Freitag, 9. September 2016

FORTSCHRITT! WO IST DER VERDAMMTE FORTSCHRITT, VON DEM ALLE REDEN?


PROGRESS? WHERE IS THAT DAMNED PROGRESS EVERYBODY IS TALKING ABOUT? *

Einar Schlereth
9. September 2016

US-Vision vom Fortschritt
Wie ich die Aufklärer beneide! Diderot, d'Alembert, Bayle, Voltaire, Rousseau – sie hatten nicht nur Mut, sondern sie konnten noch Hoffnung in den Fortschritt der Menschheit setzen, für die Zukunft und den Sieg der Vernunft. Ja, sie mussten kämpfen, riskierten Anwürfe und Gefängnis, aber sie kamen doch schrittweise voran. Das galt auch noch für die Köpfe und das Volk in der Großen Französischen Revolution von 1789. Diese zahllosen Klubs, losen und straffen Vereine und Parteien, wo Neues erdacht, diskutiert und probiert wurde unter äußerst starkem Widerstand. Allerdings ging mit der Ermordung Marats eine sehr große Hoffnung auf wirkliche Befreiung verloren. Dem Gegner Marats, Robespierre half es nichts, dass er den Besitz der Kapitalisten rettete. Auch er kam unter die Guillotine.

Voltaire, Diderot u. a.
Der Kapitalismus siegte, sinnreich verbildlicht im Kaiser Napoleon, ein meineidiger Schuft und Rassist, der sich exakt derselben Verbrechen schuldig machte wie Hitler, indem er ein Land nach dem anderen überfiel und seine Marionetten-Regime installierte. Man nannte es Revolutionsexport. Es war also keineswegs eine kommunistische Erfindung, sondern eine kaiserlich-bürgerliche, die deswegen nicht als „größtes Verbrechen gegen die Menschheit“ deklariert wurde wie 130 Jahre später in Nürnberg.


Der Kapitalismus siegte. Und da ging es nicht mehr in erster Linie um Fortschritt des Menschen, oh nein, sondern um materielle Dinge. Er siegte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch getrieben durch die Dampfmaschine. Wie die Kraft jener Maschine die Menschen begeisterte. Sie träumten, dass sie die harte Knochenarbeit in Zukunft machen würde. Was diese Maschinen erreichten und in der englischen kapitalistischen Heimat bewirkten, hat Engels in mehreren Arbeiten untersucht und anschaulich beschrieben. Die Leute wurden zu Sklaven und die Umwelt zur Hölle. Marx und Engels sahen das genau, waren aber der Meinung, dass diese Lohnsklaven eines Tages ihre Fesseln abwerfen und eine neue Gesellschaft aufbauen würden. Sie sahen in dieser Entwicklung einen Fortschritt. Diese Meinung teile ich nicht. Ich hatte von Anfang Schwierigkeiten mit ihr, aber erst im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass dies der zweite Schritt war, bevor der erste gemacht wurde. Aber gehen wir weiter.

1848 entstand das Manifest von Marx und Engels mit seinen leuchtenden, klaren und einfachen Gedanken, an denen Karl und Friedrich noch fast ein halbes Jahrhundert feilten. Obwohl dazumal ja auch schon die Rückschläge kamen. Die '48er Revolutionen gingen alle in die Hose. 1871 blitzte ein Hoffnungsschimmer auf – die Pariser Kommune. Sie lieferte wertvolle Erfahrungen, die von Marx und Engels herauskristallisiert wurden. Danach schossen überall Parteien mit revolutionären Ideen aus dem Boden, aber was machten sie aus den Ideen von Marx und Engels? Marx kam aus Frankreich zurück, raufte sich die Haare und sagte: „Eins weiß ich genau – dass ich kein Marxist bin!“ Und Engels ging es mit den deutschen Sozialdemokraten nicht viel anders. Ich frage mich, ob beide, sowohl Marx, der ja früh verschied, als auch Engels mit großer Hoffnung ins Grab gestiegen sind.

Hätte Engels noch den großen Verrat der Sozialdemokratie erlebt, die mit Hurrah-Gebrüll in den 1. Weltkrieg marschierte, wäre ihm das Herz gebrochen. Diese größte revolutionäre Partei der Welt, die mehrheitlich aus kleinsten Geistern bestand, die sich Partei-Apparatschiks und Revisionisten herangezüchtet hatte, die nichts Eiligeres zu tun hatten, als unter den Rock des Kaisers zu kriechen.
Es ist so lange her, aber mir kommt heute noch der Kaffee hoch. 

Von jener Stunde an stieg bei den Sozis der Hass gegen die Kommunisten, jene, die die Fahne hoch gehalten hatten, ins Unermessliche. Sie wussten, welchen ungeheuren Verrat sie begangen hatten. Und das schlechte Gewissen trieb sie dann von einem Verrat in den nächsten. Ununterbrochen bis zum heutigen Tag. Seht und hört euch um – der Hass der Sozis wird nur noch von dem der Trotzkisten übertroffen, da beide eineiige Zwillinge sind.

Leichenfelder in Verdun
Und worin besteht der Fortschritt mit dem 1. Weltkrieg? Noch bessere Waffen, mit viel größerer Zerstörungskraft, Gas-Angriffe und die ersten Luftangriffe, die aller feigste Form Kriegsführung. Wenn man nicht die Oktober-Revolution als solchen begreifen will. Ich würde sagen, im Prinzip ja. Aber, aber … Waren es nicht Proletarier, die unter Führung von 16 Regierungen auf die Revolution eingedroschen haben, mit Millionen Toten als Folge und ein schwerer Schlag für die Revolution? Wie viele Kommunisten sind unter ihnen gewesen? Von den Sozis ganz zu schweigen. Für die war die Oktober-Revolution ein echter Schock.

Die Sozialdemokratie (wohl gemerkt denke ich an den harten Kern, der alle linken Abspaltungen und jede Kritik eisern durchstand, nicht die kleinen verratenen Mitglieder) hat sofort das Feuer auf die Kommunisten eröffnet, hat an der Seite der Imperialisten gegen die 'Roten' gekämpft und hat ebenso eifrig wie die Reaktion die übelsten Lügen zusammengestoppelt. 16 Länder versuchten, das Feuer auszutreten, doch sie wurden alle geschlagen. Aber um welchen Preis!

