Samstag, 6. Juli 2019

Warum ich nicht Russland hasse?


George Ades

2. Juli 2019


Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Wilde Natur und alte Kultur
Ich bin geboren und aufgewachsen auf der kleinen Mittelmeerinsel Zypern, die selbst heute noch keine Million Einwohner hat. Zypern wird als fest in der westlichen Einflusssphäre verankert angesehen. Es war von 1878 bis 1959 Britische Kolonie und gewann seine Unabhängigkeit durch einen bewaffneten Kampf gegen die britische Regierung, der vier Jahre dauerte, die Probleme hatte, ihn einen «Terroristen-Aufstand» zu nennen, obwohl nie ein britischer Zivilist ums Leben kam.

Die ersten Jahre meines Lebens verliefen unter britischer Herrschaft - mein britisches Geburtsdokument hatte ein britisches Kolonial-Siegel. Und meine früheste Erinnerung ist, wie ich als Kleinkind mit Gewalt ergriffen und von einem britischen Soldaten durch ein Fenster geworfen wurde, als ich in unserem Hof spielte, als sie mal wieder eins der häufigen Ausgangsverbote erlassen hatten.

Zur Zeit, als die östlichen europäischen Länder durch die Unterdrückung der früheren Sowjetunion mit ihren kostenlosen Wohnungen, ihrer kostenlosen Gesundheits-Versorgung und freier Erziehung aller Ebenen für alle furchtbar litten, erzogen meine Eltern vier Kinder in zwei winzigen Zimmern, einer kleinen Küche und einer Außentoilette und kalter Dusche.

Unter der zivilisierten westlichen Herrschaft der Briten musste für die weiterführende Erziehung nach der Grundschule bezahlt werden, was sich damals die meisten Zyprioten nicht leisten konnten und wenn man krank wurde und kein Geld für den Doktor, dann braute man sich selbst etwas zusammen oder man starb. Höhere Schulen und Universitäten war etwas, wovon man hörte, die aber nicht in unserem Land existierten. Die Zyprioten, denen es gelang, eine Uni-Erziehung zu erhalten, waren entweder die Kinder reicher Leute oder solche, die ein freies Stipendium vom armen Griechenland oder der Sowjetunion erhielten. Nie wurde ein Stipendium den Zyprioten von England gegeben oder von den USA oder auch - so weit ich weiß - von irgendeinem anderen zivilisierten westlichen Land.


Republik Zypern (blau); rot ist das turkische Zypern
Als die Türkei 1974 Zypern invadierte, unterstützt sowohl von den USA als auch England, bedauerte ich die Tatsache, dass Russland, das uns gegenüber immer freundlich eingestellt war, es nicht verhindern konnte. Als ich älter und klüger wurde, wurde mir klar, dass das, was in Zypern passiert war, eindeutig eine westliche «heimische Angelegenheit» war, in die sich die Sowjetunion nicht einzumischen hatte. In der UNO hat die Sowjetunion und später gefolgt von Russland immer als eins der fünf permanenten Mitglieder des Sicherheitsrates unfehlbar die Position der legitimen zypriotischen Regierung vertreten und hat mehr als einmal die hinterhältigen Versuche der Briten, in der UNO Vorschriften einzubringen, die günstig für die Türkei und sie selber waren, verhindert. Bei einer Gelegenheit, als Zypern im Sicherheitsrat bis tief in die Nacht diskutiert wurde, hat der russische Botschafter, der den Verdacht hatte, dass die Briten uns über’s Ohr hauen wollten, einen jungen Diplomaten an seiner Stelle hinterlassen mit der Aufgabe, ihn zu wecken, während er eine Ruhepause einlege. Wie erwartet, versuchten die Briten etwas einzuschmuggeln, was nicht für Zypern günstig war; der russische Botschafter wurde alarmiert, er kam in die Kammer und verkündete: «Ich weiß nicht, was sie vorhaben, aber ich lege mein VETO ein und nun Gute Nacht.»

