Sonntag, 17. November 2013

Warum wir einen offenen Diaolog über Weibliche Genital-Verstümmelung auch im Westen brauchen (Petition und Video)


Soggy Mog wendet sich an ihre englischen Mitbürger, aber ich denke, dass geht die Deutschen, Franzosen, Amerikaner und alle in den westlichen Ländern an, weil es auch bei uns eine gängige Praxis geworden ist. Und wahrlich, wer sich diesen ausgezeichneten und brutal aufrichtigen Film von Leyla Hussein angesehen hat, wird mit ihr und Soggy Mog einer Meinung sein, dass wir – vor allem Männer, aber auch Frauen – uns unsere Ausreden schenken können, denn es sind 'faule' Ausreden, für die es weder in Wissenschaft und nicht einmal in der Religion eine Rechtfertigung gibt. Als einzige Rechtfertigung wird die Tradition angegeben, aber es ist eine widerwärtige, brutale, Leib und Seele zutiefst verletzende Tradition, die allein gegen einen großen Teil der weiblichen Hälfte der Menschheit gerichtet ist. Eine Tradition, die von Frauen-, Lebensfeindlichen, sadistischen Männern (auch Frauen gibt es davon reichlich) ersonnen wurde, um ihre Unterdrückung der Frauen noch mehr zu festigen. Schluss mit dieser feigen, schändlichen Praxis.


Warum wir einen offenen Diaolog über Weibliche Genital-Verstümmelung auch im Westen brauchen
Soggy Mog
11. November 2013


Leyla Hussein
Gestern abend fand ich endlich Zeit, mir Leyla Husseins C4 Dokumentarfilm über Weibliche Genitalverstümmelung [Die englische Abkürzung FGM hat sich auch hier eingebürgert, siehe Weibliche Genitalverstümmelung auf Wiki, wo kein Wort dazu steht, dass die Praxis inzwischen auch in fast allen westlichen Ländern weit verbreitet ist. D. Ü.] anzusehen. Ich fühle mich wegen des „endlich“ schuldig, weil ich ihn mir schon früher hätte ansehen müssen, aber zu meiner Verteidigung: ich wusste einfach nicht bis gestern, wie wichtig es war, dass ich – und alle anderen auch – ihn ansehen musste.

Ich glaube, dass ich besser über FGM als die meisten Briten informiert bin, gewiss besser als die meisten Briten, die nicht zu einer der Gemeinden gehören, in denen die Praxis noch üblich ist. Ich habe jede Menge Artikel gelesen und Webseiten, die gegen diese Praxis agitieren. Wenn gefragt, hätte ich euch erzählen können, was FGM ist, auch über die drei bekannten Unterarten, und ich hätte Fakten und Zahlen über ihr Vorkommen nennen können.

Ich hätte euch erzählen können, dass sie Narben (sowohl physische als auch emotionale), Infektionen, Schwierigkeiten mit Sex und bei der Kindergeburt, Unfruchtbarkeit und gelegentlich den Tod verursachen kann.

Ich wusste, dass FGM oft – sogar allgemein – ohne Betäubung und elementare Hygiene durchgeführt wird. Ich wusste, dass ich gegen FGM bin, wusste, dass es eine barbarische und völlig unnötige Form der Folter ist, der kleine Mädchen unterzogen werden mit dem Ziel, ihre Sexualität im späteren Leben zu unterdrücken. Kurz, ich dachte, ich wüsste, wovon ich spreche.

Nicht die Spur. Es stellt sich heraus, dass eine ganze WELT zwischen dem intellektuellem Wissen liegt, dass FGM bedeutet, die Klitoris und die Klitorisvorhaut zu entfernen, manchmal auch Entfernung der inneren und/oder äußeren Schamlippen und gelegentliches Zunähen der Wunde bis auf eine kleine Öffnung für Urinieren, Menstruation, Sex und Kindergeburt, und der Realität. Sieht man, wie es getan wird (an einem übergroßen Modell) und dann – kurz – die Ergebnisse, ist etwas ganz Anderes.