In jedem Kampf, ob klein oder groß, fallen immer die besten Genossen. Die Menschen, die wissen, worum es geht. Selbst wenn kein Krieg herrscht – ich denke an das Beispiel der USA – werden die klügsten, hingebungsvollsten Vertreter des Volkes angeschwärzt, verleumdet, hinterhältig ermordet. Um wieviel größer sind die Opfer in einem großen Krieg.

Nachdem die Koltschaks und die Imperialisten und weißen Marodeure geschlagen worden waren, gab es ja noch genug, die erst einmal kleine Brötchen buken und ihre Stunde abwarteten. Die aus Neid und Wut, wo immer es ging, Sand ins Getriebe streuten, Gerüchte ausstreuten, Sabotage begingen. Das war nicht kurzfristig, nicht nur über ein paar Jahre. Nein, das gab es so lange, wie es die Sowjetunion gab. Immer angefeuert und oft auch bezahlt von den äußeren Feinden, die einen doppelten Grund für ihren Hass haben: zum einen, weil es Russen sind, zum anderen, weil es Kommunisten sind. Der letztere ist ja jetzt entfallen; egal, der erste Grund zählt doppelt.

Man muss sich wirklich ernsthaft mit der Geschichte der Sowjetunion auseinandersetzen, um zu begreifen, welch ungeheure Anstrengungen allein der Wiederaufbau des Landes nach Weltkrieg und ausländischer Invasion gegen die Revolution gekostet hat in diesem größten Land der Welt. Und gleichzeitig sollte eine völlig neue Gesellschaftsform aufgebaut werden. Tretjakow, Freund von Brecht, hat in seinem Roman 'Feld-Herren' eine faszinierende Darstellung der großen Aufgaben zu Papier gebracht, die sich beim Aufbau der Sowchosen ergaben.

Genau besehen war Stalin in einer ähnlichen, wenn nicht noch schwierigeren Lage wie Putin es bei Beginn seiner Präsidentschaft war. Umgeben von Todfeinden innen und außen in einem riesigen, weithin zerstörten Land, mit einem kleinen Proletariat, wenigen Ingenieuren und Technikern, noch weniger Wissenschaftlern und Intellektuellen ist es ihm – und Lenin nicht zu vergessen – gelungen, mit großem diplomatischen Geschick die Phalanx der ausländischen Gegner zu durchbrechen; im Innern das Unterrichtswesen auf allen Ebenen zu organisieren, eine Schwer- und Leicht-Industrie auf die Beine zu stellen und die Landwirtschaft grundlegend neu zu gestalten. Putin konnte jedoch auf eine gebildete Arbeiterschaft und außerordentlich fähige Techniker, Ingenieure, Experten und Wissenschaftler zurückgreifen.

Oh ja, jetzt werden die 'armen Kulaken' angeführt. Lest nach bei dem investigativen Journalisten und Schriftsteller Tretjakow, wie die Kulaken Schlange standen bei den Sowchosen, die in kürzester Zeit die Großbauern in der Produktion, der Bildung, Wohlstand und Freizeit überflügelten. Richtig ist, dass es nicht überall so lief. Natürlich gab es Revoluzzer und verkappte Rote, die mit Gewalt vorgingen und somit bewusst oder unbewusst der Revolution schadeten. Aber offizielle Politik ist das nie gewesen. Dasselbe Phänomen gab es später auch in der chinesischen Revolution zu sehen. Die Revolution mit der roten Fahne bekämpfen, nannte es Mao.

Hinzu kam Anfang der dreißiger Jahre die faschistische Drohung – ausgerechnet aus Deutschland wie heute wieder. Stalins Weitsicht war es zu verdanken, dass die richtigen Folgerungen daraus für Russland gezogen wurden. Die vorhandene und neue Industrie wurden in einem enormen Kraftakt hinter den Ural verlegt, die Armee wurde verstärkt und modernisiert und vor allem in den hohen und höchsten Rängen gründlich gereinigt. Sogar der Generalstab war vom deutschen Geheimdienst unterwandert worden. Oh, dieser Diktator Stalin. Die faschistische Lügenpropaganda wurde auch von den bürgerlichen und sozialdemokratischen Medien dankbar aufgenommen.

Aber der Weltkrieg kam, wie von Hitler, der CIA, der Wall Street und England geplant. Zur größten Überraschung der westlichen Strippenzieher hat Russland den deutschen Faschismus vernichtend geschlagen. Auch wenn die Amis heute ernsthaft behaupten, sie hätten den Krieg gewonnen. Naja, da sie selbst keine Lorbeeren gewinnen, müssen sie sich mit fremden schmücken. Aber ich muss abermals betonen, was ich oben schon sagte: der Preis, den Russland bezahlte war unfassbar – mit 27 Millionen Toten, davon 21 Millionen Zivilisten. Das ist der wahre Holocaust gewesen. Und auch die 5-6 Millionen toten Bengalen durch Churchill ist ein wahrer Holocaust gewesen. Auch die 14 Millionen Chinesen, die von den Japanern massakriert wurden, sind ein wahrer Holocaust gewesen. Um dies alles zu vertuschen, wurde sehr schnell zum zweiten Mal ein Holocaust der Deutschen an den Juden erfunden. Im 1.Weltkrieg haben die Deutschen schon einmal 6 Millionen Juden gemordet und im 2. Weltkrieg nochmal. Wie kann es überhaupt noch einen Juden auf der Welt geben! Aber es geht hier gleich um drei Lügen. Es gab den Holocaust weder im 1. noch im 2. Weltkrieg und die Juden gibt es schon gar nicht. Die angeblichen Juden sind Kazaren, die ihrerseits arischer Herkunft sind und im heutigen Gebiet der Ostukraine siedelten. Deswegen wurden alle Beweise in Auschwitz und sonstwo schnellstens beseitigt, ganz genauso wie in New York nach 9/11, was an sich schon ein krimineller Akt ist, wie man in jedem Krimi nachlesen kann.

