Donnerstag, 24. März 2016

Die falsche Art Sieg oder der US-Papiertiger


Dmitri Orlow
19. März 2016

Aus dem Englischen: Einar Schlereth


Man hört viel über die Tatsache, dass die USA mehr für ihre Armee ausgibt als die meisten anderen Länder zusammen. Das wird gewöhnlich als Beweis angeführt, dass die USA militärisch mächtiger ist – vielleicht so mächtig, dass sie es mit dem Rest des Planeten aufnehmen und siegen könnte. Das finde ich höchst zweifelhaft. Wenn wir uns anschauen, was für eine Art „Verteidigung“ sie haben, wofür sie Geld ausgeben und was sie an militärischen Fähigkeiten erhalten, dann taucht ein ganz anderes Bild auf: ein durch und durch korrupter tölpelhafter Leviathan, der seine eigene Absicht bei jedem Schritt vereitelt.

Als erstes, relative militärische Stärke auf Basis der Menge der Militärausgaben zu ermitteln, ähnelt einer Pferdewette auf Basis der Menge, die ein Pferd frisst. Sicher, Pferde müssen fressen, aber ein Pferd, das 10 mal mehr als andere frisst, wird sicher nicht siegen, weil mit ihm etwas Ernsthaftes  nicht stimmt.

Dann muss man den Fakt berücksichtigen, dass ein Dollar für die US-Armee ausgegeben nicht direkt dem Wert eines Dollars in Rubel oder Yuan in China oder Russland entspricht, was die Kaufkraft angeht. Da kann die Ratio 5 zu 1 oder sogar    10 : 1 sein. Wenn Russland 10 mal mehr für den Dollar bekommt, dann ist die Annahme einer angeblichen Überlegenheit der US-Armee dahin.

Dann dürfen wir nicht die Tatsache übersehen, dass die US-Armee andere Ziele als der Rest der Armeen in der Welt hat: ihr Aufgabe ist in erster Linie offensiv statt defensiv. Die US-Armee strebt danach, den ganzen Planeten zu beherrschen und zu unterjochen, während alle anderen einfach versuchen, ihr Territorium zu verteidigen, und ein paar Länder auch versuchen, die US-Ambition, den Planeten zu beherrschen und zu unterwerfen, zu vereiteln.

Im allgemeinen ist deren Ambition unrealistisch. Es spielt keine Rolle, wieviel Geld sie ausgeben, sie zu erreichen. Genauer, es ist viel billiger, etwas zu zerschlagen als etwas zum Funktionieren zu bringen. Und die US-Armee, egal wieviel Geld man hineingesteck, kann auf billige Weise neutralisiert werden. Z. B. ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse kostet etwa 5 Mrd. $, während eine russische Kaliber-Rakete, von einem Fischerboot aus 1200 km Entfernung abgeschossen, ihn vollständig zerstört, aber nur 1.2 Mill. das Stück kostet. Um die Zahlen in Perspektive zu setzen: Russland kann die ganze US-Flugzeugträgerflotte auslöschen, ohne sein Budget für Militärübungen im Jahr zu überschreiten.

Wenn das US-Militär-Establishment Geld hauptsächlich für eitle Projekte und teure technologische Weiße Elephanten ausgibt, dann spielt das alles keine Rolle, und das kann sehr wohl der Fall sein. Schaut euch doch nur mal an, wofür die USA tatsächlich ihre Dollars ausgibt:


* Sie gibt es für Militärbasen in der ganzen Welt aus – hunderte. Wozu dienen sie eigentlich? Was erreichen sie mit ihrer Präsenz? Keiner weiß es. Es ist alles Teil der US-Armee „Aktivität“: Bestimmen und Antworten auf “Drohungen“, von denen die meisten rein theoretisch sind. Es scheint, sie haben einen irrationalen Zwang, keinen Flecken auf der Erde ohne eine Militärbasis zu lassen. Es ist reine Verschwendung.

* Sie gibt es für eine Menge Flugzeugträger aus. Die sind sehr nützlich, um Angriffe auf wehrlose Länder auszuführen. Aber es ist sehr wichtig, diese Dinger außerhalb der Konflikt -Zonen zu halten, zu denen vielleicht China oder Russland gehören oder sogar Iran, weil jedes dieser Länder kosten-effektive Methoden hat, einen Flugzeugträger zu zerstören: Interkontinental-Raketen, Überschall-Raketen und Überschall-Torpedos. Die ganze Flugzeugträgerflotte ist obsolet – eine weitere enorme Geldverschwendung.

