sondern in die unzugänglichen Dschungel Zentralindiens.  Und wie's der Teufel will, stellte sich heraus, dass ausgerechnet dort die reichsten Mineralfunde an Eisenerz, Bauxit, Mangan etc. gemacht wurden. Also drängeln sich die größten Stahlproduzenten der Welt, um den Indern beim Abbau zu 'helfen'. Aber dazu müssen die indigenen Völker weg. Da sie nicht freiwillig abhauen, dringen Militär, Polizei, gedungene Mörderbanden ein, plündern, morden, vergewaltigen und brennen die Dörfer nieder. Bis diese Menschen anfingen sich zu wehren. Und nun ist die Empörung groß. Was tun? Na ganz einfach. Das sind Terroristen. Und strax versicherte man sich der Spezialisten bei der Terrorbekämpfung - der amerikanischen Hilfe.
Kurz und gut - das zu übersetzen hat mich ganz fertig gemacht. Das Schlimmste ist die Ohnmacht, zu der man verdammt ist. Die ständige Frage, was nutzt das, was du da machst. Kannst du damit nur ein Kind, eine Frau, einen der jungen Männer, die nichts als Krieg, Verfolgung und Unterdrückung in ihrem Leben kennengelernt haben, retten? Oder ist es nur ein Feigenblatt für deine eigene verwundete Seele? Vielleicht. Meine Hoffnung neigt sich gegen Null. Doch in Ermangelung einer Alternative mache ich einfach weiter - trotz alledem, trotz alledem, wie schon die Revolutionäre von 1948 gesungen haben.

Montag, 14. März 2011

Die größte, die mächtigste und die nobelste Demokratie - Indien, USA und Israel

Wer lacht denn da? Das können wir doch täglich hören oder lesen. Wäre ja nicht weiter schlimm, wenn es nicht so unglaublich viele Leute gäben, die das tatsächlich glauben. Und gegen den Glauben ist bekanntlich kein Kraut gewachsen.
Was mich nur seit Jahrzehnten wundert, wie diese drei Länder es geschafft haben, erstens diesen Mythos in die Welt zu setzen und zweitens, ihn aufrechtzuerhalten und zu einer "Wahrheit" werden zu lassen. Und das selbst in vielen Ländern, die direkt oder teilweise sehr lange unter diesen drei "Demokratien" zu leiden hatten und haben.
Dabei ist keines der drei Länder niemals nur eine Sekunde lang eine Demokratie gewesen. Für die USA hat das in "Ami go home" Rolf Winter ganz klar nachgewiesen, für Indien hat es u. a. Jan Myrdal getan, dessen zweites Indienbuch ich gerade übersetze und für Israel - das erübrigt sich eigentlich, obwohl es Berge von Beweismaterial gibt. Alle drei Länder haben in ihrer gesamten Geschichte (für Indien denke ich nur an die Zeit seiner Unabhängigkeit) kaum ein Jahr des Friedens gehabt (Winter kam für die USA - glaube ich - auf 20 Jahre).
Dass überhaupt darüber Bücher geschrieben werden müssen, verwundert mich schon. Die Fakten sind ja eigentlich allen bekannt. Von den USA weiss jedes Kind
(die Karl May Bücher werden ja immer noch gelesen), dass das Land gestohlen wurde, die Bewohner abgeschlachtet wurden und die rechtmäßigen Besitzer bis heute wie Hunde behandelt werden. Und das soll eine Demokratie sein?
In Indien hat die Oberschicht aus Angehörigen der hohen Kasten und der Bourgeoisie von Anfang an Krieg gegen die überwältigende Mehrheit des eigenen Volkes geführt - gegen die Armen, die Unberührbaren und die 70 Millionen indigenen Menschen. Mit den brutalsten Mitteln - Hunger, brutaler Ausbeutung, Folter, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Hat geführt und führt ihn in noch größerem Umfang bis zur Stunde. Aber es nennt sich Demokratie.
Und in Israel? Das ist ein Schandfleck für die gesamte Menschheit, zumal die ganze Menschheit (wenn man nun die UNO als Vertreter der ganzen Menscheit begreifen will - was ja durchaus angezweifelt werden kann) Schuld hat am Entstehen dieser Entität, inklusive die Sowjetunion. Wer das nicht begreift, dem könnte man nur wünschen, dass sein Nachbar ihn aus seiner Villa wirft und in die Hundehütte sperrt. Vielleicht würde ihm dann ein Licht aufgehen.
Dabei habe ich noch nicht einmal die ungezählten Kriege erwähnt, die diese drei famosen Demokratien gegen andere Länder geführt haben.
Diese Tatsachen sind also im Grunde allen bekannt, werden aber in jeder Diskussion mit leichter Hand hinweggewischt, um dann schnell von dem "Terror" der anderen zu sprechen, jener, die keinen Frieden geben. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.
Bleibt also die Frage, wie kann dieser Mythos aufrechterhalten und mit unerhörter Chuzpah und Effektivität den Leuten immer wieder um die Ohren gehauen werden, so dass es am Ende tatsächlich "geglaubt" wird?
Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Gewiss fällt mir das eine oder andere Phänomen ein, das aber nicht zum Kern vordringt. Es wäre doch ein tolles Thema für eine Doktorarbeit - eine echte meine ich. Aber ob sie selbst in Bayreuth oder Erlangen abgenommen würde, bezweifle ich denn doch.

Sonntag, 13. März 2011

Wie ungefährlich sind doch die AKW's

Las gerade BjörnBrums 'Hjärtsmälta in Japan'. Sah gestern nur die Videos über den Tsunami. Als ob das nicht reichte, ist nun auch noch ein Supergau zu befürchten! Aber der kann doch nur mit einer Chance von 1: 1000000 eintreffen, wie uns die Experten ständig versicherten!  Nunja, haben wir halt mal wieder Pech gehabt. Und die Atomfanatiker werden eine Weile die Schnauze halten, bis wieder Moos drüber gewachsen ist, um dann wieder frisch, fromm, fröhlich und frei dort weiterzumachen, wo sie aufgehört haben.

Freitag, 4. März 2011

LYBIEN - ich glaube, ich habe mich getäuscht

Gestern abend ging ich einigen Hinweisen von Freunden nach, die Zweifel an dem Bild von Gaddafi und der Lage in Libyen hatten. Und ich stieß tatsächlich auf Dokumente, die diese Zeifel mehr als rechtfertigen. Ich wachte um Viertel vor 2 Uhr auf, dachte über eine Stunde darüber nach, auch über unsere Verpflichtung "la vérité, la vérité et rien que la vérité" (die Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit) zu sagen, und es ließ mir keine Ruhe, so dass ich aufstand, Feuer machte, Kaffee kochte und nun mich an den PC setzte, um die Dokumente, die ich gestern aus dem Netz fischte, eingehender zu prüfen, und auch anderen zugänglich zu machen.
Es handelt sich erstens um den Artikel von Sara Flounders
http://futurefastforward.com/feature-articles/5082-libya-and-imperialism-by-sara-flounders-1311
und vor allem um diesen von David Rothscum
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23474
 
Ich werde darauf zurückkommen.

 
 
 
 


Dienstag, 1. März 2011

Das Licht der Revolutionen und die Finsternis unserer westlichen Gesellschaften

Tag für Tag versuchen wir auf http://www.tlaxcala-int.org/ für uns selbst und für unsere Leser einen Überblick zu verschaffen, was in Nordafrika und dem Nahen Osten vor sich geht. Der Ablauf der Ereignisse ist einfach überwältigend. Man gewinnt den Glauben an den Menschen, der einem manchmal droht abhanden zu kommen, zurück. Wieviel Freude, Hoffnung, Zuversicht die Menschen dort ausstrahlen, aber wie oft auch sieht man schmerzverzerrte und leidgeprüfte Gesichter durch den Verlust von geliebten Menschen oder verursacht durch schwere Verletzungen.
Aber sie scheinen zu wissen, dass sie durchhalten müssen, dass sie nicht auf halbem Wege stehenbleiben können, denn sonst wären die Opfer an Toten und Verwundeten, wären die Hoffnungen umsonst gewesen.
Und was sehen wir hier auf der Galerie, auf der anderen Seite des Mittelmeers?
Ein Ausmaß an Heuchelei, Krokodilstränen, Zynismus und abscheulichen Manövern, um den Menschen dort das Errungene - und das noch nicht Erreichte - aus den Händen zu winden.
Denn insgeheim wissen wir: würden alle diese Menschen - nicht nur im Nahen Osten und Nordafrika sondern in der gesamten sogenannten Dritten Welt - ihre Freiheit, nicht nur die politische, sondern vor allem auch die wirtschaftliche erringen, dann wären die goldenen Zeiten für uns vorbei, in denen wir die Güter aus der ganzen Welt für 'nen Appel und ein Ei bekommen (wovon wir am untersten Ende meist nicht so viel merken, aber umso mehr die großen Gesellschaften, die Konzerne, die Multis und Militäts,  die Milliardengewinne einstreichen).
Und noch etwas berührt mich sehr unangenehm. Viele progressive oder meinetwegen auch linke Journalisten, Reporter verbeissen sich in "ihren" Diktator und versuchen ihn, in den allerschlimmsten Farben zu malen. Ich weiss nicht, was das soll. Glauben sie, dass Polizeiknüppel in Marokko gelinder sind als in Bahrain? Dass Gefängnisse süßer duften bei Mubarak als bei Gaddafi? Dass Folter in Algerien weniger brutal ist als in Saudiarabien? Verstehen sie nicht, dass alle diese Figuren, die von unseren Staatschefs oder Chefinnen, Diplomaten, Experten und Geschäftsleuten so fest umarmt und abgeknutscht wurden, eine Mischpoke sind? Der eine so abscheulich wie der andere.
Was mögen sie für Gefühle hegen für ihren dicken Freunde von gestern, die sie heute wie eine heiße Kartoffel fallenlassen? Man sollte sie alle zusammen auf eine einsame Insel schicken, wo sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen könnten.
Wenn ich Glück habe, träume ich von dem Spektakel.

