Gerade kommt die gute Nachricht, dass ein von der UNO vermitteltes Einverständnis erzielt worden ist, unter Einbeziehung aller Parteien, Houthis, Sunnis, Sezessionisten und Islamisten, nachdem die Houthis die Hauptstadt gestürmt hatten. Ein Waffenstillstand mit sofortiger Wirkung wurde ebenfalls geschlossen. Damit fällt hoffentlich auch die Mordkampagne des Nobelpreisträgers ins Wasser.
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| Houthi-Rebellen |
Nun zum Artikel: Einerseits sind die Leute vom 'Conflict Forum' (ehemalige Großkopfete in der
US-Regierung) wohl recht gut informiert, halten
aber andererseits wichtige, jedoch unpassende Informationen zurück.
Kein Wort über Obamas Drohnen-Privatkrieg gegen 'al Qaida' im Jemen,
die auch von ihnen in Anführungsstriche gesetzt wird, aber im drauffolgenden
Satz wird wieder getan, als gäbe es sie doch. Auch kein Hinweis darauf,
dass auch der Interims-Präsident Hadi auf massiven Druck der USA
sein Amt durch eine gefälschte Wahl gewann. Und überhaupt ist der
ganze letzte Absatz völlig schwammig. Diese sogenannte 'al-Qaida'
fällt plötzlich vom Himmel und wird in keiner Weise näher
bestimmt. Jedenfalls hat es den Anschein, als ob sowohl die Saudis
als auch die Amis an Einfluss verlieren.
Jemen im Aufruhr und Saudis fürchten, von der ISIS in die Zange
genommen zu werden
Kommentator von Conflicts Forum Weekly
15. September 2014
Der Premierminster ist zurückgetreten; die Regierung ist
entlassen worden; Sanas Straßen sind mit zehntausenden
Houthi-Demonstranten und ihren Sunni-Alliierten gefüllt; die Straßen
sind blockiert und der Interims-Präsident Abed Rabbo Hadi sieht
entschieden angegriffen aus und seine Vorschläge, die Krise zu lösen
und eine neue Regierung zu bilden, sind von den Demonstranten "als
unzureichend" zurückgewiesen worden. Houthi-Sprecher sagten,
dass der rituelle "Schrei" von den Dächern Sanas am
Donnerstag abend, die "dritte Phase der Eskalation"
einleiten würde und ihre komplette Ablehnung der Benzinpreiserhöhung
(wie üblich Teil eines IWF-'Reform'-Programms) und der 'korrupten
Regierung' bedeute.

Kurz, die Hadi-Stammes-Gruppierung der Houthi (genannt nach
Hussein al-Houthi, der von der Regierung 2004 getötet wurde - zu
Beginn des 6-jährigen Krieges gegen den Versuch von Präsident
Saleh, die Bewegung zu zerschlagen) hat eine bemerkenswerte
Wiedergeburt erlebt, ein Erneuerung, ausreichend für die Bewegung,
die Herrschaft über Nordjemen errungen zu haben (die Gounvernate
Sa'ada und Amran - und effektiv auch die Hauptstadt, obwohl sie nicht
versuchten, Sana einzunehmen - bislang). Die Zaidi-Shiiten sind eine
bedeutende Gemeinde in dem überwiegend sunnitischen Jemen (sie
stellen 40 -45 % der Bevölkerung) und bilden eine solide Majorität
im nördlichen Hochland, einschließlich der Sanaa-Region. Sie sind
eine Schlüssel-Komponente der Proteste, die Präsident Saleh 2004
stürzten.
Trotz der Behauptungen, dass die Houthi eine Regierungs-Übernahme
wünschen oder einen Militärcoup planen, ist die Bewegung sorgfältig
darauf bedacht gewesen, ihre Forderungen nicht zu überziehen. Sie fordert
nicht, die Regierung zu führen (sie will nicht einmal Ministerposten
für sich). Sie fordert nur, dass die Erhöhung der Benzinpreise von 15 %
zurückgenommen wird und die Preise auf den Stand von vor 2011
gebracht werden, und dass die Pläne der Regierung einer Föderation
von sechs Regionen aufgegeben werden. Sie weisen auch die Initiative
des Interims-Präsidenten Hadi zurück, eine Einheitsregierung zu
bilden, in der er alle wichtigen 'strategischen' Kabinett-Minister
ernennt, aber mit Vertretern der Sezessionisten im Süden und auch
den Houthis. Für die meisten Demonstranten ist Hadis Initiative nur
"mehr vom selben" und daher nicht akzeptabel. Die
Zurückhaltung der Houthi hat die Basis der Proteste verbreitert,
obwohl ein Stamm, der Hadi-loyal ist (die Harith) in den Straßen von
Sana für den Präsidenten demonstrierte.