* Sie gibt es für das integrale Marine-Kampfsystem Aegis aus, das als supermodern angesehen wird und auf einer Reihe von Kreuzern und Zerstörern installiert wurde. Aber es gibt da nur ein Problem: es kann leicht ausgeschaltet werden, wie Russland gezeigt hat. Ein Jetfighter mit einem Korb voller elektronischer Ausrüstung an Gegenmaßnahmen, Khibiny genannt, wurde benutzt, um Aegis abzuschalten. Der Jet (der ansonsten unbewaffnet war) führte dann ein Dutzend Schein-Bombenangriffe auf das wehrlose US-Kriegsschiff aus.

* Es gibt es für katastrophale Entwicklungsprogramme verschiedenster Art aus. Ein klassisches Beispiel ist Ronald Reagans Strategische Verteidigungs-Initiative oder auch „Star Wars“. Sie brachte niemals ein strategisch einsetzbares Ergebnis. Ein weiteres gutes Beispiel ist der F-35 Joint Strike Fighter, den zu entwickeln mehr als 1 Billion Dollar kostete. Er soll angeblich für eine Menge Aufgaben nützlich sein, war aber ineffektiv bei allen.

Diese Liste kann ad infinitum fortgesetzt werden, aber schon diese Beispiele machen ein Grundprinzip klar: Geld für Dinge auszugeben, die nicht funktionieren, macht die US-Armee militärisch nicht stärker.

Als nächstes kann man sich ansehen, auf welche Weise die USA ihr Geld für Verteidigung ausgibt. Sie gibt es an Vertrags-Unternehmen, die Aktien-Gesellschaften sind – und sehr profitabel. Diese Kontraktoren sind nicht in erster Linie daran interessiert, Werte im Sinne von Verteidigungskraft zu liefern sondern Profite für ihre Aktienbesitzer. Das ist das erklärte Ziel aller AGs. Daher kann man ruhig ein Drittel aller Gelder für Verteidigung für Profite abschreiben: dieses Geld kann eine Menge Nester polstern, aber kein militärisches.

Dann muss man auch beachten, dass eine Menge Geld schlicht gestohlen ist. Das Pentagon ist seit Jahrzehnten nicht geprüft worden und die unbelegten Summen gehen in die Milliarden. Eine Menge Gelder werden für eine Reihe von Zwecken recycelt wie Wahlkampagnen von Kongress-Mitgliedern, die dann garantiert für mehr Geld für die Armee stimmen. Eine andere raffinierte Maßnahme ist, dass Armee-Kontrakt-Firmen irrsinnige Summen an Beraterhonoraren für Generäle i. R. zahlen, was wirklich eine Form von verzögerter Kompensation ist: diese Offiziere arbeiten während ihrer ganzen Karriere für die Kontraktfirmen, werden aber erst nach ihrer Pensionierung bezahlt. Niemand weiß, wieviel Verteidigungsgelder abgesahnt werden durch derlei korrupte Intrigen, aber sehr wahrscheinlich ist das Armee-Establishment die größte Korruptionshöhle, die es je auf Erden gab.

Das bisschen Geld, das am Ende für die Entwicklung von nützlichen Verteidigungs-Systemen ausgegeben wird, stößt auf ein weiteres Problem: Mangel an Gehirnen. Man sieht, dass die USA seit Generationen in Wissenschaft und Mathematik zurückbleibt, wie in allen Bereichen. Es gibt ein paar ausgezeichnete Unis und Institute, die technische Spitzenkräfte hervorbringen, die meisten davon Ausländer. Auf der Ebene von Akademikern in Wissenschaft und Konstruktionswesen sind Amerikaner eine kleine Minderheit. Nun, das hat in vielen technischen Bereichen keine Bedeutung, wo es in den USA allgemeine Praxis ist, ausländische Spezialisten anzuheuern. Aber die Verteidigung ist speziell: sie erfodert einheimische Talente, sonst fehlt einfach das Zugehörigkeitsgefühl und die Moral, überragende Arbeit zu leisten. Daher werden die Armee-Kontraktoren mit einheimischen Dummköpfen besetzt, die keinen Job bekommen konnten, der nicht mit Verteidigung zu tun hatte. Auf der anderen Seite ist das Verteidigungsministerium ebenfalls mit Schwachköpfen besetzt: mit Kaffe gedopte Fitness-Freaks, die herumrennen und stark beschäftigt aussehen, die auf die nächste Beförderung warten, niemals ihren Vorgesetzten widersprechen, nie ihre Befehle in Frage stellen, egal wie idiotisch sie sind, und nie zu tief nachdenken. Was kann ein solches System erreichen? Desaster, sonst nix.