Montag, 14. Februar 2011

Die Tabus der US-Gesellschaft

Im Zusammenhang einer Diskussion über die ägyptische Revolution schrieb mir vorgestern ein Freund aus den USA über seine Schwierigkeiten in einer kleineren Stadt, die wirklichen Probleme zu diskutieren. Ich habe seinen Brief übersetzt und frage mich, ob der Unterschied zu unserer Lage wirklich so groß ist. Ich glaube es nicht. Der größte Unterschied ist wohl eine Frage der Allgmeinbildung, wo bei uns der Fundus auch in der arbeitenden Klasse einfach größer ist. Aber jeder kann sich selbst ein Bild machen:


Montag, 7. Februar 2011

Die revolutionäre Flut in den moslemischen Ländern

Ja, diese Flut hat uns in Tlaxcala auf die Stühle genagelt. Berichte via Internet, Al-Dschazira, Press TV, TeleSur, France 24 heures, BBC, Facebook, Videos - man möchte alles zugleich sehen, erfahren und wissen. Wir haben so viel wie möglich übersetzt und veröffentlicht mit Fotos, Videoclips, Cartoons, damit viele Menschen sich ein möglichst genaues Bild machen können. Und unsere Herzen schlagen im Takt mit denen der Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, in Suez, Alexandria, aber auch mit jenen in Jemen, Jordanien, Gaza, Tunesien etc. die auf die Barrikaden gehen und für ihre Menschenwürde kämpfen.
Und diesen Menschen fühle ich mich näher als meinen Nachbarn in meinem ruhigen, verschlafenen schwedischen Dorf, deren Gleichgültigkeit mich krank macht. Die nicht einmal Solidarität mit den Europäern in Island, Frankreich, Griechenland empfanden, als jene für ihre Rechte auf die Straßen gingen.  Wie sollen sie da mit denen da unten - man weiss kaum, wo das überhaupt liegt - außerdem sind es 'svartskallar' (so nennt man sie in Schweden: Schwarzköpfe) - wie soll man mit denen Solidarität empfinden?* Natürlich gibt es Ausnahmen, nur muss man sie mit der Lupe suchen.
Aber eigentlich denke ich an etwas anderes. Können wir uns wirklich ein Bild von den Bildern machen, die uns überfluten? Wir wissen allzu wenig über die wahren Kräfteverhältnisse in Ägypten und noch weniger über die in den anderen Ländern. Wie ist die Stimmung in der Arbeiterschaft (der Aufruf der neuen Gewerkschaft zum Generalstreik scheint verpufft zu sein), wie in der 1 1/2 Mill. Armee? Und bei den Bauern, den Fellachen, die am meisten unterdrückte Klasse in Ägypten und mit 60% die größte Bevölkerungsgruppe?
Gewiss empfinde ich Solidarität mit diesen jungen, enthusiastischen Menschen, mit all den anderen Menschen, Alten, Jungen, den tapferen Frauen - gleichzeitig aber habe ich Angst um sie, Angst, dass all ihre Begeisterung, ihre Tränen der Freude und des Schmerzes, ihre Opfer, ihr Wille, zu neuen Ufern aufzubrechen, vergeblich sein könnte. Dieselbe Angst, die ich empfand, als ich die Millionen Obama bei seinem Wahlsieg zujubeln sah. Und ich spüre immer noch diese Wut im Bauch über den gigantischen Betrug dieses Rattenfängers.
Eins kenne ich genau: die wilde Besessenheit und Entschlossenheit der Imperialisten, zu retten was zu retten ist, wo nun wieder einmal ihre mit Milliarden gestopften Geheimdienste von nichts was gewusst haben.
Erst einmal Gewaltlosigkeit und Friedlichkeit den Protestlern predigen, aber selbst nicht im Traum daran denken. Sie lieben die Gewaltlosigkeit der anderen, deren gewaltlose Unterwerfung. Selbst greifen sie immer zu jedem - ich wiederhole jedem - Mittel, wenn es um ihre Interessen geht. Sie vergessen nie den Satz Maos: Die Macht kommt aus den Gewehrläufen.
Und ihre Interessen sind in diesem Fall ungeheuer umfassend. Da ist das Erdöl an erster Stelle. Die geostrategische Lage. Die Gefahr für das Schoßkind Israel. Die Gefahr für die lieben saudischen Freunde. Und natürlich die Ansteckungsgefahr für alle anderen arabischen Länder.
Und ich denke an Indonesien 1965, an Chile 1973, Gwangju in Südkorea 1980 und  - ja, warum so weit gehen - an Deutschland 1989, die friedliche Revolution der Ostdeutschen. Es ging ja alles so friedlich zu. Wir haben sie umarmt, unsere lieben Brüder und Schwestern, ihnen die Mäuler mit Bananen gestopft, es wurde manipuliert und intrigiert und subventioniert und ehe sie sich versahen, waren sie alle über den Löffel balbiert. Man hatte doch längst seine Handlanger präpariert und indoktriniert und am Ende hatten wir ein Musterexemplar davon an der Spitze Deutschlands und da hatten wir den Kohl, also nicht DEN Kohl, sondern die Angela, ein Mix aus Adenauer, Strauß und Kohl. Alles ganz friedlich.
Und wenn ich sehe, mit welcher Chuzpe die Yankees es wagten, den Ägyptern ihren Oberfolterer vor die Nase zu setzen, dann schwant mir nichts Gutes. Und wie der die Moslem-Bruderschaft einzuseifen versucht und wie der Obama plötzlich die Bruderschaft gar nicht so schlimm findet. Und wie hohe Militärs und "Berater" zwischen Washington und Kairo hin- und herflitzen und die Europäer ihren dämlichen Senf dazugeben, alles mit dem einzen Ziel, die Leute auf dem Tahrir-Platz noch eine Weile ruhig und friedlich zu halten, damit sie in Ruhe ihr Süppchen gar kochen können.
Nun, ich hoffe innigst, dass ich Unrecht habe. Ich wünsche den Ägyptern einen neuen Nasser, einen besseren Nasser, der das Land wirklich unabhängig macht, der alle Berater, Experten, Globalisten rausfeutelt und auf die Kraft des eigenen Volkes vertraut. Der nicht Ägypten zur größten arabischen Macht machen will, sondern zum größten und leuchtendsten Vorbild. Das hätte dieses Land mit seiner glänzenden, uralten Kultur wirklich verdient.



*Anmerkung: Erinnert sich niemand an die großen Töne der Gewerkschaften, als sie die Trommeln für die EU schlugen? 'Wir werden stärker werden!' - 'Mit uns wird man rechnen müssen!' Pustekuchen. Die hohen Herren Gewerkschaftler sind alle unter die warme Decke der Herrschenden gekrochen - am Fußende. Froh, dass sie nicht mit einem Tritt hinausbefördert werden.



Dienstag, 25. Januar 2011

Der Zustand der US-Nation

Heute hat ein Freund aus den USA mir einen Brief zugeschickt, in dem es um eine Diskussion geht, die wir anlässlich eines Artikels im http://www.alternet.org/story/149659/ führten, bei dem es um die neuen "Austerity"-Pläne (Schnall den Gürtel enger"-Pläne) der Regierung geht. Der Autor Mark Ames beweist, dass eine derartige Politik noch nie zum Ziel geführt hat, nämlich die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, ganz im Gegenteil. Denn die Gier der Superreichen wird nie gesättigt, das Elend und die wachsende Armut um sie herum stacheln sie nur zu erneuten Raubzügen in der ganzen Welt, Schachzügen zur Senkung ihrer minimalen Einkommenssteuern an, wobei sie Sprüche ähnlich jenem von Marie-Antoinette von sich geben, die kurz vor der Französischen Revolution auf den Bericht, dass die Menschen kein Brot hätten, antwortete: "Dann sollen sie doch Kuchen fressen."
Hier folgt ein Auszug von Davids (der seit 1 1/2 Jahren als 2-sprachiger Sozialarbeiter für Wohlfahrt tätig ist) Brief als Ergänzung zum oben genannten Artikel:
"Massenweise kommen Menschen und suchen um Hilfe und Unterstützung nach, die ständig weiter gesenkt wird (eine Mutter  mit einem Kind und ohne Einkünfte erhält jetzt monatlich 385 $ in bar statt zuvor 453 $). Es kommen Leute, die in ihrem ganzen Leben nicht daran gedacht haben, Stütze zu beantragen. Manche sind mitsamt allen ihren Kollegen gefeuert worden, damit die Bosse neue Arbeiter mit niedrigeren Löhnen und ohne Sonderleistungen einstellen können. Manche haben ihre Häuser verloren, weil sie nicht mehr die Hypotheken bezahlen können. Immer mehr junge Leute machen "Couch-surfen", leben hier und dort bei Freunden und schlafen auf der Couch, weil sie keine Arbeit und keinen Platz zum Leben haben. Menschen weinen vor dem Besuchsfenster, weil sie nicht zum Arzt gehen können und "nicht wussten, dass sie nach lebenslanger Arbeit und Bezahlung von Steuern" nicht für die Krankenkasse qualifiziert sind,  weil es die nicht gibt, es sei denn, man ist "uralt, blind und behindert" oder man ist Elternteil eines Haushalts mit Kindern und keinerlei Einkommen.
Ich versuche mit den Leuten in Begriffen zu reden, die sie nicht von anderen hören. Eine Sache ist, dass ich mich als "Sozialist" bezeichne. Das ist ein Wort, das man hier nicht hört, es sei denn, man will jemanden wie Obama angreifen, was natürlich völlig absurd ist. Ich benutze auch andere verbotene Wörter wie "herrschende Klasse" (was ich in Zusammenhang mit dem "Zwei-Parteien-Konsens der herrschenden Klasse" verwende). Ich erkläre den Leuten, dass wir niemals, wenn wir nicht das Instrument und die Waffe der Sprache benutzen, die durch den Schweiß, das Blut und den Geist von Jahrhunderten des Kampfes geschaffen wurde, die kapitalistischen, imperialistischen, faschistischen Ratten beschreiben, verstehen und bekämpfen können. Aber du glaubst nicht, wie schwer eine solche Diskussion ist, selbst mit sogenannten "Liberalen", "Progressiven", "Linken", Bezeichnungen, die heute keine Bedeutung mehr haben.
Aber was ist denn ein Linker ohne eine Klassenanalyse"? Wenn man einen sozialen Konsens akzeptiert, dass man Wörter wie "herrschende Klasse" oder "sozialistisch" nicht benutzen kann, dann ist man besiegt, bevor man begonnen hat."
Es ist tröstlich zu hören, dass es sogar in den USA noch Leute gibt, die selber denken und an andere denken. Deshalb schickte ich an David ein warmes Dankeschön.


