Montag, 12. September 2016

Guten Morgen, Welt! Deutsche Zwischenkriegs-Literatur lockt - Betrachtung zu einem schwedischen Radioprogramm (Update)

Im ersten Absatz fehlt ein dritter Punkt: auch Franz Werfel war ein österreichischer Schriftsteller - habe ich glatt übersehen. Da hat Frau von Arndt also gerade mal einen deutschen Verfasser erwischt. Eine stramme Leistung. Zu meiner Zeit in der Schule hätte es geheißen: 100 mal schreiben - Es gibt mehr als einen deutschen Autor in der deutschen Zwischenkriegs-Literatur.

12. September 2016

Mit diesem Titel lockte Katarina von Arndt unter anderem auch mich heute (9.September 2016). Die deutsche Zwischenkriegs-Literatur ist ja riesengroß und man ist gespannt, wie sie das in ein paar Minuten packen will. Das Rätsel ist schnell gelöst. Sie spricht von drei deutschen Büchern, die in Schweden mit neuen Auflagen erschienen sind: Stefan Zweigs 'Memoiren', Franz Werfels 'die blassblaue Handschrift einer Frau' und Hans Falladas 'Tagebuch aus dem Gefängnis'. Alle drei Verfasser sind keine schlechten Autoren, aber erstens ist Stefan Zweig kein deutscher Schriftsteller sondern ein österreichischer Verfasser und zweitens kann man mit dem besten Willen der Welt sie nicht als repräsentativ für die deutsche Zwischenkriegs-Literatur ansehen.


Oben der alte und unten der neue Alexanderplatz
Hätte von Arndt die völlig nichtssagenden Interviews übersprungen, hätte sie einige der großen Namen nennen können wie Alfred Döblin, der den ersten 'Städteroman' mit „Berlin Alexanderplatz“ schuf, beinahe gleichzeitig mit „Kungsgatan“ von dem großen schwedischen Verfasser Ivar Lo-Johansson und dem amerikanischen Schriftsteller John Dos Passos „Manhattan Transfer“.

Und wenn man nun über die Gestaltung des heraufkommenden Faschismus redet, darf man nicht vergessen, den Giganten der deutschen Literatur zu nennen: den meist gelesenen LionFeuchtwanger. Er, der in den USA zum Maßstab wurde, mit dem jeder neue deutsche Roman gemessen wurde. Er schrieb mit der Trilogie „Erfolg“, „Die Geschwister Oppermann“ und „Exil“ (auf schwedisch sind nur die ersten beiden Bände erschienen) das ultimative Werk über das Heranwachsen des Faschismus geschrieben. Vor allem der erste Band „Erfolg“ ist ein Schlüsselroman, ein „Who is Who“ aller Protagonisten in Politik, Kultur und Faschismus. Die Trilogie spielt in München, Berlin und Paris. In Paranthese kann man sagen, dass Bert Brechts Freund Oskar Maria Graf - die trafen sich später im gemeinsamen Exil in New York wieder – einen ausgezeichneten Roman „Anton Sittinger“ über das Entstehen des Faschismus im bayrischen Hinterland geschrieben.

Feuchtwanger fiel später in Ungnade, nachdem er von Stalin 'gekauft wurde' bei seiner Reportagereise durch die Sowjet-Union, wo er sogar mit Stalin sprach. Wie furchtbar. Gute Verfasser werden nur jene, die gehässig und verlogen über die Sowjetunion schreiben.

Sodann haben wir in der Zwischenkriegs-Literatur einen weiteren großen Namen – Robert Musil mit seinem „Mann ohne Eigenschaften“. Er war ein österreichischer Verfasser, gewiss, aber er nannte sich selbst einen deutschen Schriftsteller. Sein Mammutwerk wurde mit dem „Ulysses“ von James Joyce verglichen und mit „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Die Times nannte es das Jahrhundertwerk und allgemein wurde der Roman als der einflussreichste des 20. Jahrhunderts angesehen.

Dann fahren wir fort mit Bertholt Brecht, der ein neues Theater schuf , das er selbst das epische Theater nannte. Seine Stücke wurden nach und nach in der gesamten Welt aufgeführt.
Bertholt Brecht arbeitete mit einer Unzahl anderer Schriftsteller (besonders mit Feuchtwanger), Regisseuren und Komponisten zusammen und schrieb so unendlich viel, dass man ihn unmöglich mit ein paar Worten vorstellen kann.

Aber indirekt wurde im Zusammenhang mit ihm etwas geschaffen, worüber man eigentlich nicht sprechen darf, aber ich tue es trotzdem, aber leise und mit kleiner Schrift – es wurde
die proletarische Litteratur geschaffen. Jan Myrdal hat eine Menge darüber geschrieben (siehe hier und besonders in seinen Skriftställningar- Büchern (Band 5 und 6) und in
Strindberg und Balzac: Essays über Probleme des Realismus . Im übrigen entstand die nicht nur in Schweden, Deutschland und Russland, sondern auch in Japan. In Deutschland organisierten sich die deutschen proletarischen Schriftsteller 1928 im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“ mit großen Namen wie Johannes R. Becher, Egon Erwin Kisch, Karl Grünberg, Ernst Ottwalt, Erwin Piscator, Friedrich Wolf. Erich Weinert, Karl August Wittvogel etc. Über die proletarische Literatur und ihre Zeitschrift habe ich ein Radioprogramm für den Bremer Rundfunk geschrieben „Die Politik der Linkskurve am Vorabend der Machtergreifung“ (das Jan Myrdal in seine Bibliothek übernahm).

Last not least muss man eine Reihe Verfasser nennen, die von den Nazis auch verboten und verbrannt wurden und die nicht einmal in der Nchriegszeit richtig wiederauferstanden sind – Herrmann Broch, Gottfried Benn und Hans Henny Jahnn. Karlheinz Deschner, der Verfasser des monumentalen Standardwerkes „Kriminalgeschichte des Christentums“ in zehn dicken Bänden brach eine Lanze für diese großen Männer in dem kleinen Buch „Kitsch, Konvention und Kunst“, das zu einem Wegweiser für Genarationen deutscher Germanisten und für mich auch wurde. Aber nur Hans Henny Jahnn hat in den vergangenen Jahren so etwas wie eine Rennaissance erlebt. Aber so weit ich sehen kann, ist nicht eins seiner Werke auf Schwedisch erschienen.

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