Die Folge des ungeheuren russischen Blutopfers war aber, dass wieder Millionen um Millionen junger hoffnungsfroher, begeisterter, wirklicher Kommunisten dahingerafft wurden. Dass durch den Krieg die Erziehung, die geistige Erziehung ins Hintertreffen geraten war, dass zu viele Alte das Sagen hatten. Ich denke da an Leute vom Kaliber Chruschtschow, Gorbatschow, Breschnew, Jelzin. Die junge kommunistische Pflanze welkte in deren Händen dahin. Und da kann man abermals die Frage stellen, worin denn nun der Fortschritt der Menschheit bestand. Gewiss wurden ein paar 100 Millionen Menschen aus dem gröbsten Elend gerissen, genossen eine Erziehung, schufen auch große kulturelle Werke. Aber ihre menschliche Weiterentwicklung, die Idee vom revolutionären, dem NEUEN Menschen – was war daraus geworden? Die war allenfalls zum Stillstand gekommen.

Das hat man deutlich daran feststellen können, dass eine Handvoll Revisionisten, Schaumschläger und sogar Konterrevolutionäre unter dem Beifall des Westens und mit seiner handfesten Hilfe das Rad der Geschichte kräftig rückwärts drehen konnten. Wo waren sie da, die Kommunisten? Es gab nicht einmal den Ansatz, diese Schurken aufzuhalten. Durch die vielen gravierenden Fehler von Partei und Regierung ist ein brainwashing durch westliche Medien, vor allem das Fernsehen, aber auch durch Sabotage, Subversion, Infiltration vorgenommen worden. In den Köpfen herrschte der Traum von der Banane und dem VW Golf. Marxismus war zu einer Ideologie verkommen, die der Jugend ohne Zutaten strohtrocken, ohne 'salsa' vorgesetzt wurde. Und eine Grundidee von Marx war vollkommen in Vergessenheit geraten: Der Sozialismus bedeutet die Vervollkommnung der Demokratie, nicht ihre Abschaffung. Und Demokratie fängt schließlich ganz, ganz unten an. Dass etwa die Arbeiter ihre Vorarbeiter, Chefs, Ingenieure etc. wählen UND jeder Zeit abwählen können. Eine Grundidee, die von den Pariser Arbeitern entwickelt wurde und von Marx speziell herausgearbeitet wurde. Eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass in jedem Betrieb die Arbeiter immer ganz genau wissen, wer der fähigste und anständigste ihrer Kollegen ist. Leider hat Lenin dieses Prinzip nicht speziell betont, nur mal in einem Gespräch mit Arbeitern auf einem Kongress. Erst Mao hat es unter dem Wust des Marxologen-Gewäsches wieder hervorgezerrt. Im Lauf der Kulturrevolution hat er das Recht der Arbeiter auf Streiks und das Recht, unfähige Vorgesetzte mehrheitlich abwählen zu können, wieder zum Leben erweckt.

Hier müssen wir daran denken, dass gut 30 Jahre nach der russischen Oktober-Revolution in China nach 21-jährigen schweren Kämpfen mit über 10 Millionen Opfern abermals eine kommunistische Revolution unter Mao Zedong siegte. Und wieder haben die Amerikaner – wie schon in Russland – alles getan, um sie zu verhindern. Sie haben den anfänglich nationalistischen, aber von Anfang an entschieden anti-kommunistischen, am Ende faschistischen Chiang Kai-shek mit Beratern, Geldern, Waffen und Diplomatie nach Kräften unterstützt, was die Revolution um Jahre verzögert hat. Auch hier gilt, was ich zuvor bereits sagte, dass der Aderlass an guten, erprobten Kadern ungeheuer war. Zweitens wurden in den letzten Jahren des Krieges Millionen Mitglieder in die Kommunistische Partei aufgenommen. Es versteht sich von selbst, dass darunter reichlich opportunistische Elemente waren. Es wurde zwar nach dem Sieg erst einmal ein Aufnahmestopp erlassen, aber es war schon fast zu spät. Zwar konnte sich Mao auf die russischen Erfahrungen stützen, so dass viele Fehler vermieden werden konnten. Trotzdem ist Mao ebenso dämonisiert worden wie Stalin. Nach seinem Tod ergriff ziemlich schnell Deng Xiaoping die Macht, Chinas Gorbatschow, der allerdings behutsamer die Einführung des Kapitalismus in Gang setzte, so dass eine Katastrophe wie unter Jelzin in Russland vermieden wurde.

In Russland fand in wenigen Jahren unter Jelzin eine Zerstörung von völlig unfassbaren Ausmaßen statt. Er holte amerikanische 'Experten' in jedes Ministerium, die überall die inoffiziellen Chefs wurden. Alles wurde von Grund auf umgewälzt, die Wirtschaft, der Handel, die Industrie, das Recht, die Erziehung (Schulbücher aus der Sowjetzeit wurden in den Müll geworfen und mit amerikanischen ersetzt!). Die Schwerindustrie wurde abgeschafft; stattdessen stellte man Kochtöpfe oder Essbesteck her. Die Patente und Erfindungen wurden gestohlen oder meistbietend verkauft und heimlich außer Landes gebracht (denkt an die Estonia, die mit größter Wahrscheinlichkeit geheime Waffen geladen hatte). Das vorbildliche Gesundheitssystem wurde zerschlagen; die Gesundheit des russischen Volkes sank in einem Ausmaß, dass ihr Durchschnittsalter – eins der höchsten der Welt – um Jahrzehnte fiel. Aber die größte Ungeheuerlichkeit leisteten sich die Amerikaner in Sibirien. Die Erdöl-Felder und Betriebe wurden beschlagnahmt und das Erdöl direkt in die USA geschafft. Ölquellen wurden abgeschöpft und OFFEN zurückgelassen, sodass große Ölseen entstanden. Die Menschen erfroren in Massen, weil kein Heizöl mehr geliefert wurde. Das einzig Gute an diesen Verbrechen war, dass die Russen die Wohltaten der amerikanischen Wirtschaft und Zivilisation am eigenen Leib erfuhren. Dazu gibt es erschütternde Dokumentarfilme. Der Kollaps der Sowjetunion 1991, nur zwei Jahre nach dem Mauerfall, brachte das erste große Experiment der Weltgeschichte, eine völlig neue Gesellschaftsform zu schaffen, definitiv zum Scheitern. Mit der Machtergreifung von Deng Xiaoping 1979 scheiterte auch das zweite in China.

