Samstag, 1. Dezember 2012

'Mord nicht Selbstmord': Spanien erlebt eine 'humanitäre' Krise durch Zwangsräumungen


Michael Saba


22. November 2012
Demo während des Generalstreiks
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Während die Selbstmorde wegen Zwangsräumungen in Spanien steigen, werden die Proteste häufiger, die sich über die mangelnde Bereitschaft der Regierung, gegen die sozialen Übel einzugreifen, empören. Zwangsräumungen seien ein „humanitäres Anliegen“, sagte der Chef der Nationalbank gestern.

Der Gouverneur der Bank von Spanien, Luis Maria Linde, sagte, dass die zunehmende Zahl der Zwangsräumungen wegen finanzieller Probleme durch „soziale Initiativen“ bekämpft werden müssten. Die Zwangsräumungen haben mehr als 100 Menschen dazu getrieben, Selbstmord zu begehen. Und Massenproteste zu dieser Frage sind in Spanien jetzt an der Tagesordnung.
„Wir müssen dringend die sozialen Probleme in Angriff nehmen, aber das muss organisiert werden, doch das schaffen wir“, sagte Linde und fügte hinzu, dass die grundlegende Ursache der Krise der Mangel an Information und verlässlicher Statistik wäre.

Es hat zahlreiche Forderungen gegeben, die Hypotheken-Gesetze zu ändern, um Zwangsräumungen zu mildern und die zunehmende soziale Krise aufzufangen. Ein besonderes Ärgernis ist das Gesetz, das geräumte Personen zwingt, mit ihren Hyptotheken-Zahlungen fortzufahren, selbst nachdem sie aus ihren Wohnungen geflogen sind.

Der spanische Premier Mariono Rajoy verurteilte das Gesetz, das es zulässt, das „inhumane Situationen“ täglich passieren, aber die Regierung hat das Problem noch nicht in Angriff genommen.

Linde berührte die Frage und sagte, dass sie sehr „delikat“ sei. Er argumentierte, dass das wichtigste Problem sei sicherzustellen, dass das Hypotheken-System stabil bliebe, da es einer der Eckpfeiler des spanischen Bankensystems sei.

Etwa 500 Menschen werden täglich aus ihren Wohnungen geworfen in dem krisen-geschüttelten Land, was laut dem Blatt La Tercera eine 30 %-ige Zunahme zum vergangenen Jahr sei. In dem Bericht schätzte man, dass gegenwärtig ca. 2 Millionen Wohnungen in ganz Spanien leer stünden.

'Mord nicht Selbstmord'

Der Selbstmord der 53 Jahre alten Amalia Egaña – die aus dem vierten Stock ihres Mietshauses in den Tod sprang, nachdem sie die Räumungsklage wegen Versäumung ihrer Zahlungen erhalten hatte – hat vor zwei Wochen in ganz Spanien Empörung ausgelöst. Tausende Menschen sind im Baskenland auf die Straße gegangen, um gegen die Hypotheken-Gesetze zu demonstrieren. „Dies ist nicht Selbstmord, sondern Mord“ wurde gesungen. Und „Sie bekommen das Geld und wir die Toten“ und „Wir müssen dem finanziellen Terrorismus ein Ende bereiten“.
Fälle wie der von Egaña sind ein häufiges Ereignis in einem Land, wo die Arbeitslosigkeit 25 % erreicht hat und weiter ansteigt.

Ende Oktober gab es an drei aufeinander folgenden Tagen drei Selbstmorde wegen der Finanzkrise. In Gran Canaria sprang ein junger Mann von einer Brücke, nachdem er seine Arbeit verloren und eine Räumungsklage erhalten hatte. Ein 53 Jahre alter Vater küsste seine Tochter zum Abschied in Burjassot, bevor er aus dem zweiten Stock aus dem Fenster sprang. Und im Süden, in der Provinz Granada erhängte sich der 45-jährige José Miguel Domingo wenige Minuten, bevor der Gerichtsvollzieher kam, um ihn aus der Wohnung zu werfen.
Deswegen wird bei den Demonstrationen in ganz Spanien eine sofortige Reform der Hypotheken-Gesetze gefordert.

Quelle - källa - source

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