Samstag, 17. September 2011

Tod den Libyern – Milliarden für den Westen

Dieser Artikel von Garikai Chengu vom 17. September gibt eine umfassende Übersicht von den zu erwartenden Gewinnen aus dem reichen Libyen. Jedoch enthält er einige zweifelhafte Behauptungen auf der Basis von Wikileaks-Dokumenten, die von 'illegalen Überführungen' zum Zweck der Folter reden, die ich in den mir zugänglichen Dokumenten nicht fand. Da war nur von Ausbildung für Sondereinheiten die Rede, die Libyen tatsächlich brauchte, wie sich durch die Aktivitäten der al-Qaida gezeigt hat. Und diese Leute wurden nur einige Jahre ins Gefängnis gesteckt und dann begnadigt (nicht à la Guantanamo endlos festgehalten), was sich allerdings als verhängnisvoller Irrtum herausstellen sollte.


Das große Fressen

Leute, die meinen, dass die Intervention des Westens in Libyen nur wieder ein Griff nach Öl ist, täuschen sich. Allgemein gesagt, handelt die Intervention für England hauptsächlich um Waffen, für Italien um Naturgas, für Frankreich um Wasser und für die USA um Konter-Terrorismus und Wiederaufbauverträge. Die Verbreitung von Demokratie und die Rettung von Leuten in Bengasi sind nur Vorteile am Rande, um die Mittel zu rechtfertigen.

Falls wir es vergessen haben, so begannen die NATO-Bombardements, weil Gaddafi „Bengasi mit dem drohte“, was die NATO selbst in Sirte macht.
„Geschichte ist eine Reihe von Lügen, auf die man sich einigt“, sagte Napoleon Bonaparte. Wenn die wahren Motive hinter dem, was die französischen Medien „Sarkozys Krieg“ tauften, unangefochten bleiben, werden sie im Nebel des Krieges verloren gehen.
Warum ist also Libyen so wichtig für den Westen? Jeder Grundstücksmakler könnte es sagen: die Lage. Da Libyen an einem strategischen Abschnitt des Mittelmeeres, der afrikanischen und arabischen Welt liegt, ist die Kontrolle dieses Landes immer eine besonders effektive Weise gewesen, die Macht in diesen drei Regionen und darüber hinaus auszuüben.
Für den Westen war die Kontrolle von Libyen schon immer von großer Bedeutung. Nach der libyschen Unabhängigkeit 1951, sind die amerikanischen, englischen und französischen Gelder für die Rechte von Basen der größte Einzelposten im libyschen Bruttonationalprodukt gewesen, bis die Ölexporte 1961 zu fließen begannen.
Heute ist das Interesse an Libyen für Herrn Sarkozy eine Ware, kostbarer als Öl, nämlich Wasser. Es wird zunehmend akzeptiert, dass Wasser das Gut des 21. Jahrhunderts zu werden verspricht, das Öl im 20. Jahrhundert gewesen ist: die wertvolle Ware, die den Reichtum der Nationen ausmacht.

Anders als beim Öl gibt es kein Substitut, Alternativen oder Lückenbüßer für Wasser. Die Natur hat festgelegt, dass der Vorrat an Wasser unveränderlich ist. Doch der Bedarf steigt unerbittlich, da die Bevölkerung der Welt steigt und sie reicher wird. Bevölkerungswachstum, Klimawechsel, Verschmutzung, Verstädterung und die rapide Entwicklung der Industrieproduktion tragen unablässig dazu bei, dass der Bedarf nach Wasser 2040 das Angebot um 40% übersteigen wird.
Libyen sitzt auf einer Ressource, wertvoller als Öl, und zwar dem nubischen Sandstein Aquifer, einem ungeheuren Frischwassersee. Oberst Gaddafi hat klugerweise 25 Mrd. Dollar in das Große Menschgemachte Flussprojekt gesteckt, ein Komplex einer 4000 km langen Pipeline tief in den Sand der Sahara gegraben, die täglich 2 Millionen Kubikmeter Wasser transportieren kann. Dieses monumentale Wasserverteilungs-System konnte Libyen – das zu 95% aus Wüste besteht – in eine Oase zur Selbstversorgung an Nahrungsmitteln verwandeln.

