Donnerstag, 7. Juni 2012

Von Vögeln, Flüssen und Gier

von Farooque Chowdhury

5. Juni 2012

Die Gier lässt keinen Raum für singende Vögel und murmelnde Bäche. Die Akkumulation zu maximieren, ist die treibende Kraft der Gier. Die Aneignung der Natur und die Arbeit sind der billigste Weg für die Gier zur Maximierung der Akkumulation.

Aber Vögel erhalten eine lebende Ökologie. Flüsse fließen derselben Aufgabe entgegen: das Leben zu erhalten.

Vögel und Flüsse sind auch für grausame Aneigner erforderlich, da die Gierhälse ihre Erhaltung lieben, und Vögel und Flüsse sind Teil des ökologischen Systems, das für die Lebenserhaltung notwendig ist. Aber sich nicht um Leben und Ökologie zu kümmern, nicht um Vögel, Flüsse, Luft und Boden, ist die Ironie der Aneignung. So geraten die Aneigner in direkten Konflikt mit der Ökologie.

Fakten aus beinahe allen Ländern, von der nördlichen bis zur südlichen Hemisphäre enthüllen den Trend: Attacke auf die Ökologie.

In Europa sind laut einer Pan-Europa-Untersuchung der gewöhnlichsten Vögel 36 Arten von Feldvögeln, wie Feldlerche und Wiesenpieper, zahlenmäßig zurückgegangen: von 600 Millionen auf 300 Millionen zwischen 1980 und 2009. England ist das Land, das am meisten unter Verlust an Feldvögeln leidet. Die von der EU erzwungene Agrarpolitik ist der Beschleuniger dieser Katastrophe. Die Zerstörung von Hecken, Feuchtgebieten und Wiesen hat zu diesem Vogel-Massaker „beigetragen“.

Was ist der „heilige“ Grund für diese Zerstörung? Es ist mehr und mehr und mehr Profit.

Ittefaq, eine führende Tageszeitung aus Bangladesh, berichtete am 24. Mai 2012: Industrieabfälle wie Abwässer und Rauch von 16 Walzwerken, 49 Ziegelstein-Öfen und anderen Industrien wie Zellstoff-, Düngemittel-, Textil-, Farb-, Batterie-, Gummi-, Plastikindustrie und hundert weiteren Betrieben bedrohen das Leben und die Arbeit von mehr als 300 000 Bewohnern von Roopganj, ein reines Industriegebiet nahe der Hauptstadt Dhaka. Die Bewohner fühlen sich bei der Luft und dem Wasser nicht gut. Es gibt auch Lärm-Verschmutzung. Die Abfälle werden in den Sitalakkhaa und Baaloo geleitet, zwei Flüsse, die das Gebiet durchqueren.

Diese beiden Fälle sind Teil eines Prozesses, einer aus einem fortschrittlichen kapitalistischen Land und ein anderer aus einem peripheren Land, sind keine isolierten Fakten. Die Medien in der ganzen Welt drucken tausende ähnlicher Nachrichten und Fakten, die die Beziehungen zwischen Wirtschaft und der Verunstaltung der Ökologie und der Umwelt enthüllen. Die heutige ökologische Krise bedroht alle Formen des Lebens auf Erden und bedarf keiner Erklärung. Selbst die Herren dieses fortlaufenden Ökozids – die Kapitalbesitzer – wagen nicht, öffentlich die Krise, ihre Sünde, zu leugnen.

Vor etwa zwei Jahren hieß es im Living Planet Report des WWF, der internationalen Organisation für Ökologie: Ein zweiter Planet wird 2030 nötig sein, um unsere Bedürfnisse zu decken, wenn die übermäßige Nutzung der Naturressourcen und die CO2-Verschmutzung kritisch geworden sind. Wenn alle Menschen dieser Welt Ressourcen in derselben pro-Kopf-Rate wie die USA oder die UAE (Vereinigte Arabische Emirate) benutzen, werden wir viereinhalb Planeten brauchen. Mehr als 70 Länder verbrauchen ihre Frischwasserquellen in einem alarmierenden, nicht-nachhaltigen Tempo. Etwa zwei Drittel dieser Länder haben mäßige bis ernste Wasserknappheit. 2007 lebten 6.8 Mrd. Menschen 50% über der Grenze der Nachhaltigkeit des Planeten. Der Bericht hob besonders die ökologische Kluft zwischen arm und reich hervor. Zwischen 1970 und 2007 zeigte der Index der Biovielfalt weltweit einen Niedergang von beinahe 30%. In den Tropen sogar alarmierende 60%.

Kein logisches Gehirn wird behaupten, dass die Akte unabhängig von dem ökonomischen System der Welt – dem Kapitalismus – sind. Joe Bageant, Autor des Buches über die Arbeiterklasse in Amerika 'Deer Hunting with Jesus: Dispatches from America's Class War' (Hirschjagd mi Jesus: Meldungen von Amerikas Klassenkampf), schreibt: „Von Anbeginn war der Kapitalismus immer Diebstahl am Lebensunterhalt des Volkes. Er war gezwungen zu dem ultimativen Diebstahl – dem abschließenden Plündern ihres Unterhalts – der Natur.“ („Our Plunder of Nature will End up Killing Capitalism and Our Obscene Lifestyles“, Countercurrents, July 13, 2010)

„Der Hauptzug des Kapitalismus ist die verführerische Versicherung, dass man etwas für nichts in dieser Welt bekommen kann.“ (ibid.) Die Besitzer dieses Systems, die Kapitalisten, fährt Joe fort, „hassen alle Art Kosten“. Sie, sagt er, „sind unbeeindruckt von der globalen Erwärmung oder dem Schmelzen der Poleiskappen oder dem Auftauchen der Gürteltiere aus dem US-Südwesten in Kanada oder den Hurrikanen, die jedes Jahr stärker und zahlreicher werden.“

