Mittwoch, 31. Oktober 2012

Französische Afrika Politik schadet afrikanischen und europäischen Volkswirtschaften.

Christof Lehmann

30. Oktober 2012

Lektorat: Einar Schlereth

Afrika zur Ader lassen und Frankreich mästen – Das Gesicht des Französischen Modo-Kolonialismus.



Seitdem die ehemaligen französischen Kolonien in Westafrika ihre Unabhängigkeit erlangten sind die fünfzehn Länder in der CFA-Zone, trotz Reichtum von natürlichen Ressourcen und der Produktivität ihrer Bevölkerungen, noch immer katastrophal unterentwickelt. Seit 2007 sind die Volkswirtschaften Frankreichs und der Europäischen Union in einer verheerenden Rezession. Frankreich gleicht einem Mann, der am Klippenrand steht, und von dem Gedanken, in den Abgrund zu fallen, erstarrt ist. Aus Angst vor dem Verlust der lukrativen Ausbeutung der westafrikanischen Volkswirtschaften, vergisst er, dass nur einen Schritt hinter ihm fester Boden liegt und eine Möglichkeit für sowohl französischen, europäischen und afrikanischen Wohlstand.

Afrikanische und führende europäische Politiker hatten erwartet, dass die im in Jahr 2012 gewählte Regierung von Präsident Hollande dringend benötigte Änderungen in Bezug auf die dominante französische Kontrolle über die Volkswirtschaften von Benin, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Äquatorialguinea, Elfenbeinküste, Gabun, Guinea Bisau, Mali, Niger, der Republik Kongo Senegal und Togo einführen würde.
Aber auch Hollande und seine Regierung scheinen so von der Angst vor dem sprichwörtlichen Sturz in den Abgrund gebannt zu sein, dass sie nicht auf die Idee eines Schrittes zurück und zu einer langfristig tragbaren Veränderung kommen. Wenn aber Frankreich doch fällt, wird es Westafrika und Europa mit sich in den Abgrund zu reissen. Wenn es wagen wird, die eiserne Kontrolle und die erpresserische Ausblutung durch das CFA-System in seinen ehemaligen Kolonien aufzugeben, könnte es das wahre Potential und den Wert der afrikanischen Märkte entdecken.

So schmerzhaft es auch sein mag, ist die Grundvoraussetzung für eine progressive Entwicklung und Wohlstand, der Wahrheit über den aktuellen Stand der Dinge ins Auge zu sehen. Die Ursachen für die mangelnde Entwicklung der Westafrikanischen Volkswirtschaften sind eng damit verbunden, dass es Frankreich im Gegensatz zu anderen ehemaligen Kolonialmächten gelang, im Herzen der Volkswirtschaften seiner ehemaligen Kolonien Kommissare zu installieren, wo sie noch heute über die Westafrikanische Wirtschaft- und Währungsunion fast uneingeschränkte Kontrolle ausüben. Das System wurde von den deutschen Nationalsozialisten in den 1930er und 40er Jahren entwickelt und in Frankreich und anderen von Deutschland besetzten Ländern eingeführt. Zu Recht wird die französische Westafrika-Politik daher oft als französischer Finanznazismus beschrieben.

Die Genesis des CFA-System in Nazi-Deutschland und die deutsche Besatzung in Frankreich.