Montag, 24. Januar 2011

Über Nackte, Islam, christliche Fundis und 'Es gab mal eine bessere Zeit ...' von Kerstin Steinbach

Einar Schlereth

Mit 'Es gab mal eine bessere Zeit' meint die Autorin Kerstin Steinbach die Jahre von 1965 - 1975 und darin wird ihr jeder, der die Zeit miterlebte, Recht geben. Der Untertitel lautet im übrigen 'Die verhassten Bilder und ihre verdrängte Botschaft', eingerahmt von Fotos schöner nackter Frauen.
Die Autorin ist Ärztin und schreibt, aus verständlichen Gründen, unter Pseudonym. Ich habe ihr Buch mit großem Vergnügen gelesen, empfand sie an vielen Stellen als mein alter Ego. Es macht Spaß, sie über die 'braune und die schwarze Diktatur', Duckmäusertum, feige Politiker und Medienfiguren, Pfaffengesindel und die feministischen Schandmäuler herziehen zu hören.
Einhergehend mit der politischen Befreiung kam es zu einer sexuellen Befreiung, die sich nur teilweise berührten und überschnitten, aber beide gleichermaßen von der Reaktion zutiefst verabscheut und gehasst wurden. Die sexuelle Befreiung, begünstigt von besseren Lebensverhältnissen, gestärkter Stellung der Frau und - der Pille manifestierte sich vor allem in der Realität: "Die Bilder schöner, junger, selbstbewusster nackter Menschen, die da auf einmal die Öffentlichkeit erreichten, waren, weil sie öffentlich waren, das Verbotenste vom Verbotenen, und wer auch nur wenige Jahre vorher gelebt hatte, wusste, dass nur eine ganz massive, außergewöhnlich starke gesellschaftliche Kraft ihnen diesen Platz hatte verschaffen können; wenige Jahre zuvor hätte schon die kleinste weibliche Brustwarze Heere von Polizisten und ihren Aasgeiern aus dem Justizapparat danach mobilisert wie heute von Schmierern und Pogromisten." Eines dieser schönen Bilder will ich niemandem vorenthalten.
Kerstin Steinbach führt die Genesis des Menschen, Geschichte und Psychologie ins Feld, um die Gründe aufzuzeigen, warum Nacktheit seit eh und je - mit seltenen historischen Ausnahmen, so verpönt, verhetzt, begeifert wird. Man darf sich keine Blöße geben - in dem Satz steckt alles drin.
KS setzt die Bewegung um 1966 an (geht gewiss auch auf die verquaste, verhunzte FKK-Bewegung kurz ein), aber da möchte ich doch aus eigener Erfahrung ein paar Anmerkungen machen. Meine Familie landete nach der Flucht aus dem Osten in einem fränkischen Städtchen, das fest in der Hand erzkatholischer Fundis war. Mein bester Freund und ich begannen während unserer Zeit auf dem Gymnasium (um 1952 herum), in der fränkischen Saale sommers wie winters nackt zu baden. Das Flussufer war von der 800 m oberhalb verlaufenden Straße gut einsehbar. Und bald tauchten im Gymnasium wiederholt Anschläge auf, die das "hüllenlose" Baden strengstens untersagten. Sie erwischten uns aber nie.
Wer dazumal küssend hinter der Stadtmauer erwischt wurde, flog gnadenlos von der Schule. Ein Lehrer zitierte die Mutter unserer Klassenschönen zu sich, um ihr zu verbieten, dass ihre Tochter einige Zentimeter zu viel von ihren schönen Brüsten zeigte.
Später (ab 1956) an den Unis von Hamburg und Freiburg/Bg. hatten wir immer Gruppen, Jungen und Mädchen, die jede Gelegenheit zum Nacktbaden nutzten. Tagsüber an Seen oder der Ostsee, nachts in Freibädern. Diese Tradition setzte ich auch mit meinen Freundinnen fort. Jahrzehntelang besaßen wir überhaupt keine Badeanzüge.
Dann in den 60-er Jahren waren wir natürlich auch von Anfang an in der Baggersee-Bewegung (wie KS es nennt) dabei - als Pioniere. Einige Baggerseen haben wir als Nacktbäder quasi von Anfang an in Beschlag genommen.
Aber richtige Pioniere waren wir doch nicht, denn ich hatte schon in den 50-er Jahren ältere Freunde - u. a. sogar aus der Schweiz - die das ungehemmte Nacktsein schon lange praktizierten.
Ein ganzes Kapitel ist diesem Thema gewidmet: 'Risse im Bekleidungszwang - die Baggerseebewegung'. Anhand von Anzeigen, Fotos, Karikaturen zeigt sie, dass "Menschen ... glücklich und unbeschwert sein können", wenn der kontinuierliche Druck des Bekleidungszwangs nachlässt oder ganz verschwindet.
Dann aber kommt ein Kapitel 'Werbung der besseren Zeiten', wo ich der Autorin  absolut nicht folgen kann. Sie schreibt: "Unter einer sehr dünnen Rationalisierungsschicht schleppt auch die Linke das christliche Gerümpel mit, und so stößt eine Polemik gegen die Werbung bei allem Publikum, das sich von der Religion offen oder heimlich nicht lösen konnte, stets und leicht auf Widerhall und Mitmacher."
Nun, ich war nicht der einzige waschechte Heide in unseren Kreisen - aber in dieser Gruppe von Malern, Bildhauern, Schriftstellern, Dichtern, Architekten - die politisch von linksliberal bis ultralinks einzustufen waren, und die zum größeren Teil auch Nackheit und freie Liebe praktizierten, war Werbung absolut verpönt als etwas, was überflüssiger als ein Kropf war. Ich bin ja in einer Zeit (geb. 1937) aufgewachsen, wo Werbung nur eine sehr geringe Rolle spielte, habe sie aber dennoch von der ersten bewussten Wahrnehmung an bis heute, wo sie kiloweise den Briefkasten verstopft, gehasst mitsamt den pseudointellektuellen, affigen  Reklamefritzen. Nicht nur, dass ganze Wälder und knappe Ressorcen daran glauben müssen, so ist auch mindestens 90% dessen, für das die Werbetrommel gerührt wird, einfach Schrott, der Müllberge ins Unendliche wachsen lässt, unter denen das Leben, die Mühen, der Schweiss, das Leiden und verschwendete Zeit von Millionen Menschen begraben liegt. Wir wussten auch ohne Werbung, wo man am preisgünstigsten einkauft und wo die besten Kneipen zu finden waren. Dafür gab es die Buschtrommel und die Mund-zu Mund-Propaganda. Und nicht zuletzt hat die Werbung erheblich dazu beigetragen, die letzten Reste von Pressefreiheit zu beseitigen.
Und dann stieß ich auf noch eine Bemerkung, die mich sehr erstaunt hat. Auf S. 55 ist von : "... der menschenfeindlichsten und zugleich frauenfeindlichsten Religion, die die unwissende Menschheit bisher hervorgebracht hat, dem erzfinsteren Islam ..." die Rede. Merkwürdig. Vergleiche ich die heiligen Schriften der Christen und Juden mit dem Koran, würde ich diesen geradezu als humanistische Schrift ansehen. Haben die Moslems sich drei Kontinente unter den Nagel gerissen (in dem dritten - Lateinamerika - versuchen die Indios heute unter großen Mühen, ihn den Weissen wieder zu entreissen)? Haben die Moslems - wie die christlichen Spanier und Portugiesen in Lateinamerika gleich in den ersten Jahrzehnten - 60 Millionen massakriert und hunderte Genozide vollbracht? Haben die Moslems in Spanien die Christen ausgerottet? Aber nach der christlichen Rückeroberung wurde Spanien schnell zum ersten Juden- und Moslemfreien Land Europas. Haben nicht die Moslems den ungewaschenen Christen so etwas wie Körperhygiene durch tausende öffentliche Bäder beigebracht (von wegen stinkende Moslems! Wie viel von dieser moslemischen Kultur noch übrig geblieben ist, zeigen Statistiken, aber auch Aussagen von befreundeten Ärzten und Gynäkologen, dass Frauen aus südlichen katholischen Ländern und Moslem-Frauen es mit der Genitalhygiene sehr genau nehmen, weit besser als "unsere" Frauen)? Haben Moslems nicht schon vor 1000 Jahren den ersten Staat ohne Religionszwang 180 Jahre lang ('Die Karmaten' von Peter Priskill siehe hier) genossen? Haben sie nicht in Spanien die erste aufgeklärte, tolerante Gesellschaft in Europa geschaffen, in der Moslems, Christen und Juden friedlich miteinander lebten? Im Unterschied zu Christen haben die Moslems auch keinerlei Bekehrungseifer gezeigt. Das ist eine neue, von Proselyten gelernte Errungenschaft.
Nebenbei bemerkt habe ich in islamischen Gesellschaften gelebt und niemals wollte mich ein Moslem in die Moschee schleifen (hingegen oft mit großem Eifer christliche Sektenheinis). Da ich nie ein Hehl aus meinem Heidentum (Religionslosigkeit) machte, gab es öfters Diskussionen, die offen und ohne jede Aggression verliefen.
Aber, wie gesagt,  für mich ist jede Religion ein Gräuel, ist mir unbegreiflich, wie jemand all den Schmonzes glauben kann. Aber ich habe auch gelernt, dass das, was uns in der Schule über den Islam und heute in den Zeiten der Islamophobie erzählt wurde bzw. wird, nichts als Nonsense ist.
Es versteht sich wohl aber von selbst, dass ich die Unterdrückung der Frauen in den islamischen Ländern und vor allem die Verstümmelungspraktiken (die es auch in nichtislamischen Ländern gibt) aufs Schärfste missbillige und verurteile. Nur meine ich auch hier, dass sich die Christen - die vor allem  - sowie Hindus usw. nicht auf ein allzu hohes Ross setzen müssen, denn von wirklicher Gleichberechtigung sind ja auch wir noch himmelweit entfernt.
Aber das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, vor allem auch der umfangreiche Anhang über die 2002 bundesweit veranstalteten "NACKT"- Ausstellungen und der Bericht eines Betroffenen über die systematische, planvolle Zerstörung aller Baggerseen und Teiche um Freiburg/Bg. herum, die von hunderten Menschen zum Nacktbaden benutzt wurden. Ein Dokument über den permanenten Terror, die unentwegte Gewalt, die vom Staat und seinen Knechten - Polizei, Justiz, Kirche, Medien - gegen Menschen mit Freiheitsgeist geübt wird.


Das Buch ist im übrigen im Ahriman Verlag in Freiburg/Bg. zu haben.