Das Ergebnis ist also: eine lange Reihe von totalen militärischen Desastern. Die USA waren an einer langen Reihe von Kriegen gegen sehr schwache Gegner beteiligt, in denen sie in der Lage waren zu zerstören mit einer enormen Menge an Kollateralschäden und sehr eindrucksvollen, nicht beabsichtigten Konsequenzen wie dem Auftauchen des IS/Daesh/Islamisches Kalifates und sonst nichts [Hier irrt Orlow, denn die IS ist bewusst geplant worden. Die Beweislast ist erdrückend. D. Ü.].

Doch waren sie völlig unfähig, Frieden herzustellen. Letztlich ist das Ziel aller militärischen Missionen die Beendigung der Feindseligkeiten zu günstigen Bedingungen. Wenn das nicht erreicht werden kann, dann ist die Militär-Aktion schlimmer als nutzlos. Hat sie das in irgendeinem der Länder, wo sie intervenierten, erreicht – Afghanistan, Irak, Libyen, Jemen, Syrien, der Ukraine? Nein, gewiss nicht.

Das US-Verteidugungs-Establishment kann nur in einem Bereich als siegreich angesehen werden: es hat das Volk der USA erobert und unterworfen und presst aus ihm einen enormen Tribut. Es ist rein parasitär und erfüllt keinen Zweck.

Es sollte aufgelöst werden. Verteidigung gegen Nachbarn? Die Nationalgarde von Texas könnte es gut mit der Bundespolizei Mexikos aufnehmen, falls Mexiko beschließen sollte, eine militärische Rückeroberung zu wagen, was unwahrscheinlich ist, da die demographische Reconquista so gut läuft. Auf der anderen Seite braucht die nördliche Grenze keinen Schutz, da es unverstellbar ist, dass Kanada jemals eine militätische Bedrohung darstellt.

Natürlich gibt es eine Alternative zur freiwilligen Auflösung der US-Armee: eine gründliche, erniedrignde Niederlage durch kluge, kosten-bewusste Gegner. Doch der Plan ist mit der großen Gefahr der Auslösung eines Atomkrieges belastet. Daher sollten Amerikaner an der Spitze, die besorgt sind, dass eine Atomexplosion mit ihren persönlichen Plänen für ein langes Leben kollidieren könnte, über die freiwilige Auflösung gut nachdenken.

PS: Manche Leute finden vielleicht meine Kritik und Vorschläge „unpatriotisch“, weil wir alle „unsere Truppen unterstützen“ sollten. Aber seid versichert, dass dies nichts mit den Truppen zu tun hat: Sie müssen keine Auftrags-Beschaffung machen und sie können sich ihre Missionen nicht aussuchen. Was den Patriotismus angeht, so ist es die patriotische Pflicht jedes Soldarten, dem Volk zu dienen und es zu verteidigen, nicht umgekehrt. Aber wenn ihr ein Patriot sein wollt, dann könnt ihr auch dem Volk dienen und es verteidigen, besonders die Soldaten (denn vergesst nicht, dass sie auch Menschen sind), indem ihr sie nachhause holt und ihnen zivile Jobs gebt, damit sie was Nützliches tun oder zumindest etwas, was nicht der übrigen Welt schadet oder den Finanzen, der Umwelt, Gesundheit, dem Ruf oder der Sicherheit des eigenen Landes.


Dmitri Orlow wurde in Leningrad geboren und emigrierte in den 1970-ern in die USA. Er ist Autor von 'Reinventing Collapse', 'Hold Your Applause!' und 'Absolutely Positive'. Und er publiziert wöchentlich auf dem phänomenal beliebten Blog www.ClubOrlov.com


Quelle - källa - source




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