Ich kenne euch nicht, aber ich wünsche mir sehr, dass ihr es euch anschaut. Die Bilder sind lange nach der Verstümmelung der Frau entstanden, viele Jahre. Aber ich will gar nicht daran denken, mir die Marter vorzustellen.

In ihrem Dokumentarfilm untersuchte Hussein die Haltung der britischen Öffentlichkeit, indem sie eine falsche Petition aufsetzte zur Verteidigung der FGM als einer kulturellen Praxis, und wie sie natürlich entsetzt war, als fast alle, die sie auf der Straße fragte, sie unterschrieben. Das hätte mich auch niedergeschmettert.

Obwohl es sicherlich stimmt, dass ein gewisser kultureller Einfluss mitspielt und die Angst, rassistisch zu erscheinen, was viele wohlmeinende Menschen zur Unterschrift bewegte, glaube ich, dass es noch einen Grund gibt, dass so viele Leute glücklich unterschrieben haben, um das Recht der Leute zu verteidigen, ihre Töchter dieser Folter und Verstümmelung zu unterwerfen.

Wir verstehen es einfach nicht, wissen nicht genügend darüber. Wie gut wir auch über die kalten Fakten der FGM informiert sein mögen, so fehlt den meisten von uns die Vorstellungskraft, gründlich zu verstehen, was es ist und was es Menschen antun kann. Tatsächlich wurde das klar in dem Film durch die erschütternde Veränderung der Haltung einiger junger Männer, mit denen Hussein darüber sprach; vor der Demonstration waren sie der FGM gegenüber ambivalent eingestellt oder gar dafür; als sie begriffen, was es wirklich bedeutete, waren sie entsetzt und waren gegen die Praxis. Ich weiß, dass ich auch nicht den wirklichen Horror begriff bevor ich Bilder wie diese sah, und ich weiß es wohl immer noch nicht richtig, denn ich muss nicht damit leben.

Doch hier kann eine dünne Linie übertreten werden. Glaube ich wirklich, dass Leute, die nicht Gefahr laufen, verstümmelt zu werden, ein besseres Verständnis davon haben müssen, worum es wirklich geht und was es bedeutet? Absolut. Laufe ich Gefahr, es in eine Monstrositätenshow zu verwandeln und vielleicht die FGM- Opfer ihrer Würde zu berauben oder sie zu beschämen wegen etwas, was ihnen angetan wurde, bevor sie alt genug waren, um dafür verantwortlich zu sein? Absolut und kategorisch NEIN. Ich weiß nicht genau, wo diese Linie liegt, aber ich denke, wir alle müssen mehr Empathie bekommen für das, was FGM ist; alle Statistiken der Welt, glaube ich, können uns, die wir nie in unserem eigenen Leben damit zu tun hatten, das nie in Wahrheit begreiflich machen.

Hussein hat auch eine Petition aufgelegt, die 100 000 Unterschriften benötigt, damit sie im Parlament debattiert wird. Bitte, bitte unterzeichnet sie; tausende Mädchen sind in England in diesem Moment in Gefahr,  und England hat niemals einen einzigen Fall von FGM vor Gericht gebracht, trotz der Tatsache, dass es seit 1985 als Verbrechen angesehen wird. Wenn ihr irgendwelche Zweifel habt über die Notwendigkeit, diese Praxis zu beenden, dann schaut euch den Dokumentarfilm an; das ist Misshandlung und Folter, die zu lebenslangem Leiden führt. Dies darf nicht vor unseren Augen weitergehen.
Video


Moggys Blog

Kommentare:

  1. Genitalverstümmelung ist GOTTESLÄSTERUNG !
    Dies sollte jedem Befürworter klar gesagt werden!
    Gott hat die Frauen so geschaffen. Wer da meint, dass er bei der Erschaffung etwas falsch gemacht hat, stellt sich über Gott!

