Mittwoch, 29. Oktober 2014

PUTIN IN SOTSCHI


Putins Rede in Sotschi ist in den Westmedien natürlich wieder einmal weitgehend totgeschwiegen worden. Mit ihr wäre ja auch Obamas Geschwafel total disqualifiziert worden. Eine Ausnahme machte die Financial Times, die 'Putin’s Valdai speech one of most important foreign policy statements' (Putins Waldai-Rede ist eine der wichtigsten außenpolitischen Erklärungen) titelte.

Auf der anderen Seite ist ihr von alternativen Webseiten und Autoren große Aufmerksamkeit geschenkt worden. Zum Beispiel von Paul Craig Roberts in seinem glänzenden Artikel 'Washington is defaming Putin - Wladimir Putin is the Leader of the Moral World' (Washington diffamiert Putin - Wladimir Putin ist der Führer der moralischen Welt). Dort findet sich nicht nur eine besondere Empfehlung von The Saker (englische Version, aber von dort aus kann man auch auf alle anderen Versionen zugreifen), sondern er hat auch den kompletten Text von Putins Rede auf Englisch angehängt. Die deutsche Version der Putin-Rede liegt hier.
Stefan Lingren hat eine kurze Zusammenfassung geschrieben.


PUTIN IN SOTSCHI


Stefan Lindgren
28. Oktober 2014


Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth


Am Freitag hielt Russlands Präsident Wladimir Putin eine Rede im Diskussionsklub Waldai, der in Sotschi zusammentrat. Dieses Jahr hatten sich 108 Experten, Historiker und politische Analytiker aus 25 Ländern eingefunden, darunter 62 ausländische Teilnehmer, u. a. Dominique de Villepin, Frankreichs Außenminister von 2002-2007, Innenminister von 2004-2005 und Premier von 2005-2007; Wolfgang Schüssel, Österreichs Bundeskanzler von 2000-2007; der britische Ökonom Robert Skidelsky etc.

Es war eine offene und harte Rede, in der Putin eine harte Attacke gegen die USA ritt, der er die Schuld gab an der "stark verschlechterten Balance" in der Welt.

Nachdem Russland 19 Jahre hart gearbeitet hatte, um in die Welthandelsorganisation aufgenommen zu werden, war fast das erste, was passierte, dass Russland Sanktionen ausgesetzt wurde, was absolut unvereinbar mit der Satzung der WTO ist.

Putin geißelte den Anspruch der USA, internationaler Maßstab für Demokratie und alle anderen positiven Werte zu sein.
"In Wirklichkeit ist die Formel vorgeschlagen worden, dass je größer die Loyalität ist, die das Regime eines Landes gegenüber dem einen Machtzentrum der Welt zeigt, umso größer ist seine Legitimität.

Wir haben kürzlich Beweise erhalten, dass eine Anzahl Führer regelrechter Erpressung ausgesetzt wurden. Kein Wunder, dass der sogenannte Große Bruder Milliarden Dollar für die Überwachung in der ganzen Welt, sogar der engsten Alliierten spendiert.

Aber vielleicht ist USAs Exklusivität, wie sie ihre Führung ausübt, gut für uns alle, und dass ihre umfassende Einmischung in der ganzen Welt Frieden, Wohlstand, Fortschritt und Demokratie mit sich bringt? Vielleicht müssen wir uns lediglich entspannen und uns vergnügen?" fragte Putin ironisch um mit einem bestimmten Nein zu antworten.

"Einseitige Diktate führen zum gegenteiligen Resultat: statt Konflikte zu lösen, werden sie eskaliert; an Stelle von souveränen stabilen Staaten wächst der Raum für Chaos; an Stelle von Demokratie sehen wir Unterstützung für zweifelhafte Bewegungen, von Neonazis bis zu islamistischen Radikalen.

Ich kann mich immer nur wundern, wie unsere Partner immer wieder dieselben Fehler wiederholen. Einst unterstützten sie die islamistischen Extremist-Bewegungen gegen die Sowjetunion in Afghanistan. Die wuchsen heran und wurden "Talibaner" und "al Qaida"."

Danach unterstützte der Westen den Terrorismus im Kaukasus und Zentralasien, meinte Putin. Erst als sie selbst 2001 betroffen wurden, merkten sie, welch furchtbare Bedrohung das ist. Aber trotzdem hat der Westen gehandelt auf eine Weise, die den Terrorismus begünstigt - im Irak und Libyen, in Ägypten und Syrien. Putin erzählte, dass Russland die USA warnte, die Baath-Partei und die Armee im Irak aufzulösen - vielleicht sind es die Kräfte, die auf die Straße geworfen wurden, die jetzt das professionelle Rückgrat in der ISIS-IS sind ? fragte er sich.

"Zuweilen scheint es, als ob unsere Freunde und Kollegen ständig mit den Resultaten ihrer eigenen Politik kämpfen, um die Risiken zu beseitigen, die sie selbst geschaffen haben."

An mehreren Punkten in Putins Rede schien die ernste Unruhe vor dem zunehmenden Kriegsrisiko durch, wie die russischen Führer es sehen.

Heute haben mehrere Arten von Hochpräzisionswaffen eine Kapazität, die nahe an Massenzertörungswaffen heranreichen, hob Putin hervor. Die Länder, die einen Vorsprung bei solchen Waffen haben, können eine militärische Überlegenheit behalten auch bei einer Reduzierung des Atomwaffenarsenals oder ihrer Abschaffung. Das birgt das Risiko, die strategische Parität zu verändern, die zwischen den Atom-Supermächten herrschte und das bringt Destabilisierung mit sich. Es erhöht die Versuchung, zu einem sogenannten globalen präventiven Erstschlag zu greifen. Kurz gesagt, hat dies die Risiken erhöht und nicht vermindert.

Selbst wenn der Ton von Putins Rede recht düster war, gab es doch auch Hoffnungsmomente. Er verwies auf die Bedeutung, die zwischenstaatlichen Strukturen und Zusammenarbeit beizubehalten, die sich vor allem seit dem zweiten Weltkrieg herausgebildet haben.

Und wenn die internationale Zusammenarbeit ins Stocken gerät, kann die regionale Zusammenarbeit in gewissem Maße dies kompensieren. Er lobte die OSCE, die Organisation und Zusammenarbeit in Europa, die eine wichtige Rolle spielte, den Ukrainekonflikt zu entschärfen. Die gesamte Rede mitsamt der nachfolgenden Diskussion auf Englisch liegt hier.

Quelle - källe - source

Kommentare:

  1. ... bei uns bezahlt der, der das Mädchen zum Essen einlädt ...

    Das ist neben dem Bären, der in der Taiga der Chef ist, mein Lieblingszitat aus der Rede.

    Allerdings scheint die EU immer noch nicht verstanden zu haben, dass sie der einladende Galan und die Ukraine das Mädchen ist.

    Düsterer Ton? Dafür gibt es ja auch Grund genug.

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    1. Witzig, heute früh hatte ich ein Bild vor Augen, das eine heulende Frau mit vollem Bauch vor einer Bruchhütte zeigte und einen Galan, der um die Ecke flitzt, während sie schreit: "Du hast geschworen, dass du mich liebst!"

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    2. Ja, Einar, dieses Bild hat etwas.

      Gestern versuchte der Herr Dobbert von der Zeit den Herrn A.J. "Jaz" zum Retter der Nation hochzuschreiben.

      Es ist wirklich ein Trauerspiel.

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