Heute kontrollieren Frankreichs Mega-Wasser-Gesellschaften wie Suez, Ondeo und Saur mehr als 45% des Wassermarktes der Welt und drängen mit Macht auf die Privatisierung des Wassers – bereits ein 400 Mrd. Dollargeschäft weltweit. Für diese französischen Gesellschaften wird Libyen eine Bonanza sein. Kein Wunder, dass Le Monde ihn „Sarkozys Krieg“ taufte und eine „SIEG“ erste Seite hatte, als Gaddafis Wohnung gestürmt wurde.
Ende vergangenen Jahres malte die CIA verdächtigerweise das Gespenst „künftiger 'hydrologischer Kriege' an die Wand, in denen Flüsse, Seen und Aquifers Gegenstand nationaler Sicherheit werden, um die gekämpft wird“ oder die von Stellvertreterarmeen und Marionettenstaaten kontrolliert werden. Der Regimewechsel in Libyen ist der erste Schritt in die hydrologische Kriegführung.
Die Kriegsbeute aus Libyen wird das Wasser in der Hauptsache Frankreich überlassen. Herr Cameron hat einen anderen Markt im Auge – Waffen.

Die Frage der westlichen Waffenverkäufe an Regime, die Aufstände unterdrücken, wird ebenso bereitwillig übersehen wie ein amerikanisches Kriegsverbrechen. Selbst nachdem 'The Times of London' eben berichtete, dass England einen 30-prozentigen Zuwachs an Waffenverkäufen in den Nahen Osten hatte während des arabischen Frühlings. Der Verkauf an Waffen stieg zwischen Februar und Juli auf 101 Millionen Dollar, hieß es im Times-Bericht, einschließlich solcher Waffen, die zur Unterdrückung heimischer Proteste dienen.
Obamas Verwaltung sitzt sogar noch tiefer in dem zweifelhaften Waffenhandel. Die USA dulden keinen Rivalen an dieser Front. Im vergangenen Jahr haben die USA im Schnitt für ungeheure 5.8 Mrd. $ Waffen in den Nahen Osten verkauft.
Eben die militärische Hardware, die von der NATO so rühmlich um 90% reduziert wurde, muss ersetzt werden. Die US-Waffenindustrie wird vergnügt bereit sein, ihr Marionettenregime bis zu den Zähnen zu bewaffnen. Libyen wird eine Bonanza für die US-Waffendealer sein.
Die amerikanischen Infrastrukturfirmen werden auch die unerhofften Profite für den Wiederaufbau einheimsen. Die brutale Realität ist die, dass jede Brücke, Straße, Eisenbahn und jedes Gebäude, das die US-Flugzeuge bomben, neu gebaut werden muss mit den Steuergeldern der Libyer.
Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die annähernd 1.1 Mrd. $, die von der US-Regierung zur Bombardierung von Libyen ausgegeben wurden, ein Tropfen in den Ozean sind verglichen mit den Profiten, die von den US-Bauunternehmen erwartet werden, von denen viele enge Verbindungen zu den Spitzen der Armee und der Obama-Verwaltung haben.
Tatsächlich haben 70 amerikanische Unternehmen und Individuen 8 Mrd. $ an Verträgen in Irak und Afghanistan in den vergangenen zehn Jahren gewonnen, laut einer Studie des Center for Public Integrity.
Laut eben dieser Studie hatten 70% dieser Gesellschaften Angestellte oder Mitglieder des Vorstands in Diensten, die an den maßgeblichen Stellen der republikanischen oder demokratischen Verwaltungen entweder gearbeitet oder enge Beziehungen mit ihnen hatten, als Mitglieder des Kongresses oder auf der höchsten Ebene der Armee.
Daher stehen jene in der Armee, die die Aufgabe haben den 'collateral damage' an Eigentum zu minimisieren, dem Profit im Wege. Kurz und gut, Bomben werfen kann profitabel sein.
Die kürzlichen Enthüllungen der Korrespondenz zwischen CIA und Libyens Geheimdienst beweisen, dass die USA ihre Terrorverdächtigen für Folter oder „verbesserte Verhöre“ an Libyen übergeben haben vermittels des internationalen Auslieferungsprogramms. Diese Enthüllungen sind peinlich, aber nicht überraschend. Nichtsdestoweniger gibt es keinen Zweifel, dass ein gefügiges Marionettenregime fortfahren wird, Amerikas schmutzige Arbeit zu machen.
Zu guter Letzt hat Libyen auch noch Öl. Auch wenn der selbstgerechte Westen was Anderes behauptet, ist Öl fraglos ein wichtiger Teil der Gleichung. Libyen hat die größten Ölreserven Afrikas und 85% seiner Exporte gehen nach Europa.
Fotos vom italienischen Premier Silvio Belusconi umgeben von Gaddafis weiblichen Bodyguards, der die Hand des libyschen Führers  auf dem Leonardo Da Vinci Flughafen küsst, deuten an, wie wichtig Libyen für Italien ist.