Später dann, nach der Invasion Zyperns durch die Türkei, hat Washington in seiner unendlichen Weisheit und unter Anwendung der «amerikanischen Werte», von denen wir so viel hören, ein Waffen-Embargo erlassen, nicht für den Aggressor, die Türkei, sondern für das Opfer, das Volk von Zypern. Die Sowjetunion, später gefolgt von Russland, hat es ignoriert und versorgte Zypern mit den notwendigen Mitteln, um sich zu verteidigen, worüber unsere westlichen «Freunde, Alliierten und Partner» sehr unglücklich waren.

Als die junge Republik Zypern Darlehen brauchte, um auf die Füße zu kommen, war es die Sowjetunion, gefolgt von Russland, die die günstigsten Zinsen anboten. Als uns unsere EU-Partner auf die Knie zwangen, ökonomisch vor sieben Jahren, hat Russland einseitig die Darlehensperiode für Zypern ausgeweitet und die Zinsen herabgesetzt, um uns Luft zum Atmen zu geben. Ich weiß, dass einige von euch, nach dem «Haken» suchten; ich kann euch versichern, dass ich lange und intensiv gesucht habe. Aber es gab keine Fußangeln, niemals bei der russischen Großzügigkeit und Solidarität. Wenn Zypern Russland erlaubt, in seinen Häfen anzulegen, um zu tanken und ihren Proviant aufzufüllen, ist es das Mindeste, was wir für unsere russischen Brüder tun können. Und es ist keine Höflichkeit, die wir allen erweisen.

Wir, die Griechen von sowohl dem Festland als auch von der Insel Zypern, sind niemals bedroht worden, erpresst, verraten, betrogen oder eingeschüchtert worden weder von der Sowjetunion noch von Russland.

Ich wünschte nur, ich könnte dasselbe sagen über die Behandlung, die wir von unseren westlichen «Freunden, Partnern und Alliierten» erfahren haben.
Quelle - källa - source


Kommentare:

  1. Ich denke es gibt kein einziges Land das behaupten könnte von der Sowjetunion oder Russland betrogen worden zu sein. Ich liebe auch Russland und seine Menschen und allen voran seine Staatsführung. Alles haben meine Hochachtung.

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    1. Nicht jedes Land denkt mit Sehnsucht an die jahrzehntelange Besatzung durch die Sowjetunion und betrachtete diese Zeit als Befreiung, aber das ist kein Grund, das heutige Russland zu hassen. Putin ist nicht Stalin, das heutige Russland nicht die Sowjetunion.

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    2. Ich bin in der DDR aufgewachsen, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft war eine sowjetische Kommandantur; meine Erinnerung daran ist ausnahmslos positiv, wir hatten dort Freunde, und es gab gegenseitige Besuche, ebenso bei unseren Verwandten im Berliner Raum; meine Tante hat in einer russischen Offziersschule Russische Sprache und Literatur studiert, anschließend lehrte sie als Russischlehrerin an der Schule; es herrschte eine große Disziplin unter den Militärs, keiner randalierte oder zog betrunken durch die Kneipen, wie das im westlichen Teil von US-Militärs an der Tagesordnung war; wenn hier versucht wird, von einer düsteren "Besatzungsmacht" zu faseln, so ist das schlicht gelogen und die übliche Propaganda; was Stalin anbetrifft und die Eimer voll Lügen und Müll über ihn ausgekippt werden, so ist Zeit, sich mal damit zu beschäftigen und zu informieren: "https://sascha313.wordpress.com/2018/09/14/stalin-lebt-in-den-kaempfen-der-proletarier-und-der-unterdrueckten-voelker-aller-laender-weiter/

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  2. Sehr gut, Rita. Die Leute brauchen ja nicht links oder gar Kommunisten zu sein, aber sie sollten doch wenigstens ein wenig Interesse haben, die Wahrheit zu erfahren. Und die könnten sie sich auch selbst zusammenbasteln, wenn sie mal überlegen, dass Stalin gerade wegen seiner ERFOLGE von den Kapitalisten erbittert gehasst wurde. Außerdem haben auch die Sozis eifrig zur Hetze beigetragen.