Am 9. Mai 1941 erklärte der deutsche Botschafter in Frankreich, Hemmen, dass er einen Vertrag mit dem französischen Admiral Darlan unterzeichnet habe, der  in den Abteilungen für ausländische Währungen und internationalen Handel der französischen Nationalbank deutsche Kommissare vertraglich festlegen würde.(1) Der Vertrag wurde unter der Schirmherrschaft des Reichsministers für Finanzen Herman Göring ausgehandelt, dessen Vater Heinrich Ernst Göring von 1885 bis 1890 deutscher Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia war. Herman Göring war nicht nur für seine Ausplünderung der Volkswirtschaften der deutschbesetzten Länder, sondern auch für sein besonderes Interesse an der Plünderung von Kunst- und Kulturschätzen besetzter Länder bekannt.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges und der Besatzung Frankreichs, führte der französische Präsident Charles de Gaulle den CFA-Franc [Erläuterungen zu den Abkürzungen: http://de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc-Zone und http://de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc_BCEAO] als Gemeinschafts-Währung für die westafrikanischen Kolonien ein. De Gaulle schuf eine Wirtschaft-und Währungsunion, deren Kontrollfunktionen nach dem Vorbild der deutschen Ausbeutung Frankreichs unter der Besatzung aufgebaut wurden. Obwohl die Kolonien seitdem ihre Unabhängigkeit errungen hatten, übte Frankreich vermittels seiner Kommissare noch immer eine fast absolute Kontrolle über ihre Volkswirtschaften aus.

Modo-Kolonialismus, das Vetorecht der Kommissare Frankreichs über Afrikanische Volkswirtschaften.


Die westafrikanischen Nationen Benin, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Äquatorialguinea, Elfenbeinküste, Gabun, Guinea Bisau, Mali, Niger, die Republik Kongo, Senegal und Togo stellen die westafrikanische Währung-und Wirtschaftunion (UMOA) dar. Ihre  Währung ist der CFA-Franken der von der französischen Nationalbank in Charmaliéres, Frankreich gedruckt wird. Der Rat der fünfzehn U.M.O.A.-Präsidenten ist die höchste Autorität der Union und Entscheidungen des Präsidiums müssen einstimmig getroffen werden. Der Ministerrat der U.M.O.A. definiert die Geld-und Kreditpolitik der Union und ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Region verantwortlich.

Laut den Verfassungen aller fünfzehn Mitgliedstaaten ist die Erstellung ihrer Währung, die Regelung seines Wertes sowie die Regulierung der Paritäten und Modalitäten das ausschließliche Privileg der Union und ihrer Völker. Entscheidungen darüber werden vom Parlament getroffen. Die Installierung französischer Kommissare im Herzen der Zentralbanken und deren Vetorecht erzeugt jedoch eine offensichtliche Dichotomie zwischen der scheinbaren Souveränität der Unions-Mitglieder und Frankreich.

Drei der dreizehn Direktoren der BEAC und vier von acht Direktoren der BCC sind Franzzosen. Den Aufsichtsrat der BCEAO bilden sechzehn Direktoren. Zwei aus jedem Land sowie zwei zusätzliche Direktoren aus Frankreich, die an der Verwaltung der Bank unter gleichen Bedingungen und mit gleichen Rechten wie die anderen Direktoren teilnehmen. Die Anzahl und Stellung der Kommissare gibt ihnen ein Vetorecht im Aufsichtsrat jeder der drei Zentralbanken. Keine Entscheidung kann ohne ihre Zustimmung getroffen werden und Frankreich kann seine Politik durchsetzen, indem es droht, die Volkswirtschaften der Mitgliedsländer lahmzulegen, falls das Diktat französischer Politik angefochten wird.

Das Französische Veto erstreckt sich auch auf die Ernennung des Gouverneurs der BEAC. Der Gouverneur muss, auf Vorschlag der Regierung von Gabun, vom Vorstand einstimmig und nach Zustimmung der anderen Mitgliedstaaten sowie Frankreichs gewählt werden. (2)

Die Zentralbank hat nicht nur das Privileg der Währungs-Schöpfung. Sie hat auch das Privileg,  Kredite für Girokonten der nationalen Finanzministerien zu ihrem Diskontsatz zu gewähren. Der Aufsichtsrat trifft Entscheidungen über die Laufzeit und den Gesamtbetrag, der für die Finanzierung der Volkswirtschaften der einzelnen Mitgliedstaaten gewährt wird.

Frankreich mästen und Afrika zur Ader lassen – Operationenkonten und das System der Ausbeutung. 