Libyens Öl ist besonders bedeutend für Italien wegen seiner Nähe, der mühelosen Gewinnung und seiner Reinheit. Die meisten Raffinerien in Italien und sonstwo sind gebaut, um libysches Öl zu verarbeiten; sie können nicht ohne weiteres das schwere saudische Öl verarbeiten, das seit kurzem die libyschen Ausfälle ersetzt hat.

Die libyschen Gasreserven werden auf über 52.7 Billionen Kubikfuß berechnet und große Gebiete des Landes sind noch gar nicht prospektiert. Mit den sicheren Lieferungen aus Libyen wird Italien weniger abhängig von Lieferungen aus Rußland, das an der Energiefront seine Muskeln spannt und seine Nase in Europa-Angelegenheiten steckt.
Libyen hat eine Küste von über 3000 km nur wenige Kilometer von Italien entfernt und hat durchlässige Grenzen mit drei armen afrikanischen Ländern. Deshalb ist ein gefügiges Regime, das den Strom von Asylsuchern aufhält und das Öl und Gas fließen lässt, für Rom von großer Bedeutung.
Von Erdöl bis Wasser, 'water-boarding' bis Waffen und von Gas bis zum Wiederaufbau wird der Krieg in Libyen Milliarden Dollar einbringen.
Der Originalartikel liegt hier.

Kommentare:

  1. Gerade eben fand in London die größte Rüstungsmesse der Welt statt: Defence & Security Equipment International. Da steht auf der Website: "With over 1,300 exhibitors, DSEi is the key event for the defence and security community. It provides a unique platform to view the latest equipment and systems from the world’s defence and security industry, such as BAE Systems, General Dynamics, Lockheed Martin and Finmeccanica. DSEi provides an opportunity for visitors to develop international relationships and generate new business opportunities." Das ist nur angesichts des Leidens von Millionen Menschen nur noch zynisch.
    In diesem Zusammenhang muss man auch die schrecklichen Umweltfolgen des Militarismus bedenken. In einem Pamphlet von Disarm DSEi, die Teil der Antirüstungsbewegung ist, steht folgendes: "Das US-Militär is verantwortlich für die Hälfte des weltweiten Gebrauchs von FCKW, was für 13 Prozent des Ozonabbaus verantwortlich ist. CO2-Emissionen infolge von militärischen Aktivitäten machen 10 % der globalen Emissionen aus. Die weltweiten Streitkräfte sind verantwortlich für mehr als zwei Drittel aller FCKW-113 Emissionen in die Ozonschicht. Das US-Militär ist der größte Umweltverschmutzer der Welt und produziert mehr Gifte pro Jahr als die Top fünf Chemieunternehmen zusammen. Das Pentagon ist der größte Verbraucher von Öl in der Welt. Die Umweltfolgen von Krieg liegen auf der Hand: Anzünden von Ölquellen (z. B. das größte Ölleck, das jemals das Mittelmeer erreicht hat), in der Landschaft verstreute Splitterbomben und abgereicherte Uranmunition, die tötet, verstümmelt und vergiftet, die entlaubte Landschaft nach dem Besprühen mit Chemikalien oder auch nach riesigen Waldbränden, zerbombte Abwasserkanalsysteme, die das Grundwasser vergiften."
    Es ist zum Kotzen!
    LG, Susanne

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  2. Du hast Recht, Susanne. Über die Rolle der Armeen und insbesondere der gigantischen US-Armee für Tod, Verderben, Verstümmelung, Umweltversuchung wird so gut wie nie etwas gesagt und noch weniger geschrieben. Das müssen wir ändern. Einar

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