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    1. "dass Stalin gerade wegen seiner ERFOLGE von den Kapitalisten erbittert gehasst wurde." - so viel ich weiß wurde er massiv unterstützt, jedenfalls während des Krieges. Sogar enge Weggefährten verschwanden in den Gulags, etliche aus nichtigen Gründen zu unmenschlicher Zwangsarbeit verbannt, die Ukrainer verhungerten zu Millionen.
      Auch die baltischen Völker fühlten sich nicht befreit, warum wohl nicht? Weil das Leben unter fremder Besatzung so schön war?
      Aber Putin ist nicht Stalin und das heutige Russland nicht die Sowjetunion. Ich wünsche mir auch keine russische Besatzung, sondern freundschaftliche Zusammenarbeit, und das wünschen auch Putin und die Russen, denke ich.

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    2. Genau davon haben wir gesprochen, aber du fühlst dich nicht angesprochen, sondern betest eifrig nach, was die USA und ihre Medienmonopole vorbeten. Bloß nicht mal in ein alternatives Buch hineingucken - nein, nein, das ist giftig. Und noch stolz auf die eigene Blödheit sein!

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    3. "betest eifrig nach, was die USA und ihre Medienmonopole vorbeten." -keinesfalls,Einar, ich bin ein Fan von Putin und Befürworter einer Freundschaft mit Russland. Ich bin nur kein Fan von Stalin. Was schreiben den die "alternativen Bücher" zu Katyn, wo tausende polnische Offiziere und Intellektuelle erschossen wurden, immerhin die Verbündeten der Sowjetunion? Für dieses Verbrechen wurden dann deutsche Soldaten und Offiziere verurteilt,die nach schweren Folterungen das Verbrechen gestanden haben.
      Deine Eltern sind mitdirdamals auch vor den Russen geflüchtet,war das ein Fehler? Wenn sie es nicht getan hätten wär dein Leben damals schon zu Ende gewesen, wie das der meisten anderen Deutschen, die in Ostpreußen der Sowjetarmee in die Hände gerieten.
      Ehrenburg, Ilja (1891-1967), sowjetischer Propagandaminister unter Stalin:
      "Wir sagen nicht mehr Guten Morgen oder Gute Nacht: Wir sagen am Morgen: 'Töte den Deutschen' und am Abend: 'Töte den Deutschen'. Es geht hier nicht um Bücher, Liebe, Sterne, es gibt nur einen einzigen Gedanken: die Deutschen zu töten. Tötet sie alle. Sie zu begraben... Es gibt für uns nichts Schöneres als deutsche Leichen. Erschlagt den Deutschen! bittet die alte Mutter. Erschlagt den Deutschen, fleht das Kind. Deutsche sind keine Menschen. Deutsche sind einzellige lebende Kreaturen, seelenlose Mikroben, mit Maschinen, Waffen und Minenwerfern ausgerüstet. Wenn du einen Deutschen erschlagen hast, erschlage einen weiteren, es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen."

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    4. Lieber Freund, ich bin weder Fan von Stalin noch von Putin. Putin hat seine guten Seiten und seine schlechten. Dass er die Atomenergie fördert, ist ein Irrsinn, der noch viele Millionen Menschenleben fordern wird. Und seinen orthodoxen Glauben kann er sich auch an den Hut stecken und die Verehrung der
      Zarenbande ist geradezu widerlich. Der Zar hat noch kurz vor der Revolution die hungernden Massen, die zum Winterpalast strömten und um ein Stück Brot bettelten, zusammenkartätschen lassen. Und über Stalins Fehler habe ich genug geschrieben. Als wir flohen war ich erst 7 Jahre alt und hatte dazu also keine Meinung zu haben. Mir wäre auch nichts passiert, nur meinen Vater hätten sie aufgehängt, da er als ein Chefredakteur zu den Hetzern gegen Russland und für Krieg gehörte. Dass Stalin der Zerstückelung von Deutschland zustimmte und sich daran beteiligte, ist ein großer Fehler gewesen. Katyn hingegen ist seit langem widerlegt. Jetzt ist gerade ein Buch über Solschenizyn erschienen, in dem bewiesen wird, was er für ein Lügenbold gewesen ist und für seine Lügen über die "Gulags" einen Nobelpreis erhielt. Das kennst du nicht und liest es nicht und glaubst lieber, was das Pentagon und die CIA vorplappert. Und das kritisierte ich an dir.

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