Dienstag, 29. Januar 2019

Abzug aus Afghanistan: Kulmination des längsten Krieges der USA


Nauman Sadiq

29. Januar 2019

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

US-Truppen seit 17 Jahren in Afghanistan
Am Samstag,,den 26. Januar berichtete Reuters [1], dass Taliban-Vertreter sagten, die US-Unterhändler stimmten einem Friedensvertrag-Entwurf zu, der den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afgjhanistan innerhalb von 18 Monaten vorsieht, womit potentiell der längste Krieg der USA beendet würde.

Die New York Times bestätigte am 28. Januar die Nachricht [2], dass der US-Chef-Unterhändler Zalmay Khalilzad erklärte, die US- und Taliban-Vertreter hätten im Prinzip dem Rahmenabkommen des Friedens-Deals zugestimmt, in dem die Aufständischen garantierten zu verhüten, dass afghanisches Territorium von Terroristen benutzt würde, was zum vollständigen Abzug der US-Truppen führen könnte im Gegenzug zu einem Waffenstillstand und Taliban-Gesprächen mit der afghanischen Regierung.

Außerdem tweetede Außenminister Mike Pompeo am Samstag: «Die USA verfolgt allen Ernstes Frieden und will verhüten, dass Afghanistan weiterhin ein Land für internationalen Terrorismus ist und will ihre Truppen nachhause holen,» doch lehnte er es ab, einen Zeitrahmen für den Abzug zu nennen.

Die Nachricht der Reduzierung der US-Truppen wird nach der nächsten Gesprächsrunde in der Hauptstadt von Katar, in Doha Ende Februar bekannt gegeben, wo Mullah Abdul Ghani Baradar, ein enger Genosse des verstorbenen Taliban-Führers Mulla Omar, die Taliban-Delegation leiten wird.

Baradar wurde im Oktober aus der Gefangenschaft des Pakistan-Geheimdienstes entlassen [3] und ihm wurde erlaubt, seine Familie in Afghanistan zu besuchen. Er wurde von einer gemeinsamen US-Pakistan-Operation in der südlichen Hafenstadt von Karachi 2010 gefangen. Seine Freilassung war eine langjährige Forderung der Afghanistan-Regierung, weil er als relativ moderater Taliban-Führer angesehen wird, der eine positive Rolle im Friedensprozess zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban spielen könnte.


Außer den Garantien der Taliban, in Afghanistan weder al-Qaida oder den Islamischen Staat Khorasan zuzulassen, haben die Taliban auch direkte Verhandlungen mit der US-gestützten Regierung geführt – die von den Taliban als US-Lakai angesehen wird und deshalb nicht anerkennen – über einen permanenten Waffenstillstand und die Bildung einer gegenseitig akzeptablen Interims-Regierung. Einige kleinere fragen, wie der Austausch und Freigabe von Gefangenen, die Beseitigung der Reisebeschränkungen für die Taliban-Führung und die Freigabe ihrer gesperrten Konten stehen ebenfalls auf der Agenda der Gespräche.

Obwohl sowohl Reuters und auch die New York Times die Nachricht von dem Abzug begrüßten als einen diplomatischen Sieg für Washington, da die Taliban einem Waffenstillstand zustimmten und Gespräche mit der Regierung von Afghanistan führen, wäre in Wirklichkeit der Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan ein strahlender Sieg der Taliban und eine der demütigendsten Niederlagen für Washington seit dem Fall von Saigon 1975. Denn außer der Zerstörung eines Landes mit dreißig Millionen Menschen, ist es Washington misslungen, irgendeins seiner Ziele zu erreichen, vor allem nicht das viel gerühmte imperialistische Projekt des «Nationalen Aufbaus» während der 17-jährigen Besatzung des Landes.

Bezüglich der Anwesenheit transnationaler Terroristen-Netzwerke ist der al-Qaida Chef Osama bin Laden ja bereits im Mai 2011 von einem US-Navy Seals Kommando getötet worden in dem Abbottabad Viertel in Pakistan und sein Vertreter, Ayman al-Zawahiri ist auf der Flucht. Außerdem beträgt die Zahl der al-Qaida Militanten in Afghanistan und Pakistan nur ein paar hundert und kann vernachlässigt werden.