Die Houthis haben diese Position von 'Königsmachern' in Sana
erreicht, nachdem sie Salehs Anstrengungen, das von den Houthi
dominierte Sa'ada-Gouvernat zu 'wahabisieren' (indem sie die
Zaidi-Imame rauswarfen und sie mit Wahhabi-orientierten Predigern
ersetzten), und nachdem sie 2009 einen Angriff von Saudi-Grenztruppen
zurückschlugen (Berichten zufolge den Saudis schwere Verluste
zufügten), und nachdem sie die an der Moslem-Bruderschaft
orientierte Islah-Partei besiegten, die jetzt von eingeweihten
Kommentatoren als politisch gebrochen angesehen wird.
Die Houthis (oder Ansar Allah sind Teil der Shia-Zaidi) glauben,
dass die Moslems nur von ihren Imamen regiert werden sollten, wie es
seit mehr als 1000 Jahre der Fall war - eine Regel, die erst 1962
beendet wurde. Die ideologischen Differenzen zwischen Zaidis und der
Sunni Shafi'i Majorität sind jedoch nicht groß. Beide Sekten lebten
harmonisch zusammen und beteten in denselben Moscheen Jahrhunderte
lang und viele Shafi'i Sunnis stehen auf Seiten der Houthi in ihrer
Abneigung gegenüber den Moslembrüdern (Islah) und den Salafisten.
Die Saudis fürchten, dass die Houthis - indem sie effektiv die
Übergangsregelungen beseitigten, die Jemen von der Gruppe der sechs
Golfstaaten aufgezwungen worden waren , wodurch die Fortführung der
alten Saleh-'Ordnung, aber unter einem neuen Interims-Präsidenten
möglich wurde - die Instabilität verstärken, die Verpflichtung der
Regierung, anti-Saudi-Elemente zu bekämpfen schwächen werden und
den Da'ish erlauben werden, im Jemen Platz zu finden, wodurch diese
die Saudis vom Irak auf der einen Seite und vom Jemen auf der anderen
in die Zange nehmen könnten.
Hinter dieser Angst liegt noch ein Kummer der Saudis, dass die
Houthi-Kampagne die sorgfältig eingeführten Saudi-Strukturen der
Unterstützung (auch finanziell) in den vergangenen Jahren
beseitigen. Und dass außerdem das Houthi-Durchsetzungsvermögen und
anti-Regierungs-Gefühl wahrscheinlich die (Shi'i 'Severner')
Ismailis (die in dem strategischen Grenzland sitzen, das früher zu
Jemen gehörte, aber von den Saudis "genommen" wurde)
aufhetzen könnten, diesen neuen Houthi-Aktivismus nachzuahmen.
Die Salafisierungs-Kampagne im Norden (von den Saudis unterstützt)
ist von den Houthis bereits zunichte gemacht worden (obwohl es noch
aktive andere pro-Saudi und pro-Katar Salafisten Bewegungen an
anderen Orten gibt); Islah, die auch von gewissen Leuten in
Saudiarabien und zum Leidwesen der Saudis auch von Katar finanziert
wurde, ist jetzt sowohl gespalten (in pro-Saudi und
pro-Katar-Elemente) und schwach. Die Sunni-Stämme, aus denen sich
der sezessionistische Süden zusammensetzt, sind entschieden
anti-saudisch und gegen die Regierung in Sana'a eingestellt (und stehen
folglich den Houthis nahe) und sind - so wenig wie die Ismailis -
nicht im Einflussbereich der Saudis.
Der Schlüssel ist folglich, wenn die Sana'a-Regierung unter die
effektive Kontrolle der Houthi (Shi'i) fällt, was dann mit den
Kräften passiert, die bislang als 'al Qaida'-Kräfte bezeichnet
wurden und die eine erheblich Landmasse kontrollieren? Das ist der
Kummer der Saudis. Sie haben Verbindung zur Jemen-al-Qaida, aber
keineswegs die ganze (vielleicht weniger als die Hälfte). Wird
Da'ish (ISIS) die Chance nutzen, einen Teil der sogenannten 'al
Qaida' im Jemen, der vielleicht bereit wäre, den Kalifen in Mosul zu
unterstützen, zu kooptieren? Damit würde die ISIS an einer
schwachen Stelle des Königreichs sitzen. Die Zeit wird es weisen.
Aber vielleicht wäre die beste Antwort der Da'ish für die Saudis
(und ihre westlichen Alliierten), sich in die Forderungen der Houthis
zu fügen, statt als radikale Militante portraitiert zu werden.
Quelle - källa - source