Während die französischen Kommissare das primäre Instrument der Kontrolle sind, sind das primäre Instrument der Ausbeutung der westafrikanischen Volkswirtschaften die laufenden Operationen Konten. Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich, ihre Devisenreserven auf ein Operationen-Konto ln einem Resrvefonds der Französischen Nationalbank zu überweisen.

Zwischen 1945 und 1973 wurden 100% der Devisen aller Mitgliedsstaaten auf dieses Operationenkonto bei der Französischen Nationalbank hinterlegt. 1973 wurde die Rücklage auf 65%, und am 27. September 2005 auf 50% reduziert. (3) Weitere 15% werden jedoch in einer gemeinsamen Garantirücklage zurückgehalten.

Mit anderen Worten: 65% aller Devisenreserven der fünfzehn Nationen und alle Einnahmen die diese außerhalb des Wirtschaftgebietes der Union akkumulieren, werden in der Französischen Nationalbank zurückgehalten. Am 3. Mai 2010 zitiert die Homepage des Jeune Afriqe den ehemaligen französischen Finanzminister, Christine Lagarde: „Die Bank der Staaten Zentralafrikas platziert zum Beispiel fast 90 % ihrer Guthaben in die Französische Staatskasse“.(4)

Im Jahre 1960 schrieb Jean Boissonat, ein Mitglied des Währungsausschusses der Französischen Nationalbank: „So gut wie alle Entscheidungen werden in Paris gefällt… .. die Franc-Zone hat es Frankreich erlaubt, bestimmte Rohstoffe an sich selbst zu liefern … ohne Devisen auszugeben … Man hat errechnet, dass damit 250 Millionen Dollar pro Jahr an Devisenersparnis erwirtschaftet werden." Boissonat fügt hinzu, dass etwa eine halbe Million Franzosen in der Metropole ihren Lebensunterhalt aus den Ländern der Franc-Zone ziehen.(5)

Der französische Sozialist Jean-Noël Jeanny schrieb 1963 „Wenn die Länder der Franc-Zone mehr ins Ausland exportieren als sie importieren, dann beschaffen sie für Frankreich Devisen“.(6) Er könnte dem hinzugefügt haben „und für sich selbst eine größere Eigenverschuldung“. Neben den afrikanischen Devisenreserven, die den Westafrikanischen Ländern in Form von Schuldverschreibungen zurückgegeben werden, profitiert Frankreich auch an dem afrikanischen Gold.

Die Goldreserven der fünfzehn Staaten werden in Frankreich zurückgehalten. Angeblich als Garantie für den Wert des CFR-Franc. 2001 wurde der Wert der westafrikanischen Goldreserven in der Französischen Nationalbank auf 206.528 Milliarden CFR-Franc geschätzt. In einem Interview für 'Libération' 1996 sagte der verstorbene Präsident von Gabun, Omar Bongo: „Wir sind in der Franc-Zone. Unsere Budget-Konten werden von der französischen Zentralbank in Paris geführt. Wer profitiert von den Zinsen, die unser Geld erbringt? Frankreich“. (7)

Frankreich verschuldet und versklavt die Afrikaner mittels des Reichtums Afrikas. Zum Beispiel: 120000 Milliarden für 3 % investiert, werfen 3600 Milliarden an Zinsen ab,  die Frankreich dann ganz oder teilweise als Kredite zu einem Zinssatz von 5 – 6 % oder mehr an Afrika vergibt.

Die Allegorie Afrika zur Ader lassen, um Frankreich zu mästen, ist keine Übertreibung. Sie ist nicht übertrieben und nicht revolutionär. Es ist eine nüchterne Tatsache des französischen Modo-Kolonialismus. Die Kosten in Bezug auf Unterentwicklung und menschlichem Leiden sind atemberaubend. Die Konten für den Staatshaushalt und die französische Ausbeutung sind eine humanitäre Katastrophe, die von Frankreich herbeigeführt und von denjenigen, die darunter leiden, finanziert wird.

Post-moderne Coup d´Etats und der französische Finanz-Nazismus in Afrika.