US-Hinterlassenschaft: Erdölseen

Das Fazit? Gewiss gibt es positive Seiten beider Revolutionen. Es wurden viele hundert Millionen Menschen aus dem absoluten Elend gerissen, lernten lesen und schreiben, erhielten Bildung und konnten einen Beruf erlernen. Die Frauen gewannen dort mehr Unterstützung durch die Partei und die Regierung als bei uns. Das ist auch heute noch in der ehemaligen DDR und auch in Russland und China deutlich zu spüren. Dort sind die Frauen selbstbewusster, sind gebildeter und zeigen mehr Mitmenschlichkeit (nicht nur die Frauen!). Eine zweite positive Auswirkung hatte der Ostblock auch auf die westliche Seite. Man war gezwungen, die Zügel etwas schleifen zu lassen. Einerseits wurden Konsumgüter in reichlichen Mengen hergestellt, besonders in Deutschland, das ja anfangs keinerlei Militärausgaben hatte. Andererseits wurden die Länder, die besonders von linkem Gedankengut angefressen und bedroht waren, wie Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Deutschland mit Hilfe der CIA, NATO und anderen offiziellen US-Stellen einem intensiven brainwashing unterzogen; linkes Gedankengut wurde bekämpft, Parteien wurden verboten (Demokratie hin oder her), besonders unbequeme Aktivisten ins Gefängnis gesteckt, Bücher wurden wieder verbrannt (unter Adenauer). Aus der Zeit stammt der Aufbau der Gladio-Geheimarmeen in ganz Europa, die jeder Zeit eingreifen konnten – nicht gegen die 'Russen', wie zuweilen behauptet wurde – sondern gegen revolutionäre Aufstände. Außerdem wurden diese geheimen Armeen zu Attentaten benutzt, die den 'Linken' untergeschoben wurden. Das wurde ein 'Bomben'-Erfolg, da die Linke vollständig desavouiert wurde.

Noch eine positive Seite wird bei uns völlig übersehen resp. unterschlagen. Die Ostblock-Länder haben in großem Umfang den ehemals kolonisierten Ländern in vielerlei Weise geholfen: bei der Befreiung, dem Wiederaufbau, der Ausbildung von Fachkräften (beim Abzug der Engländer aus Tansania gab es im Land sieben – ja SIEBEN – Intellektuelle, so sah deren 'Zivilisierung' aus!) und im Gesundheitsbereich. Gewiss war die Hilfe nicht immer uneigennützig und manchmal auch völlig daneben, was an mangelnder Erfahrung lag (z. B. Betonklötze in die Tropen zu stellen), aber es gab viele Beispiele selbstloser Hilfe. Und das hat den bleibenden Hass der westlichen imperialistischen Mächte hervorgerufen.

ABER WO WAR DER ECHTE FORTSCHRITT? Hier fraßen die Menschen sich die Hucke voll mit Nahrung, die immer wertloser wurde – nicht im Preis wohlgemerkt – politisches Bewusstsein und Aktivität gingen drastisch zurück, die Bildung wurde bewusst Richtung Talfahrt geschoben, Kultur geriet in den Hollywood-Sumpf. Alle Stiftungen, Literatur- und Kunstzeitschriften wurden in den Händen der CIA auf Vordermann gebracht. Autoren wurden nach oben gespült, wenn sie ihre stramm anti-kommunistische Haltung unter Beweis gestellt hatten. Sie erhielten Auszeichnungen und Orden, Preise und Stipendien sowie Einladungen in die ganze Welt. Qualität? Wer fragte denn danach?

Das größte Verbrechen dabei war, dass die Nachkriegszeit auch die Zeit der Befreiungskämpfe von den Kolonialherren waren, die, wie wir alle, auch in den Sog des anti-Kommunismus gerissen wurden. Die McCarthy-Ära erstreckte sich quasi über die ganze Welt. Der kommunistische Block mit Stalin und Mao an der Spitze war das absolut Böse, bewohnt und beherrscht von Erzfeinden und Unmenschen. Und alle – auch wenn sie nur Demokraten, Sozialisten, Nationalisten waren – in der sogenannten Dritten Welt, die gegen uns, den Westen waren und die Befreiung vom Westen wünschten, wurden automatisch in den Sack des Ostblocks gesteckt. Dadurch war es ein Leichtes für die USA, den Korea – und Vietnam Krieg zu führen und – schon lange vorher geplant – ihren imperialistisches Imperium aufzubauen.

Aber die Amerikaner waren nicht die einzigen, die bestialische Kriege führten. Die Engländer in Griechenland, in Malaysia, Kenya, die Holländer in Indonesien, die Franzosen in Algerien und Madagasker – um nur einige zu nennen, denn in Wirklichkeit gab es viel mehr. William Blum und Gideon Polya haben detaillierte Listen aufgestellt, komplett mit den ungezählten Opfern. All das war also FORTSCHRITT!

