Montag, 28. Oktober 2019

Rede zum 50. Jahrestag der Schwedisch-Koreanischen Vereinigung am 26. Oktober 2019

Gestern abend kam ich aus Stockholm zurück, wo ich auf Einladung des alten Freundes Christer Lundgren - langjähriger Vorsitzender dieser Vereinigung - eine kurze Rede halten konnte, die viel Beifall fand. Ihr Inhalt wurde im Verlauf des Nachmittags auch von anderen Leuten aus dem Publikum bestätigt - insbesondere der Einsatz von den Bio- und Gaswaffen sowie die Vorliebe der Amerikaner, wehrlose Kinder, Frauen 
und Invaliden zu bombardieren. Eine bekannte schwedische Ärztin, Dr. Andrea Andreen, die über den Einsatz der verbotetenen Waffen in Korea geforscht hatte, war sogar Mitglied der Vereinigung gewesen bis zu ihrem Tod in den siebziger Jahren. Auf diesem Blog sind weitere Artikel zu Nord- und Südkorea zu finden.

Das wieder-erstandene Pjöngyang

Rede am 26. Oktober 2019 zum 50. Jahrestag der      Schwedisch-Koreanischen Vereinigung


Einar Schlereth


Sehr verehrter Botschafter der Demokratischen Republik Korea, verehrte Damen und Herren und alle Freunde!


Da Korea und Deutschland ein ähnliches Schicksal hatten und immer noch haben, dachte ich, als Deutscher einige Worte sagen zu müssen.

Ich war erst 15 Jahre alt, als die US-Truppen mit ihren Alliierten in Nordkorea ein-marschierten. Obwohl ich in dem kleinen Blatt der kleinen bayrischen Stadt nur wenig über den Krieg fand – sehr wenig, wenn die Amerikaner verloren, mehr, wenn sie mal siegten – sammelte ich alle diese Nachrichten sorgfältig von Anfang bis zum Ende mit dem Waffenstillstand und klebte sie in ein Heft. Ich freute mich, wenn die Koreaner siegten, war betrübt, wenn sie zurückgedrängt wurden.

Erst viel später merkte ich, dass West-Deutschland und die anderen Westländer nie für die Koreaner Partei ergriffen, sondern immer nur auf diese «verdammten Kommunisten» schimpften. Später las ich dann ja die Bücher von Burchett, Needham und anderen, in denen ich mehr erfuhr, was mich einerseits beschämte und andrerseits in Wut versetzte.
Blick in den Festsaal

Christer Lundgren resumiert die Vereinstätigkeit


Ich war gerade 7 Jahre alt geworden, als wir 2 Wochen später am 1. Januar 1945 bei - 42° C aus unserer Heimat flüchteten, die heute zu Polen gehört. Die Flucht quer durch Deutschland dauerte 10 Monate, mit einigen Aufenthalten mit den Russen auf unseren Fersen. Und wir flohen weiter. Und ständig – bis zum 15. Mai - dem Tag des Waffenstillstandes - wurden wir regelmäßig bombardiert von den Amerikanern und Engländern – nie vón den Russen. Die wussten ja, dass die endlosen Flüchtlingskolonnen nur aus Kindern, Frauen, Alten und Invaliden bestanden. Ein Bild habe ich das ganze Leben vor Augen: Eine Frau, die mit dem Kinderwagen über einen Acker rennt und ein Jet, der so tief fliegt, dass wir, im Straßengraben liegend, die beiden Piloten deutlich sehen konnten, wie sie schossen, nicht trafen umkehrten, abermals schossen und trafen und mehr weiß ich nicht. Ich glaube, ich wurde ohnmächtig.

Damals glaubte ich, dass dies halt ein paar sehr böse Menschen waren. Erst sehr viel später, während des Vietnamkrieges und der anderen imperialistischen Kriege habe ich begriffen, dass es nicht nur ein paar böse Menschen waren, sondern dass die Amis es liebten, sicher hoch oben im Flugzeug zu sitzen und Menschen zu bombardieren, wie sie es ja auch die ganze Zeit in Korea machten. Und ich begriff auch, dass das US System insgesamt teuflisch ist.

Von Anfang an führten alle europäischen Menschen, die nach Nordamerika strömten, einen Ausrottungskrieg gegen die indigenen Völker. Sie kriegten ständig. In fast 400 Jahren haben sie nur 17 Jahre in Frieden gelebt. Spanien, England, Frankreich, USA und Holland führten die meisten Kriege der Welt. Das muss ja einen Eindruck in der Psyche hinterlassen.

Aber Krieg hat ja einen Zweck. Und der ist, Land und Reichtümer zu stehlen und die Menschen andrer Länder zu unterdrücken, um ihre Arbeitskraft zu nutzen und sie in Sklaven zu verwandeln. Was ist das Gegenteil dazu? Das ist China. Tausend Jahre hat dieses Land keinen Krieg geführt. Gewiss hat es Handel getrieben, aber ohne Waffen und ohne Kanonenboote. Nach Indonesien, Ceylon, Indien, Oman und die ganze ostafrikanische Küste besuchten sie mit ihren riesigen Schiffen. Sie haben gekauft, getauscht, gehandelt.

Im 19. Jahrhundert dann begannen 100 Jahre der Erniedrigung, der Plünderung durch die westlicen «Kultur»-Länder und den japanischen Imperialismus. 1948 konnte Mao dne Sieg ausrufen und die Gründung der Volksrepublik China. Dann begann – ohne Krieg und Gewalt und Diebstahl und List und Betrügerei – allein durch eigene Kraft eine Zeit des Wiederaufbaus des gigantischen Landes mit 1.4 Mrd. Menschen, was die Welt in Erstaunen versetzte.

Im geringeren Maßstab hat Korea, besonders Nordkorea, dasselbe gemacht. Aus eigener Kraft hat es zweimal das Land aufgebaut. Beim 2. Mal hat vor allem Nordkorea die größte Last getragen. Die Amerikaner haben das ganze Land derart verwüstet, dass es kaum vorstellbar ist. Die USA haben sogar Gas und biologische Waffen eingesetzt. Es war viel schlimmer als in Deutschland. Außerdem hat Amerika ein Drittel der Bevölkerung ermordet. Auf Deutschland übertragen wären das 27 Millionen Leute gewesen, so viele, wie die Deutschen in Russland ermordet haben. Eine solch irre Zerstörung, so furchtbar viele Tote haben wir erst später wieder in Vietnam und Laos erlebt.

Alle diese amerikanischen und japanischen Kriegsverbrechen, alle diese massiven Massaker sind niemals gesühnt worden. Nicht ein Pfennig wurde bezahlt. Und das Schlimmste ist, dass Korea immer noch keinen Friedensvertrag erhalten hat, immer noch nicht wiedervereinigt ist und im südlichen Teil nach siebzig Jahren immer noch besetzt ist, wie Deutschland auch.

Für mich als Deutschen ist es besonders schändlich, dass West-Deutschland und das wiedervereinigte Deutschland niemals Nordkorea eine helfende Hand gereicht haben, niemals die widrigen Handlungen verurteilt hat, deren sich die USA schuldig machte gegen das tapfere, stolze koreanische Volk.


Vielen Dank.

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