Freitag, 14. Januar 2011

Der Fall Rwanda und Burundi


Der Fall Rwanda und Burundi

Heute habe ich mich den ganzen Tag mit dem Fall Rwanda, Burundi, Hutu, Tutsi und der Genozid-Anklage beschäftigt. Ich versuche zusammenzufassen, muss aber ein paar Schritte zurückgehen.
Das nilotische Volk der Tutsi (auch Watussi genannt) scheint etwa im 14. Jahrhundert in das Land der Seen eingewandert zu sein und hat die dort unsässigen Hutus (ein Bantu-Volk) unterworfen. In Rwanda errichteten sie eine autokratische Gewaltherrschaft, die laut Basil Davidson religiös verbrämt wurde, d. h. in eine Art von Gott gewolltes Kastensystem. Die Hutus hatten keinerlei Rechte, waren eine Art Sklaven oder besser vielleicht Leibeigene. Übrigens zeigen neuere Forschungen (http://en.wikipedia.org/wiki/Tutsi) , dass die Tutsis am nächsten mit den Bantu verwandt sind.
Als Anfang des 20. Jhrh. der deutsche Herzog von Mecklenburg seine Expediton in die neu gewonnene deutsche Kolonie Tanganyika unternahm, traf er auch mit dem noch unabhängigen Sultan von Rwanda zusammen. Er war von den Tutsis sehr eingenommen, machte sich aber schon eingehend Gedanken darüber, was man aus diesem Land für deutsche Kolonisten machen könnte, sobald der Sultan unterworfen sein würde. Was auch nicht sehr lange dauerte, und da man gerade dabei war, wurde auch das unabhängige Burundi unterworfen. Wie die deutschen Kolonialisten im ehemaligen Deutsch-Südostafrika gehaust haben, legte ich ausführlich an anderer Stelle dar ('Null Uhr, wenn die Sonne aufgeht ... Reisen in Tanganyika und Zanzibar', Hamburg 1981). In Tanganyika waren jedenfalls 2/3 der Bevölkerung tot und die riesigen Viehherden hatten sich die Deutschen unter den Nagel gerissen. Die Tutsis samt deren Privilegien behielten sie aber als Zwischenhand bei der Ausübung ihrer Herrschaft bei.
Nach Ende des 1. Weltkrieges ging Tanganyika an die Engländer, Rwanda und Burundi an die UN-Treuhand, die wiederum 1946 die Länder den Belgiern zu treuen Händen übergab. Diese hatten ja gezeigt, wie gut sie mit Afrikanern umgehen können: Fazit ihrer Herrschaft im Kongo waren neun Millionen Tote.
1962 wurde das Land nach einem Referendum unabhängig, woraufhin der Bahutu-Aufstand („ermuntert“ von Belgiern und der katholischen Kirche s. http://sv.wikipedia.org/wiki/Rwanda) ausbrach, der die jahrhundertelange Vorherrschaft der Tutsis brach. 150 000 Tutsis wurden vertrieben. Sie bildeten allmähliche die RPF, die Rebellenarmee. 1964 wurde die Wirtschafts- und Währungsunion mit Burundi aufgelöst, weil das von Tutsis beherrschte Burundi immer wieder Invasionsversuche machte. 1973 fand in Burundi ein Massaker an den Hutus statt, dem die gesamte Hutu-Elite zum Opfer fiel. Im selben Jahr putschte sich der Verteidigungsminister Habyarimana in Rwanda an die Macht. 1990 gab es eine Tutsi-Invasion, die mit Hilfe der Franzosen zurückgeschlagen wurde. 1993 nahm er Verhandlungen mit den Tutsis auf, um sie an der Macht zu beteiligen. Bei der Rückkehr von den Verhandlungen wurde sein Flugzeug über dem Flughafen von Kigali abgeschossen. Das war der Startschuß für den Volksmord.
1994 nahm die Rebellenarmee (RPF) unter Kagame die Hauptstadt Kigali ein und 2 Millionen Hutus flüchteten in die Nachbarländer. Das Ziel war die Ausschaltung der Tutsi-Führung und der Hutu-Opposition. Die RPF beendete allmählich das Morden, dem 500 000 Menschen zum Opfer gefallen waren. Die meisten Hutus kehrten zurück, aber nicht die Hutu-Milizen, die im Ost-Kongo blieben und später von Tutsi-Armeen aufgerieben wurden, die in den Ost-Kongo eindrangen – und dort bis heute blieben. In Rwanda waren unter dem 1. Tutsi-Präsidenten Bizimungu „autoritäre Tendenzen und zahlreichen Menschenrechtsverletzungen“ zu bemerken ('Lexikon der 3. Welt', rororo Hamburg 2002, Hgg. Dieter Nohlen). 2003 schob sich der seit 1994 starke Mann Kagame auf den Präsidentensessel.

Burundi wurde ebenfalls 1962 unabhängig. Aber auch dort drängten die Hutus auf gleiche Rechte. Die große Mehrheit der Hutus lebte unter der Armutsgrenze, während die Oberschicht fast ausschließlich aus Tutsis bestand. Nach einem gescheiterten Militärputsch (die Hutus hatten die Wahlen gewonnen, aber der König setzte einen Tutsi ein) wurde die gesamte Hutu-Elite eliminiert. 1993 kam nach 30 Jahren Tutsi-Herrschaft endlich ein Hutu durch Wahlen an die Macht. Er wurde nach 4 Monaten von Tutsis ermordet, was der Anlass zu einem Bürgerkrieg wurde, der zum „Verschwinden“, wie Wikipedia es euphemistisch nennt, von 200 000 Burundiern führte. Pardon: in der englischen Wikipedia ist von 250 000 Toten bis 1993 die Rede (es lohnt sich die verschiedenen Wikipedias anzuschauen). Die Ermordung von Präsident Ndadaye führte zu weiteren 300 000 Toten. Der nächste Hutu-Präsident wurde zur Abwechslung mit seinem Flugzeug abgeschossen. Als wieder ein Hutu zum Präsidenten ernannt wurde, „gab es eine Welle von Massakern an den Hutu-Flüchtlingen in Bujumbura, der Hauptstadt“. Und 1996 putschte sich der Tutsi Pierre Buyoya an die Macht. 2000 wurde in Arusha/Tansania ein Friedensabkommen zwischen Tutsi- und Hutuparteien geschlossen, aber erst 2003 wurde das Feuer zwischen der Tutsi- und der Hutu-Armee eingestellt. 2005 wurde der Hutu Nkurunziza zum Präsidenten gewählt. Nun herrscht ein prekärer Friede.

Anzufügen bleibt erstens, dass (ïn etwa übereinstimmend mit 'Lexikon der Völker', Komet-Verlag Köln 2002; Meyers Großes Taschenlexikon, 1989 und dem rororo 'Lexikon der 3. Welt') in Rwanda 1989 ca. 6.2 Mill. E. lebten, davon 9% Tutsis (550 000) und in Burundi ca. 4.92 Mill. E., davon 13% Tutsis (640 000). Wenn also die Zahl 1 Million ermordete Tutsis ins Spiel gebracht wird, dürfte es heute kaum noch Tutsis geben.

Und zweitens: Wer diese kurze Zusammenstellung verwirrend findet, dem kann ich nur Recht geben. Aber in Wirklichkeit ist sie tausendmal verwirrender. Man muss sich nur vorstellen, wie viele einheimische Akteure damals anwesend waren. Als ob das nicht genug wäre, so muss man auch an die ungezählten ausländischen Akteure denken aus Dutzenden von Ländern, die alle ihre Leute, ihre Agenten, ihre Milizen, ihre Soldaten, ihre Ingenieure, Spezialisten, käuflichen NGOs, Priester, Vertreter der Industrie und der Monopole im Schlepptau hatten, und die immer noch dort unten anwesend sind. Vielleicht kann man dann besser begreifen, nein, nicht begreifen – dann braucht man sich nicht zu wundern, dass in diesen armen und so unermesslich reichen Ländern kein Friede einkehrt.

Und drittens: Seit ich mit 14 Jahren 'Spartacus' las, stand ich auf der Seite der Sklaven und später auf Seiten aller Unterdrückten. Genau wie Mark Twain, der von den Leuten schrieb, die sich über ein paar tausend Tote der Französischen Revolution aufregten, und sagte, dass sie weder Verständnis noch Empathie für das Volk, die Bauern hätten, die 1000 Jahre unter dem Joch der Feudalherren gestanden, gelitten haben und oft elend krepiert sind. Und auch nicht für die 100 000 Opfer, die die Rache der Konterrevolution gekostet hat. Nach deren Logik ist ja auch Spartacus ein Terrorist, ein Verbrecher. Und derselben Logik folgen auch jene, die den Hutus, die Jahrhunderte lang ausgebeutet wurden, entrechtet wurden, deren Frauen vergewaltigt wurden, ihre Raserei vorwerfen. ABER dazu muss gesagt werden, dass das Volk normalerweise nicht derart grausam ist (man denke an die deutschen Bauernkriege), sondern dass in diesem Falle Agenten der Großmächte, vor allem der allergrößten, am Werk waren, die gehetzt, angestachelt und das Feuer geschürt haben, denn es steht ungeheuer viel auf dem Spiel – und das erzählt u. a. Charles Onana.

Nun komme ich also auf Charles Onana zu sprechen, der der eigentliche Anlass für diesen Artikel ist.
Es gab Bedenken, ein Video von ihm auf unsere Webseite zu legen, weil er von gewissen Leuten als Genozid-Verneiner angesehen wird. Anlass waren seine Bücher „Les secrets du génocide rwandais“ und Ces tueurs tutsi au cœur de la tragedie congolaise (préface de Cynthia McKinney), Duboiris, 2009. Wikipedia schreibt: „ … il met en doute la qualification de génocide et accuse Kagame … d'avoir 1994 organisé le massacre des Tutsi et des Hutu ...“ ( … er bezweifelt die Bezeichnung Genozid und beschuldigt Kagame … 1994 das Massaker gegen Tutsi und Hutu organisiert zu haben …). Wofür es ja auch in dem oben zitierten 'Lexikon der 3. Welt' einen Hinweis gibt.
Dazu ist zu sagen, dass Kagame einen Prozess gegen Onana angestrengt und verloren hat. Einen weiteren Prozess haben Onana und der kanadische Schriftsteller Robin Philpot gegen die Zeitung Libération angestrengt, in der sie von einem gewissen Ayad als Genozid-Verneiner präsentiert wurden, der noch nicht entschieden ist. Nun, und wenn ich mir die Liste seiner Werke ansehe (http://fr.wikipedia.org/wiki/Charles_Onana), dann frage ich mich, wie man auf so eine hirnrissige Idee kommen kann.

Abschließend bin ich der Meinung, so lange wie

  • keines der Kolonialländer angefangen hat, für den Diebstahl und die Plünderung gigantischen Ausmasses in der 3. Welt zu bezahlen (von den millionenfachen Morden ganz zu schweigen – das könnten nur Zionisten in Zahlen ausdrücken);
  • kein deutscher Soldat jemals wegen Genozid an den Russen, Polen etc. angeklagt wurde;
  • kein Soldat der USA und all ihrer allzeit bereiten willigen Alliierten der monströsen Verbrechen in den dutzenden Kriegen seit Ende des 2. Weltkrieges (von Korea angefangen bis Irak, Pakistan, Afghanistan, Palästina, Somalia etc.) angeklagt worden ist;
  • kein Politiker, Waffenfabrikant, Waffenschieber, Kriegsgewinnler, Schreibtischtäter, Medienkriegshetzer, Pfaffe angeklagt ist -

so lange ist es ein Skandal, ein rassistischer Skandal, dass Gerichtshöfe wie der in Den Haag oder Arusha installiert werden.
Wer nun meint, sagen zu müssen, dass ich riesige Massaker wie jene in Rwanda und Burundi wohl gutheisse, der sollte schnurstracks zum Psychiater gehen.


Einar Schlereth

Klavreström, der 13. Januar 2011

Samstag, 8. Januar 2011

Buchrezension "Die Karmaten" von Peter Priskil

Ich weiß, ich weiß, es ist lange her. Hauptsächlich hängt es damit zusammen, dass sich die Einstellungen selbsttätig verändert hatten - womit viele Blogger zu kämpfen hatten - und natürlich damit, dass ich mit HTML nicht zurechtkomme.
Gerade las ich nun, dass das Problem behoben ist. Stimmt - und danke an die Freunde, die daran gearbeitet haben.
Hier folgt nun eine Rezension von einem Buch, das ich außerordentlich spannend finde. Vor 1000 Jahren - ja TAUSEND Jahren - gab es einen gottlosen Staat. Und ur-kommunistische Züge hatte er außerdem. Und wo - zum Teufel - gab es denn so etwas? Im Süden Iraks und mit dem Zentrum Bahrein. Und die Männer, die den Staat gründeten und 180 Jahre lang halten konnten gegen den Ansturm aller religiösen Dunkelmänner nannten sich nach dem Begründer der Bewegung Quarmaten. Die Dunkelmänner waren natürlich von derselben Sorte wie jene im christlichen Abendland, die ja auch jede abweichende Bewegung - die hier allerdings meist im christlichen Gewand auftraten und als Sekten galten - meist mit Stumpf und Stil ausrotteten. Man denke nur an die riesige Arianer-Sekte oder die Katharer im Süden Frankreichs. Die Katharer wurden besonders grausam verfolgt, weil sie nicht nur im Glauben abwichen, sondern auch soziale Maßnahmen einführten.
Nun, und so mußten die Europäer fast noch 800 Jahre warten, bis sie auch den ersten gottlosen Staat durch die Große Französische Revolution geschenkt bekamen. Diese wiederum war die Frucht der Aufklärung, die wiederum - man höre und staune - eine 'unterirdische' Verbindung zu den Quarmaten hatte in Form eines ganz teuflischen Buches 'Drei Betrüger der Welt: Moses, Christus und Mohammed'.
Wem das Ganze zu teuflisch vorkommt, macht am besten Schluss mit dem Lesen. Alle übrigen sind eingeladen, dieses weltgeschichtliche Abenteuer etwas näher kennenzulernen. Wessen Neugierde dann immer noch nicht gestillt ist, kann das Buch ja selbst lesen. Ganz unten findet sich dazu ein Hinweis.