1996 wertete Frankreich den CFR-Franc trotz des Protestes der meisten westafrikanischen Länder ab. Der ehemalige französische Ministerpräsident Édouard Balladur rechtfertigte das französische Diktat damit, dass es „als die beste Möglichkeit für die Unterstützung der Entwicklung der westafrikanischen Länder angesehen wurde“(8), obwohl eine andre Erklärung von Balladur verdeutlicht, dass er sich bewusst war, dass die Auf- oder Abwertung einer Währung eine Frage der nationalen Souveränität ist.(9)

Der verstorbene Präsident von Togo, Étienne Gnassingbé, sagte zu der Abwertung des CFR-Franc: „Wie man so schön sagt, hat die Gewalt oft Vorrang vor dem Recht. Ich war nicht der Einzige, der diese Warnung aussprach. Aber Frankreich … hat darüber anders entschieden. Die afrikanischen Stimmen zählen in dieser Affäre nicht viel.“(10) Die Worte des verstorbenen Präsidenten Étienne Gnassingbé deuten an, dass das zur Aderlassen von Afrika auch buchstäblich verstanden werden muss.

Der Satzung der Wirtschaft-und Währungsunion zufolge steht es jedem Mitgliedsstaat frei, die Union jederzeit zu verlassen. So viel zur Theorie. In der Praxis hat Frankreich eine blutige Spur von postmodernen Coup D´États, Gewalt und Mord in jenen Ländern hinterlassen, die es wagten zu versuchen, sich von dem, was viele Westafrikaner als französischen Finanz-Nazismus auffassen, loszusagen.

Im Januar 1963 wurde der verstorbene Präsident von Togo, Sylvanus Olympio, drei Tage vor der Ausgabe einer neuen Währung ermordet. Togo verblieb in der CFR-Franc Zone.

Am 19. November 1968 wurde der verstorbene Präsident von Mali, Modibo Kéita durch einen Staatsstreich gestürzt und verhaftet. Im Jahr 1977 starb er im Gefängnis an einer Vergiftung.

Am 27. Januar 1996 wurde der Präsident von Mali durch den Staatsstreich des Militärs gestürzt.

Am 15. März 2003 wurde der verstorbene Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Ange-Félix Patassé von dem „Rebellenführer“ Francois Bozizé gestürzt. In allen Fällen haben die Währungsunion und Frankreich eine entscheidende Rolle gespielt.

Die Elfenbeinküste, Präsident Laurent Gbagbo, Frankreich, der Internationale Kriminalgerichtshof und Modo-Kolonialismus.

Als Laurent Gbagbo das Amt des Präsidenten der Elfenbeinküste antrat, war eine seiner ersten Amtshandlungen, eine Betonmauer in dem Tunnel, der die Französische Botschaft mit der Residenz des Ivorischen Präsidenten verbindet, zu errichten.

Gbagbo wollte, dass die Elfenbeinküste die CFA-Zone verlässt. Zusammen mit Regierungschefs anderer afrikanischer Nationen plante er eine neue regionale Währung und möglichst eine Pan-Afrikanische, auf Gold gestützte Währung zu schaffen. Die Initiative genoss die Sympathie vieler afrikanischer Länder und die eindeutige Unterstützung Libyens, das bis zum so-genannten arabischen Frühling im Jahr 2011 das reichste und höchst entwickelte aller afrikanischen Länder war.

Als ob es ein bedingter Reflex war, schien Frankreich wie gebannt von der Angst vor dem Sturz in den Abgrund, vor dem Verlust der lukrativen verbrecherischen Ausbeutung durch die CFA-Zone, die seitdem sie im Jahr 1945 von De Gaulle erschaffen wurde, die französische Wirtschaft unterstützt hat. Anstatt in dem Fortschritt ein Potential zu erkennen, wartete Frankreich ab, bis es eine gute Gelegenheit für einen post-modernen Coup d´État gab- die Präsidentschaftswahlen in Jahr 2010 in der Elfenbeinküste. Frankreich alliierte sich mit Alessanne Outtara. Libysche nachrichtendienstliche Berichte von 2009 und 2010 zeigen, dass der französische Geheimdienst DGSE begonnen hatte, Rebellen im Norden des Landes zu infiltrieren, zu finanzieren und zu bewaffnen.

