Freitag, 20. Dezember 2013

Amerikas "Hitlerjugend"

Selbst bin ich nur 10 Tage in den USA gewesen - ein paar Tage als Gast bei dem Chief der Mohawks  und eine Woche in New York - und habe daher so etwas nicht gesehen. Aber ich habe viele Freunde - sowohl amerikanische als auch solche, die in den USA gelebt und studiert haben - die nie über diese gigantische Kinder-Armee nur ein Wort verloren haben. Aber das habe ich oft beobachtet, dass die US-Anglophilen nur sehen, was ihnen in den Kram passt, aber nicht den Schmutz und das Elend, nicht den Verfall und den Rassismus und die eindeutig faschistischen 
Phänomene in dem 'gelobten Land'. Ein Brainwashing von globalen Ausmaßen.
 

Ausbilder sind weiß, der Rest ist schwarz - ideales Kanonenfutter
Ann Jones

16. Dezember 2013

Der Kongress glaubte, das Richtige zu tun, als er im Herbst 2008 das Child Soldiers Prevention Act (CSPA=Kinder-Soldaten-Verhinderungsgesetz) durchbrachte. Das Gesetz sollte bezwecken, weltweit Kinder davor zu schützen, in die Kriege der Großen Männer gezwungen zu werden. Von da an sollte jedes Land, das Kinder zwang, Soldaten zu werden, keinerlei US-Militärhilfe zu bekommen.

Es stellte sich jedoch heraus, dass der Kongress – in einem seiner seltenen Momente der Sorge um die nächste Generation – alles in den falschen Hals bekommen hatte. In seiner großen Weisheit fand das Weiße Haus Länder wie Tschad und Jemen, die so wichtig für das nationale Interesse der Vereinigten Staaten sind, dass es vorzog, nicht zu sehen, was mit den Kindern dort geschah.
Wie vom CSPA erfordert, hat in diesem Jahr das US-Außenministerium wieder 10 Länder aufgelistet, die Kindersoldaten einsetzen: Burma (Myanmar), die Zentralafrikanische Republik, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen. Sieben von ihnen wurden vorgesehen, die Millionen US-Militärhilfe  und sogenannte „US-Ausländische Armeefinanzierung“ zu erhalten. Das ist ein Hütchenspiel, um dem Pentagon und den US-Waffenherstellern zu helfen, Millionen von Steuergeldern solchen zwielichtigen „Alliierten“ zuzuschieben, die sich dann nur umdrehen brauchen, um „Dienstleistungen“ vom Pentagon oder „Material“ von den üblichen Händlern des Todes zu beschaffen. Ihr kennt sie: Lockheed Martin, McDonnell Douglas, Northrop Grumman usw.

Hier gab es eine Chance für Washington, etliche Länder zu lehren, ihre jungen Menschen zu schätzen und nicht schlachten zu lassen. Aber im Oktober, hat das Weiße Haus wie jedes Jahr, seit das CSPA in Kraft trat, wieder für fünf Staaten, die auf der 'keine Hilfe' - Liste des Außenministeriums stehen, eine Ausnahme gemacht: Tschad, Südsudan, Jemen, DRK und Somalia.

Pech für die Jungen – und die Zukunft – dieser Länder. Aber man muss es so sehen: Warum sollte Washington Kindern des Sudan oder Jemen helfen, dem Krieg zu entgehen, wenn es hier zuhause keine Kosten scheut, unsere eigenen tollen, idealistischen und ambitiösen amerikanischen Kinder in den Militär-“Dienst“ zu pressen?

Es sollte kein Geheimnis sein, dass die USA das größte, am effizientesten organisierte und effektivste System der Welt zur Rekrutierung von Kindern hat. Mit ungewohnter Bescheidenheit jedoch nennt das Pentagon es nicht so. Der Begriff dafür heißt „Jugend-Entwicklungsprogramm“.


Gefördert von einer Reihe von mächtigen, hoch bezahlten PR- und Reklamefirmen unter Vertrag mit dem Außenministerium, ist dieses Programm eine wunderbare Sache. Ihr Gesicht, das vor allem in der Öffentlichkeit sichtbar wird, ist das Junior Reserve Officers Training Corps oder JROTC.

Was dieses Kinder-Soldaten-Rekrutierungsprogramm so verblüffend macht, ist, dass das Pentagon es ganz offen in hunderten und aberhunderten privaten, militärischen und öffentlichen höheren Schulen im ganzen Land durchführt.