DIE KARMATEN
PETER PRISKIL

Von diesem Buch lässt sich zu Recht sagen, dass es eine gewaltige Lücke füllt, nicht nur historischer Art, sondern auch beim Publikum, wie die in kurzer Frist erfolgte 2. Auflage beweist. Der ägyptische, in Deutschland lehrende Prof. Karam Khella spricht gar von einer Renaissance der Karmaten, indem er auf ein weiteres Werk verweist, das nach der Jahrtausendwende erschienen ist: Ramahi, Kamal / Quintern, Detlev (2006): Qarmaen und Ihwān a-afā’. Gerechtigkeitsbewegungen unter den Abbasiden und die universalistische Geschichtstheorie; Hamburg.
Außerdem ist das Buch ein Schlag gegen jene 'gelehrten' Diskussionen, die von der dem Islam inhärent innewohnenden Unmöglichkeit sprechen, sich reformieren zu können oder gar demokratische Lösungen zu finden.
Ich war verblüfft, wie ähnlich es auch mir mit den Karmaten ergangen war. Hie und da dunkle Andeutungen über einen Aufstand der Schwarzen, eine Republik der Gleichen, die sich Karmaten nannten im Gebiet des heutigen Irak. Wollte man mehr wissen, stieß man nur auf weitere dunkle Andeutungen. Peter Priskil gebührt das Verdienst, diesen gordischen Knoten aus Lügenmärchen und Hirngespinsten zerschlagen zu haben und zum Kern der Geschichte vorgedrungen zu sein, eine Arbeit, für die er viele Jahre brauchte.

Warum? Nun, die Geschichte ist so ungeheuerlich, so undenkbar, so empörend (über Empörer empört man sich immer), dass die Sieger – die bekanntlich immer die Geschichte schreiben – sehr gründliche Arbeit leisteten, indem sie alle Spuren und Quellen verwischten und zerstörten. Mit einer solchen Gründlichkeit, dass es detektivischen Scharfsinns bedurfte, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Nur, es trat kein Weizen zutage oder kaum ein paar Körner, die Peter Priskil mit psycho-historischem und sozialpsychologischem Werkzeug freilegen konnte. Den Rest musste er mit Hilfe der Assoziation – wobei ihm die gründliche Kenntnis vergleichbarer Bewegungen nützlich war – und die ebenso gründliche Kenntnis des reaktionären Geschwafels leisten, das immer dann eingesetzt wird, wenn es um die Vernebelung und Unsichtbarmachung brisanter und für die Herrschenden gefährlicher Tatsachen geht.
Peter Priskil greift weit zurück in die Vorgeschichte der Karmaten-Bewegung. Er schildet kurz den rasanten Aufstieg des Islam zur Weltreligion, die relativ kurze Blütezeit und die im 9. Jahrhundert bereits beginnende Degenerierung und den Zerfall des Riesenreiches auf Grund dynastischer aber auch religiöser Querelen. Es begann mit der großen Teilung des Islam in Sunna und Shia und setzte sich fort mit dem Emporschießen zahlloser Häresien und Sekten – genau wie im Christentum auch. Die meisten der kleinen häretischen Bewegungen konnten schnell und mit brutaler Gewalt unterdrückt werden. Doch in dem Maße, wie die Zentralgewalt in Bagdad, d. h. der Kalif, schwächer wurde, konnten sich manche häretische Bewegungen stark wachsen. Dazu gehörte die Ismailiya, eine Art „protestantische“ Bewegung, die sich wiederum auf die Gnosis und die Mutazila, eine weitere oppositionelle Bewegung im Islam, die schon im 8. Jahrhundert entstand, stützte. Die Islailiya richtete sich vor allem gegen die Dogmatik und viele Glaubensvorschriften des Islam. Allerdings hat sie lange im Geheimen wirken müssen, bevor sie öffentlich auftreten konnte und zwar „mit einem praktischen Aufstandsprogramm“. Sie war „die Häresie der Unterdrückten und Ausgebeuteten“, der Sklaven und Bauern, der entrechteten Handwerker, aber auch Teilen der kritischen Intelligenz.
Doch die Antwort der Zentrale lässt nicht lange auf sich warten. Das Mittel ist wie immer und überall Feuer und Schwert. Und wie immer unter starkem äußeren Druck gedeihen Spaltpilz, Verrat und Kompromißlertum. Die größte Abspaltung war eine Gruppe, der die Religionskritik nicht weit genug ging, die konsequent den nächsten Schritt in die Regligionslosigkeit tat. Diese Gruppe, die sich in der Folge nach ihrem ersten großen Agitator Hamdun Qarmat die Qarmaten, resp. Die Karmaten nennen, wurden nicht nur von der Orthodoxie, die fast immer mit dem Kalifen zusammenfiel, sondern auch verbliebenen Ismailiya, die in der Folge sogar zwei bedeutende Agitatoren der Karmaten im Irak ermordete.
Beide Gruppen wurden jedoch nach schweren Kämpfen aus dem Kernland des Kalifen, das heutige Irak und Syrien, verdrängt. Die Ismailiya flüchtete am Ende nach Nordafrika und gründete schließlich in Ägypten die Fatimidendynastie. Die Karmaten zogen sich mehr oder weniger geordnet nach Bahrein zurück, wo Qarmats fähigster Agitator, Abu Said, im Jahre 899 schon den ersten Karamatenstaat gegründet hatte, und damit den ersten religionslosen Staat der Weltgeschichte. Religion und Staat wurden voneinander getrennt. Die Führer und viele Anhänger waren ohne Religion, aber man verbot nicht die Religion (es lebten Perser, Juden, Christen und Moslem in Bahrein), sondern konnte glauben, was er wollte. Chacun à son goût.
So etwas sollte es erst gut 1000 Jahre später wieder geben, mit dem Erfolg der Oktoberrevolution in Russland, wenn man das kurze Intermezzo der großen französischen Revolution beiseitelässt. Das war damals – und auch noch die folgenden 1000 Jahre – geradezu unerhört. Und in der Verteufelung dieser „Sekte“, wie man die Karmaten vorszugsweise nannte, waren sich Islam und Christentum rührend einig.
Aber das war noch nicht alles. Als Reaktion auf Bagdads ständige Angriffe und Provokationen schickte man 930 ein Heer nach Mekka, das die Stadt einnahm, den schwarzen Stein aus der Kaaba brauch und zahllose Pilger niedermachte, „ein Ereignis, das den Zeitgenossen wie ein apokalyptischer Donnerschlag in den Ohren hallte und sie in einen Zustand der Betäubung und Fassungslosigkeit, des Abscheus und Entsetzens stürzte“, wie Peter Priskil schreibt, und das er mit dem Sacco di Roma durch Karl V vergleicht, der damit das Primat der Staatsmacht über die Kirche herstellte.
Aber der Staat der Karmaten ging noch weiter. Es war ein Staat der Gleichen unter einer kollektiven Führung, mit gemeinsamem Besitz an Grund und Boden, einer einzigen Steuer – dem Zehnten, staatlichen Mühlen, wo das Korn kostenlos gemahlen wurde, zinsfreien Darlehen für fremde Handwerker zur Gründung von Unternehmen und der Herrschaft des Rechtes. Dies sind einige Details, die sich bei Peter Priskils Forschung herauskristalisierten. Wie der Staat und die Wirtschaft im einzelnen geführt wurden, bleibt auf Grund der Quellenlage immer noch im Dunklen.
Ein dunkler Fleck ist allerdings, dass die Karmaten allerdings für die Plantagenwirtschaft schwarze Sklaven einsetzten. Nun hatten die schwarzen Sklaven kurz vor der Karmaten-Staatsgründung sich erhoben und 15 Jahre lang gegen den Kalifen gekämpft, eine Heldengeschichte, die durchaus vergleichbar mit der des Spartacus vergleichbar ist, diese sogar noch übertrifft. Ihr Untergang war jedoch ebenso tragisch.
Vielleicht haben die Karmaten sie deshalb weiterhin als Sklaven eingesetzt, weil sie unter ihnen gelitten haben, aber das ist nur eine Hypothese meinerseits.
Schon Hamdun Qarmat hatte Agitatoren weit herum geschickt – nach Syrien, Persien, Daiman am Kaspischen Meer, Nordafrika, Oman und in den Jemen. Im Jemen konnten die Karmaten kurz die Macht an sich reissen, verloren sie aber schnell wieder. Qarmat war noch vor der Staatsgründung einer Razzia des Kalifen zum Opfer gefallen. Die Nachfolge übernahm der überaus fähige Abu Said in Bahrein, der das Staatswesen nach innen und außen festigen konnte. Er fiel einem Meuchelmörder des Kalifen zum Opfer. Abu Tahir, sein jüngster Sohn übernahm die Zügel und entwickelte als Feldherr außerordentliche Fähigkeiten. „Seine zwei Dekaden wähende Regierungszeit , die von 924-944 währte, ist vielmehr durch die Festigung und kraftvolle Entfaltung des revolutionären Karmatenstaates gekennzeichnet, der nun in die Offensive ging und das Kalifat an den Rand des Abgrunds drängte“, wie Peter Priskil festhält. Er gliederte den Süden des Irak mit Basra, einer alten Karmatenhochburg, und den Oman dem Karmatenstaat an. Und er zwang den Kalifen zur Bezahlung von Abgaben für die Pilgerzüge nach Mekka. Doch schon mit 38 Jahren erlag Tahir den Pocken. Damit ging die Blütezeit des Karmatenstaats nach nur 45 Jahren zu Ende. Auch wenn der Staat noch weitere 130 Jahre Bestand hatte, so ist dies eher ein Trauerspiel.
Unter den konzentrischen Angriffen des Kalifen, der sich am Ende sogar mit dem verhaßten Fatimidenherrscher verbündete, der ständigen Wühlarbeit, Einschleusung von Saboteuren und durch Verrat zerfiel dieses grandiose Experiment mehr und mehr, bis es 1070 endgültig unterging. Doch sie hinterließen noch ein Vermächtnis, das 800 Jahre lang für Irritation und Unruhe sorgte. Das war eine Schrift mit dem Titel die „Drei Betrüger der Welt: Mose, Christus und Mahumet“, von dem Peter Priskil am Ende des Buches ein kurzes Kompendium angelegt hat. Es ist eine gründliche Abrechnung mit der Religion, das gesucht, verfolgt, verbrannt wurde, und imme wieder auf verschlungenen Wegen durch Abschriften, Kompilation, Zitate auftauchte, bis in die Neuzeit überlebte und am Ende gar für die Aufklärung von Bedeutung war.
Peter Priskil ist es gelungen, auf fast 400 Seiten uns ein eindringliches Gemälde vor Augen zu führen und zwar in einer wohltuend lebendigen, anschaulichen Sprache, die ihn aber zuweilen zu überflüssigen Redundanzen verleitet.
Doch ich will zwei Punkte erwähnen, die meiner Meinung nach in so einem gründlich recherchierten Werk fehl am Platze sind, auch wenn es nur zwei Nebensätze sind.
Da heisst es zum einen auf Seite 8: „Von wegen 'Hindufaschismus'!“ Das sei eine US-imperialistische Propagandaformel. Was immer die Moslem früher für Verbrechen begangen haben mögen, so ist es ein Faktum, dass seit Bestehen der 'größten Demokratie der Welt“ Indien niemals eine Demokratie gewesen, so wenig wie die USA oder Israel. Dass die Moslems von Anfang an Bürger 2. Klasse gewesen sind, dass dort ein furchtbarer Genozidkrieg gegen die Adivasi und Dalit im Gange ist, dass die Kaschmiri brutal unterdrückt werden. Ich empfehle nur zwei Schriften, die von Arundhati Roy 'Der aufhaltsame Aufstieg des Hindufaschismus' und 'Indias War on People' von Gautam Navlakha und Arundhati Roy. Und merkwürdig in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass der US-Imperialismus engste Beziehungen sowohl zur BJP- als der jetzigen Congress-Regierung geknüpft hat.
Der zweite Punkt betrifft den Satz auf S. 11, „dass Mesopotamien und später der Iran zum Schauplatz der ersten großen Spaltung des Islam wurden (ist kein Zuffall). Beide waren … die Wiege der Zivilisation.“ Da ist Peter Priskil einer üblen christlich-klerikale-eurozentristischen Kampagne aufgesessen, die seit ca. 150 Jahren mit immer größerem Eifer geführt wird.
Von Herodot bis Champollion-Figeac (1839) wurde von aller Welt als Selbstverständlichkeit angesehen, dass in Ägypten die Zivilisation, die Wissenschaft, die Kultur begann und dort in einem Wort die Wiege der Menschheit stand, und dass die Ägypter Schwarze waren.
Dann begann zuerst der Bruder von Champollion, sodann der Sohn zuerst in den Schriften des Bruders und Vaters (später auch anderweitig) zu ändern, wegzulassen, zu streichen, zu fälschen, im Gleichschritt mit der vollen Entwicklung des Kolonialismus „denn es kann nicht sein, was nicht sein darf“, das die Schwarzen die Fundamente unserer Kultur geschaffen haben. Und so wurde peu à peu die Wiege immer weiter nach Nordosten hin, näher an die Wiege des Jesukindlein, wo ja wenigsten Semiten wohnten und keine Schwarzen.
Erst das Standardwerk des senegalesischen Historikers und Anthropologen Cheikh Anta Diop „The African Origin of Civilization' hat die Dinge wieder ins rechte Licht gerückt, wofür er 1974 auf der in Kairo von der UNESCO organisierten Archäologen-Konferenz Anerkennung und Beifall von der großen Mehrheit erhielt. Und Basil Davidson – The Great Old Man of African History – hat dem allzu früh Verstorbenen in seiner 10-teiligen Serie 'Africa' ein Denkmal gesetzt.
Natürlich mindern diese Gedanken in keiner Weise den Wert dieser hervorragenden Arbeit.
Aber ist es nicht ein hübscher Gedanke, dass unsere Kultur aus Afrika kommt, unsere Demokratie von den Indianern (genauer der Irokesenkonföderatin, mit deren Führern Washington geheime Unterredungen führte, um herauszufinden, wie man das so macht, mit der Demokratie. Und dann ist den  Deutschen ja ihre Verfassung von der amerikanischen durch die Besatzer abgekupfert worden.) und unsere Aufklärung von den Arabern? Aber wir, die weißen Christen, sind natürlich die Krone der Schöpfung.