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  2. Aber bei den Männern darf man munter weiter schippeln? Die Diskussion ist total feige,sexistisch und männer-(jungen-)verachtend.

    http://pro-kinderrechte.de/

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  3. Nun blas dich mal nicht so auf. Hier geht es um eine bestimmte Aktion, die in England in Gang gebracht wurde. Die Beschneidung von Jungen ist natürlich auch beschissen und sollte eingestellt werden, ist aber dennoch nicht mit der weiblichen Genitalverstümmelung zu vergleichen. Ähnlich wäre, wenn man den Jungen den halben Pimmel abschnippelte.

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  4. Hier einen Vergleich mit dem "männlichen" Schnippeln aufzustellen halte ich auch für total hirnrissig, auch wenn ich ein Kerl bin. Wenn ich mir vorstelle, daß bei der Frau das meiste rausgeschnitten wird und die empfindlichsten Zonen entfernt werden, da müßte man fast schon Amok laufen bei denen, die so etwas beführworten und nicht schnell mal sich eine Doku darüber ansehen, damit sie mal verstehen, was da passiert und wirklich gemacht wird.
    Beschneidung ob beim Mann oder der Frau sehe ich als Folter und Verstümmelung an, dieser "Schlächter-Tradition" sollte man unter Strafe stellen ... wobei mir Gefängnis ehrlich gesagt zu harmlos erscheint.

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  5. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1998 eine Definition für die weibliche Genitalverstümmelung – englisch: Female Genital Mutilation (FGM) – veröffentlicht: „FGM umfasst alle Verfahren, die die teilweise oder vollständige Entfernung der weiblichen äußeren ­Genitalien oder deren Verletzung zum Ziel haben, sei es aus kulturellen oder anderen nichttherapeutischen Gründen.“

    Die WHO definiert vier Typen weiblicher Genitalverstümmelung (FGM Typ I, II, III, IV), beispielsweise:

    Typ I: Untertyp Ia: Partielle oder vollständige Entfernung der Klitorisvorhaut. Untertyp Ib: Partielle oder vollständige Entfernung der Klitoris (Klitoridektomie).

    Typ IV: Alle anderen schädigenden Eingriffe, die die weiblichen Genitalien verletzen und keinem medizinischen Zweck dienen, zum Beispiel: Einstechen, Durchbohren, Einschneiden, Ausschaben, Ausbrennen, Verätzen oder Dehnen.

    Aktivisten für allgemeine Menschenrechte und für Frauen- und Kinderrechte treten den Versuchen entgegen, den Standard der WHO-Kategorie aufzuweichen, aufzuspalten in einen weiterhin verbotenen und einen dann straffrei gestellten Teil, der etwa die Chatna oder Sunna umfasst (meistens eine FGM Typ I oder Typ IV).

    Erstmals in der Geschichte der USA begann im April 2017 ein Strafprozess nach 18 USC 116 (female genital mutilation), nachdem in Detroit, Michigan, die Ärztin Dr. Jumana Nagarwala sowie die Eheleute Attar angezeigt worden sind. Die drei Beschuldigten sind Angehörige der schiitischen Dawudi Bohra.

    So etwas wie eine geringfügige FGM gibt es nicht. Treten wir dafür ein, dass noch die geringst invasive Form der weiblichen Genitalverstümmelung verboten bleibt oder verboten wird – überall auf der Welt.

    Adriaan Broekhuizen

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  6. Kirchentag | Am 27. Mai 2017 warb Aus der Au sinngemäß dafür, die Beschneidung des Geschlechtsorgans eines muslimischen Mädchens zu tolerieren und diese FGM besser durch einen ausgebildeten Arzt durchführen zu lassen als durch einen Laien im Hinterhof.

    Strafanzeige wegen Billigung bzw. Bewerbung der weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) und wegen Aufruf an Ärzte zur Durchführung der FGM gegen Prof. Dr. Christina Aus der Au, Theologin, Frauenfeld (TG), Schweiz

    https://eifelginster.wordpress.com/2017/05/31/470/

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