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen war offenbar sehr knapp. Die Wahlkommission erklärte Alessanne Outtara zum Wahlsieger, aber das Wahlergebnis wurde von Laurent Gbagbo angefochten. Es wurden schwere Unregelmäßigkeiten registriert. So wurden zum Beispiel in einem Dorf mit einer Bevölkerung von rund zehntausend fast hunderttausend Stimmen abgegeben.

Westliche Mainstream-Medien begannen mit der Konstruktion eines Märchens: Die Wahlkommission hatte Outtara yum Sieger ernannt. Der despotische Laurent Gbagbo weigert sich die Zügel der Macht an den Wahlsieger zu übergeben. Gbagbo geht hart gegen friedliche Demonstranten vor. Gbagbo hat sich in seinem Bunker verschanzt und ist von ivorischen und friedensbewahrenden Truppen eingeschlossen …

Was westliche Medien in der Regel gar nicht oder wenn überhaupt, dann nur in stark verzerrter und voreingenommener Form berichteten, war, dass Laurent Gbagbo und seine Partei den Fall dem Obersten Gerichtshof der Elfenbeinküste vorgetragen hatten, dass der Oberste Gerichtshof die Stimmen nachgezählt hatte, und dass der Oberste Gerichtshof Laurent Gbagbo als den rechtmässigen Sieger der Wahlen und somit yum rechtmässig gewählten Präsidenten der Elfenbeinküste erklärt hatte. Dass die von Frankreich unterstützte Guerilla begann, in Dörfern, die hauptsächlich von Gbagbo Anhängern bewohnt waren, Massaker zu begehen, und die „Rebellen“ die Residenz des Präsidenten mit Hilfe französischer Spezialeinheiten und Blauhelmen angriffen.

Iin französischen und westlichen Medien wie der BBC wurde nur ständig wiederholt, dass die „Sicherheitskräfte“ des Gbagbo - das bedeutet das legitime Militär der Elfenbeinküste - brutal auf friedliche Demonstranten einschlug, und dass „die Armee des Outtara den Gbagbo in seinem Bunker eingekreist hatte“. (11).

Niemand schien die wichtige Frage zu stellen „woher hat denn Outtara, der behauptete, gerade die Wahlen gewonnen zu haben, eine Armee her“. Es ist symptomatisch für die hohe Prävalenz des rassistischen und modo- kolonialistischen Denkens in europäischen Bevölkerungen, dass nur sehr wenige Kommentatoren und Analysten sagten:
Aber die Wahlkommission ist nicht berechtigt, Wahlergebnisse zu prüfen und zu beglaubigen; das ist die souveräne Aufgabe des Obersten Gerichtshofs“.

Ein Vergleich kann dieses verdeutlichen: Als George W. Busch und Al Gore das knappste Wahlergebniss, das es je in den Präsidentschaftswahlen der USA gab, erhielten, wer beglaubigte die Wahl? Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten natürlich. (12)

Viele Amerikaner fühlten sich völlig entmündigt, aber die Bevölkerung respektierte den Obersten Gerichtshof. Man stelle sich einmal vor, der „Al Gore hätte Bush in seinem Bunker belagert“, oder dass „Gore den Rechtspruch des Obersten Gerichtshofes ignoriert hätte, weil die Wahlkommission ihn zum Sieger erklärt hat". Und von wo in aller Welt hätte Al Gore überhaupt eine Armee bekommen sollen? Und woher hatte Alessanne Outtara seine Armee?

Die Gefangennahme von Laurent Gbagbo hat etwa 1.600 junge ivorische Soldaten das Leben gekostet. In den Worten des Laurent Gbagbo waren es „Junge Patrioten, die bereit waren, den Präsidenten der Elfenbeinküste und das Volk gegen einen von Frankreich unterstützten Staatsstreich zu verteidigen“. Die Gefangennahme von Präsident Laurent Gbagbo wurde erst möglich, nachdem französische Sondereinheiten völkerrechtswidrig ein Loch in die Mauer, die Laurent Gbagbo im inneren des Tunnels, der die Bootschaft Frankreichs mit der Residenz des ivorischen Präsidenten verbindet, gesprengt hatten und zusammen mit bezahlten Söldnern den Präsidenten der Elfenbeinküste gefangennahmen.