Was den Islamischen Staat Khorasan angeht, so hat es kürzlich eine Reihe von ‘Töchtern’ im Nahen Osten, Nordafrika und Südasien gegeben, die aber keine
organisatorische oder operative Verbindung haben mit dem eigentlichen Islamischen Staat in Syrien und Irak. Mittlerweile fallen auch die Töchter in Afghanistan, Pakistan, Libyen und sogar Boko Haram in Nigeria unter die Rubrik Islamischer Staat.

Es ist verständlich, wenn Laien diese örtlichen Gruppen von Militanten mit dem Islamischen Staat in Syrien und Irak verwechseln, aber wie kommt es, dass die Polit-Analytiker in den Think tanks und den korporativen Medien-Terroristen-Experten, die genau wissen, wie oberflächlich diese Untnerscheidung ist, auch auf diese List reingefallen sind?

Können wir jeden zerlumpten Militanten dem Islamischen Staat zuordnen auf Basis ideologischer Affiniät und eines «Akkreditierungsbriefes» vom Abu Bakr al-Baghdadi aber ohne dessen Kommandostruktur und seine überlegenen Waffen, die von den Golf-Petro-Dollars bezahlt wurden?

Das westliche politische Establishment und ihre Lautsprecher, die MSM, gehen allzu gerne und bewusst auf solche Strategien ein, weil es der Angstmacherei bestimmter Kreise dient. Vor der Anerkennung der Islamischen Staat- Töchter in der Region hat der westliche MSM gleicherweise und «naiv» die al Qaida Töchter in der Region anerkannt, bloß auf Basis der Affinität ohne irgendwelche organisatorischen oder operativen Verbindungen mit der Al Qaida-Zentrale, wie al Qaida auf der arabischen Halbinsel, al Qaida im Irak und al Qaida im islamischen Maghreb.

Jüngste angebliche «Terror-Beteiligungen» des Islamische Staats in Afghanistan und Pakistan behaupteten eine Reihe von Bombenattentaten gegen Shi’a und Barelvi Moslems, die von den Takfiris als Häretiker angesehen werden. Aber zu meinen, dass der Islamische Staat verantwortlich ist für Selbstmordattentate in Pakistan und Afghanistan heißt zu behaupten, dass die Taliban verantwortlich sind für den sektiererischen Krieg in Syrien und Irak.

Hier handelt sich um militante örtliche Gruppen und Islamischer Staat ohne seine Baathisten-Kommando-Struktur und seine überlegenen Waffen ist einfach irgendeine militante Gruppe. Der Unterschied zwischen den Taliban und dem Islamischen Staat liegt in der Tatsache, dass die Taliban der sunnitischen Deobandi-Sekte, die hauptsächliche aus Südasien kommt, angehören und der Islamische Staat vor allem dem saudischen Wahhabismus angehört.

Zweitens und noch wichtiger ist, dass der Aufstand in Afghanistan und den Grenzgebieten zu Pakistan ein Aufstand der Pashtunen ist, ein Volk aus Afghanistan und dem nordwestlichen Pakistan, während die Masse der Dschihadisten des Islamischen Staates aus arabischen Militanten aus Syrien und dem Irak besteht.

Die sogenannte «Khorasan Provinz» des Islamischen Staatees in der Af-Pak Region ist nichts anderes als eine Koalition von verschiedenen Taliban-Abspaltungen und ein paar anderen unbedeutenden örtlichen Militanten-Gruppen, die sich dem Abu Bakr al-Baghdadi angeschlossen haben, um ihr Prestige zu erhöhen und Gelder und Gefolgsleute zu bekommen, aber die keine organisatorische oder operative Verbindung zum eigentlichen Islamischen Staat haben.

Den Islamischen Staat aufzublasen mit al Qaida, den Taliban oder der Unzahl zerlumpter, örtlicher Gruppen ist eine bewusste Irreführung, die bezweckt, die öffentliche Meinung in die Irre zu führen und die Bedrohung durch den Islamischen Staat zu übertreiben, was bestimmten Angstmachereien im Westen in den Kram passt.


