Sonntag, 18. September 2016

Was bedeutet der Aufstieg Chinas für den Rest der Welt? 3. Folge


Hiermit ist die China-Serie von Jeff Brown beendet. Er hat sich mit Bedacht und Einfühlungsvermögen einer fremden Kultur genähert und dadurch eine Menge Erkenntnisse gewonnen, die Menschen mit Überheblichkeit und Besserwisserei auf immer verschlossen bleiben. Das verdient unsere Anerkennung.
3. TEIL

KP: Eine kapitalistische Fallgrube hat China im großen und ganzen vermieden: den neo- Liberalismus. Unternehmen in Staats-Besitz bleiben ein Eckstein der chinesischen Ökonomie („... wir müssen unbeirrbar die öffentliche Ökonomie konsolidieren und entwickeln, festhalten an der führenden Rolle der Ökonomie im Staatsbesitz und unaufhörlich ihre Vitalität, Hebelkraft und Bedeutung vermehren“: siehe Xi, S. 1274). Wie du betont hast, sind die großen chinesischen Banken mehrheitlich in staatlicher Hand (China Rising, S. 199); folglich gab es keine bail-outs (Hilfspakete) für Privatbanken und Aktienbesitzer. Im Vergleich mit den Zwangsvollstreckungen gegen Hausbesitzer und die Hilfspakete für private Institutionen in den USA – welche Bedeutung hat das deiner Meinung nach?

JB: Die Westler hören, was sie hören wollen, wenn Baba Beijing über strukturelle Reformen und angebotsorientierte Wirtschaft spricht. Dann haben sie die Illusion, es bedeute die Privatisierung des Grundeigentums und den Verkauf von staatlichen Betrieben an Goldman Sachs zu Ausverkaufspreisen. So lange die KPC an der Macht ist, wird das nicht passieren. Reformen und Politik werden im kommunistischen Rahmen bleiben. Punkt Schluss.

ICBC - größte Bank der Welt
Jeder Firmenboss, jeder Vizepräsident, Abteilungs- oder Sparten-Manager in Chinas Unternehmen sind überzeugte Mitglieder der KPC und wenn sie ihre Jobs behalten wollen, müssen sie hart am Wind steuern und loyal gegenüber der nationalen und Partei-Verfassung bleiben. Die große Mehrheit haben Jahrzehnte gebraucht, ihren Rang zu erlangen, angefangen auf Dorfebene, dann Bezirk, Provinz und schließlich im Firmenmanagement der nationalen Ebene. Präsident Xi Jinping, Premier Li Keqiang und die große Mehrheit der hohen Politiker genauso, aber auf der Regierungs-, nicht der Business-Ebene. Pech für die Wallstreet, dass Chinas Manager ihnen weit überlegen sind, da es ihr erstes Ziel ist, Baba Beijing zu helfen, die soziale Stabilität und die Harmonie im Volk aufrechtzuerhalten. Profit wird erwartet, aber kommt an 2. Stelle. Business im Westen kennt nicht diese sozio-ökonomische Verantwortung. Ehrlich: ihr einziges Ziel ist Profit und zum Teufel, wie es den Menschen dabei geht.

Daher haben Chinas Banken mehr faule Schuldtitel als im Westen. Jemanden auf die Straße zu werfen wegen Zahlungsverzug ist ein letzter Ausweg. Kleine und mittlere Firmen mit Problemen werden nicht von Banken versteigert. Chinas volkseigene Banken arbeiten mit ihren Kunden zusammen, um so langee wie möglich den sozialen Zusammenbruch einer Familie oder kleinen Firma zu vermeiden. Es passiert natürlich, aber als letzter Ausweg.
KP: Vor ein paar Wochen hat eine Dänin sich gewundert über die Zahl der Obdachlosen, die sie in Vancouver getroffen hat. Meine Antwort war, dass das kapitalistische Kanada nicht China ist, wo die Armutsbeseitigung ein nationales Ziel bis 2020 ist. Im Süden, in Amerika, liegen 47 Millionen Amerikaner unter der Armutsgrenze. Warum ist die Beseitigung der Armut in den USA keine nationale Aufgabe? Und warum wird die Beseitigung der Armut in China nicht mit Schlagzeilen im Westen gemeldet? Eine rhetorische Frage, so wie wir die Mainstreammedien kennen.

Bettler in China haben Seltenheitswert
JB: In China gibt es keine Slums. Es gibt ein riesiges, 300 Millionen Wanderarbeiterheer, das von Stadt zu Stadt zieht für gering bezahlte Jobs im Bau-, Restaurant- und Sanierungsbereich. Sie führen ein hartes Leben auf der Straße, leben in Notunterkünften, machen Handarbeit ohne Festanstellung. Ich habe tausende gesehen und mit einigen gesprochen. Sie sind erwerbstätig, hungern nicht und sind nicht unterernährt, wie so viele Millionen jetzt in USEU-Land [Hier gibt es eine chinesische Studie 'Mobiles China' auf deutsch, in der die großen Anstrengungen der Regierung gezeigt werden, um die Lage dieser Leute zu bessern. D. Ü.]. Es gibt eine Handvoll Bettler, meist mit Handicap, aber bedenkt man die Millionen der Städte in China, sind sie ein millionster Prozentsatz. Und es gibt die bekannten 72 Millionen Chinesen, die noch in extremer Armut leben und die Baba Beijing versprach, bis 2020 von ihrem Schicksal zu befreien.