Dies sind die Eliten, die die Umwelt in den Ländern und Kontinenten kontrollieren. „Bevor die Wirtschaft platzte“, laut Joe, „hatten diese Eliten knapp 80 Billionen Dollar. Nach dem Platzen und den Rettungspaketen betrug ihr gesamter Investitionsreichtum etwas mehr als 83 Bill. $. Um sich eine Vorstellung zu machen: das sind vier Jahre des Bruttoprodukts aller Menschen auf Erden.“

Diese massive Geldmacht hält die politische Macht im Griff. Da sie dieses unvorstellbare, monströse Geld-Politik -Macht-System besitzen, hinterlassen sie ihre Stiefelspuren in der Ökologie, die unumstößlich die Umwelt des Planeten verändert.

Dieses System, mit den Herren des Systems im Zentrum, versucht sein Bestes, den Profit zu maximieren und die Kosten zu minimieren, indem es die Arbeit an sich reisst, die Natur stiehlt, alles in seiner Reichweite schnappt und die Kosten der Allgemeinheit auferlegt. Verschmutzung, Zerstörung der Ökologie und Runinierung der Natur kriechen in den öffentlichen Bereich. Eine Angelegenheit der Menschheit.

Akte der Herren werden zu Verbrechen, Verbrechen gegen den Planeten, gegen die Nachwelt, gegen die Menschheit.

Die Führer des Welt-Zukunft-Rates sagten: „Dies sind Verbrechen gegen die Zukunft … Dies sind Verbrechen, die nicht nur künftige Generationen schädigen, sondern jede Zukunft überhaupt für Millionen Menschen.“

Der Rat forderte die Ernennung von „Ombudsmännern für die künftigen Generationen“, „Wächter, die auf globaler, nationaler und lokaler Ebene ernannt werden, deren Job es wäre, die umweltmäßigen und sozialen Bedingungen zu sichern, die mit Autorität für künftige Generationen sprechen auf allen Gebieten der Politik. Dies könnte in Form eines parlamentarischen Beauftragten, eines Wächters, eines Treuhänders oder eines Revisors sein, je nachdem, wie es am besten in die Regierungsstruktur eines Landes passt.“

Aber da gibt es Fragen: Inwieweit kann ein Ombudsmann handeln, wo die Machtstruktur, die ökonomische und politische Macht von, durch und für die Verschmutzer, die Diebe und Öko-Mörder gemacht ist? Wenn sie handeln können, warum können dann Umweltgesetze/Gerichte/ Ministerien/Inspektoren nicht handeln? Was passiert, wenn die Verschmutzer sich diesen vorgeschlagenen hehren Posten grabschen, wie es in Ländern schon durch Lobbies/Interessen/Gangs passiert ist? Was garantiert, dass die Beobachtungen/Edikte/Verdikte der vorgeschlagenen hehren Personen durchgesetzt werden? Gibt es nicht Instanzen, die alle grundlegenden, elementaren moralischen, ethischen, menschlichen, natürlichen, prinzipiellen Rechte/Praktiken/Konventionen/ Gesetze/Regeln in der ganzen Welt, in allen Ländern zertrampeln und vergewaltigen?

Aus ihrem Gefühl der Dringlichkeit klingt der Vorschlag der WFC-Führer nett, ist aber nicht machbar. Er ist fern aller Realität, der sozio-ökonomisch-umweltmäßigen-politischen Realität.

Was ist die Realität?

Eine Antwort wird geliefert von Fred Magdoff und John Bellamy Foster in ihrer bahnbrechenden Analyse 'What Every Environmentalist Needs to Know about Capitalism: A Citizen's Guide to Capitalism and the Environment' (Was jeder Umweltschützer wissen muss über den Kapitalismus: Ein Bürger-Führer zu Kapitalismus und Umwelt, 2011): Der Kapitalismus ist ein System, das sich ständig ausdehnen muss, ein System, das durch seine eigentliche Natur am Ende auf die Realität der endlichen Naturressourcen stoßen wird, ein System, abgestimmt auf expansionistisches Wachstum auf der Suche nach Profit, das unausweichlich die Grenzen der Erde überschreitet.

Durch seine eigentliche Natur ist das System gegen Ökologie und Umwelt, da seine Sorge nur Profit ist, sonst nichts. Für die Umwelt eintreten würde das ständig hungrige Sysem in Frage stellen.

Eine Milliarde Menschen in extreme Armut drücken und ein paar Leute bereichern, deren Konsum den Planeten bedroht, ist eine der großen „Beiträge“ des Systems. Außer den Hungrigen und Verhungerten gibt es die Energie-Armen, die Strom-Armen, die Wasser-Armen, die Informations-Armen, die Sicherheits-Armen, die armen Massen, der Ehre und Würde beraubt, und dann sind da die Nahrungs-Reichen, die Energie-Reichen, Strom-Reichen, die Wasser-Reichen, die Informations-Reichen, die Luxus-Reichen, die Macht- und Privilegien-Reichen, die Ressourcen-Reichen, die Konsum-Reichen, die wenigen Reichen, die alles kontrollieren.

Ungleichgewicht und Ungleichheit auf diesem Niveau kann nicht nachhaltig sein für die Umwelt und die Ökologie. Ersteres, Ungleichgewicht und Ungleichheit, ist linear, ständig in Ausdehnung begriffen, während letzteres, Umwelt und Ökologie, Vielfalt, Toleranz, Rücksicht, Ausgleich verlangt. Beachtung in Bezug auf Umwelt wird hohl und geschwätzig, wenn dieser Aspekt der politischen Ökonomie ignoriert wird.

Quelle - källa - source

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