Die versiegelten Kisten mit den Stimmzetteln aus den Wahlen von 2010 werden bei den Vereinigten Nationen aufbewahrt. Obwohl eine Neuzählung der Stimmen unter Aufsicht der UNO und unabhängiger Wahlbeobachter jederzeit möglich wäre, hat es UNO Generalsekretär Ban Ki-moon trotz wiederholten Aufforderungen versäumt, die Wahl neu nachzuprüfen, um die Legitimität des Präsidentschaftsanspruches von Outtara und Gbagbo zu überprüfen.

Statdessen wird Laurent Gbagbo selektiv bei dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag angeklagt und festgehalten. Auch in der Elfenbeinküste wird selektiv angeklagt. Lediglich Offiziere, die Laurent Gbagbo dienten, wie der General Dogbo Blé, werden angeklagt, denn die Massaker, die von den Rebellen begangen wurden, führen nicht oder kaum zu Anklagen. (13) Selektive Anklagen sind symptomatisch für die Befangenheit des Internationalen Strafgerichtshofs.

Laut Aussage prominenter internationaler Juristen wie zum Beispiel Christopher Black, müsste die Anklage gegen Laurent Gbagbo schon aufgrund der selektiven Anklage zurückgewiesen werden. Die Anklage gegen Gbagbo ist ein krasses Beispiel für den Missbrauch des ICC als Instrument der modo- kolonialistischen Kontrolle. Eine Kritik des ICC, die von dem prominenten Rechtsphilosophen Dr. Hans Köchler verfasst wurde, liest sich, als ob sie geschrieben wurde, um das gegen Laurent Gbagbo und das Volk der Elfenbeinküste begangene Unrecht zu verdeutlichen. (14)

Verpasste Chancen für afrikanische und europäische Volkswirtschaften und die Dringlichkeit der Veränderung.


Eine wachsende Zahl afrikanischer und europäischer Staats- und Regierunchschefs wird aufgrund der Stagnation Frankreichs in veralteten kolonialen Strukturen ungeduldig. Afrikanische Führer sind ungeduldig, weil die offensichtliche Usurpation ihrer Nationen durch Frankreich für ihre afrikanischen Volkswirtschaften und die Bevölkerungen unerträglich ist.
Führende europäische Politiker sind zumeist ungeduldig, weil Frankreich verhindert, dass Europa sich an die geo-politischen Veränderungen der Märkte Afrikas anpassen kann, weil dies zur Stagnation europäischer Initiativen führt, und weil die Nichteinbeziehung der west-afrikanischen Volkswirtschaften in den ökonomischen Bereich Europas für Afrika und für Europa langfristig verheerende Folgen haben kann.

China hat das kolossale Marktpotential von einer sich entwickelnden afrikanischen Mittelklasse erkannt. Das französische und trans-atlantische Modell der Usurpation und Unterwerfung ist nicht nur kriminell und unethisch, es ist auch in der aktuellen globalen Marktwirtschaft nicht wettbewerbsfähig.
Aussagen des französischen politischen Schwergewichts Jaques Chiraq, dass Frankreich nicht Wohltäter sein muss, dass es lediglich aufhören muss, Afrika auszubeuten, zeigen, dass es ein Potential für Veränderung gibt. Chiraq erklärte, dass der Fortbestand der französisch-afrikanischen Beziehungen in ihrer heutigen Form katastrophale Folgen haben kann. Der Präsidentschaftskandidat bei den französischen Wahlen im Jahre 2012 Jean Luc Mélenon erklärt, dass der CFA den schweren Fehler veranschaulicht, die westafrikanischen Volkswirtschaften nicht mit den Volkswirtschaften der Europäischen Union zu verbinden. Mélenon forderte, dass Frankreich sein Veto in den Aufsichtsräten der afrikanischen Zentralbanken aufgeben solle.

