Donnerstag, 30. August 2012

Südafrika: Die ANC-Führer stellen sich an die Seite der Weißen Minorität



Einar Schlereth
30. August 2012

Was ich am 20.08.12 hier schon geschrieben habe, bestätigt sich jetzt voll und ganz. Überschriften wie 'Schockierende Autopsie: Südafrikas Polizei schoss die fliehenden Streikenden in den Rücken' vom 28.08.12 oder 'ANC-Führer verbinden sich mit der Weißen Minorität, um sich selbst zu bereichern, während das Leben für die schwarze Majorität immer schwerer wird' vom 22.08.12 tauchen in den alternativen Medien auf.
Streikende versammeln sich am 27. August 2012
Zu diesem letzteren Artikel schrieb ein Kommentator: „Die Weißen hauen sich auf die Schenkel und sagen 'Seht ihr, als wir das gemacht haben, nannten sie uns Rassisten. Nun machen sie selbst es genauso. Hahaha.' Dass sie es genauso machen, ist richtig, aber Rassisten sind sie nicht, sondern ordinäre Kapitalisten resp. Kompradoren-Bourgeois, die überall mit den gleichen Mitteln gegen das Volk vorgehen, wenn ihre Pfründe bedroht sind. Deswegen schrieb ich auch im oben genannten Artikel: 'Die Regierung macht im Geist der Apartheid weiter.'

Die Schuld trägt eindeutig Nelson Mandela. Als er an die Macht kam, hatte er ein ungeheures Prestige. Es lag in seiner Hand, ob er den Staat grundlegend, d. h. revolutionär verändern oder alles beim Alten lassen würde. Er beließ alles beim alten. Statt Revolution kam die große 'Versöhnung'. Die gutmütigen Menschen verziehen den Weißen die jahrhundertelange Unterdrückung, die Auspeitschungen, die Folter, die Morde, die Plünderung der Reichtümer des Landes, den Diebstahl des besten Landes. Und selbst die größten Verbrecher durften ihr Land, ihre Gruben und Fabriken und Banken und alles, was sie zusammengestohlen hatten, behalten. Und dann hofften die Armen, dass sich alles ändern würde. Pustekuchen, nichts änderte sich, abgesehen von ein paar Schönheitsoperationen. Die Führer wurden Schwarze (doch nicht alle), die Polizei und Armee wurde 'eingeschwärzt', aber gedrillt wurden sie nach den Methoden und der Ideologie der Weißen.
Ein Mann spricht zu den Versammelten.

Ach wie liebten die Weißen den guten alten Nelson Mandela. Sie nannten ihn eine große Persönlichkeit. Was sie hintenherum über ihn sagten, wollen wir gar nicht erst wissen.
Es ist nicht anders als in Indien, Indonesien, Nigeria, in beinahe allen Kolonien gelaufen. Diese Länder 'durften' das alte kolonialistische Regierungsinstrument mitsamt dem Unterdrückungsapparat, seiner westlichen Rechtsprechung, das erbärmliche Erziehungssystem etc behalten, aber der Handel und vor allem die  Wirtschaft behielten die Weißen in der Hand. Sie verlegten häufig nur die Geschäftszentralen nach London, Paris oder New York (hier ist die Liste mit den größten Unternehmen Südafrikas).
Also mehr oder weniger alles beim Alten. Gewiss – eine schwarze Mittelschicht bildete sich heran, die versucht, so gut sie kann, sich der weißen Oberschicht anzugleichen. Aber die Hälfte der schwarzen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und ein Viertel sogar in absoluter Armut (siehe hier).
Nun hat sich also herausgestellt, dass bei einem großen Streik in einem Platinbergwerk, bei dem die Arbeiter eine Aufstockung ihrer hundsmiserablen Löhne forderten, an die 40 Arbeiter hinterrücks erschossen wurden und an die 100 verwundet wurden. Ist das verwunderlich? Genau so machte man es in der Weimarer Republik unter den Sozialdemokraten, unter Hindenburg durfte Hitler gegen die Arbeiter wüten, wie er wollte (und später sowieso), unter allen US-Regierungen bis auf den heutigen Tag. Und dann kommen diese faulen Sprüche von Demonstrationen immer: Es kam zu Zusammenstößen. In 99 % aller Fälle 'kommt es nicht zu Zusammenstößen', sondern die Polizei oder ihre Agents provocateurs initiieren die Gewalt. Mit bloßen Händen greift man nicht bis an die Zähne bewaffnete Männer an, wenn man nicht ein Vollidiot ist. Das sollte jedem vernünftigen Menschen einsichtig sein.
Versammlung am Ort des Massakers

Natürlich wie immer, so auch hier, sagt die Polizei, sie sei von den Demonstranten angegriffen worden. Die hätten Knüppel und Pangas gehabt. Ja, die hatten sie gehabt, aber nur, um sich gegen gelbe Gewerkschaftler und Streikbrecher verteidigen zu können. Denn auch in Südafrika sind Gewerkschaftler und ganze Gewerkschaften kooptiert worden, d. h. die im Sinne der Regierung, im Sinne der Eigentümer der Unternehmen handeln. Jene internationalen Multis, die tonnenweise Südafrikas Gold und Diamanten, Platin und andere Edelmetalle nach wie vor ungestört außer Landes schaffen.
Im zweiten Artikel wird gefragt:
„Wieviele arme und unterdrückte Arbeiter müssen sterben, bevor die demokratisch gewählte ANC-Regierung ihre geerbte Apartheid-Polizei-Politik und Strategie ändert?“
Aber das ist die falsche Frage. Die richtige Frage stellt ein Kommentator:
„Man kann kein weißes rassistisches Unterdruckungssystem ändern, indem man ein paar schwarze Leute einsetzt, um es zu managen und umzusetzen … das ist der Betrug, in dem der African National CONgress [CON= Betrug groß geschrieben] gefangen ist … während er die Rassen-Statistiken zurechtbiegt, erlaubt er keine wirkliche Veränderung in der wirklichen ökonomischen Macht-Statistik, geschweige denn, dass eine dringend benötigte neue staatliche Politik und Ideologie geschaffen wird.“

Kommentare:

  1. Sorry to answer i English, but my German is so full of grammatical errors... I don't agree on blaming it all on Mandela. ANC is, and was, a collective body. No president can force a whole organization to act against its interests. And surely, Mandela didn't.

    The truth is, probably, that ANC was, and is, controlled by the black upper and middle class. And in a society which is now divided along the money line, there is no reason why it should support the poor.

    Under Apartheid, the black middle class hated the idea that they should forever be treated like the rubble. They demanded equality - with the white middle class. And they were quite happy to build a support for that aim among the poor.

    But when they had gott their suffrage rights, the aim was fulfilled, and the alliance with the poor vanished.

    Surprise? But it shouldn't be.

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  2. Jan, you are right, it's not alone his fault. But he has a big deal of fault - because he had the charism and respect of the masses - he could have changed the direction - not easily for certain. Maybe by a real revolution. But that would have cleaned the air.

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  3. Zu Jan Wiklund. Gerade lese ich, dass er verstorben ist. Das tut mir furchtbar leid, dass mir sein Kommentar entgangen ist. Und er hatte Recht.

    Just nu läser jag att Jan Wiklund har dött efter lång sjukdom. Jag är mycket ledsen att jag missade hans kommentar för han har ju rätt.

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