Nun ja, was man heute so FORTSCHRITT nennt. Das bedeutet heute vor allem, dass wir unendlich viel Energie verbrauchen und eine maßlose Verschwendung treiben, die aber nicht so genannt wird, sondern mit Wachstum bezeichnet wird. Und diese Art Wachstum wird sogar als absolut notwendig und alternativlos dargestellt, weil ohne es die Welt untergehen würde. Was etwa früher die Regel war, dass jede Stadt, ob groß oder klein, aus ihrem Umland mit Nahrung versorgt wurde, ist heute eine Blasphemie. Dabei wird jetzt wieder an hunderten Beispielen gezeigt, dass genau dieser Weg der einzig richtige ist. Auf diese Weise ist die Nahrung frischer, braucht nicht mit Chemie 'haltbar' gemacht zu werden, verbraucht weniger Energie für Tiefkühlung und Transport und ist gesünder, da der Verbraucher sie sogar direkt besuchen und kontrollieren kann. Aber du meine Güte, da kommt ja kein Wachstum zustande. Da verschwinden die Mammut- Nahrungsverfälscher und Vergifter (mit z. B. GMO und Glyphosat). 
Fortschritt!
Aber es ist ja alles darauf angelegt, Wachstum zu erzeugen. Wie etwa das Mindeshaltbarkeitsdatum (auf schwedisch 'bäst före' – am besten vor – genannt). Mit dieser Methode wurde erreicht, dass fast die Hälfte der Nahrung weggeworfen wird. Es ist zwar kein Verfallsdatum, aber es wird trotzdem von allen als das angesehen. Wer etwas auf sich hält, verzehrt einen Käse oder Wurst allenfalls noch am Auslauf-Tag, aber um Himmels Willen nicht danach. Die Menschen haben zwar Millionen Jahre ohne das überlebt und die große Mehrheit der Menschen tut es heute noch, aber wir so ungemein kultivierten Westeuropäer können das unmöglich mehr tun. Der Gipfel ist aber, dass mit dieser weggeworfenen Hälfte jenes Drittel der Menschheit, das knapp am Verhungern und unterernährt ist, satt gemacht werden könnte. Und das sehen wir als vollkommen normal an, nicht etwa als abartig. Aber nicht doch, das bringt halt der FORTSCHRITT mit sich. Aber nein und nochmal nein, das ist Mangel an Fortschritt, das ist Kulturlosigkeit und fehlende Empathie. Das heißt nicht etwa, dass wir diesen üblen Fraß in die Dritte Welt transportieren sollten. Bloß das nicht. Statt Landgrabbing, westliche Landwirtschaftsprogramme à la Bill Gates braucht die Welt nach dem Muster von Vandana Shiva Nahrungssicherheit, Biovielfalt, womit gesunde und schmackhafte Nahrung viel effektiver und mit weit höheren Erträgen als die industrielle Landwirtschaft erzielt werden.

Das ist ein Beispiel. Man könnte hunderte aufzählen. Seit Jahrzehnten treibt mich dieses Problem der Verschwendung um. In den 60-er Jahren hatte ich mir ein Modell ausgedacht mit städtischen Einheiten, die zwischen 50-80 000 E. schwankten. Beseitigung des Auto- und Luftverkehrs, sondern alleine Schienenverkehr (alternativ per Schiff und natürlich Fahrrad- und Wanderwege), unter die Städte verlegt und kostenlos. Wichtige Verbrauchsgüter (also auch Nahrung) müssen in engem Umkreis jeder Stadt produziert werden, für manche Dinge halt auch in größeren Umkreisen. Das Interessante ist, dass Mao Zedong kurz vor seinem Tod ähnliche Gedanken entwickelte, was mich natürlich sehr freute. Doch mit seinem Tod und dem Aufstieg des Widerlings Deng Xiaoping wurde das schnell begraben, denn er setzte auf Kapitalismus und Wachstum. Wieder ging eine Idee verloren, die wirklichen Fortschritt hätte bedeuten können. Wie viele andere Ideen Maos, z. B. die gewaltigen Begrünungsprogramme in den Wüsten oder die Barfußärzte, die zum Glück keineswegs verschwunden sind.
Fortschritt Sweatshop!
Aber das Thema FORTSCHRITT kann man nicht abschließen, ohne Fernsehen und elektronische Kommunikation berührt zu haben. Fernsehen sah ich zum ersten Mal in der Familie meines besten Schulfreundes Heinrich. Ich kam nichts ahnend bei ihm an und fand das Wohnzimmer voller Leute aus dem ganzen Haus. Alle wollten an dem großen Ereignis des ersten Fernsehschauens teilnehmen.

Als ich was sagte, hieß es PSST!, Ruhe! Und bei jedem Geräusch ebenfalls PSSSST! Ich machte kehrt und ging nie mehr hin. Habe auch nie einen Fernseher besessen. Und als ich Jahrzehnte später die geniale Fernseh-Kritik von Günter Anders in 'Die Antiquiertheit des Menschen' las, war ich sprachlos. Er hatte mit seiner klaren, messerscharfen Logik auf den Punkt gebracht, was ich eher vom Gefühl her total abgelehnt hatte. Das Ende der Diskussion, das war mir von Anfang an klar.

Aber wenn wir dachten (es gab außer mir auch ein paar Freunde, die so dachten), dass ein größeres Elend undenkbar ist, so irrten wir uns gewaltig. Es kam der Computer und es kamen die Handys. Ja, ich weiß. Ich kenne sehr genau die Vorteile, aber auch die Nachteile. Ich schrieb ganz zu Anfang, als der PC gerade begann, die Welt zu erobern, und ich von meinem Freund Sudi (ursprünglich ein Förster in Indonesien, der zufällig dem Suharto-Massaker entging, nach Deutschland ins Exil kam und bei uns landete und nach ein paar Jahren bei der HHLA, dem größten Unternehmen in ganz Hamburg, der Top-Software und PC-Experte wurde, weil er das lange vorher 'gerochen' hatte) immer gebrauchte PCs erbte, dass wir damit erstmals in der Lage sein würden, endlich eine Geißel der Menschheit – die Bürokratie – weitgehend abzuschaffen und obendrein ganze Wälder sparen könnten – hätten wir denn eine vernünftige und rationale Gesellschaftsordnung gehabt. Natürlich kam es genau andersherum. Es wurde noch mehr Papier verbraucht – mit einer Verschwendung, die einfach unfassbar ist; es mussten eine Milliarde Drucker gebaut werden, die mit Millionen Litern Chemie betrieben werden müssen, aber es wurde Wachstum geschaffen. Wie großartig. 
Fukushima
Von den Handys will ich gar nicht erst reden. Eine Pest für die Menschheit und ein Glücksfall für die Herrschenden, die nun jeder Zeit jeden Menschen (nicht ganz, auch wenn 2014 die Zahl der Handys mit der der Menschen gleichzog) erreichen können, notfalls mit einer Drohne, was der mit dem Nobelpreis täglich ausprobiert. Aber die Schäflein sind happy. Sie können selfies machen und auf Facebook legen und zu neunzig Prozent dummes Zeug hineinbabbeln. Wunderbar – da werden sie abgelenkt, brauchen keine Bücher lesen, keine ordentlichen Diskussionen führen, brauchen die Alte, resp. den Alten nicht anschauen und können in Sekunden erfahren, wo der nächste McDonald greifbar ist. Und die Argumente, mit denen sie rechtfertigen, warum sie so ein Ding brauchen! Auch kleinste Rotznasen brauchen so ein Ding. Damit die Kurzen auch frühzeitig lernen, dass man von der Wiege bis zum Grabe genauestens kontrolliert wird, praktisch an einer unsichtbaren, aber endlos langen Leine kurz gehalten wird. Wo ist der Kotzkübel? Mehr Beherrschung bitte.