Anders als die verrufenen westafrikanischen Warlords Foday Sankoh und Charles Taylor (die beide wegen Kriegsverbrechen vor das Internationale Strafgericht gebracht wurden), kidnapt das Pentagon nicht die Kinder und zerrt sie in die Schlacht. Stattdessen versucht es, seine jungen „Kadetten“ zu dem zu machen, was John Stuart Mill einst als „willige Sklaven“ bezeichnete, die von ihren Herren so gedrillt werden, dass sie ihre Rollen mit Begeisterung spielen, was als persönliche Wahl gilt. Zu diesem Zweck bearbeitet das JROTC den noch nicht voll entwickelten Geist, flößt ihnen nach der Vorschrift „Patriotismus“ und „Führungsgeist“ ein sowie eine reflexartige Aufmerksamkeit für autoritäre Kommandos.

Das Schema ist viel ausgeklügelter – so viel „zivilisierter“ – als alles, was jemals in Liberia oder Sierra Leone entwickelt wurde, und es funktioniert. Das Ergebnis ist jedenfalls dasselbe: Kinder werden in das Soldatentum hineingesogen, ein Job, den aufzugeben sie nicht frei sind, und in dessen Fortgang sie womöglich gezwungen werden können, haarsträubende Verbrechen zu begehen. Wenn sie anfangen, sich zu beklagen oder unter dem Druck zusammenbrechen, in den USA oder Westafrika, werden Drogen eingesetzt.

Das JROTC-Programm, das sich immer noch an den höheren Schulen ausweitet, kostet die US-Steuerzahler hunderte Millionen Dollar jährlich. Eine unbekannte Anzahl von Steuerzahlern sind dadurch ihrer Kinder beraubt worden.

Die Akne-  und Zahnspangen-Brigade

Ich stolperte zum ersten Mal über die JROTC-Kinder vor ein paar Jahren bei der Parade zum Veteranentag in Boston. Bevor es losging, schlenderte ich an den uniformierten Gruppen vorbei, die sich auf dem Boston Commons aufstellten. Es gab einige alte Knacker, die Fahnen ihrer Amerikanischen Legion trugen, ein paar Hochschul-Musikgruppen und einige flotte junge Männer in feschen Uniformen: die Armee-Werber im Raum Boston.

Dann gab es da noch die Kinder. Die Akne- und Zahnspangenbrigade, 14-15-jährige in Militäruniform, die Gewehre auf den Schultern trugen. Manche der Mädchen-Gruppen hatten schicke weiße Handschuhe an.

Viel zu viele solcher Gruppen mit viel zu vielen minderjährigen Kindern waren über die ganze Länge des Boston Common [Bostons zentraler riesiger Park D. Ü.] versammelt. Sie vertraten alle Zweige der Armee und viele verschiedene Orte, doch waren fast alle braun oder schwarz: Afroamerikaner, Hispanics, die Kinder von Immigranten aus Vietnam und anderen südlichen Ländern.

Erst im vergangenen Monat sah ich in New York City einen ähnlichen Marsch von JROTC-Gruppen dunkler Hautfarbe am Veteranentag auf der Fifth Avenue. Eins ist das JROTC nicht – eine Regenbogen-Koalition.

In Boston fragte ich einen 14-jährigen Jungen, wieso er dem JROTC beigetreten sei. Er trug eine Junior-Armeeuniform und hielt ein Gewehr, fast so groß wie er selbst. Er sagte: „Mein Papa, er hat uns verlassen, und meine Mutter, sie arbeitet in zwei Jobs, und wenn sie nachhause kommt, nun ja, sie kann keinen Halt geben. Aber sie sagten uns in der Schule, dass man einen starken Halt haben muss, um es zu etwas zu bringen. Ich glaub' also, dass ich deswegen eingetreten bin.“

Eine Gruppe von Mädchen, alles JROTC-Mitglieder, sagte mir, dass sie Unterricht mit den Jungens hätten, aber ihre eigenen rein-Mädchen (alle schwarz) Drill-Teams hätten, die gegen andere Teams bis hinunter nach New Jersey antreten würden. Sie zeigten mir ihre Medaillen und luden mich ein, in ihre High School zu kommen, um ihre Trophäen zu sehen. Auch sie waren zwischen 14 und 15 Jahren. Sie hüpften auf und nieder wie enthusiastische junge Teenager, die sie waren. Eine sagte: “Ich hatte nie zuvor einen Preis bekommen.“

Ihre Begeisterung verblüffte mich. Als ich in ihrem Alter war in Midwest, stand ich vor Tagesanbruch auf, um einen Fußballplatz zu umrunden und im Dunklen Nahkampfübungen zu machen, bevor die Schule begann. Nichts würde mich von dieser „Struktur“, diesem „Drill“, dem „Team“ ferngehalten haben, aber ich marschierte in einer Musikgruppe und meine Waffe war eine Klarinette. Das JROTC hat dies ewige jugendliche Sehnen nach etwas Größerem und Wichigerem als das eigene kleine erbärmliche, vernachlässigte und von Akne geplagte Ich eingefangen. Das JROTC fängt den jugendlichen Idealismus und die Ambition auf, verdreht sie, trainiert sie, bewaffnet sie und schickt sie auf den Weg des Krieges.