Das Buch ist im Ahriman Verlag erschienen, hat 410 S. und kostet € 24.80. Mehr Informationen findet man hier http://www.ahriman.com/buecher/karmaten.htm


Einar Schlereth
Klavreström, den 12. Dezember 2010
http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2957

Dienstag, 16. November 2010

Kamp mot de svaga

'Mormor berövas handväska' - 'Handikappad brutalt nerslagen - blev av med 10 kronor' - 'Raggare överfaller flicka - våldtar henne' - 'Terror i bus'. Sådana nyheter kan man nästan dagligen läsa höra eller se i medierna. Minst lika vedervärdigt som dessa handlingar är tycker jag är fakten att det finns ganska ofta åskadare som inte bara är för fega att ingripa utan dessutom applåderar. Denna hållning är inte alls ett undantag eller är begränsat till ett land. Jag upptäckte den i hela Europa och ibland även i länder utanför. Tyvärr för det mesta inte konkret. För jag har för vana att ingripa omedelbart och utan eftertanke. Om jag nu sitter i bilen och ser några ungdomar att traktera en gammal man med baseballrackets - jag lämnar bilen mitt på gatan, hoppar ur och rusar fram - och se där de låter falla sina rackets och springer iväg. Eller på marknaden ser jag en kraftig byggt handlare ryta mot en gammal kvinna som letar i avfallshögen bredvid hans bod och även göra henne ansvarig för en stor buckla i hans lastbil. Jag skälla på honom medvetet vulgärt och erbjuder honom en kok stryk med förhoppningen att han accepterar erbjudandet. Han försöker att försvara sig verbalt. Då kommer en mycket elegant herre fram och säger till honom: "Den här mannen har rätt, ni är en slyngel." Och så gick han. Typen tappade hakan och hans utländska anställda flinade. Vad säger oss detta? Att slynglar och hooliganer är fega och att man kan räkna absolut med stöd från likasinnade. Men jag vill komma till något annat. Exakt samma hållning kan vi läsa, se och höra dagligen i alla medier på den globala nivån. Statsmakten låter inte prygla banksters, VDn av kriminella företag eller politiker utan sällskapets allra svagaste eller sådana människor som är motståndare till våld och orättvisor. Och det som gäller inom en stat gäller också för mellanstatliga relationer. Alla tiders starkaste världsmakt överfaller de minsta, svagaste, fattigaste och om möglig försvarslösa länder - mördar, massakrerar, torterar, våldtar, bombar, skjutar, bränner, bulldozar, uranförgiftar hela länder. Men det räcker ännu inte. Denna världsmakt tvingar även andra, tredje, fjärde gradens makter att deltar. Och nu är det 46 stater som har gett sig på Afghanistan. Och ingenstans ser man en skamkänsla. Eller en känsla för medlens oproportionerlighet. Ingenting. Tvärt emot. Alla dessa förbrytare från den enklaste soldaten till generaler, från ansvariga politiker till vapenproducenter och högt utbildade vapenuppfinnare - alla blir de lovordat för deras mod, deras vishet, deras kärlek till fred, de får medaljer och orden och nobelpriser. Nu finns det folk som menar att det som sades ovan och det här kan inte jämföras. Förr försökte jag ofta att diskutera med sådana människor men det är fruktlös. Det finns den berömda röda linjen som Arundhati Roy nyss talade om: antingen står man på den här sidan eller på den andra. Jag står med henne på den här sidan som för övrigt också Marx som redan sade för hundra år: De mellanstatliga relationerna skiljer sig i grunden inte från de mellanmänskliga relationerna. Så sant. Också han tillhörde de undantag som - liksom vi idag - försökte att göra världen mera mänsklig och mera rättvis så att det skulle vara en lust att leva i den.

Samstag, 13. November 2010

Kampf den Wehrlosen

'Oma wurde die Handtasche entrissen' - 'Behinderter brutal niedergeschlagen und seiner Brieftasche beraubt' - 'Jugendliche überfallen Minderjährige und vergewaltigen sie' - 'Terror im Bus' - Derlei Nachrichten kann man fast täglich in den Medien lesen, hören oder sehen. Mindestens ebenso scheußlich wie diese Taten an sich sind, ist die Tatsache, dass es oft genug Zuschauer gibt, die nicht nur zu feige sind einzugreifen, sondern manchmal sogar noch Beifall klatschen. Diese Haltung ist keineswegs die Ausnahme oder auf ein Land begrenzt. Ich bin ihr überall in Europa und auch in außereuropäischen Ländern begegnet. Meistens leider nicht konkret. Denn meine Gewohnheit ist es, direkt und ohne Überlegung einzugreifen. Ob ich im Auto sitze und ein paar Jugendliche mit Baseballschlägern einen alten Mann traktieren sehe - ich lasse das Auto mitten auf der Straße stehen, springe raus, stürze auf die Typen los - und siehe da, die lassen ihre Knüppel fallen und hauen ob. Oder auf dem Markt sehe ich, wie ein kräftig gebauter Händler eine alte Frau übelst beschimpft, die in einem Haufen Abfall neben seinem Stand Brauchbares heraussucht. Er beschuldigt sie sogar, eine große Beule an seinem LKW verursacht zu haben. Ich beschimpfe ihn bewusst auf vulgärste Weise und biete ihm Prügel an in der Hoffnung, dass er das Angebot annimmt. Er versucht sich verbal zu verteidigen, als ein elegant gekleideter Mann neben mich tritt und zu dem Typen sagt: "Der Herr hier hat Recht, Sie sind ein Flegel." Und weiterging. Dem Typen fiel der Unterkiefer runter, seine ausländischen Gehilfen grienten.
Was beweist dies? Dass diese Rüpel und Schlägertypen feige sind, und dass man durchaus auf Unterstützung von Gleichgesinnten rechnen kann.
Aber ich will auf etwas Anderes hinaus. Genau diese Haltung können wir auch global tagtäglich in allen Medien - auf die Ausnahmen komme ich zu sprechen - lesen, hören und sehen. Die Staatsmacht lässt überall nicht auf Banksters, Vorstandsmitglieder von verbrecherischen Firmen oder Politiker einprügeln, sondern auf die ärmsten Schweine in einer Gesellschaft oder solche Menschen, die sich gegen Gewalt und Ungerechtigkeit auflehnen.
Was innerhalb der Staaten gilt, gilt gleichermaßen im zwischenstaatlichen Bereich.
Die stärkste Weltmacht aller Zeiten fällt über die kleinsten, schwächsten, ärmsten und möglichst unbewaffneten Staaten her, mordet, massakriert, foltert, vergewaltigt, bombt, kanoniert, brennt, bulldozert, verseucht und uranvergiftet ganze Länder. Aber das reicht noch nicht. Diese Weltmacht zwingt die 2., 3. 4. - stärksten Mächte mitzumachen. Und heute sind 46 Länder am Überfall auf Afghanistan beteiligt. Und nirgendwo ist ein Gefühl der Scham anzutreffen. Oder ein Gefühl der Unverhältnismäßigkeit der Mittel. Nichts dergleichen. Im Gegenteil, all diese Verbrecher, vom kleinsten Soldaten bis hinauf zum General und verantwortlichen Politiker, den Waffenproduzenten und hoch ausgebildeten Waffenentwicklern - sie werden gelobt für ihren Mut, ihre Weisheit, für ihre Friedensliebe, sie bekommen Medaillen und Orden und Nobelpreise.
Nun gibt es Leute, die meinen, das eingangs Gesagte und dies hier könne man nicht vergleichen. Ich habe früher oft versucht, mit diesen Leuten zu diskutieren, aber es ist fruchtlos. Es gibt die berühmte rote Linie, von der Arundhati Roy neulich gesprochen hat: entweder steht man auf dieser Seite oder auf der anderen Seite. Ich stehe mit ihr auf dieser Seite, wie übrigens auch schon Marx. Er sagte schon vor mehr als 100 Jahren: Die zwischenstaatlichen Beziehungen unterscheiden sich im Grunde nicht von den normalen zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie wahr. Auch er gehörte zu den Ausnahmen, der - wie wir heute - versuchte, die Welt menschlicher und gerechter zu machen, dass es eine Lust wäre, in ihr zu leben.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Syrien: Eine andere Wirklichkeit

