Dienstag, 21. Oktober 2014

Ein Drittel der weiblichen Gefängnisinsassen der Welt sind in den USA eingesperrt

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mehr weibliche Gefängnis-Insassen als China, Russland und Indien zusammengenommen, was auch für die Gesamtzahl aller Gefangenen zutrifft. Natürlich nur, weil die USA in allen Bereichen exzeptionell, außergewöhnlich sein wollen. Laut dem Internationalen Zentrum für Gefängnis-Studien haben die USA 201 200 Frauen oder 8.8 % der gesamten Gefangenen-Anzahl im Gefängnis. China steht mit weitem Abstand an zweiter Stelle und Russland auf dem dritten Platz mit 59000 Frauen. Weltweit befinden sich 625 000 Frauen in Strafanstalten und diese Zahl steigt auf allen fünf Kontinenten.


Zak Cheney-Rice

14. Oktober  2014


Forbes veröffentlichte kürzlich eine Karte, auf der die  weiblichen Gefängnis-Populationen in der Welt eingezeichnet sind. Es werden Daten vom Internationalen Zentrum für Gefängnis-Studien zitiert, die zeigen, dass die USA beinahe ein Drittel aller weltweit inhaftierten Frauen 2013 beherbergt. Es ist ein riesiges Problem, das von der amerikanischen Öffentlichkeit erst allmählich wahrgenommen wird.

Kein Land der Welt sperrt mehr Frauen ein als die USA.


Der Kontext: Bis vor kurzem drehte sich die Diskussion um Massen-Einsperrungen vor allem auf Männer, vor allem, auf schwarze Männer. Bezeichnend ist, dass an jedem beliebigen Tag einer von zehn schwarzen Männern im Gefängnis ist, wobei sie im Laufe ihres Lebens fast sechs Mal so häufig ins Gefängnis gesteckt werden wie ihre weißen Altergenossen.
Zwar sind diese Zahlen erschreckend, aber sie sind auch Teil einer viel größeren Story. Bedenkt man, dass die gesamte Gefängnis-Bevölkerung in den vergangenen 30 Jahren um 500 % gestiegen ist, mag es nicht überraschen, dass die USA so viele Frauen einsperrt im Vergleich zum Rest der Welt. Aber es gibt noch ein Problem: die Anzahl der weiblichen Gefangenen ist 1.5 mal größer als die der Männer in diesem Zeitraum.

Die Gründe: Laut Sentencing Project (Verurteilungsprojekt) ist der Kampf gegen Drogen der größte Faktor, dass mehr Frauen eingekerkert wurden als jemals zuvor.

Erstens, sind sie immer mit größerer Wahrscheinlichkeit wegen Drogen-Anklagen eingesperrt worden. 2009 waren 25.7 % der Frauen wegen Drogen-Vergehen im Gefängnis und nur 17.2 % Männer. Quelle: Joe Amon/Getty Images

Gleichzeitig hat sich die Dynamik dieses Wachstums stark verändert. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts machte eine harte (und rassistische) Verurteilungspolitik schwarze Frauen zu den Hauptopfern der Crack-Epidemie [Kokain] und auch zu den am häufigsten eingesperrten. Nicht so sehr seit 2000: Das Vorherrschen von Amphetamin in Amerika hat zu einer 48.4 % Erhöhung von weißen eingesperrten Frauen im vergangenen Jahrzehnt geführt, verglichen mit einer Abnahme von 24.6 % der Anzahl schwarzer Frauen.

Ein erstklassiger Mikrokosmos ist der Staat Oklahoma, der sowohl die höchste Dichtigkeit an Amphetamin-Labors als auch die höchste pro-Kopf-Frauen-Gefängnisinsassenrate der Welt laut Brave New Films. Zwischen 2000 und 2008 waren 34 % der eingekerkerten Frauen im Lande wegen Meth-Vergehen verurteilt worden, wobei dort 80 % wegen gewaltfreier Vergehen einsaßen. Quelle: Anonymous/AP

Die Ergebnisse: Auf jeden Fall sind die sozialen Kosten dieses Anstiegs einmalig verheerend gewesen. Brave New Films zeigte kürzlich eine Erziehungs-Kurzfilm, in dem Folgendes behauptet wurde: Nicht nur ist ein bedeutender Prozentsatz der eingesperrten Frauen schwanger, sondern mehr als 70 %  sind auch die Hauptversorger von mindestens zwei Minderjährigen. Das bedeutet eine Katastrophe für viele Familien, weil die Kinder der Eingesperrten routinemäßig in das notorisch problematische Fürsorgeerziehungssystem geschleust oder "in andere [ähnlich] unstabile Situationen".

Obendrein werden Kinder von eingesperrten Eltern fünfmal wahrscheinlicher kriminell als Gleichaltrige.

Es wird noch schlimmer: Was die Frauen selbst betrifft, so sind weibliche Gefangene stärker sexuellen Übergriffen ausgesetzt, mentalen Krankheiten (73 % gegenüber 55 % bei Männern) und chronischen oder ansteckenden medizinischen Problemen (59 % gegenüber 43% bei Männern) als ihre männlichen Entsprechungen, heißt es im Sentencing Project.

Laut Newsworks ist die Anstellungs-Diskriminierung von ehemaligen Verurteilten besonders ausgeprägt im Fall von Frauen. Eine Studie der Arizona State University fand, dass 57 % von 50 interviewten Arbeitgebern hypothetische männliche verurteilte Bewerber wieder einstellen würden, jedoch bei Frauen nur 30.

Eine globale Krise: Doch das Erstaunlichste über die Wurzeln des weiblichen Gefangenen-Booms in den USA ist, wenn man dies mit anderen Ländern vergleicht.

In den meisten Ländern mit einer vergleichbar großen Anzahl von eingesperrten Frauen sind sie allgemein aus denselben Gründen bestraft worden. In Thailand, das den größten Prozentsatz weiblicher Gefangener in der Welt (14.6 %) in Bezug auf männliche Gefangene hat und auch in  Brasilien, Mexiko, Russland und andere sind die größte Zahl Frauen wegen Drogen-Vergehen eingesperrt - genau wie in den USA.
Wenn also in den USA Frauen in relativ großen Mengen eingekerkert werden, scheint es, dass das Problem für ihre Verurteilung in der ganzen Welt dasselbe oder zumindest ähnlich ist. Und da das Gefängnis sich immer wieder als eine der am wenigsten kosteneffektive und sozial konstruktive Methode zur Verbrechensverhütung erwiesen hat, folgt daraus, dass eine gründliche Neueinschätzung der globalen Drogenpolitik angesagt ist.

Quelle - källa - source

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