Westler wollen das nicht hören. Aber wenn man erst einmal den Schleier zerreißt und objektiv die Realität zuhause und in China betrachtet, ist die Antwort sonnenklar: China hat nicht die vielen sozialen und ökonomischen Krebsgeschwüre und enormen Ungleichheiten wie der Westen, weil es kommunistisch ist. Oder, wenn es leichter von den Westlern zu schlucken ist, kann man es sozialistisch mit chinesischen Vorzeichen nennen. Dieses Land arbeitet besessen daran, die Armut in den nächsten 4 Jahren zu beseitigen, weil es kommunistisch ist.


KP: Von den westlichen Mainstreammedien hören wir oft von der Ablehnung der tibetischen Selbstbestimmung zusammen mit der Verurteilung von Menschenrechtsvergehen. Natürlich müssen alle Länder im Fall von Menschenrechtsverletzungen angeklagt werden. Doch haben Kanada, Australien, Neuseeland und die USA irgendein moralisches Recht, mit dem sie China wegen Menschenrechtsvergehen anklagen könnten, da diese Länder nur bestehen durch Genozid und fortlaufende Enteignung ihrer indigenen Völker?

Chinesische Prinzessin Wen Cheng heiratet den Herrscher Tibets Gong Zhu im Jahr 642 u. Z.
JB: China teilt jahrhundertelange Beziehungen und Regierung mit Tibet. Richard Nixon kam 1972 nach China, um die Volksrepublik anzuerkennen. Teil des mit Mao unterzeichneten Abkommens war, dass Tibet und Xianjiang (Sinkiang) untrennbare Teile der Volksrepublik China sind. Dies ist nicht so wie die Israelis, deren Anwesenheit in Palästina Jahrtausende minimal bis Null war und die dann arabisches und christliches Land durch Genozid und Terrorismus invadierten unter den billigenden, kolonialen Blicken von Uncle Sam und England. China und Tibet haben eine gemeinsame und häufige Heirats-Geschichte, die tausend Jahre oder mehr zurückreicht. Texas, Korsika und Neufundland waren nominell unabhängig in kurzen Perioden der Geschichte, kamen aber zurück in den nationalen Schoß. Dasselbe gilt für Tibet, Xinjiang und wird auch für Taiwan, Hongkong und Macao gelten.

Westliches moralisches Recht? Das ist rassistischer, raubgieriger, vergewaltigender, plündernder, ausbeutender, genozidaler Krieg und Sklavenhandel, Umweltzerstörung, expansionistische, koloniale, imperiale und zutiefst kriminelle Zivilisation. Er hat und fährt fröhlich fort, mindestens 1 000 000 000 menschliche Brüder und Schwestern seit 1492 abzuschlachten, alle im Namen Gottes und Gewinn von Luxus. Eine Milliarde ist konservativ geschätzt. Dharampal, der große indische Intellektuelle, studierte sorgfältig die historischen und Bevölkerungsaufzeichnungen in dem kolonialen Indien. Er berechnete, dass die Briten den vorzeitigen Tod von wenigstens 1.5 Milliarden Indern allein auf dem Subkontinent verursachten. Die weltweite Zahl ist wahrscheinlich doppelt so hoch. Aber selbst eine Milliarde Ermordete übertreffen um das Vielfache alle vorzeitigen Tode, die von Russland, China, beiden Amerika, Asien und Afrika zusammen verursacht wurden. Versuche mal, diese Wahrheiten in irgendeinem westlichen Lehr-oder Nachschlagbuch zu finden. Das pathologische Schweigen durch Zensur ist ohrenbetäubend neben ihrer salbungsvollen Mythologie.



Jeff Brown kann bei China Rising unter jeff@brownlanglois.com , Facebook und Twitter erreicht werden.
Kim Petersen ist ehemaliger Mitherausgeber von Dissident Voice.

Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Wir kennen immer nur die Informationen westlichen Stils. Es ist schwer, sich daraus zu befreien, wenn man nicht wenigstens einmal in China gewesen ist oder Kontakt zu chinesischen Menschen hier im Westen hat.

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  2. Sehr toller Beitrag. Mir war es schon immer schleierhaft, warum gerade unsere kapitalistisch / faschistsche Presse auf einmal ihr Herz für irgendwelche Wanderarbeiter entdeckt. Ja diese imperialistische Propagandapresse hetzt für einen Atomkrieg, redet ABER plötzlich von Ausbeutung und Armut.

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  3. Ja, Kurt, die Armen entdecken die Einprozenter immer dann, wenn sie Regime change im Auge haben, wie man jetzt auch so schön in Lateinamerika beobachten kann. Nach dem Change sind die Arbeiter wieder Pack und Terroristen, die man gerne liquidieren darf.

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