 av Eva Myrdal och Hashim al-Malki
 

Utrikesdepartementet "avråder från alla resor till Syrien" och skriver att "det finns vägspärrar främst runt Damaskus och Daraa". Men vänner på plats sade oss att det var lugnt förutom i Daraa vid gränsen till Jordanien, och norr om gränsen till Libanon utefter kusten upp till Lattakia, så vi reste till Damaskus den 18 april för vår tredje Syriensemester.

Under fyra veckor for vi med taxi och buss och rörde oss till fots i huvudstaden Damaskus och vi for österut till Palmyra och till Deir ez-Zur vid Eufrat och utefter Eufrat till Halabiyye och mot irakiska gränsen till Dura Europos och Mari vid Abu Kamal.

Det vi såg i Damaskus och österut var en annan verk­lighet än den som internationell media givit en bild av från kusten och Daraa. Det vi anade av kommande möjliga problem med religiös sekteristisk mobilise­ring för etnisk rensning med saudiskt politiskt stöd nämndes inte av internationell eller svensk media. Och desamma internationella aktörer var inte intresserade av dem av landets invånare som nu arbetar hårt för en ekonomisk förändring och av en politisk förändring mot rättsäkerhet och demokratiska fri- och rättigheter.

Inte heller visade de intresse för de starka uttryck för stöd till president Bashar al-Assad som visades till exempel i den enda massdemonstration som hållits i Syrien under dessa månader, den till stöd för presiden­ten den 29 mars.

l den del av landet där vi reser ser vi inte en enda demonstration, "vägspärrar" finns vid in-och utfar­terna till Damaskus, Palmyra och Deir ez-Zur och de är som svensk trafikkontroll. Bussar och bilar vinkas in till vägkanten. Flyktigt tittar den uniformerade perso­nalen i våra utländska pass och på medpassagerarnas l D-handlingar. Bussens bagageutrymme öppnas inte.

"Det stängda landet" skriver journalister i Sverige. Men inte stängt för turister. Du har ditt turistvisum, visar ditt pass och får en inresestämpel. På det lilla kortet du skall fylla i nu liksom tidigare skall du uppge adress i Syrien. Vi anger en förstad till Damaskus, stor som Solna, men vi kommer inte ihåg gatuadressen och ingen frågar.

På hotellen registrerar du dig med pass, som överallt i världen, men när du lämnar ett hotell vet de inte vart du reser.

När du åker långfärdsbuss skall du som utlänning i dag, liksom tidigare, visa ditt pass för polisen på rese­centret, men i dag liksom vid tidigare resor antecknas du inte hos polisen, han stämplar bara din biljett. Och nar vår buss brakar ihop på ökenvägen mot Deir ez-Zur och vi får lifta med nästa buss ar det ingen som tittar på vare sig biljett eller pass.

nDN.se skriver om stridsvagnar och demonstrationer. Vi ser inga.

Fredagen 6 maj får vi sms från Sverige. DN.se skri­ver att stridsvagnar rullat in i de centrala delarna av flera städer och att demonstrationer startat också i Damaskus efter fredagsbönen. Just den dagen mellan klockan ett på eftermiddagen och klockan ett på nat­ten korsar vi av familjeskäl Damaskus centrum fyra gånger i taxi på väg fram och tillbaka från centrum till förstaden Oudsayya i norr och därifrån till förstaden Sayyida Zainab i söder och vi ser inga demonstratio­ner, inga militära fordon, inga militärer, inga poliser. Vilket betyder att Damaskus inte heller den dagen var platsen för massdemonstrationer som i vintras Kairo, Alexandria ellerTunis. Och att Damaskus inte präglas av militär närvaro.

"De är svartmaskerade och skjuter på polisen"

År 2005 beslöt Baathpartiets io:e kongress om en libe­ral ekonomisk ordning under namnet "social marknads­ekonomi", l syrisk press uttrycks i dag ilska över till exem­pel "konkurrensutsatt" kollektivtrafik som inte fungerar, avskaffade subventioner på bensin, utförsäljning av statlig egendom och korruption. Debatten för och emot "social marknadsekonomi"förs öppet.

Men denna diskussion syns inte i de internationella tv-kanalerna.

Det görs heller inga uppfölj­ningar för att granska hur de beslutade reformerna genom­förs trots att till och med Baath-partiets egen tidning skriver elfte maj att den liberala ekonomiska politiken inte mättat folket och att de pågående reformernas högsta prioritet blir att ändra den.

Nu har folkhumorn döpt om den Oatarbaserade tv-stationen Aljazeera till "al-Khinzira", Suggan.

Har man inte störtandet av president Bashar al-Assad på dagordningen vin­ner man inte acceptans hos till exempel Aljazeeras aggressiva, kvinnliga, nyhets­ankare Leila al-Shayb. Den 13 maj ställde hon Raja al-Nasir som är en av de ledande i oppositionspartiet al-lttihad al-lshtiraky al-Arabi al-Dimukrati {Arabiska socialistiska Demokratiska unionen) till svars för att partiet inte kräver presidentens avgång.

Men han vidhöll "Vi vill inte störta stats­makten, vi vill ha förändringar av rättsyste­met. Det kommer att ta tid, men processen är igång." Och det förefaller den vara.

Kurder som kommit till Syrien efter för­följelser i bland annat Turkiet under 1920-talet och deras ättlingar fick medborgar­skap i april 2011. Undantagstillståndet som infördes 27 september 1958 upphävdes 21 april 2011 och i samband med detta avskaf­fades också Högsta domstolen för statens säkerhet och rätten till demonstrationer reglerades i lag. Arrangörer skall nu söka tillstånd hos inrikesministeriet med angi­vande av tid och demonstrationsväg. En demonstration är tillåten om den inte stör allmän ordning och inte har som syfte att hetsa mot andra grupper i samhället. Kommittén mot korruption bildades femte maj 2011 med domaren Mohammad al-Ghafri som ordförande och ny lag om yttrande- och tryckfrihet är under utarbe­tande.

Det finns många partier utöver det ledande Baath,också sådana som inte ingår i regeringskoalitionen al-Jabha al-Wataniya al-Taqaddumiya (Progressiva Nationella Fronten) som bildades med Baathpartiet som dominerande kraft 1972. Muslimska brödraskapet ärförbjudet. Nu finns beslut om att utarbeta en lag om rätten att bilda nya partier.

l syrisk tv, statlig och privat, visas många och stora begravningståg. De nedskjutna poliserna och soldaterna kommer från småorter runt om i landet och kistorna transporterasfrån Daraa, Lattakia.Baniyas och Horns till deras hemstad eller -by. Hustrur och barn, släktingar och vänner uttalar sig. Att dessa individer skjutits kan omojligt vara lögn. l Syrien är en begrav-ning inte något för en liten anonym kärnfamilj av sörjande utan en social angelä­genhet för hela kvarteret, byn, stammen. Så vilka ar det som skjuter poliser och soldater? Bekanta från Baniyas säger över telefon apropå vad som händer i den lilla industristaden vid kusten att „vi vet inte vilka de är, de kommer hit med på motorcykel och är svartmaskerade“. På internationell tv ser vi filmsnuttar med motorcykelgäng som kommer tre, fyra cyklar i bredd skanderande "Allah akbar". Okej, säger de syriska muslimer vi talar rned om saken, okej, "Gud är stor", visst, självklart, men vada, vad vill de säga med det i det här sammanhanget?

Områdets centrala roll för handel mel­lan östra och västra delen av euroasien och Medelhavsområdet och för skiftande imperiers intresse sedan 2ooo-talet f. Kr. har gett Syrien en mosaik av trosbekän-nare och etniska minoriteter, även om en majoritet i dag betecknar sig som araber med en familjebakgrund i sunnitisk islam. Syrien har vidare tagit emot flyktingar från de mest skiftande etniska grupper och trosriktningarfrån åtminstone noo-talet och hit flydde närmare två miljoner sekulara, kristna, shHter och sunniter från Irak undan de politiska och sekteris-tiska förföljelserna efter ockupationen 2003. l detta land är det inte lovande att Facebookgruppen "Den Syriska revolutio-nen"och andra liknande aktörer laddar upp filmer där demonstranterna skanderar till exempel:

Bidna nihki å al-makshof, alawiyyah

ma bidna nshof= vi vill tala öppet:

alawiter vill vi inte se. la Iil-Shi'a la li-Hizbullah bidna sunni

yurufallan = nej till shiiterna, nej

till Hizbullah, vi vill ha en sunni som

erkänner Gud.

och andra sekteristiska slagord men inte för fram ett enda konkret politiskt eller ekonomiskt krav.

Den som är född i en drusisk familj bor känna sig tveksam till den religiöse leda­ren Salafi shaykh abd al-Salam al-Khalili i al-Hrayk (i länet Dara'a), som ligger strax väster om ett område där det bor många druser. l filmsnuttar på nätet hävdar han nu att regeringen öppnat tre skolor i Daraa till vilka de hämtat drusiska kvinnor som visat nakenhet för att sprida otukt och prostitution.

Drusiska kvinnor höljer sig ju inte i svart tyg från huvud till fotabjälle och har inte svarta hellånga handskar. Och shayken passar på att misskreditera Sultan al-Atrash som ledde det syriska upproret 1925-1927 mot franska ockupanter, detta eftersom han var drus.