Fußnoten:

[1] Foreign troops to quit Afghanistan in 18 months:

https://www.reuters.com/article/us-usa-afghanistan-draft/foreign-troops-to-quit-afghanistan-in-18-months-under-draft-deal-taliban-officials-idUSKCN1PK0DG

[2] US and Taliban Agree in Principle to Peace Framework:

https://www.nytimes.com/2019/01/28/world/asia/taliban-peace-deal-afghanistan.html

[3] Afghan Taliban founder Mullah Baradar released by Pakistan:


Nauman Sadiq ist ein Anwalt aus Islamabad, Kolumnist und geopolitischer Analytiker mit dem Fokus auf Afghanistan, Pakistan und Nahem Osten sowie Neokolonialismus und petro-Imperialismus.




1 Kommentar:

  1. Es ist interessant zu beobachten, wie die abstürzenden NACHUNSDIESINTFLUT-Staaten, die JewSA so lautstark und um sich schlagend hie, sich still verpissend da, Chaos verbreiten. Nur, nach der ersten militärischen Niederlage in Vietnam kam erst jetzt, Jahrzehnte später, die zweite. Die in Syrien. Inzwischen trauen sie jedoch sich weder in Nordkorea noch in Venezuela eine offene militärische Intervention. der Dollar, das bisherige Machtinstrument, verliert an Einflussbereich. Zudem kommt da mit Herrn Mittelmaß Trump ein Mann an, zugegeben, kleine Hebel von Macht, ein Mann jedoch, dessen strategielose Sofort- und Widerruf-Maßnahmen das bisher recht gemächliche Dollarsterben unwiederbringlich beschleunigen. Ein Mann, ebenso mittelmäßig wie eine Frau Merkel, die nur ein einziges Metier wirklich beherrscht: Machtfortsetzung. Wegen der Aussicht auf Gewinn in der Lotterie-Lotterei der Friedens-Nobelpreisvergabe war ihr angeraten worden die politische Mutter Theresa von Wehrdienstverweigerern und wohlhabenden Wirtschaftsflüchtlingen (wertvolle Handies, Geldkarten noch und noch, reichlich Bargeld, nur allesamt mit Passverlust) darzustellen. Und diese Donald Trump-Strohdummtaktik wird uns schon länger hier Lebenden wie Einar und mir gestatten, das Ende der Weltzerstörungs-Außenpolitik der NACHUNSDIESINTFLUT-Staaten, den JewSA, noch ausführlichst miterleben zu dürfen. In Afghanistan als eine fremde Interventionsmacht zu siegen wäre doch ganz einfach gewesen:
    1.
    Die Amis hätten lediglich komplett über nur 50 Jahre lang die Kindergartenerziehung, die Schulausbildung, die Berufsausbildung und die Hochschulen mit ihren Fachleuten übernehmen müssen.
    2.
    Die Amis hätten nicht mal eine ganze Million von Umsonst-Verkaufsstellen für alle denkbaren Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs einrichten müssen.
    3.
    Die Amis hätten eine afghanische BLÖDzeitung, eine AFGHANISCHE WELLE und ein afghanisches Vielparteiensystem installieren sollen.

    Stattdessen haben sie es mit Bomben versucht. Als das nicht half, mit halt mehr Bomben. Um jetzt festzustellen, dass nach 18 Jahren des Siegens man das den TALIBAN erklären müsste. Dass die verloren hätten.
    Und dann werden sie siegreich abtreten, Sylvester Stallone wird einen großen Afghanistan-Sieg-Film, "Allein gegen 35,53 Millionen" drehen. Und Donald Trump wird gegen die Kurilen-Inseln Sanktionen verhängen. Dort produzierte KI wird beim Export und Verkauf in die NACHUNSDIESINTFLUT-Staaten mit Strafzöllen belegt werden. Mit Strafzöllen. Damit werden die Kurilen zum letzten Teil der Welt die mit amerikanischen Sanktionen für wichtig und strategisch bedeutend erklärt werden. Nur Einar und ich werden einem neuen, lebensgefährdenden Stück Neu-Virus zu widerstehen lernen müssen: Dem Totlach-Virus.

    AntwortenLöschen