Montag, 7. Januar 2019

NACHRUF: Der bekannte Kritiker der US-Außenpolitik William Blum starb mit 85 Jahren


Chris Agee & Louis Wolf


10. Dezember 2018


Aus dem Englischen: Einar Schlereth

William Blum starb in Virginia am 9. Dezember 2018. Er war umgeben von Freunden und der Familie, nachdem er 65 Tage zuvor in seiner Wohnung in Washington D.C. gestürzt war und ernste Verletzungen erlitten hatte. Er war 85 Jahre alt geworden.
Sein letztes Buch
Bill wurde am 5. März 1933 im Beth Moses Hospital in Brooklyn N. Y. geboren und wurde ein amerikanischer Autor, Historiker und Kritiker der Außenpolitik der USA. Mitte der 1960er Jahre arbeitete er in einer computerbezogenen Position im Außenministerium der Vereinigten Staaten. Ursprünglich ein Antikommunist mit dem Traum, ein Mitarbeiter im diplomatischen Dienst zu werden, wurde er durch den Vietnamkrieg desillusioniert.

1967 verließ er das Außenministerium und wurde Gründer und Herausgeber der Washington Free Press, die erste «alternative» Zeitung in der Hauptstadt. 1969 schrieb und veröffentlichte er ein Exposé über die CIA, in dem die Namen und Adressen von mehr als 200 CIA-Angestellten enthüllt wurden. Er arbeitete als Freelancer Journalist in den USA, Europa und Südamerika. 1972-1973 arbeitete Blum als Journalist in Chile, wo er über das «sozialistische Experiment» von Allendes Regierung berichtete. Ihr Sturz durch einen CIA inszenierten Staatsstreich erzeugte in ihm ein persönliches Engagement und ein noch stärkeres Interesse an dem, was seine Regierung in verschiedenen Ecken der Welt tat.

Mitte der 1970-er Jahre arbeitete er in London mit dem ex-CIA-Offizier Philipp Agee und seinen Mitarbeitern «an ihrem Projekt der Offenlegung des CIA Personals und ihrer Schandtaten» zusammen. Ende der 1980-er Jahre lebte William Blum in Los Angeles und verfolgte eine Karriere als Drehbuchautor. Unglücklicherweise hatten seine Drehbücher zwei (wenn nicht gar drei) Punkte gegen sich, die erwachsene Männer in Hollywood schreiend davonlaufen lässt: Ideen und Themen.

Den Rest seines langen Lebens verbrachte Bill in Washington D. C., wo er seine verfallene Sicherheits-Bescheinigung wegen seiner politischen Ansichten nicht erneuern konnte. Stattdessen akzeptierte er viele Vortrags-Angebote von Universitäten in der ganzen Welt. Bill war ein ausgezeichnetes Mitglied des CovertAction Quarterly und des Beirates, wo er viele Jahre im Redaktionsstab arbeitete. Seine Artikel sind in unseren Archiven zu finden in den Nummern 33, 46, 47, 51, 53, 66 und 77. Außerdem fuhr William fort, zahlreiche Bücher über US-Außenpolitik zu schreiben und er wurde zur ersten Anlaufstelle für US-Interventionen.

Sein Buch
Killing Hope: U.S. Military and CIA Interventions since World War II – zuerst 1995 veröffentlich und 2004 aktualisiert – wurde international belobigt. Noam Chomsky nannte es «das weithin beste Buch zu diesem Thema».

Blum ist auch der Autor über
Americas Deadliest Export: Democracy – The Truth About U.S. Foreign Policy and Eerything Else (2013); Rogue State: A Guide to the World’s Only Superpower (aktualisiert 2005), West-Bloc Dissident: A Cold War Memoir (2002) und Freeing the World to Death: Essays on the American Empire (2004). Seine Bücher sind in mehr als 15 Sprachen übersetzt worden.

Von 2002-2003 war Blum regelmäßiger Kolumnen-Schreiber für das Magazin
The Ecologist, das in London publiziert und weltweit verkauft wird. Im Januar 2006 erklärte ein Tape von Osama bin Laden, dass «es nützlich wäre» für die Amerikaner, Rogue State zu lesen, offensichtlich um ein besseres Verständnis vom Feind zu gewinnen. Blum merkte, dass die Vortrags-Angebote abrupt endeten.

Bill ist auch sehr bekannt für seinen beliebten und gut recherchierten Blog «
The Anti-Empire Report», der vom 1. April 2003 bis zum 20. September 2018 erschien.

Nach einem 65 Tage dauernden Kampf um sein Leben nach dem schweren Sturz in seiner Wohnung am 4. Oktober starb Bill morgens um 2.20 des 9. Dezember. Als sein Zustand sich vor einigen Tagen verschlechterte, wurde er vom Virginia Hospital Center in das Caring Care Hospice zwei Kilometer weiter überführt. Sein Sohn Alexander S. Blum kam aus Deutschland mit dem Flugzeug, um bei den Freunden und der Familie zu sein. Die unmittelbare Ursache des Todes war Nierenversagen – in Verbindung mit mehreren Wunden.

Seinen letzten Vortrag hielt er im vergangenen Sommer als Hauptredner auf dem Linken Forum mit dem Titel «Covert Action: Persistent U.S. Attacks Against ‘Democracy and Freedom’ - Past and Present». Dies wurde vom Covert Action Magazine organisiert und zusammen mit Louis Wolf und anderen sprach Bill über «American Exceptionalism: The Naked Truth». Er begann seine Rede mit der Erkenntnis, dass ...

«Wir können uns wohl alle einigen, dass die US-Außenpolitik geändert werden muss und um das zu erreichen, muss der Geist – vom Herz und Seele ganz zu schweigen – der amerikanischen Öffentlichkeit geändert werden.»

Und mit seinem bekannten trockenen Humor – in Verbindung mit Gelächter im Publikum – erklärte Bill:

«Bewusst oder unbewusst [hat das amerikanische Volk] gewisse grundlegende Glaubensvorstellungen von den USA und ihrer Außenpolitik ... Die grundsätzlichste Überzeugung ist, dass egal, was die USA im Ausland tut, egal wie schlecht es auch aussieht, egal welches Entsetzen erzielt wird, die Regierung der USA meint es gut.»

Das ganze Video von der Veranstaltung liegt hier. Seine Rede dauert 44 Minuten und 48 Sekunden.

Bill verbrachte sein Leben mit der Dokumentierung von Gräueln der US-Regierung und seine Beiträge sind sehr erhellend; ohne Zweifel hat uns Bill dauerhafte Quellen geliefert, die kommenden Generationen wichtige Informationen liefern werden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in Covert Action veröffentlicht.


Quelle - källa - source




Kommentare:

  1. OT:
    Hallo, irgend etwas scheint am Blog bzw. an Wordpress geändert worden zu sein. Jedenfalls braucht das komplette Laden der Seite plötzlich eine halbe Ewigkeit (trotz einer sehr schnellen Internetverbindung). Besonders schlimm ist es im Firefox. In Chrome ist es etwas besser.

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