Also, wir waren beim Fortschritt. Wo bitte, ist er zu finden? Dass tagtäglich tausende Arten an Flora und Fauna vom Erdboden verschwinden? Dass nun nach Bangladesh auch im Himalaya Menschen wegen clima change umgesiedelt werden müssen? Dort oben werden sie von Hochwasser aus ihren Dörfern gespült und in Bangladesh halt durch die steigenden Meeresfluten von ihren Inseln. Dass täglich das Trinkwasser immer knapper wird und die Verschwendung trotzdem im gigantischen Ausmaß weitergeht, wie z. B. durch das Fracking? Das so ganz nebenbei auch kräftige Erdbeben wie gerade in Oklahoma verursacht? Nicht unser Problem. Sollen die doch schauen, wie sie damit klar kommen.

Fortschritt. Dass wir in wenigen Stunden an jedem beliebigen Punkt der Welt sein können! Nicht jeder natürlich, aber rein theoretisch. Dass wir gleichzeitig dadurch auch quasi ein bisschen vergast werden – auch die, die nicht fliegen – was macht das schon. Gewöhnt man sich dran. Bis die Krebs-Diagnose kommt. Ist aber dein Problem, nicht meins. Den Tourismus habe ich ebenfalls immer als eine der großen Geißeln angesehen. Vergesst doch all die großen Sprüche von dem Kennenlernen anderer Länder und Kulturen. Selbst die Menschen, die sich in fremden Ländern ansiedeln, weigern sich konsequent, die Sprache zu erlernen. Sie schauen sich manchmal ein paar Steinhaufen an, von denen sie die Namen bis ins Hotel schon vergessen haben. Sie wollen billig fressen und saufen, sich gerne bewundern lassen, wollen gerne den großen Maxen spielen, junge boys und girls vernaschen und damit zuhause rumprahlen. Tourismus in der Nussschale. Dafür werden abertausende Kilometer Strände verbaut und versaut, Wälder und Seen geschädigt, die Touristen-Schund-Industrie gefördert und die einheimische Bevölkerung korrumpiert resp. verärgert. In unserer Jugend ärgerten wir uns über die Unfreundlichkeit der Franzosen gegenüber Touristen. Aber vielleicht ahnten sie, was auf sie zukommt. De Gaulle hat das dann radikal geändert. Die Rätoromanen in der Schweiz haben es mehrheitlich abgelehnt, dass Autostraßen bei ihnen gebaut werden. Pfeif auf Demokratie. Man hat sie einfach gezwungen,

Doch das A und O unseres Fortschritts ist unsere Waffenindustrie. Die besonders hat der westliche Mensch in sein Herz geschlossen. Nicht umsonst. Denn das war der einzige Bereich, wo die 'Kultur' der Weißen vor 500 Jahren definitiv der übrigen Welt einen großen Schritt voraus gewesen ist. Wir hatten eine Waffen-Kultur, eine Gewalt-Kultur, die auf einer inhärent gewalttätigen Religion basiert.

Mit Hilfe seiner Waffen hat der weiße Mann die Welt erobert und ganze Kontinente unterworfen. Er machte sich dann daran, jede industrielle Konkurrenz auszuschalten, um den eigenen Dreck an den Mann bringen zu können. Die Tuchindustrien waren in Westafrika, Indonesien, Indien und China viel weiter entwickelt und von hoher Qualität. Technologisch standen Länder wie Indien und vor allem China weit über Europa. Aber die Kanonenboote machten dem schnell ein Ende. Dabei zeigte sich der weiße Mann von seiner besten Seite. Wir brauchen bloß an unseren Kaiser Wilhelm zu denken, der zusammen mit den anderen Europa-Kumpanen mit einer primitiven Überheblichkeit und Arroganz sondergleichen den Chinesen gegenübertrat.

Das Land, das geradezu einen Waffenkult betrieb und betreibt, ist die USA, die im Verlauf des 2. Weltkriegs an die Spitze der Waffenproduzenten der Welt trat, einen Platz, den sie seither energisch verteidigt. Das ganze Land wird betreffs Infrastruktur von Amerikanern selbst mit Ländern der 3. Welt verglichen, aber Waffen werden produziert auf Deubel komm raus, mehr als die restliche Welt zusammen. Außerdem hat sie mehr als 1000 Militärbasen weltweit installiert. Aber die USA werden ständig von der übrigen Welt bedroht, genau wie Israel – die beiden Staaten, die am aggressivsten in der Welt auftreten und deshalb zu Recht weltweit als die gefährlichsten für den Weltfrieden gesehen werden. Nicht verwunderlich, dass die US-Armee zu den größten Erdöl-Konsumenten gehört und das Land zu den größten Umweltverschmutzern. 
Falluja-Zerstörung
Doch während der beiden vergangenen Jahrzehnte, als die USA so eifrig im Nahen Osten ständig Demokratien installierten, wobei leider etliche Länder in Schutt und Asche gelegt werden mussten, konnte sich China zur größten Wirtschaftsmacht der Welt hocharbeiten und Russland konnte sich dank Putin aus dem größten Schlamassel, den die Amis hinterlassen hatten, herausarbeiten, obwohl ihnen ständig und überall Steine in den Weg geworfen wurden. Vor allem die russische Rüstung hat er mit einem Bruchteil der Gelder, die in den USA verjubelt wurden, wieder in Gang gesetzt und hat eine Kriegsmacht auf die Beine gestellt, die der amerikanischen in vielen Bereichen überlegen ist, wie alle Welt in Syrien sehen konnte. China und Russland sind der Grund, dass die Amerikaner nicht mehr ruhig schlafen können. Sie standen doch so dicht davor, die gesamte Welt im Sack zu haben. Brzezinski, der Architekt des Imperiums, hat das begriffen und rät der Regierung, mit Russland und China gemeinsame Sache zu machen. Doch damit hat er sich keine Freunde gemacht, d. h. er wird seither geschnitten.