Ein bisschen Geschichte


Das US- Army Junior Reserve Officers' Training Corps war gedacht als Teil des Nationalen Verteidigungsgesetzes von 1916 inmitten des 1. Weltkrieges. Doch nach dem Krieg stellten sich nur sechs Hochschulen für das Angebot der Armee für Ausrüstung und Instruktoren auf. Eine ältere Version des ROTC wurde Pflicht an vielen staatlichen Kolleges und Universitäten, trotz der damals kontroversiellen Frage, ob die Regierung Studenten zwingen könne, eine militärische Ausbildung mitzumachen.

1961 war das ROTC ein Wahl-Programm geworden, beliebt an manchen Schulen, aber an anderen nicht willkommen. Bald verschwand es völlig von vielen Elite-Schulen und progressiven staatlichen Unis, hinausgedrängt durch die Proteste gegen den Vietnamkrieg und vom Pentagon zurückgezogen, weil es darauf bestand, seine diskriminierende Politik weiterzuführen (besonders in Bezug auf sexuelles Verhalten und Geschlecht), die vom Verhaltenskodex der Universitäten verurteilt wurde. Als es sein „Nicht fragen, nichts sagen“ 2011 aufgab und ein Menü von substantiellen Forschungsstipendien  vergab, haben Elite-Unis wie Harvard und Yale die Armee zurückgeholt mit ungebührlicher Hochachtung.

….

Beinahe ein halbes Jahrhundert nach der Einrichtung des JROTC öffnete das Reserve Officers Training Corps Vitalization Gesetz von 1964 das Junior-Training für alle Zweige der Armee. Außerdem stieg die Zahl der JROTC-Einheiten landesweit, die ursprünglich auf 1200 begrenzt war, bis 2001 rapide an, als die Idee, dem Programm Grenzen zu setzen, völlig verschwand.

Der Grund war klar. 1973 schaffte Nixon die allgemeine Wehrpflicht ab zu Gunsten einer stehenden professionellen Armee „nur aus Freiwilligen“. Aber woher sollte man die Profis nehmen? Und wie genau konnten sie überzeugt werden, „Freiwillige“ zu sein? Seit dem 2. Weltkrieg hatten die ROTC-Programme an den Institutionen höherer Erziehung etwa 60 % Offiziere geschaffen. Aber eine Armee braucht Fußsoldaten.

Offiziell behauptet das Pentagon, dass das ROTC kein Rekrutierungsprogramm ist. Privat wurde es nie als etwas anderes angesehen. Das Armee-JROTC beschreibt sich jetzt selbst als „sich entwickelt zu haben aus einer Quelle eingezogener Rekruten und Offiziere zu einem Bürgerprogramm, das der moralischen, physischen und erzieherischen Besserung der amerikanischen Jugend verpflichtet ist.“

Doch der ehemalige Verteidigungsminister William Cohen sagte 2000 vor dem Komitee der Bewaffneten Streikräfte aus, dass das JROTC „eins der besten Rekrutierungsinstrumente ist, die wir haben können“.

Mit dieser nicht zugegebenen Mission in der Hand machte das Pentagon Druck für ein Ziel, das erstmals 1991 von Colin Powell, damals Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs präsentiert wurde: die Aufstellung von 3500 JROTC-Einheiten, um Studenten an den Hochschulen landesweit „zu verbessern“. Der Plan sollte in „erzieherisch und ökonomische unterentwickelte Gebiete“ vorangetrieben werden. Die verkommenen Schulen in den Innenstädten, der Rost-Gürtel, der tiefe Süden und Texas wurden ertragreiche Jagdgründe. Anfangs hat die Armee allein 4000 pensionierte Offiziere mobilisiert, um Programme an 1731 höheren Schulen durchzuführen. Alles in allem – Armee, Luftwaffe, Kriegsflotte und Marine – blühen jetzt JROTC-Einheiten an 3402 höheren Schulen im Lande – davon 65 % im Süden – mit insgesamt 557 129 Kindern.