Vår taxichaufför som ville hinna hem till fredagsbönen i kvartersmoskén i Deir ez-Zur den 29 april var bekymrad över agitationen. "Fredag skall ju vara Salaam, fred" sade han (och en barnfödd svensk med protestantisk bakgrund får tänka sig ledig söndag med litet eftertanke i kyrkan följt av lättsamt småprat med vänner och bekanta på kyrkbacken ). "Men nu är det inte så, efter predikan är det alltid en tre, fyra stycken som agiterar for att vi skall dra ut på gatorna. Man skall inte använda moskén på det sättet,"

Stadsdelen Salihiye i Damaskus klättrar upp mot berget Oassioun. Hanbalitiska flyktingar fick en fristad här från det korsfararockuperade Jerusalem 1159, liksom flyktingar från Harran (norra Mesopotamien) undan mongolerna sent i2oo-tal, muslimska flyktingar kom hit från Kreta 1895-1911 och kurder kom under slu­tet av 1800-talet. Här ligger gömda juveler av medeltida religiös arkitektur.

När det i nyhetssändningar talas om att "demonstrationerna har nu spridit sig till Damaskus" kan detta vara en stadsdel som avses. En vän som bor däruppe berät­tade söndagen 24 april att en salafitisk predikant är aktiv i området och att han fått ihop några tiotals som tågat, ropandes "Allah akbar"ocb att några av deltagarna var beväpnade och sköt i luften.

Abd al-Halim Khaddam var Syriens vice­president fram till år 2000 och uteslöts ur Baath-partiet år 2006. Nu bor han i Paris. Han samarbetar politiskt med den saudis-ke välbeställde prinsen Bandar bin Sultan, chef för saudiska säkerhetsrådet och finan-grupp av fanatiska sunnisekterister som försökte ta över det palestinska flykting­lägret Nahr al-Barid i Libanon 2007, ett år efter Israels militära angrepp på landet.

l den Londonbaserade dagstidningen Asharq al-Awsat den 16 maj får abd al-Halim Khaddam, frågan: Vill du ha ett mili­tärt angrepp mot Syrien liknande det mot Libyen? Och han svarar: Instämmer, det är vad vi vill.

Men det alla dem vi talade med ville, var att slippa en situation likt den i Irak eller Libyen.

Artikeln publicerades i Folket i Bild, nr 5,  2011


Afghanistanwoche in Stockholm


Einar Schlereth

Am 6. Oktober fand ein Seminar unter dem Titel 'Krigets ansikte/krigets offer' (Das Gesicht des Krieges/das Gesicht der Opfer) statt mit Pratap Chatterjee von CorpWatch und Jesper Huor (Autor von 'Warten auf die Talibanen'). Julian Asange hatte leider abgesagt, da er zu sehr mit der Auflage von tausenden weiterer Dokumente zum Irakkrieg beschäftigt sei.
Sowohl Chatterjee als auch Huor hatten recht konservative Auffassungen über diese Katastrophe. Dies zeigte sich u.a. darin, dass sie nicht einmal das Wort Widerstand benutzten, sondern den Pentagon-Jargon von 'Terroristen' und 'Talibanen' benutzten. Afghanistan sei "ein Schauplatz von Streitigkeiten zwischen Großmächten und Fanatikern“ etwa – jaha, wie es dazu kam, darüber schwiegen sich die beiden Herren aus. Was die Großmächte dort zu suchen hatten, wurde allenfalls am Rande erwähnt.
Auch die Schilderung afghanischer Frauen war außerordentlich einseitig. Und natürlich kam die obligatorische Frage: „Was passiert mit den Frauen und Mädchen, wenn wir abziehen?“ In Anbetracht der unzähligen Morde und Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen ist diese Frage geradezu obszön. Jedenfalls konnten sich anwesende afghanische Frauen nicht mit dem von ihnen gezeichnetem Bild identifizieren. Auch nicht mit der Aussage von Chatterjee, dass die Amerikaner ja auch einiges 'Gutes getan hätten'. Naja, er meinte wohl, dass sie Karzai und seinen Kumpanen die Taschen gefüllt haben.
Entsprechend verlief auch der Abend am Donnerstag mit Jesper Huor, als er sein Buch 'Warten auf die Talibanen' vorstellte.

Die Uraufführung des afghanischen Films 'Erde und Asche'
am 8. Oktober war hingegen ein Ereignis, von dem alle Anwesenden – insbesondere die Afghanen – ergriffen wurden. Die strenge, extrem karge Landschaft im Norden des Landes, die ruhige Kameraführung, das schöne, abgezehrte Gesicht des alten Mannes, der sich auf die Suche seines Sohnes macht und als einzige 'action' plötzliche Explosionen von Bomben oder Tretminen sagen mehr über den Zustand des Landes und die Lage seiner Bewohner aus als die Berichte der Medien, mit denen wir abgespeist werden.
Dem Film liegt der Roman 'Stein der Geduld' von Atiq Rahimi zugrunde, der in Frankreich den Goncourtpreis gewann.
Am 9. Oktober 2010 fand zum Abschluß der Woche die Demonstration statt, an der ca. 300 Menschen teilnahmen.

Bild: fotolasse


Dienstag, 12. Oktober 2010

Hier habe ich eine story gefunden, in der dieselben Fragen gestellt werden, die ich mir am ersten Tag nach den Ereignissen gestellt habe.
Här har jag hittat en story där samma frågor ställs som jag ställde mig redan första dagen efter händelserna.
Jag prövar mig fram här - förlåt om det blir lite rörig till en början. Jag ville ha två sidor - en på svenska och den andra på tyska - men vet ännu inte hur man gör.

Sagan om de två tornen
av Hans Berggren

I en av världens största städer fanns en gång två av dess allra högsta byggnader. De hade stått där i många år, i ur och skur, och hade säkert kunnat stå kvar i 500 år till.

Det var bara ett problem med de gigantiska skyskraporna, att de var isolerade med asbest och att det pga miljölagarna skulle bli dyrt för att inte säga ekonomiskt ogörligt att renovera eller riva dem. Ägaren, stadens hamnstyrelse, beslöt sälja. In klev en man vid namn Larry som med sina värdefulla bankkontakters hjälp köpte hela rasket för en i sammanhanget billig penning, försäkrade fastigheterna för betydligt mer astronomiska belopp mot bl a "terrorattacker" och satte sig och åt frukost på restaurangen högst upp i det ena tornet, en vana han lade sig till med vid köpet och inte bröt förrän några månader senare, samma morgon tornen föll: då hade Larry tid hos hudläkaren.

Larry har sedan dess fått ut 4,7 miljarder dollar på sin försäkring men hoppas på det dubbla eftersom terrorattackerna ju var två! Hur mycket han sen dess kan ha tjänat på följderna av dem, som krigen mot Iraks och Afghanistans folk, vet man inte, men där har vi en man som tveklöst har mångdubblat sin förmögenhet på händelserna den 11 september. Och han är långtifrån ensam. Men eftersom han heter Silverstein i efternamn är han naturligtvis oskyldig till allt, har inte konspirerat eller haft vetskap i förväg om vad som skulle hända. Han ska helst inte ens nämnas. Men med alla dessa för hans del så tursamma tillfälligheter borde han ju vara misstänkt? Eller hur?

Att låta någon som uppenbart har tjänat miljarder på ett massmord segla vidare som om ingenting har hänt därför att han kan ha haft släktingar som dog i Förintelsen för snart 70 år sedan, det anser jag verkligen är att underblåsa den antisemitism som är staten Israels livsluft och enda existensberättigande. Allas likhet inför lagen är en förutsättning för ett demokratiskt samhälle, men här ser vi ett flagrant exempel på något helt annat, nämligen att "somliga djur är mer jämlika än andra", som George Orwell skriver i Djurfarmen.

Till skillnad från det magiska flygbränslet som smälter ner 400 meter höga stålpelare till sjöar av smält stål på ett par timmar och pulvriserar hundratusentals ton betong till damm på sekunder, de fanatiska självmordspiloterna "som inte tränat landning" men ändå gör sådana otroliga flyguppvisningar när det verkligen gäller, plus tusen andra befängdheter i den officiella sagan om de två tornen, kan det ovanstående om Larrys sanslösa tur styrkas på varje punkt.

Därmed inte sagt att "det var judarna", däremot att många stenrika amerikanska nykonservativa och sionister, kristna såväl som judar, oljebolag, mediamoguler, krigsindustri, knarkkarteller, bankirer och kapitalister i allmänhet har skott sig furstligt på "kriget mot terrorn". Ju mer kaos desto mer kan man roffa åt sig. Och bin Ladens byggkonsortium får förstås massor med jobb med återuppbyggnaden.

Dag och natt i över nio år har vi nu itutats den officiella versionen, att det var de som enbart har förlorat på nidingsdåden, dvs "islamistiska fundamentalister", som låg bakom. Nu utrotas hela folk med ohyggliga vapen, från vit fosfor och fjärrstyrda bombplan till DU-vapen, utarmat uran som hotar allt liv på jorden, under den lika vettlösa som aldrig klart uttalade förevändningen att de är lömska muslimer som gömmer Usama bin Laden, förfogar över massförstörelsevapen eller tänker skaffa sig atombomber och därmed automatiskt skulle ha något med terrordåden den 11 sepember att göra.

Det är hög tid för en internationell, oberoende brottsutredning av fakta i fallet, en granskning av byggnadstekniska orimligheter såväl som finansiella insiderbrott, och att återigen ställa den fråga som borde ha ställts från början: "Cui bono?"

Den enda procent av Amerikas befolkning som äger mer än de fattigaste 95 procenten tillsammans och dikterar den amerikanska politiken oavsett presidentens partifärg tillhör förvisso de stora vinnarna på krigen som rättfärdigats med lögnerna som trummats i oss sedan 2001.

Jag ser sagan om de två tornen som en symbolisk snöpning av hela det demokratiska projektet för en förnuftigare, fredligare, rimligare och rättvisare värld. En maktdemonstration. En varning att det är farligt att tänka själv. Allt ifrågasättande, all fri debatt, all yttrandefrihet har tagit mycket stryk av den "supermakt" som säger sig vilja skydda vår "frihet" (dvs kapitalets) samtidigt som den skrotar rättssamhället och begår de ohyggligaste brott mot mänskligheten, inför tolkningsmonopol på verkligheten och påbjuder allmän konsensustrans.

Nog har storebror visat sin makt så det förslår... Ändå är han en alltmer alienerad koloss på lerfötter. Skuldsatt, paranoid, sjuk och beväpnad till tänderna. Häromdagen troppade USA:s och 30 andra länders delegationer ut från FN:s generalförsamling med djupt kränkta miner därför att Irans president Ahmadinejad påpekade en del av det ovanstående.

Det betyder inte att "världssamfundet" fördömer hans åsikter, ty världssamfundet är inte bara USA, EU och Israel. Det betyder att ledamöter från mer än 150 nationer hellre ville höra vad han hade att säga än sälla sig till fårskocken. Vad FoxNews, CNN och BBC vill att vi ska tro vet vi ju ändå.

Och vad Washington, London och Tel Aviv är kapabla till ifråga om aggressioner mot folk som inte hotar något annat än deras självtagna rätt att suga ut och ödelägga allt i sin väg, det vet man överallt i världen utanför Nordamerika och Europa.

Hans Berggren, Översättare, musiker.
http://www.sourze.se/Sagan_om_de_tv%c3%a5_tornen_10724707.asp