Doch die notwendige Aufrüstung in Russland und China – verschwindend gering im Vergleich zu den USA – kam beiden Ländern sehr ungelegen. Denn beide wollen vor allem die Infrastruktur ihrer Länder modernisieren, den Lebensstandard des Volkes weiter heben, das Gesundheitswesen und den Wohnungsbau voranbringen usw. Da beiden ständig offen von den USA gedroht wird, haben beide Länder eine intensive und allumfassende Zusammenarbeit entwickelt und de facto einen Militärpakt geschlossen und auch die Rüstungsproduktion beider Länder aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig haben sie aber praktisch den Vertrag von Bandung, den die blockfreien Länder 1955 unter Führung von Sukarno, Nehru, Tito, Tschou Enlai u. a. schlossen, reaktiviert. Die Zehn Punkte von Bandung beinhalteten einen Aufruf zur Respektierung der universalen Menschenrechte und der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen, sowie auch einen Aufruf zur Respektierung der nationalen Souveränität, Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten, zum Frieden, zur gemeinsamen Zusammenarbeit und zum Ende des Systems des Rassismus. D. h. jene Prinzipien, die allesamt von US/NATO und Israel ununterbrochen missachtet wurden.

Es lässt sich konstatieren, dass unter diesen Umständen ständiger furchtbarer, verheerender Kriege im 20. und bisherigen 21. Jahrhundert es schwer, wenn nicht unmöglich war, an den Fortschritt des Menschen, die allseitige Heranbildung seiner geistigen, künstlerischen, sozialen Fähigkeiten und Wünsche überhaupt zu denken. Einen Hauch von dem, was ich meine, konnte man vielleicht in den 20-er Jahren in Berlin und Paris spüren, der aber schnell von der faschistischen Pest fortgeblasen wurde. Aber auch in Moskau und der Sowjetunion war überall das Neue zu spüren, was dort auch von der drohenden faschistischen Gefahr beiseitegedrängt wurde, wobei man sich im nachhinein fragen kann, ob das wirklich in dem Umfang nötig war. Man kann sagen, dass sowohl im Weimarer Deutschland die Kommunistische Partei, die zweitgrößte der Welt, als auch in der Sowjetunion die Kommunistische Partei ein Defizit an politischer Bildung hatten. Ich will nur ein Beispiel nennen, die Erziehung der Armee. Da muss man sagen, dass allein die chinesische revolutionäre Armee ein hohes politisches Bewusstsein hatte und eine vorbildliche Disziplin. Jedes Fehlverhalten gegenüber Feinden und der Bevölkerung wurde strengstens bestraft. Daran mangelte es der russischen Armee, was u. a. auch Tito gegenüber Stalin kritisierte, der nonchalant äußerte, dass im Krieg Übergriffe an der Tagesordnung wären.

Für das Menschsein und vor allem für ein kommunistisches Denken und Handeln ist die Solidarität mit allen unterdrückten und ausgebeuteten Menschen von größter Wichtigkeit. Ho Chi-minh hat sie gar als die Nagelprobe schlechthin für eine echte kommunistische Partei angesehen, die etwa die französische KP nicht bestand. Wenn es Menschen fertigbringen, wie ich anfangs schrieb, ohne jede Teilnahme zuzusehen, wie die halbe Menschheit Hunger leidet oder verreckt, dann stimmt etwas nicht mit ihr. Dass Milliarden Menschen immer noch hungern, kein Dach über dem Kopf haben, die Kinder nicht in die Schule gehen können, dass sich weite Teile der westlichen Bevölkerung jetzt freuen, wie den Brasilianern und den Venezolanern von den Oligarchen mit westlicher Hilfe das Brot aus dem Mund genommen wird, ist so schandbar, dass einem die Worte fehlen. Dabei ist hier ja nur von Brot, sauberem Wasser, einem Dach über dem Kopf und einem Job die Rede. Minimale Anforderungen, die der Westen als Vorschuss einer Wiedergutmachung seiner Verbrechen seit 500 Jahren schon längst aus der Portokasse hätte bezahlen können.

Und dabei wollen alle diese Menschen eigentlich gar nichts geschenkt. Sie alle sind bereit zu arbeiten. Aber wir gönnen ihnen weder Brot noch Arbeit. D. h. verreckt doch und zwar möglichst schnell. Sowohl nach dem ersten wie nach dem zweiten Werltkrieg hatte es in der sogenannten Dritten Welt (die es nach dem 1. Weltkrieg ja noch nicht gab) eine wirtschaftliche Erholung gegeben. Es waren Geschäfte und Betriebe aus dem Boden geschossen und die Landwirtschaft florierte, denn der Weltkrieg musste gefüttert werden. Aber sobald der Frieden provisorisch wieder hergestellt war, haben die Wirtschaftsbonzen aus den Industrieländern sofort dafür gesorgt, dass diese Konkurrenz verschwindet. Man denkt vielleicht, das ist lächerlich. Für Kapitalisten nicht. Dahinter steckte Methode. Ein Beispiel aus Tansania. Dort wurde eine moderne Zuckerfabrik in den 60-er Jahren auf den Acker gestellt und um jede Konkurrenz auszuschließen, bewegte man die Regierung unter Nyerere (!) dazu, alle kleinen Zuckersiedereien im Lande zu verbieten. Es dauerte  natürlich nicht lange, bis das eine oder andere Teil in der Zuckerfabrik kaputt ging und kein Geld für Ersatz da war. Und nun hatte das ganze Land keinen Zucker mehr. Ist für die Kapitalisten kein Problem.

Noch ein aktuelles Problem. In Afrika werden unglaublich viele Erfindungen gemacht, sogar schon von Halbwüchsigen. Die USA vor allem sind unentwegt beim head hunting, d. h. kluge Köpfe in der ganzen Welt einsammeln. Diese Leute werden sofort in die USA eingeladen und man versucht, sie zum Bleiben zu bewegen. Ich habe in relativ kurzer Zeit schon zweimal gesehen, dass junge Männer die Angebote ausgeschlagen haben und zurück in ihr Land wollten, um den Menschen dort zu helfen.