Wie das Programm funktioniert

Das Verteidigungsministerium gibt mehrere hundert Millionen Dollar aus – 2013 ca. 365 Mill. $ – um Uniformen, vom Pentagon gebilligte Textbücher und Ausrüstung an das JROTC zu liefern, sowie einen Teil der Gehälter der Ausbilder zu bezahlen. Die werden von der Armee bestellt (nicht von den Schulen) und sind pensionierte Offiziere. Sie behalten weiter ihre Pensionen vom Bund, obwohl die Schulen verpflichtet sind, die Gehälter in der Höhe zu bezahlen, die sie im aktiven Dienst erhalten haben. Die Armee zahlt den Schulen dann etwa die Hälfte dieser deftigen Gehälter.

Vor zehn Jahren fand das American Friends Service Comittee heraus, dass die wahren Kosten der JROTC Programme für die lokalen Schuldistrikte „oft sehr viel höher waren – in manchen Fällen mehr als das Doppelte der Kosten, die vom Verteidigungsministerium genannt werden“. 2004 mussten die Schuldistrikte allein für Personalkosten „mehr als 222 Mill. $ ausspucken“.

Mehrere Schulrektoren, mit denen ich über die Programme sprach, priesen das Pentagon, weil sie das Schulbudget subsidierte, aber dann hatten sie offenbar keine Ahnung über die Finanzen der Schule. Tatsache ist, dass die Schulen, die JROTC-Programme anbieten, tatsächlich das Pentagon-Rekrutierungsprogramm subsidieren. Tatsächlich kosten die JROTC-Klassen die Schulen (und die Steuerzahler) bedeutend mehr als ein normaler Sportunterricht oder Kurse in amerikanischer Geschichte kosten würden – die beide oft als passend für JROTC Klassen angesehen werden.

Die Schulen haben auch keine Kontrolle über die Curricula des Pentagon, die inhärent für den Militarismus eingenommen sind. Viele Schulen übernehmen einfach JROTC-Programme, ohne einen Blick drauf zu werfen, was die Studenten gelehrt werden soll.

Das American Friends Service Committee und Veterans for Peace und andere Bürgergruppen haben Beweise zusammengetragen, dass die Klassen nicht nur teurer als reguläre Schulkurse sind, sondern auch qualitativ schlechter sind.

Was anderes als schlechte Qualität kann von dem Eigennutz dienenden Textbüchern verlangt werden, die von miteinander wetteifernden Zweigen der Armee geschrieben und von pensionierten Offizieren mit keiner Lehrqualifikation gelehrt werden?

Eins steht fest, dass weder die Texte noch die Instruktoren die Art von kritischem Denken lehren, das heute in den besten Schul-Curricula zentralen Stellenwert hat. Stattdessen werden Gehorsam vor der Autorität gelehrt, Angst vor den „Feinden“ und das Primat der militärischen Macht in der Amerikanischen Außenpolitik.

Bürgerinitiativen haben eine Anzahl von Einwänden gegen das JROTC vorgebracht, angefangen von diskriminierenden Praktiken – gegen Homosexuelle, Einwanderer und Moslems z. B. – bis  hin zu drn gefährlichen des Waffentragens in den Schulen (von allen Orten). Manche Einheiten richten sogar Schießbahnen ein, wo mit automatischen Waffen und scharfer Munition geschossen wird. Die JROTC verschönt die Mystik solcher Waffen, macht sie zu Objekten von Neid, Umarmung und Freudensprüngen bei der Chance, sie zu benutzen.

Zu ihrer Verteidigung publiziert das Programm ein 'Verkaufsargument', das in den USA weithin akzeptiert wird: dass es „Struktur“ verleiht, die Kinder davon abhält, die Schule zu verlassen, und es  Jungen (und jetzt auch Mädchen) mit „unruhigem“ Hintergrund in „Männer“ verwandelt, die, ohne das rettende JROTC zu Fixern oder Kriminellen oder Schlimmeren werden würden.