Der Europarat erklärt, dass Frankreich jedes Projekt der Europäischen Zentralbank, das die Natur und die Position des französischen Engagement in den westafrikanischen Zentralbanken verändern könnte, blockiert. Das französische Afrikakonzept blutet nicht nur Afrika aus. Es wird auch zunehmend die französische und die europäischen Volkswirtschaften ausbluten, die es verpassen werden, das Markt Potential einer wachsenden afrikanischen Mittelklasse zu entwickeln.

Einige politische Analytiker haben die Gründung einer afrikanisch-europäischen Friedens- und Versöhnungskommission vorgeschlagen, die die Verbrechen der Vergangenheit aufarbeitet und eine Vertrauensbasis für einen Übergang zu neuen afrikanisch-europäischen Beziehungen schafft. Die Kommission sollte sich auch mit der Überprüfung der hoch politisierten Fälle bei dem Internationalen Strafgerichtshof beschäftigen. Unter anderen wird auch vorgeschlagen, dass eine Kommission auch die Strafvervolgung des völkerrechtlich immer noch legitimen Präsidenten der Elfenbeinküste Laurent Gbagbo bei dem Internationalen Strafgerichtshof überprüft.

Die wichtige Frage für dieses und die kommenden Jahre ist, ob Frankreich weiterhin am Klippenrand stehen bleibt und früher oder später Westafrika und Europa mit sich in den Abgrund reisst, oder ob es wagt, auf die Stimmen der Vernunft aus Afrika und denen seiner europäischen Partner zu hören; ob es wagt die Blickperspektive zu verändern und hinter sich nicht einen Abgrund, sondern fruchtbares und sicheres Land erkennt.

„Vielen Dank an Professor Nicolas Agbohou für seine Rede auf der Pariser Rathauskonferenz über afrikanisch-französische Beziehungen am 9. Oktober 2012. Der historische Kontext und Referenzen in diesem Artikel bauen auf seiner Rede auf.“
Dr. Christof Lehmann

English version

Notes:
  1. Pierre Arnold (1951), Les finances de la France et l´occupation Allemande.
  2. Artikel 3 de la BEAC.
  3. Article 2 of the Agreement about Operations Accounts between France and the African Nations within the Franc Zone (PAZF).
  4. Website of Jeune Afrique, 03. Mai 2010.
  5. Jean Boissonat. La Zone Franc: Survivance du Passé Ou Promesse d´Avenir. La Croix, 17 févenier 1960.
  6. Jean-Noël Jeanny. Rapport Jeanny; La politique de coopération avec les pays en vaie de dévelopment. Paris, documentation francaise 1963.
  7. Omar Bongo. Interwiew for Le Liberation, 18. September 1996, p.6.
  8. Jeune Afrique. Economie no 178, April 1994.
  9. E. Balladour in Le Monde, 09. February 1990. Lire aussie Géopolitique de printemps No 53, 1996, p.81
  10. Jeune Afrique no 1841, 17 – 23 April 1996, p. 38.
  11. Cornered in Abidjan as fears grow. Andrew harding on Africa, BBC, 06. April 2011. http://www.bbc.co.uk/blogs/thereporters/andrewharding/2011/04/cornered_in_abidjan_as_fears_g.html
  12. Supreme Court of the United States. George W. Bush et al., Petitioners v. Albert Gore Jr., el al., 12. December 2001. http://www.law.cornell.edu/supct/html/00-949.ZPC.html
  13. Ivory Coast´s pro-Laurent Gbagbo general Dogbo Ble on Trial. BBC, 02. October 2012. http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-19797488
  14. Dr. Hans Köchler. World Court without a World State. Criminal Justice under the Dictates of Realpolitic. http://www.i-p-o.org/Koechler-ICC-Realpolitik-IPO-OP-1July2012.htm

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