Das zeigt doch mehr als deutlich, dass wir DORT keinen Fortschritt wollen. Dort werden bewusst die Arbeitsplätze zerstört. Außer Sweatshops, die können sie haben. Aber dies sind im Grunde alles nur Selbstverständlichkeiten. Und wenn das 'nicht drin' ist für den Westen, dann zeigt dies doch, wie tief hier die 'Menschen' gesunken sind. Tief unter die elementarsten bürgerlichen Werte. Katastrophal ist aber, dass dieses primitive Bürgertum die Arbeiterklasse (alle arbeitenden Menschen ohne eigene Produktionsmittel), die in den 20-er Jahren immerhin noch ein gewisses Klassenbewusstsein hatte, mit in ihren Sumpf gerissen hat. Und das ist in rasendem Tempo vonstatten gegangen. Ich bin vor 23 Jahren hierher nach Schweden in ein Industriedorf gekommen, das traditionell in der Hand der Sozis war. Damals lernte ich eine Reihe von Arbeitern in meinem Alter kennen, mit denen ernsthaft diskutiert werden konnte. Die, wie in Schweden bis dato üblich, kleine Bibliotheken mit Büchern von guten Schriftstellern zuhause hatten. Sie wurden alt und älter, sahen immer schlechter, hörten auf, in der Bibliothek Bücher zu holen, wurden pensioniert und saßen nur noch vor der Glotze. Diskussionen wurden unmöglich, sie haben nur immer wiederholt, was sie gerade in der Kiste gesehen und gehört hatten. Sitzen meist allein in ihren Häuschen und wählen nun eine halb-faschistische Partei.

Schon in den 30-er Jahren hat der großartige dänische Schriftsteller Andersen Nexö am Ende eines Romans seine Hauptfigur im 'folkhemmet', die im von den Sozialisten geschaffenen Volksheim vor seinem Häuschen mit Garten auf einer Bank sitzt, sich fragen lassen: „Ist es dies hier, was wir im Grunde haben wollten?“ Das ist doch auf den Punkt gebracht: Der Mensch braucht nicht nur ein Dach über dem Kopf und Brot auf dem Tisch.

Der Mensch hat ungeheure technische Fortschritte gemacht, endlos materielle Werte geschaffen; wir alle ersticken im 'stuff' (Dinge, Gerümpel), wie Carlin ganz richtig sagte, aber gleichzeitig regredierte der Mensch – nicht zum Steinzeitmenschen, oh nein, da tun wir ihm Unrecht. Die erste Million Jahre verbrachte der Mensch im Matriarchat, dessen Geschichte absolut nicht auf Gewalt beruhte. Die Städte hatten damals keine Mauern und Türme. Das sagt wohl alles. Nein die Gewalt hat der Mann auf die Welt gebracht mit Sklaverei, Feudalismus und Kapitalismus, alles Gesellschaftsformen, die auf Gewalt basieren. Schaut euch um. Ist die Gewalt seit der Aufklärung um einen Deut weniger geworden? Das Gegenteil ist der Fall. Also muss diese Gesellschftsform beseitigt werden.

Der Mensch ist so viel mehr, wenn er die Chancen bekommt, alle in ihm angelegten Möglichkeiten zu entwickeln und zur Vollendung zu bringen. Wir wissen, dass die Kapazität unseres Hirns nur zu einem Bruchteil entwickelt wird. Aber nicht nur das Hirn ist unterentwickelt, auch unser Herz und unsere Gefühle und unser soziales Verhalten. Sie alle müssten zum FORTSCHREITEN gebracht werden. Gerade fand ich einen wunderbaren Satz in dem Buch von Doris Drymouras "Ophoïs", der zeigt, dass sie auf derselben Spur ist:
"Die Evolution intelligenter Wesen ist einem wichtigen Grundsatz unterworfen: eine hohe technische Entwicklung verlangt außer den dazu nötigen Fähigkeiten die entsprechende Ethik zur positiven Nutzung, sonst besteht die Gefahr der Selbstvernichtung. Das Letzte, dessen ihr bedürft, ist ein noch größerer technischer Vorsprung auf eine gefährlich weit zurückgebliebene geistige und soziale Entwicklung. Das einzige, was ihr dringend benötigt, ist Wissen um den Aufbau  konstruktiver Beziehungen." (S. 81/82)

FORTSCHRITT also. Das war ja das Thema. Und den suche ich vergebens. Um Missverständnisse nicht aufkommen zu lassen, ist der Fortschritt, den ich meine, auch nicht in Russland oder China zu sehen. Dort findet statt, was ich die basics nenne, die Selbstverständlichkeiten. Und das ist heute ja schon enorm viel. ABER damit werden wir keineswegs in der Lage sein, die Menschheit vor dem Abgrund zu retten, auf den sie wirklich mit fortschrittlicher Geschwindigkeit zurast.

* Wenn ich mal Zeit habe, übersetze ich den Artikel.

Kommentare:

  1. ich sehe den fortschritt - eher würde ich sagen,ich kann ihn manchmal erfühlen - was jedoch bedeutet, dass er vielleicht nicht öffentlich und nicht offensichtlich wahrnehmbar ist - aber ein lebensgefühl ausmacht

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  2. Vieles zusammengetrommelt....auf Grund meiner Vorbildung kann ich konstatieren ziemlich oberflächlich.....zur Hälfte musste ich abbrechen.....einiges richtig....anderes verkorksten dabei....
    Wenn ich Zeit habe werde ich mal fertig lesen....

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    1. natürlich hat JEDER seine ganz eigene,subjektive und lückenhafte "vorbildung" - doch ich habe den beitrag als wichtige stimme zum ständig laut verkündeten "fortschritt" - welcher sich jedoch NUR auf technik bezieht,so als wären MENSCHEN und deren lebensumstände schon gar nicht mehr erwähnenswert - gelesen.

      ganz egal,welche "bildung" sie sich selbst konstatieren: sauberes wasser für jeden auf der welt, ernährung, welche der hungertod bei der verwendung des wortes "fortschritt" konterkariert und frieden für den schlaf ... und die bildung undundund ... ALLER als MINIMALBASIS des menschlichen lebens >>> wird auf perverse art ausgeblendet und "fortschritt" genannt und dies ist die realität! wer dies ausblenden kann ist m.m.n. zumindest "oberflächlich und verkorkst" ...

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  3. Gegen Dummheit kämpfen sogar Götter vergebens... in einigen Tausend Jahren werden nicht-menschliche Paläontolgen rätseln, was wohl das Massensterben im Anthropozän ausgelöst hat.

    LG

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