Colin Powell, der erste ROTC-Abgänger, der jemals zum Topjob in der Armee aufgestiegen ist, geht genau mit diesem Argument in seinen Memoiren 'My American Journey' hausieren. „Innenstadt-Kinder“, schreibt er, „viele aus zerbrochenen Elternhäusern, [finden] Stabilität und Rollenmodelle in der Junior ROTC.“

Doch gibt es keine Beweise, um diese Behauptungen zu stützen, von Zeugnissen wie dem des 14-Jährigen Jungen abgesehen, der mir sagte, er meldete sich an, um „Struktur und Halt“ zu bekommen. Dass Kinder (und ihre Eltern) in diese Verkaufsfalle stürzen, zeigt nur ihre eigenen begrenzten Möglichkeiten. Die große Mehrzahl der Studenten findet bessere, mehr lebensbestätigende „Struktur“ in der Schule selbst durch akademische Kurse, Sport, Chöre, Musikbands Wissenschafts- und Sprachgruppen, Betriebspraktikum usw. in den Schulen, wo es derlei Gelegenheiten gibt. Und es ist genau in diesen Schulen mit solchen Programmen, wo Verwalter, Lehrer, Eltern und Kinder zusammenarbeiten, am ehesten glückt, das JROTC fernzuhalten. Es bleiben also nur die „ökonomisch und erziehungsmäßig benachteiligten“ Schulen, die vom Pentagon aufs Korn genommen werden, um diesen „Ausschuss“ zu bekommen und für einen Oberst oder zwei deren Budgets zu sprengen, und Studenten mit fehlender „Stabilität und Rollenmodellen“ eine vielversprechende, obwohl vielleicht sehr kurze Zukunft als Soldaten geben zu können.

Schultage

In einer dieser Innenstadtschulen von Boston, überwiegend schwarz, saß ich in JROTC-Klassen, wo Kinder endlose Filme mit Soldatenparaden anschauten, und danach selbst im Schulgymnastiksaal mit dem Gewehr in der Hand üben mussten (ich muss zugeben, dass sie weit besser marschieren konnten als die Einheiten der Afghanischen Nationalen Armee, die ich auch gesehen habe, aber ist das etwas, worauf man stolz sein kann?). Da diese Stunden oft außerhalb des regulären Unterrichts stattfanden, hatten die Studenten genug Zeit, mit dem Armee-Ausbilder zu quatschen, dessen Arbeitstisch praktischerweise im JROTC-Zimmer stand.

Sie redeten auch mit mir. Ein 16-jähriges schwarz-amerikanisches Mädchen, Klassenbeste und bereits in die Armee eingeschrieben, sagte mir, dass sie den Armeeberuf wählen würde. Ihr Instrukteur – ein weißer Oberst, den sie als Vater ansah, den sie zuhause nie hatte – hatte die Klasse dazu gebracht zu glauben, dass „unser Krieg“ noch sehr lange dauern würde oder, wie er es ausdrückte, „bis wir auch den letzten Moslem auf Erden gekillt haben“. Sie wollte helfen, Amerika zu retten, indem sie ihr Leben diesem „großen Job vor uns“ widmen wollte.

Verblüfft platzte ich heraus: „Aber was ist mit Malcolm X?“ Er wuchs in Boston auf und ein Boulevard nicht weit von der Schule trug ihm zu Ehren seinen Namen. „War er nicht ein Moslem?“ fragte ich. „Oh nein,  gnä' Frau,“ sagte sie. „Malcolm X war ein Amerikaner.“

Ein älterer Junge, der sich auch schon in die Armee eingetragen hatte, wollte der Gewalt in den Straßen der Stadt entgehen. Er hatte sich angemeldet, kurz nachdem einer seiner besten Freunde im Kreuzfeuer eines anderen Kampfes in einem Gemischtwarenladen getötet wurde, nur einen Block von der Schule entfernt. „Ich habe hier keine Zukunft. Ich kann genauso gut nach Afghanistan gehen.“ Er sagte, seine Überlebenschancen wären dort besser als hier, aber er machte sich über die Tatsache Sorgen, dass er erst noch die Sekundarschule beenden musste, bevor er seinen „Dienst“ antreten konnte. Er sagte: „Ich hoffe, dass ich es in den Krieg schaffe.“

Welch eine Art Schulsystem gibt Jungen und Mädchen solch eine „Wahl“? Was für ein Land ist das? Was geht in den Schulen eurer Stadt vor sich? Ist es nicht an der Zeit, das herauszufinden?



Ann Jones ist Autorin eines neuen Buches 'They were soldiers: How the Wounded Return from America's Wars – the Untold Story'. Seit 2002 berichtet sie aus Afghanistan, wo sie 2 Bücher über die Auswirkungen des Krieges schrieb: 'Kabul im Winter' und 'Der Krieg ist nicht zu Ende, wenn er vorüber ist'. Ihre Webseite ist annjonesonline.com.


Quelle - källa - source

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