Mittwoch, 29. August 2012

Orwells 1984 Lösung, um Krieg zu kriminalisieren: 'Wenn es eine Hoffnung gibt, dann liegt sie bei den Proles'




Prof. James F. Tracy
26. August 2012

„Das größte Hindernis für Erkenntnis ist nicht die Unwissenheit – es ist die Illusion von Wissen.“
Daniel Boorstin


In George Orwells '1984' gehörten nur 13 Prozent der Bevölkerung zur Outer Party und sie waren Gegenstand von ideologischen Filtern vom Wahrheits-Ministerium und der umfassenden bürokratischen Struktur. Eine spezielle Sprache und Denkweise wurden strikt beachtet. Angesichts ihrer politischen Bedeutung waren die Mitglieder der Outer Party die am stärksten indoktrinierten und kontrollierten Bewohner von Ozeanien. Die Mehrheit der Proles der übrigen Bevölkerung hatte kaum Bedeutung, so lange ihr politisches Bewusstsein unterentwickelt war.
Zwar mussten die Mitglieder der Outer Party in 1984 härtere Bedingungen hinnehmen, aber sie entsprechen grob den gut-informierten, besser erzogenen Berufstätigen unserer Gesellschaft; jene, deren Pflicht es ist, der vorgefertigten Meinung anzuhängen, die in den großen, bestimmenden journalistischen Erzeugnissen wie der New York Times, Washington Post und dem nationalen öffentlichen Rundfunk bereitgehalten werden, die sorgfältig ausgewählt, bearbeitet und präsentiert werden. Derlei Informationen werden dann durch Schauspieler in zusammengefasster Form über Kabel und Fernsehen unter den Massen verbreitet.

Von ihren eigenen Qualifikationen getäuscht, umgeben von Gleichen, die ganz ähnlich die Wirklichkeit sehen und gestärkt durch die überwältigende Flut der Medien-Desinformation, ist das Gros der heutigen Profi-Klasse gleichgültig gegenüber 'Gerüchten' und 'Konspirations-Theorien', die allzu oft die heruntergekommenen Massen gefangennehmen – von unvernünftigem Verdacht bis zu mysteriösen Terroristenattacken und schlecht durchdachten Fragen zum verborgenen Hintergrund, der ihre Führer umgibt. Ähnlich wie die Experten-Beamten und die tonangebenden Medien suchen sie nach vorbereiteten Interpretationen der Welt, so dass die Wählerschaft der Klasse mit den herrschenden Ideen sich selbst als sehr gut informiert versteht und ähnlich desinteressiert und unberührt von grundlosen Leidenschaften ist.
Tatsächlich führt die Programierung, die notwendig ist, um solch einen Grad von Selbstsicherheit zu erreichen, zu einer Distanzierung von der Realität. Zum Beispiel war die Abneigung gegen den Krieg in den USA historisch gesehen immer am stärksten bei jenen, die der starken Indoktrinierung der Profiklasse entging, also den Leuten der Arbeiterklasse, die schlecht oder gar nicht ausgebildet waren. Wie der Historiker Howard Zinn beobachtete
In Meinungsuntersuchungen während des [Vietnam-Krieges] wurde unausweichlich gezeigt, dass Leute mit der höchsten Erziehung – Akademiker – die größten Anhänger des Krieges waren. Leute, die keine höhere Schule besucht hatten, waren diejenigen, die am entschiedensten gegen den Krieg waen. Dies ist überraschend, weil die meisten Leute glauben, dass die Anti-Kriegs- Bewegung aus Intellektuellen und Studenten und Professoren besteht. Während diese Leute zwar in der Anti-Kriegs-Bewegung am sichtbarsten waren, ist die öffentliche Meinung gegen den Krieg am stärksten konzentriert auf die am wenigsten gebildeten Klassen.“
Neue Meinungsumfragen deuten auf die dauerhafte Natur der Anti-Kriegs-Gefühle. Zum Beispiel hat eine kürzliche Umfrage des Pew Research Center for People and the Press ergeben, dass am 19. März 2011, eine Woche bevor Präsident Obama die NATO- Bombardierung von Libyen verkündete, 77 % der US-Öffentlichkeit gegen die Zerstörung der Luftverteidigung des Landes war. Umfragen ein Jahr später enthüllten, dass eine 62 %-Majorität gegen die NATO-Bombardierung syrischer Armee-Kräfte war, um die anti-Regierungsgruppen in Syrien zu schützen, „obwohl fast derselbe Prozentsatz (64 %) zugab, dass sie "wenig" oder „überhaupt nichts“ über „die jüngste politische Gewalt in Syrien“ gehört hätten.
Können wir mit Sicherheit schließen, dass eine Majorität der Bevölkerung trotz pausenloser Propaganda dennoch erkennt, dass Krieg das höchste Verbrechen ist und die größte Trennungslinie zwischen Herren und Sklaven ist? „Wenn es eine Hoffnung gibt, dann liegt sie bei den Proles“, schrieb Orwell, „weil nur dort, in diesen wimmelnden, missachteten Massen, fünfundachtzig Prozent der Bevölkerung Ozeaniens, jemals die Kraft entstehen könnte, um die PARTEI zu zerstören.“


James Tracy ist außerordentlicher Professor für Medienstudien an der Florida Atlantic Universität. Er blogt auf memorygap.org .

Quelle - källa - source 

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